Dieser HSV ist reif! Starker 3:0-Auswärtssieg in Nürnberg trotz schwerer Ausfälle
Das war wieder einmal sehr reif und bot in seinem Zustandekommen auf so vielen Ebenen Geschichten, die den HSV beflügeln sollten, dass man geneigt ist, schon groß zu träumen.…

Das war wieder einmal sehr reif und bot in seinem Zustandekommen auf so vielen Ebenen Geschichten, die den HSV beflügeln sollten, dass man geneigt ist, schon groß zu träumen. Das aber unterlassen wir hier und widmen uns der Gegenwart. Und in dieser ist der HSV angeführt vom herausragenden Turbo-Dribbler und Torschützen Jean-Luc Dompé heute beim 3:0-Sieg beim 1. FC Nürnberg in Überzahl (zumindest bis zum Köln-Spiel am Abend) zurück an die Spitze der ZweitenBundesliga gestürmt.
Vor 47.300 Zuschauern im Max-Morlock-Stadion lief alles ideal für die Gäste, während für die FCN-Elf von Trainer Miroslav Klose schon in der Anfangsphase alles schiefging. Raphael Lubach lenkte einen Schuss von Dompé in der 8. Minute unglücklich ins eigene Tor ab. Der bärenstarke Franzose spielte Gegenspieler Tim Janisch mehrfach schwindlig und erzielte nach einem Doppelpass mit Ludovit Reis in der 37. Minute auch das 2:0. In der Endphase sorgte Robert Glatzel mit einem Kopfball für den Endstand (84.).
Rot für Antiste nach VAR-Eingriff
Spielentscheidend war auch, dass Nürnbergs Stürmer Janis Antiste nach einem groben Tritt gegen die Wade von Daniel Elfadli früh die Rote Karte sah (16.). Umstritten war dabei, dass Schiedsrichter Timo Gerach erst Gelb gezeigt hatte. Musste der Video-Assistent eingreifen? War Gelb eine klare Fehlentscheidung? Aber diese Fragestellung begleitet uns inzwischen in jedem Spieltag - und heute fiel die Entscheidung zugunsten des HSV aus. Man hatte also das so oft zitierte „Spielglück“ wieder auf seiner Seite.
Auf jeden Fall war es eine Schlüsselszene. In Unterzahl waren die Nürnberger ohne Chance. Der HSV kompensierte dagegen neben den Ausfällen von Dennis Hadzikadunic (Schonlau erledigte das souverän) und Jonas Meffert (Poreba spielte sehr gut) auch den Ausfall von Torjäger Davie Selke, der kurzfristig wegen Rückenproblemen ausfiel. Zudem hatte man heute mit Matchwinner Dompé wieder den Unterschiedsspieler in seinen Reihen. Aber der Reihe nach....
DIE EIZELKRITIKEN:
Daniel Heuer-Fernandes: Er bekam heute mal gar nichts zu tun. Da das nicht sein Fehler ist, bekommt er das auch nicht negativ ausgelegt, zumal er immer da war, wenn er da sein musste. Note: 2
William Mikelbrencis: Ein typisches Mikelbrencis-Spiel: Nach vorn macht er es immer wieder gut. Teilweise sogar sehr gut, wie heute besonders vor dem wichtigen Führungstreffer zum 1:0 von Dompé. Aber defensiv ist er immer noch viel zu wild und lässt zu viel zu. Note: 3
Sebastian Schonlau (ab 70.): Schnoor hatte es im Talk gesagt, er braucht jetzt das Vertrauen von außen. Und heute fällt es mir nicht schwer, mich daran zu halten, ihn stark zu reden. Aber ich tue mich extrem schwer damit, dass er sich immer wieder mit ins Offensivspiel einschaltet. Ihm fehlt bei einem etwaigen, unnötigen Ballverlust einfach das Tempo, um schnell genug zurückzukommen. Aber das darf nicht schmälern, dass er heute eine sehr reife, gute Partie gespielt hat und dabei auch zwei sehr brenzlige Aktionen gut zu unterbinden wusste. Note: 3
Daniel Elfadli: Er ist einfach extrem wichtig. Er geht in jedem Spiel über das hinaus, was man sich von ihm erhofft. So kam es auch zustande, dass er in der Position war, in der es die berechtigte Rote Karte gegen Nürnberg gab. Note 3
Miro Muheim (bis 81.): Er machte nach hinten seine Seite gut dicht und hatte heute gefühlt das erste Mal sogar proaktive Unterstützung von Dompé, mit dem er offensiv immer wieder Druck zu entfachen wusste.Note: 3
Silvan Hefti (ab 82.): Durfte den Sieg noch auf dem Platz feiern und sich seine Siegprämie abholen.
