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Dieser schwarze Freitag war kein Zufall - Kühne erneuert sein Angebot an den HSV

Beim HSV herrscht seit vielen Wochen ein höchst angespanntes Klima vor. Das ist allseits bekannt. Vorstandsstreit, angekündigte Sparmaßnahmen mit Entlassungen, ein des Betruges…

Dieser schwarze Freitag war kein Zufall - Kühne erneuert sein Angebot an den HSV

Beim HSV herrscht seit vielen Wochen ein höchst angespanntes Klima vor. Das ist allseits bekannt. Vorstandsstreit, angekündigte Sparmaßnahmen mit Entlassungen, ein des Betruges bezichtigter Vorstand, der den Hauptgeldgeber der letzten Jahre verklagen will und ein handlungsschwacher Aufsichtsrat – also eigentlich fast alles so wie in den letzten Jahren schon viel zu oft. Oder? Wenn ich den Freitagabend mit einbeziehe, muss man befürchten, dass es noch etwas übler ist als sonst. Denn so kurz wie diesmal war die Zündschnur bei Spielern wie Verantwortlichen in den letzten Jahren selten. Behaupte ich. Aus unterschiedlichen Gründen.

Dass auch der Schiedsrichter des Spiels gegen Darmstadt eine wesentliche Rolle spielt – logisch. Souverän war die Spielleitung von Robert Schröder tatsächlich nicht. Eine Entschuldigung für die Wutausbrüche ist das jedoch nicht. Trainer Tim Walter (Gelb) und Sportvorstand Jonas Boldt (Gelb-Rot) waren in der hektischen Partie keine Orientierungspunkte mehr für das Team. „Wir wollen auf uns schauen und nicht auf den Schiedsrichter“, sagte Torhüter Daniel Heuer Fernandes. Und Kapitän Sebastian Schonlau bekannte: „Es waren individuelle Fehler, die uns in diese Situationen gebracht haben.“ Stimmt.

Aaron Opoku zum Beispiel wird es weniger interessiert haben, was sich rund um Wüstefeld, Aufsichtsrat und Co. abgespielt hat. Ihn dürfte es aber sehr wohl interessieren, was auf der Transferseite passiert. Denn obwohl er selbst vor einigen Wochen gern gewechselt wäre, sollte er bleiben. Ihm wurde gesagt, dass eine Chance kommen würde – und oberflächlich betrachtet, hat er diese auch bekommen. Zwar nicht auf seiner Position – aber er wurde in den letzten drei Spielen dreimal eingewechselt. Klingt erstmal so, als bekäme er seine Chance. Allerdings kann Opoku auch erkennen, wenn es eng wird – und das wird es, nachdem mit Jean-Luc Dompé ein weiterer Außenstürmer geholt und vor ihm eingesetzt wurde. Da jetzt auch noch ein Rechtsverteidiger eingekauft werden soll, droht ihm sogar die Tribüne.

Alles keine Gründe, so durchzudrehen wie am Freitag – aber vielleicht eine Erklärung dafür, dass der ansonsten bekannt ruhige Opoku zum ersten Mal in seiner gesamten Karriere so ausrastet. Denn bislang war Opoku tatsächlich noch nie gesperrt – das wird sich jetzt ändern. Das DFB-Sportgericht wird den HSV-Außenstürmer sicherlich für einige Spiele sperren. Was angesichts des Trittes auch angemessen ist. Zudem scheint Opokus Abgang beim HSV nahezu sicher. Heute fehlte er schon im Training.

Weniger angemessen empfand ich die Rote Karte gegen Ransford Königsdörffer. Und obwohl ich nach zigfachen Wiederholungen auch diejenigen verstehe, die daraus eine „Schlag“ nach hinten machen, sehe ich diesen nicht als ausreichend für Rot an. Und das schon aus dem Grund der Ungleichbehandlung. Denn während der Abwehrspieler schieben, drücken, und eben auch mal leicht gegen den Rücken des Stürmers schlagen kann, ohne dass das als Unsportlichkeit/Tätlichkeit geahndet wird, darf der Stürmer das nicht. Zumindest nicht ohne die Gefahr, dafür gesperrt zu werden. Es sei denn, der Schlag nach hinten ist ein Schlag – und absichtlich ausgeführt. Beides bezweifle ich bei Königsdörffer – aber beides ist so auslegbar.

