Die Transferphase beginnt langsam - auch für den HSV
Es passt. Denn ausgerechnet heute, wo wir den Beitrag von Robert (endlich) veröffentlichen, tauchen auch erste Namen auf dem Transfermarkt auf, die man ernster nehmen kann.…

Es passt. Denn ausgerechnet heute, wo wir den Beitrag von Robert (endlich) veröffentlichen, tauchen auch erste Namen auf dem Transfermarkt auf, die man ernster nehmen kann. Oder genauer gesagt: ein Name. Denn Hauke Wahl, der Innenverteidiger von Holstein Kiel, soll laut einem BILD-Bericht einer der Kandidaten für den durch Mario Vuskovics Dopingfall frei gewordenen Posten neben Kapitän Sebastian Schonlau in der Innenverteidigung werden. Beide kennen sich schon aus gemeinsamen Zeiten beim SC Paderborn. Und: Laut BILD sei es auch ein Vorteil, dass Trainer Tim Walter den Kieler, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft, bereits bei Holstein Kiel trainiert hat.
Ich persönlich halte Wahl für einen hervorragenden Zweitliga-Innenverteidiger. Bei dem Ziel Wiederaufstieg könnte der 28-Jährige, der bei Holstein unangefochtener Leistungsträger ist, zweifellos eine große Hilfe sein. Allein inwieweit das auch für die Zeit nach einem möglichen Wiederaufstieg gilt - und diese Überlegung muss man bei der klaren Zielsetzung des HSV einfach als Kriterium mit in Verpflichtungen einbeziehen -, das erscheint mir nicht annähernd so zweifellos.
Was aber für Wahl spricht, ist seine Reputation, die er aus Kiel erfährt. Die ist sportlich und menschlich so wertschätzend, dass ich mir beim besten Willen gar nicht vorstellen kann, dass Holstein seinen Kapitän ziehen lässt. Aber: Versuch macht klug. Und hier könnte er sich lohnen. Vor allem könnte es spannender werden, als es scheint. Denn seinerzeit, als Walter Holstein Kiel 2018 übernahm, musste der heutige HSV-Coach, wie mir berichtet wurde, erst davon überzeugt werden, dass Wahl für ihn der richtige Mann in der Innenverteidigung ist. Ergebnis: Walter willigte ein, den Innenverteidiger aus Ingolstadt nach Leihende zurückzunehmen und bereute es nicht. Im Gegenteil: Er stellte ihn nach einer starken Vorbereitung Wahls in 33 von 34 Zweitligaspielen auf.
Aber bei aller gebotenen Vorsicht diesem ersten ernst zu nehmenden Gerücht gegenüber: Diese Geschichte könnte jetzt beim HSV seine Fortsetzung erfahren.
Und damit komme ich zum Gastbeitrag von Robert, der sich aus seiner Sicht einmal Gedanken gemacht hat, was der HSV aktuell am dringendsten braucht. Danke, Robert! Viel Spaß Euch allen beim Lesen und Diskutieren:
Brace yourself HSV: Transferpläne für den Winter
Gastbeitrag von Robert Hoyer
Auch wenn die Winterpause noch lang ist und das Transferfenster erst in einem Monat öffnet, so lässt sich auch jetzt zur Abwechslung mal über den Sport sprechen. Deswegen habe ich mir überlegt, ob und wie sich die Mannschaft im Winter aus meiner Sicht noch verbessern lässt. Grundsätzlich ist das Wintertransferfenster, wie Sportvorstand Jonas Boldt es einmal bezeichnete, immer „schwierig“, da kaum eine Mannschaft einen funktionierenden Spieler für kleines Geld mitten in der Saison abgibt. Und so muss man auch beim HSV konstatieren, dass die Wintertransfers unter der Ära Boldt nicht unbedingt von Erfolg gekrönt waren. Einzig Joel Pohjanpalo schlug mit 9 Toren in 14 Spielen voll ein. Louis Schaub, Jordan Beyer und Giorgi Chakvetadze konnten keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Dennoch ist der HSV in der Pflicht, sich im Winter nach Verstärkungen umzuschauen, da die Kaderzusammenstellung noch Verbesserungspotenzial hat.