Ludovit Reis: Bei ihm scheint es, dass die ersten Minuten entscheiden, wie der Rest des Spiels bei ihm wird. Heute gewann er die ersten Zweikämpfe, stahl dem Gegner ein paar Bälle und spielte sehr gut. Schade, dass er sich nicht mit einem Treffer belohnte. Mir fehlte in der ersten Halbzeit seine Führung, indem er seine Mitspieler mehr stellt, – aber ansonsten war das gut heute. Ab der 80. Minute war er platt. Besonders bitter: Durch sein taktisches Foul erhielt Reis seine 5. Gelbe und wird am kommenden Wochenende fehlen. Und ich hätte da eine Idee, wer ihn ersetzen könnte.... Note: 2,5
Lukasz Poreba: ...rrrrrichtig! Ich würde Poreba, der sich dafür heute mehr als empfehlen konnte, aufstellen. Er kam zunächst richtig gut ins Spiel rein und gewann die ersten Zweikämpfe. Aber: Die Verantwortung, das Zentrum zu sortieren, muss jemand anderes übernehmen. Und das fehlte heute lange Zeit. Für ihn ging es heute darum, Mefferts Lücke zu schließen, und das erledigte er sehr gut – und mit seinen Mitteln. Was mir bei ihm gefällt: Fußballerisch ist er so gut, dass er auch auf kleinstem Feld sicher herauskombinieren kann. Er hat definitiv mehr Spielzeit verdient. Note: 2,5
Adam Karabec (bis 63.): Das war heute absolut in Ordnung. Er war an vielen Offensivaktionen beteiligt, hätte. Zweimal treffen müssen. Beim ersten Mal wurde er (von Sahiti) nicht angespielt, beim zweiten Mal traf er den Ball (auf Vorlage Dompé) nicht richtig. Schade, dass der Trainer ihn heute runtergenommen hat. Er hatte gefühlt noch einen Treffer im Fuß… Note: 2,5
Marco Richter (ab 63.): Kam rein, war im Spiel, spielte sehr gut mit. Das war komplett in Ordnung so. Note: 3
Jean-Luc Dompé (bis 87.): Die Buhmann-Rolle schien ihn nicht zu stören – im Gegenteil, er dreht immer weiter auf. Seine beiden Treffer waren Strafe genug für die FCN-Fans, die irgendwann aufgaben, bei seinen Balkontakten zu pfeifen. Note: 1
Otto Stange (ab 87.): Ihn darf man nicht vergessen, wenn man die Stärke des HSV im Sturm anspricht. Schön, dass er heute wenigstens ein paar. Minuten bekam.
Emir Sahiti (bis 69.): Mutig war es zuletzt – und er wird noch mutiger! Das gefällt mir, denn so entwickelt er sich beim HSV zu der Verstärkung, die man in ihm sah. Heute fehlte die letzte Entschlossenheit, aber er spielte sehr mannschaftsdienlich, arbeitete defensiv mit. Note: 3
Ransford Yeboah Königsdörffer (bis 62.): Hätte er getroffen, hätte ich ihn an dieser Stelle gelobt. Dass er fleißig war und mit seinem geblockten Torschuss das 1:0 mit-initiierte, ist auch positiv zu erwähnen. Aber insgesamt war das mehr als unglücklich. Note: 3,5
Robert Glatzel (ab 63.): Hätte fast direkt nach seiner Einwechslung getroffen. Zumindest demonstrierte er sofort wieder Torgefahr, und traf dann auch im dritten Anlauf per Kopf! Was für eine geile Geschichte!! Um diesen Aufschwung zu unterstützen: Note: 2

Trainer Merlin Polzin: Er gab dieser Mannschaft Stabilität geschenkt und bleibt vorbildlich ruhig in allen Phasen. Zudem schafft er es immer wieder mit seine Cotrainern, diese Mannschaft trotz schwerer wiegenden Ausfällen unverändert auf ! Polzin ist das, was Dompé, Selke, Glatzel und Co. auf dem Platz sind – ein positiv-entscheidender Unterschied zur Konkurrenz. Note: 2
DAS SPIEL IN ZAHLEN UND DATEN:
1. FC Nürnberg: Reichert - Karafiat (58. Forkel), Gruber, Seidel - Janisch (84. Villadsen), Jander, Yilmaz (76. Soares), Justvan, Lubach (76. Flick) - Antiste, Schleimer (58.)
HSV: Heuer Fernandes - Mikelbrencis, Schonlau, Elfadli, Muheim (81. Hefti) - Poreba, Karabec (64. Richter), Reis - Sahiti (81. Balde), Königsdörffer (64. Glatzel), Dompe (87. Stange)
Tore: 0:1 Dompe (9.), 0:2 Dompe (37.), 0:3 Glatzel (84.)
