Die richtigen Antworten, etwas Spielglück und Dompé sichern dem HSV einen 3:1-Sieg beim KSC
Der HSV hat mit einem 3:1-Auswärtserfolg auf seine sportliche Krise und die Trennung von Trainer Steffen Baumgart reagiert und ist von zwischenzeitlich Rang 10 auf Rang zwei…

Der HSV hat mit einem 3:1-Auswärtserfolg auf seine sportliche Krise und die Trennung von Trainer Steffen Baumgart reagiert und ist von zwischenzeitlich Rang 10 auf Rang zwei vorgerückt. Der überragende Jean-Luc Dompé (23. Minute/56.) traf zweimal und bereitete den 3:1-Treffer von Davie Selke (83.) mustergültig vor. Fabian Schleusener hatte in der 36. Minute das 1:1 für den KSC erzielt.
Interimscoach Merlin Polzin stellte beim HSV auf ein offensives 4-3-3-System um, wovon sein Team nach fünf Pflichtspielen ohne Sieg sichtbar profitierte. Trotzdem spricht viel dafür, dass der 34-Jährige bis zum nächsten Spiel gegen den SV Darmstadt 98 für einen neuen Cheftrainer Platz machen muss: Favorit ist weiterhin Bruno Labbadia, der den Club schon zweimal trainierte und der im Laufe der kommenden Woche vorgestellt werden könnte. Allerdings dürfte dieses Spiel die Entscheidung von Kuntz noch einmal erschweren, da der HSV heute nicht nur mit einem guten Plan begann, sondern dieser auch über die 90 Minuten (mit kleinen Ausnahmen zum Ende der ersten und zu Beginn der zweiten Hälfte) durchzog. Oder anders formuliert: Polzin und Co. hatten heute die richtigen Antworten auf die vom KSC gestellten Fragen parat.
Am Ende hatte der HSV zum einen in den entscheidenden Phasen das Spielglück (Wanitzeks 2:1 wurde wegen Abseits‘ aberkannt, im Gegenzug trofft Dompé zum 2:1 für den HSV) auf seiner Seite, zum anderen sorgte eine geschlossene Mannschaftsleistung inklusive eines herausragenden Jean-Luc Dompé für einen alles andere als unverdienten HSV-Auswärtssieg.
Die Einzelbewertungen:
Daniel Heuer-Fernandes: Beim Tor machtlos – ansonsten kaum gefordert. Note: 3
William Mikelbrencis: Er kommt immer besser rein. Allein sein Tempo ist für die ansonsten eher sehr durchschnittlich schnelle Viererkette Gold wert! Dass er bei aller Luft nach oben sich auch offensiv traut – auch gut! ich bin sehr gespannt, wie weit sich der junge Franzose noch steigern kann. Note: 3
Sebastian Schonlau: Wo bitteschön springt der Kapitän denn beim 1:1 hin? Da hat er die Fläche frei vor sich, kann sich komplett am Ball orientieren – und springt vorbei? Das darf nicht passieren! Ansonsten hatte er die Defensive - bis auf eine kurze Phase zum Ende der ersten und zu Beginn der zweiten Halbzeit – vernünftig im Griff. Note: 3
Denis Hadzikadunic: Mit Ball am Fuß ist er immer wieder überfordert. Dafür spielte er in den Zweikämpfen stabil. Im Kopfballspiel konnte er ebenso wenig wie Schonlau Sicherheit reinbringen, das MUSS besser werden. Note: 3,5
Miro Muheim: Schwach verteidigt beim 1:1 – im (fehlenden) Zusammenspiel mit Schonlau, ansonsten sehr präsent. Note: 3
Daniel Elfadli: Durch Mefferts Ausfall rückte er wieder ins zentral-defensive Mittelfeld, und das tat dem HSV immer wieder sehr gut. Schön aggressiv, körperlich und läuferisch präsent. Note: 2
Adam Karabec (bis 88.): Ordentlicher Auftritt. Versuchte viel. Und obwohl nicht alles gelang, war er für das eigene Aufbau- und Offensivspiel wichtig, bis die Kraft nachließ. Aber das war sein bislang stärkster Startelfauftritt für den HSV. Note: 3
Emir Sahiti (ab 88.): Durfte sich noch über etas Spielzeit freuen.
Marco Richter (bis 78.): Er macht wirklich gute Dinge am Ball – aber es fehlt im entscheidenden Moment immer Tempo. Beim Pass, im Abschluss – was schade ist. So aber fehlt mir weiter die Fantasie, wie er dem HSV auf lange Sicht helfen kann, abgesehen von Jokerrollen. Dass nach Baumgart auch Polzin das anders sieht, spricht gegen mich – aber mir fehlt sein klarer Mehrwert fürs HSV-Spiel. Note: 3
Lukasz Poreba (ab 78.): Dabei.
Bakery Jatta (bis 66.): Das grenzte schon an Verweigerung! Er war eindeutig der Schwachpunkt im HSV-Spiel. Weil er nicht so wirkt, als würde er alles aus sich herausholen. Dabei ist das eh überschaubar: Er soll Tempo machen – immer! Viel mehr ist bei ihm nicht zu holen. Aber beides – Einsatzwillen und Tempo – zeigte er nicht. Dass fast alle gefährlichen Angriffe des KSC über seine Seite kamen, lag auch an ihm. Note: 5
Fabio Baldé (ab 66.): War sofort bemüht, sein Tempo einzubringen, was ihn schon wertvoller machte als seinen Vorgänger heute. Note: 3
Jean-Luc Dompé (bis 88.): Der Unterschiedsspieler in der HSV-Offensive. Den Abschluss nach dem Fehler von KSC-Keeper Weiß zum 1:0 war schon extraklasse! Das 2:0 noch geiler – und dann der Pass zum 3:1, mehr geht einfach nicht. Note: 1+
Immanuel Pherai (ab 88.): Dabei. Endlich wieder.
Ransford Yeboah Königsdörffer (bis 78.) : Er hatte gleich zwei große Torchancen in den ersten 12 Minuten, mit denen er das Spiel klar in die Richtung des HSV hätte drehen können/sollen/müssen. Er vergab leider unglücklich. Die Bälle, die er bekam, dürften bei Selke auf der Bank Sehnsüchte geweckt haben – denn die gab es so in der Art und Menge schon recht lange nicht mehr… Aber Königsdörffer verdiente sich auch wieder über den Fleiß Extrapunkte, daher gibt es die Note: 2,5
Davie Selke (ab 78.): Sollte die letzten Minuten offensiv für Entlastung sorgen, was er perfekt umsetzte. Deshalb (und weil er hier zuletzt viel kritisiert wurde) bekommt er für seine Umsetzung der Vorgaben ausnahmsweise die Note: 1
Trainer Merlin Polzin: Dass seine Mannschaft körperlich nicht bei 100 Prozent ist, ist ein Manko, das er mitzuverantworten hat. Aber er hat der Mannschaft Spielidee eingeimpft und vor allem mit seinen Wechseln endlich dem Spiel geholfen. Dass heute die entscheidenden Szenen für den HSV ausgingen, muss man ehrlich so sehen. Aber diese Leistung war engagiert, mutig – und somit der Sieg erarbeitet und zurecht. Den Ruf, jetzt automatisch an ihm festzuhalten, mussten die Verantwortlichen einkalkulieren und jetzt auch durchziehen. Sollte der HSV kommendes Wochenende wieder in sich zusammenbrechen – okay! Aber so darf das Du Polzin/Favé zurecht darauf hoffen, eine weitere Chance zu bekommen. Note: 2
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