Als Priorität Nummer 1 sehe ich die Rechtsverteidigerposition. Der Ausfall von Moritz Heyer hat verdeutlicht, dass der Kader hier nicht genügend Qualität zu haben scheint. Mikelbrencis durfte sich zweimal beweisen. Schlecht machte er es dabei aus meiner Sicht nicht. Für Tim Walter war das anscheinend jedoch nicht gut genug und er probierte den nominellen Stürmer Königsdörffer als RV. Enttäuschend für den jungen Franzosen, der sicher noch viel zu lernen hat. Das Experiment mit RYK ging gegen schwache Regensburger noch gut, eine Dauerlösung ist es sicher nicht. Hinzu kommt, dass so Ludovit Reis immer wieder Löcher auf den Außenbahnen stopfen musste und somit seine Stärken als Balleroberer und Antreiber in der Zentrale verloren gingen. Nun kann man argumentieren, dass Heyer nach der langen Winterpause wieder gesund zurückkommt und die Position einnehmen kann. Dass Heyer so jedoch auf der RV-Position feststeckt, schwächt den gesamten Kader, da so die Vielseitigkeit von Heyer keinen Wert mehr hat. Gerade wenn ein Innenverteidiger (mit dem Wegfall Vuskovics umso mehr) oder ein zentraler Mittelfeldspieler ausfällt, ist Heyer der Spieler, der eine Vielzahl von Positionen ohne großen Qualitätsverlust ersetzen kann. Ist er jedoch als RV gefangen, gibt es diese Chance nicht. Deswegen plädiere ich dringend für die Verpflichtung eines weiteren RV mit Stammspielerpotenzial. Möglicher Kandidaten aus meiner Sicht:
- Alfons Sampsted (24, 1,2 Mio, Vertrag läuft zum Jahresende aus)
- Felix Passlack (24, 1,5 Mio, Wechselwunsch hinterlegt)
- Hugo Siquet (20, 3 Mio, wäre per Leihe verfügbar)
Sampsted wäre sicher am ehesten eine Sofortverstärkung und dazu noch ablösefrei. Er war im Sommer schon einmal im Gespräch. Fraglich jedoch, ob der HSV es schafft einen Euro-League-Spieler von sich zu überzeugen. Mit einer für den Spieler freundlichen Ausstiegsklausel bei Nichtaufstieg aber vielleicht schon. Passlack ist mit einem gewissen Risiko verbunden. Er hat seit einem halben Jahr nicht regelmäßig gespielt und verdient in Dortmund wahrscheinlich nicht allzu schlecht. Dennoch kennt er den deutschen Fußball und ist vielseitig einsetzbar. Abschließend noch die Möglichkeit einer Leihe von Hugo Siquet vom SC Freiburg. Keine langfristige Lösung aber eventuell die Brücke, um Mikelbrencis noch Zeit zu geben. Das funktioniert natürlich nur, wenn der junge Belgier auch wirklich stärker als Mikelbrencis ist.
Neben einem Rechtsverteidiger braucht der Kader eigentlich noch ein Back-Up für Robert Glatzel im Sturm. Der eigentlich dafür eingeplante Königsdörffer ist ein komplett anderer Spielertyp und nicht der Abnehmer, den die Flanken von Dompe und co brauchen. Schwierig wird es jedoch einen weiteren Knipser a la Pohjanpalo zu finden, da dieser sich in der Hierarchie klar hinter Glatzel anstellen müsste. Somit bleibt lediglich die Aussicht auf Jokereinsätze sofern Glatzel fit ist. Nicht sehr vielversprechend für hungrige Stürmer. Alternativ lässt sich die Lücke mit der eigenen Jugend füllen. Tom Sanne hat schon einmal kurz aufblitzen lassen, dass er Tore schießen kann. Einen längerfristigen Ausfall von Glatzel wird er aber noch nicht kompensieren können. Stellt sich die Frage, was die U21 noch anbieten kann. Der schon oft erwähnte Daouda Beleme hat bereits 12 Mal, Moses Otuali immerhin 8 Mal in der Regionalliga geknipst. Für ein Training bei den Profis hat diese Empfehlung jedoch bisher nicht gereicht. Damit stellt sich auch die Frage, inwieweit die U21 als Weg zu den Profis funktioniert. Aber das ist ein eigenes Thema für einen eigenen Blog. Zusammenfassen lässt sich die Stürmerthematik wie folgt. Eigentlich bräuchte der Kader noch einen zweiten Mittelstürmer auf gehobenen Zweitliganiveau. Aufgrund der klammen Kassen und der trüben Perspektive hinter Platzhirsch Glatzel wird die Realisierung jedoch schwierig. Bleibt die Chance für Sanne und co sich zu beweisen. Bei einem möglichen Aufstieg im Sommer gilt es dann unter neuen Voraussetzungen nachzulegen.
Als letztes Handlungsfeld wäre noch die Innenverteidigerposition zu besprechen. Da Vuskovic wohl auf längere Zeit fehlen wird, bricht dem Kader ein Stamm-IV weg. Jonas David hat an der Seite von Schonlau gezeigt, dass er ein geeigneter Back-Up für Zweitligaverhältnisse ist. Was passiert jedoch, sollte einer von beiden verletzt oder gesperrt ausfallen? Damit wäre man dann wieder bei Mo Heyer, der dafür der passende Ersatz wäre. Auch könnte er bei einer Schwächephase von David dauerhaft den Platz neben Schonlau einnehmen. Das geht natürlich nur mit einem weiteren Rechtsverteidiger. Als Innenverteidiger Nummer 4 stünde zudem noch Valon Zumberi bereit, der jüngst sein Profidebüt feierte. Einen neuen IV würde ich deshalb nicht verpflichten. Zumal auch im Sommer Stephan Ambrosius von seiner Leihe zurückkehrt.
Somit sind die Prioritäten klar gesetzt. Ein Rechtsverteidiger und mit etwas Glück ein zweiter Stürmer wäre der Wunschzettel zu Weihnachten. Durch den rapiden Wertverlust von Vuskovic sind große Sprünge dabei wohl nicht drin. Das Stadion will schließlich auch noch saniert werden. Auf der Abgangsseite würde ich übrigens Filip Bilbija eine Leihe empfehlen. Er wird hier wohl diese Saison nicht mehr zu Faktor. Gleiches gilt für Ogi Heil. Im Sommer wird es dann nochmal richtig interessant. Gerade bei einem Nichtaufstieg sind die Leistungsträger um Reis und Glatzel wohl nicht zu halten. Die Verträge von Leibold, Kittel und Amaechi laufen aus. Es gilt also mal wieder zweigleisig zu planen. Und die Planung beginnt hoffentlich schon jetzt.
In diesem Sinne: Brace yourself, winter is coming.
Euer Robert

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