Zuschauer: 47.300
Schiedsrichter: Timo Gerach (Landau)
Gelbe Karten: Janisch, Seidel, Jander, Emreli / Dompe, Reis
Gelb-Rote Karten: - / -
Rote Karten: Antiste / -
STIMMEN ZUM SPIEL:
Robert Glatzel: Ich freue mich natürlich riesig über mein Tor, zumal ich davor schon eine sehr gute Chance hatte. Da dachte ich erst, heute wäre vielleicht nicht mein Tag, aber dann hat es ja doch noch geklappt. Das war eines meiner emotionalsten Tore nach dieser langen Verletzungspause. Das wollte ich unbedingt mit den Fans in der Kurve feiern, deshalb musste ich mich erstmal noch von den Kollegen losreißen, um zu den Fans laufen zu können und dort dann auch mit der Mannschaft weiterzufeiern. das war ein ganz besonderer Moment für mich! Mit diesem Tor war dann auch der Deckel drauf, das ist das Entscheidende. Denn der Mannschaftserfolg steht über allem.
Ludovit Reis: Es war ein sehr wichtiger Sieg für uns nach einer sehr guten Trainingswoche. Wir haben in Spanien intensiv gearbeitet, haben an den Details gearbeitet und sind sehr positiv miteinander. Das hat man heute im Spiel gesehen. Der Spielverlauf war für uns natürlich positiv, aber entscheidend war, das wir auch in Überzahl immer weitergemacht und nie nachgelassen haben und weiter auf das nächste Tor gegangen sind. Dass Bobby dann noch dieses Tor macht, ist der Bonus auf diesem Sieg! Wir sind einfach eine sehr gute Einheit und wie eine Familie - als Mannschaft und vor allem auch mit den Fans.
Sebastian Schonlau: Es war ein gutes Spiel und ein verdienter Sieg. Gerade in der zweiten Hälfte hatten wir viele gute Chancen und hätten den Sack auch früher zumachen können. Aber das wollen wir nicht kritisieren, denn es war ein richtig guter Nachmittag für uns und von vorn bis hinten eine gute Leistung. Uns war auch nach dem Platzverweis bewusst, dass wir weitermachen müssen, man hat ja auch in der Phase gesehen, wie gut Nürnberg Fußball spielen kann. Aber aus dieser kurzen Phase haben wir uns schnell rausgearbeitet und haben bis zum Ende eine sehr konzentrierte Leistung gezeigt. Und dass Bobby dann am Ende auch noch trifft, ist einfach nur schön.
Lukasz Poreba: Ich bin extrem froh, dass wir gewonnen haben. Und vor allem auch darüber, wie gut wir gespielt haben. Dass ich dabei von Anfang spielen durfte, war für mich natürlich umso schöner. Ich war nicht nervös, ich weiß, was ich auf dem Platz zu tun habe und war sehr fokussiert, um der Mannschaft mit meiner Performance bestmöglich zu helfen. Es ist schön, dass wir das heute so gut hinbekommen haben, es war ein sehr fokussierter und guter Auftritt und der Sieg absolut verdient.
HSV-Trainer Merlin Polzin: Wir können als HSV heute sehr zufrieden sein. Wir wussten, welch schweres Spiel uns heute erwarten wird, weil die Art und Weise, wie der 1. FC Nürnberg Fußball spielt, herausfordernd ist. Wir konnten früh in Führung gehen und hatten auch mit der Roten Karte das Momentum auf unserer Seite. Die Phase danach hat mir weniger gut gefallen. Wir haben in der Halbzeit angesprochen, dass es nicht darum geht, das Ergebnis zu verwalten, sondern unsere Tugenden auf den Platz zu bringen. Das haben wir im zweiten Durchgang deutlich besser gemacht. Wir haben es auch geschafft, mal wieder nach einer Ecke erfolgreich zu sein. Es war unser achtes Eckballtor. Das ist wichtig in unserem Spiel.
Nürnbergs Trainer Miroslav Klose: Die frühe Rote Karte geht grundsätzlich in Ordnung, das kann man schon so sagen, aber natürlich hat sie entscheidenden Einfluss auf unser Spiel genommen. Dennoch haben wir auch in Unterzahl versucht, Fußball zu spielen, aber so war es natürlich schwer. Zudem sind noch einige weitere Entscheidungen gegen uns ausgefallen, die ich so nicht verstehen kann. Am Ende war heute für uns gegen einen starken Gegner und bei diesem Spielverlauf nicht mehr drin.
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