Dass allerdings die beiden sportlich höchsten Verantwortlichen – Boldt und Walter – beide so ausrasten und der Mannschaft damit signalisieren, dass andere als die Spieler höchstselbst für diese Niederlage (bzw. den Rückstand zu dem Zeitpunkt) verantwortlich seien, war ebenso fatal wie erklärbar Denn beide stehen seit vielen Wochen unter Druck. Glaubt man den Ausführungen, soll ein anderes Transferverhalten mit dem Aufsichtsrat und dem zweiten Vorstand Wüstefeld vereinbart gewesen sein. Dass man erst jetzt das Geld für Dompé und einen weiteren Außenverteidiger bereitgestellt bekommen hat, hatte einen langen internen Streit und viele Diskussionen zur Folge, die enervierend waren – und offenkundig auch dünnhäutig gemacht haben. Streitigkeiten, die seit Freitag auch den Sport (wider alle Beteuerungen der Verantwortlichen) ganz direkt erreicht haben.

Inwieweit daher die neue Pressemitteilung von Klaus Michael Kühne helfen kann, lasse ich mal dahingestellt. Der Investor will dem Wortlaut selbiger nach Gespräche über eine weitere finanzielle Beteiligung führen. Wie die Kühne Holding AG heute in einer Presseerklärung mitteilte, sollen sich Verein und Fußball-AG dazu bereit erklärt haben. Kühne betonte, es gehe ihm nicht darum, „auf die Geschicke der HSV Fußball AG Einfluss zu nehmen oder gar Macht auszuüben“. Als Absicht nannte der Geschäftsmann, „ausschließlich eine maßgebliche Unterstützung zur Herstellung gesunder finanzieller Verhältnisse“ anzubieten und „eine dauerhafte Stabilisierung" der AG zu erreichen. 

Deshalb müsse das Stadion „mit hohem Aufwand saniert“, die Schulden abgebaut und die Mannschaft verstärkt werden. „Hierfür bedarf es einer erheblichen Verbreiterung der Kapitalbasis“, heißt es. Der 85 Jahre alte Milliardär betonte, er sei bereit, „die gesamte Kapitalerhöhung zu garantieren und auch zu einem späteren Zeitpunkt die erworbenen Aktien ganz oder teilweise auf Dritte zu übertragen“.

Kühne hatte dem Verein vor Kurzem die Investition weiterer 120 Millionen Euro angeboten, wenn er dafür seine Anteile am HSV von derzeit 15,21 auf 39,9 Prozent erhöhen und der HSV e.V. seinen Anteil als Mehrheitsgesellschafter von derzeit 75,1 Prozent auf 50,1 Prozent reduzieren würde. Dass lehnte der Verein ab und vereinbarte mit Hauptsponsor Hanse Merkur die Gewährung eines 23-Millionen-Euro-Darlehens zur Sanierung des Volksparkstadions. Dafür fehlen dem Verein allerdings noch Bürgen.

Von der Aufnahme von Fremdkapital rät Kühne dem HSV ab, weil damit die Verschuldung weiter ansteigen und finanzielle Stabilität in weite Ferne rücken würden, wie er schrieb. Zugleich forderte der in der Schweiz lebende Hamburger mehr „kaufmännischen Sachverstand und hohe sportliche Kompetenz“ in Aufsichtsrat und Vorstand. Gemeint sind damit Marcell Jansen als Aufsichtsratsvorsitzender und vor allen auch Thomas Wüstefeld als Vorstand. Vor dessen Plan, die Stadionsanierung über ein 23-Millionen-Euro-Darlehen (Hanse Merkur stünde bereit) warnte Kühne in diesem neuerlichen Schreiben genau eine Woche nach seinem 120-Millionen-Euro-Angebot. Jansen und Wüstefeld stehen ihrerseits inhaltlich Kühnes Angebot ablehnend gegenüber.

In diesem Sinne, bis morgen!

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