Analyse

Die Ruhe vor dem Sturm

Bochum marschiert. Und es ist tatsächlich stark, was der VfL aktuell an Konstanz zeigt. Auch in Fürth haben sich die Bochumer den Sieg verdient. Bis auf eine Szene in der…

Die Ruhe vor dem Sturm

Bochum marschiert. Und es ist tatsächlich stark, was der VfL aktuell an Konstanz zeigt. Auch in Fürth haben sich die Bochumer den Sieg verdient. Bis auf eine Szene in der allerletzten Sekunde, wo der Keeper Riemann noch mal eingreifen musste, war gegen drückende Fürther kaum Gefahr vor dem eigenen Tor. Und sie haben das Glück, das man in solchen Spielen braucht. Wobei der Foulelfmeter zum Siegtreffer gerechtfertigt war. Mit anderen Worten:  Was in den letzten Jahren Stuttgart und Bielefeld waren, ist dieses Jahr Bochum. Bleibt nur zu hoffen, dass der HSV dieses Jahr nichts mit dem HSV der letzten Jahre zu tun hat.

Und obgleich die jüngsten Ergebnisse diesen Verdacht erwecken könnten, setze ich auf den Trainereffekt. Ob und wie der greift, werden wir am Montag nach dem Spiel gegen ebenso konstante Kieler sehen können. Wobei sich das „ebenso“ hier auf Bochum bezieht, denn der HSV hat zuletzt seine Stabilität vermissen lassen. Wobei ich dabei bleibe, dass das immer wieder passieren wird, so lange man hinten mit mehr als einem Wackelkandidaten agiert.

Soll heißen: ich würde Ulreich nicht rausnehmen, sondern stärken. Und zwar, indem ich ihm klarmache, dass seine Kernqualität, die er zweifellos auf der Linie besitzt, absolut ausreicht. Fußball spielen können die anderen – zumindest die meisten. Denn Gideon Jung würde ich diesmal draußen lassen. Er wackelt schon deshalb, weil er sich (zurecht) unter besonderer Beobachtung wähnt. Ich glaube allen Ernstes, dass man Jung eher einen Gefallen tut, wenn man ihm keine Verantwortung auflastet und draußen lässt.

Im Mittelfeld wird es dagegen richtig spannend, nachdem Amadou Onana wieder zurückkehrt und David Kinsombi zuletzt zwei außergewöhnlich sachwache Spiele absolviert hat. Das wiederum ist alles im Training schwer zu beobachten. Also weder Ulreichs und Jungs Unsicherheiten am Ball – noch Kinsombis Formschwäche. Aber wie schon mal an selber Stelle erwähnt, im Training herrscht auch nicht der Druck, den man Ligaspielen hat. Und dieser wächst natürlich angesichts des VfL-Sieges tabellarisch.

Ich will die Diskussion um Aaron Hunt nicht wieder lostreten, aber er ist definitiv eine Alternative für Kinsombi, der zuletzt schwach spielte. Hunt könnte dem zuletzt ebenfalls unglücklich agierenden Onana etwas Führung geben – behaupte ich. Davor Dudziak als Kreativer und auf den Außenbahnen möglichst viel Tempo. Wobei man bei Jatta auch noch mal genauer hingucken muss, wie er drauf ist. So, wie gegen Pauli brächte das zumindest nichts.

Ich weiß, dass viele Manuel Wintzheimer sehen wollen. Und auch ich würde ihn bringen. Von Beginn an, wenn Jatta weiter schwächelt – ansonsten im Laufe des Spiels, wenn der HSV zurückliegen sollte. Und das ist angesichts der Formstärke der Kieler nicht auszuschließen. Im Gegenteil.

Wobei die Kieler die Favoritenrolle nicht interessiert. Ebenso wenig wie die aktuelle Tabellensituaton. „Wir brauchen eine sehr gute Leistung, um gegen einen Konkurrenten drei Punkte auf das Konto zu bekommen. Alles andere spielt elf Runden vor Schluss keine Rolle», sagte Kiels Trainer Ole Wernerl vor dem Topspiel. Dass sich die „Störche“ als Tabellenzweiter (45 Punkte) gegen die viertplatzierten Hamburger (42) nicht in der Rolle des Jägers, sondern des Gejagten befinden, ist für den 32-jährigen Werner nicht mal erwähnenswert: „Das wäre andersrum genauso.“ Weder er noch seine Spieler würden sich davon beeinflussen lassen.

Nicht verborgen geblieben ist dem Holstein-Coach, dass der HSV  immer gut in die Spiele gestartet war: „Die stärkste Phase hatten sie immer zu Beginn. Personell ist die Lage der Kieler unverändert. Nach dem 3:0 im Viertelfinale des DFB-Pokals bei Rot-Weiss Essen habe es zwar einige angeschlagene Spieler gegeben, aber bis Montag sei genug Zeit, alle Blessuren auszukurieren. So fehlen nur Stefan Thesker (Anriss der Achillessehne) und der Langzeitverletzte Noah Awuku (Riss der Achillessehne). So viel zum Gegner.

Und bevor ich den Bog beenden muss, noch kurz eine Meldung, die ich vor en paar Tagen mehr oder weniger klar gefordert hatte: Jonas Boldt hat sich zu den Gerüchten um seinen Abgang gen Frankfurt geäußert. „Ich habe bewusst meinen Vertrag im Herbst letzten Jahres verlängert und das nicht, weil es andere Interessen gab, sondern weil mein Vertrag diesen Sommer ausgelaufen wäre. Es gab viele gute Gespräche, wie wir den HSV weiterentwickeln können“, sagte der Ex-Leverkusener bei Sky Sport News. Er sei bewusst vom Champions-League-Verein Bayer Leverkusen zum HSV gewechselt „und habe bewusst im Sommer die Flinte nicht ins Korn geworfen, obwohl viele es mir geraten oder sich sogar gewünscht haben“. Boldt weiter: „Solange hier die Möglichkeit besteht, dass wir hier etwas trotz der weiterhin vorhandenen Schwierigkeiten voranbringen können, habe ich große Lust, beim HSV zu arbeiten.“ Dies sei auch keine kurzfristige Entscheidung gewesen, „denn meine Vita zeigt, dass ich durchaus längerfristig an einem Ort bleiben kann. Ich habe hier nicht alles in der Hand, habe aber erst vor Kurzem gesagt, dass ich keine Bedenken habe, im Sommer noch hier sein zu dürfen.“

Mit anderen Worten, auch her ist Ruhe  im Karton. So wie jetzt auch für mich. Ich habe einen privaten Termin, der leider nicht aufzuschieben ist. Bis morgen!

Scholle

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