Spielbericht

Dieser Last-Minute-Sieg des HSV beim SC Paderborn hat viele Gewinner

Es war eine Explosion der Freude und Erleichterung. Nicht nur bei uns im Studio, das von den Jungs von „HSV – meine Frau“ gerockt wurde. Denn endlich hat der Remiskönig HSV…

Dieser Last-Minute-Sieg des HSV beim SC Paderborn hat viele Gewinner

Es war eine Explosion der Freude und Erleichterung. Nicht nur bei uns im Studio, das von den Jungs von „HSV – meine Frau“ gerockt wurde. Denn endlich hat der Remiskönig HSV wieder für einen Dreier gesorgt und damit den Anschluss ans obere Tabellendrittel gehalten.  Dass dieser 2:1-Erfolg beim SC Paderborn in der vierten Minute der Nachspielzeit durch den gerade erst eingewechselten Tommy Doyle gelang, war absolut verdient und brachte zurecht auch die Spieler dazu, ihrer Freude nach Spielschluss zusammen mit den sensationellen Auswärtsfans des HSV – dazu nachher noch ein Wort! - Luft zu lassen: „Es war einfach so geil, zu den Fans zu laufen und zu jubeln“, berichtete Mittelfeldspieler Jonas Meffert. Und das vor allem, weil es ein hochverdienter und im Zustandekommen dann doch auch glücklicher Sieg war.

Wenn auch gefährlich spät, so war der Sieg aber – ich wiederhole mich hier gern - doch verdient. Der HSV war in einer intensiv geführten Partie gegen gute Paderborner die bessere Mannschaft. Der HSV  hatte mehr Torchancen, mehr Spielanteile, größere Kraftreserven. Und er hatte einen Trainer mit einem goldenen Händchen. Die eingewechselten Manuel Wintzheimer, David Kinsombi und Doyle sorgten dann in der letzten Minute der Nachspielzeit in einer Gemeinschaftsproduktion für den Siegtreffer. „Wir sind einfach nur zufrieden mit uns“, sagte Trainer Tim Walter, dem die zunehmende Last durch die fehlenden Siege in den vergangenen Wochen mit einem Mal von den Schultern gerutscht ist. Auch für ihn bedeutete dieser Sieg endlich etwas Ruhe. 

Wie sehr Walter wider aller eigenen Bekundungen doch unter Druck stand, war in der Szene nach dem Elfmeterpfiff für seine Mannschaft (79. Minute) zu sehen. Als der Schiedsrichter nach Intervention des Videoassistenten die Fehlentscheidung zurecht zurücknahm, schäumte Walter vor Wut und sprang fluchend und gestikulierend am Spielfeldrand umher. Hätte er die Szene ebenfalls auf dem Monitor sehen können, wäre ihm alle Aufregung erspart geblieben. Aber die Kritik an seinem Offensivfußball in den vergangenen Wochen hatte auch dem Coach zugesetzt. „Wir hatten es nicht einfach nach so einer Serie von drei Unentschieden“, beschrieb Kapitän Sebastian Schonlau die Gemütslage des Teams. „Und dann vergibst du wieder viele, viele Chancen.“

Der Makel in dieser Saison bleibt neben der anfälligene Defensive, die gegen Paderborn m it Schonlaus einem Wackler vor dem 1:1 für Paderborn seinen einzigen Aussetzer hatte und ansonsten souverän agierte, das Verwerten der Torgelegenheiten. Nach Mittelstürmer Robert Glatzel, mit sechs Treffern erfolgreichster HSV-Schütze, ist Defensivspieler Moritz Heyer mit seinem fünften Treffer einziger Hamburger, der mehrfach getroffen hat. Von den andere Offensivkräften wie von Jatta, Kittel (der aber wenigsten Tore vorbereitet) kommt zu wenig Torgefahr. Walter, dem nach Schlusspfiff nicht nach grundlegender Kritik an seinen Spielern zumute war: „Das ist das Schwierigste: Tore zu erzielen.“

Ein Mann wie der 20-jährige Doyle könnte dabei auf Sicht weiter Abhilfe schaffen. Doch Walter braucht für seinen kraft- und laufintensiven Fußball in erster Linie nicht Kunstschützen, sondern Arbeiter, Balleroberer und -behaupter. Da sieht er bei dem von Manchester City ausgeliehenen Talent weiterhin Nachholbedarf im physischen Bereich. Doch Doyles Fähigkeiten faszinieren die Mannschaftskameraden. „Bei Tommy sieht man bei jedem Schuss im Training: Der kann das einfach, der hat so eine super Schusstechnik“, schwärmte Meffert ebenso wie ich gestern auf der Auswärtscouch nach dem Tor. Und Doyle ist auf den Geschmack gekommen: „Selbstverständlich wünsche ich mir, noch mehr zu spielen. Aber so ist es im Fußball: Wenn du die Chance bekommst, dann musst du da sein.“ Er war es gestern nach toller Vorarbeit von Glatzel, Wintzheimer und einer sensationell cleveren Ablage von Kinsombi.

Ein anderer, der mit Sicherheit recht bald in der Torschützenliste auftauchen wird, ist Faride Alidou. Der 20 Jahre alte Linksaußen von der Regionalligamannschaft hat nach seinem spannenden Kurzauftritt gegen Düsseldorf gestern ein richtig starkes Startelfdebüt gegeben. Ich war mir vor Spielbeginn nicht sicher, ob das eine gute Entscheidung war, weil ich Alidou noch aus seinen Zeiten kennen, wo er sich bei jedem kleinen Erfolg größer wähnte, als er war. Aber hier muss ich ganz klar meine Fehleinschätzung anerkennen und dem Trainer ein Kompliment machen: ER hat den richtigen Moment erkannt, seinem Youngster die Bühne zu geben, um sich zu präsentieren. 

Und der Sohn togoischer Eltern beeindruckte mit seiner Schnelligkeit, seiner Technik. Und mit Einsatz. „Wie er nach vorn mit und nach hinten auch ggen den ball gearbeitet hat, das war gut. Das sind die Grundvoraussetzungen, die wir sehen wollen“, lobte Sportvorstand Jonas Boldt heute bewusst vorsichtig, um keinen falschen Höhenflug zu forcieren, der allerdings gern auch von uns Journalisten ausgehet. Fakt aber ist, das darf man dann auch genau so formulieren: Alidou  hat das Offensivspiel des HSV von der ersten Minute an  belebt. Sein Pfostentreffer leitete das 1:0 von Heyer ein. Und hätte sich Alidou nicht so früh im Spiel schon die Gelbe Karte abgeholt, ich bin mir sicher, dass er dann noch mehr aufgedreht hätte als eh schon.

„Das ist ja der Weg: dass wir junge Spieler weiterbringen“, sagte Walter nach dem Spiel auf der Pressekonferenz, nachdem er unter der Woche schon selbigen immer wieder proklamiert hatte. Walzer nannte zuvor Suhonen und vor allem auch Jonas David als beste Beispiele dafür – und er wurde gerade von David (Suhonen saß nur auf der Bank)  gegen Paderborn bestätigt. Wie der 20-Jährige über 90 Minuten den Toptorjäger der Paderborner, Sven Michel, aus dem Spiel nahm – chapeau! Das müssen selbst die einsehen, die gestern bei uns im Forum wieder nach dem Haar in der Suppe suchten. Ganz anders übrigens als die Fans im Stadion. Denn die mitgereisten Fans des HSV haben ein ganz feines Gespür und bewiesen, dass sie absolut bereit sind, den jungen Weg des HSV mitzugehen.

Bestes Beispiel war die vergebene Großchance von Alidou, als dieser in der zweiten Hälfte freistehend den Paderborner Keeper anschoss und am liebsten im Boden versunken wäre. Gerade in diesem Moment fingen die mitgereisten HSV-Anhänger an, Alidous Namen zu skandieren und sorgten so dafür, dass der junge Offensivspieler sich nur einmal kurz verärgert durch die Haare strich und dann sofort wieder mit nach hinten arbeitete. Ein gelungener Doppelpass mit Signalwirkung – hoffe ich! Denn diese Unterstützung wird in den nächsten Wochen und Monaten beim HSV essentiell werden!

Aber dazu in den nächsten Tagen mehr. Für heute beschließe ich diesen Blog mit dem Moment, der auch uns auf der Auswärtscouch gestern aufspringen ließ. Viel Spaß damit! 
Scholle

P.S.: Tim Leibold musste übrigens wegen einer allergischen Reaktion ausgewechselt werden. Seine Augen waren geschwollen. Boldt dazu: „Das war fast schon mysteriös. Wir können uns das nicht so richtig erklären. Für uns alle ist das sehr verwunderlich.“ Und weiter: „Es ist schwer zu definieren, wo das herkommt. Ist es ein Rasendünger? Ist es ein Infekt? Vielleicht war etwas im Essen? Eine Creme beim Massieren? Wir bewegen uns im spekulativen Bereich.“

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