Die nächsten zwei Spiele werden entscheidend für den HSV
Zwei Spieltag, die alles entscheiden können? Nee – so ein Quatsch. Sagen die meisten und lassen die üblichen Floskeln folgen. Man hätte genügend Zeit vorher gehabt. Und es…

Zwei Spieltag, die alles entscheiden können? Nee – so ein Quatsch. Sagen die meisten und lassen die üblichen Floskeln folgen. Man hätte genügend Zeit vorher gehabt. Und es folgen immer noch vier Spiele. Es läge nicht daran, sondern an der gesamten Saison - und so weiter, und so weiter. Stimmt auch alles. Aber im Fußball gibt es eben auch das Momentum. Phasen, in denen auf einmal gar nichts mehr geht folgen Siegesserien und tabellarische Sprünge. Wie bei Werder nach dem Trainerwechsel. Oder eben andersrum – wie zuletzt mit den fünf Sieglosspielen des HSV. Und wer auch immer von Euch schon mal Mannschaftssport über eine Saison hinweg gespielt hat, der weiß: Das Saisonende ist noch mal etwas ganz anderes. Da gewinnen die Teams von unten plötzlich Spiele gegen Tabellenführer und Aufstiegsaspiranten und der Faktor „Kopf“ wird noch mal gewichtiger.
Torsten Lieberknechts Ode an den HSV, dass er ob des leichtesten Restprogrammes der sichere Aufsteiger sei, war auch nichts anderes als Druckaufbau bzw. von sich selbst Ablenken. Denn alle wissen, was jetzt kommt. Allein die beiden nächsten Spieltage werden die Richtung vorgeben und zeigen, ob sich drei Teams oben abzusetzen wissen, oder ob vielleicht sogar mit dem HSV und/oder Heidenheim noch ein weiteres Team bis zum Schluss um den Aufstieg mitmischt. Und ja, nimmt man allein die Tabellensituation, dann hat der HSV die vermeintlich leichtesten Gegner. Aber ganz ehrlich: Weder Kiel noch Karlsruhe sind einen Deut leichter zu bespielen als andere. Von daher bleibe ich aus mehreren Gründen dabei: Die nächsten zwei Spieltage werden entscheiden sein – zumindest für den HSV.
Ich habe den Trainer heute gefragt, inwieweit man die Situation vielleicht auch tabellarisch für sich nutzen kann. Die Antwort lasse ich mal unerwähnt. Daraus bin ich nicht schlau geworden. Aber als Spieler früher hatte ich in den entscheidenden Phasen die Tabelle aber sowas von genau im Kopf, dass alle heutigen Beteuerungen, man würde nur von Spiel zu Spiel schauen, bei mir links rein und rechts rausgehen. Denn das ist definitiv Quatsch. Von Heuer Fernandes bis Kittel und bis hin zum letzten Mitarbeiter im Team werden alle wissen, wie die nächsten zwei Spieltage aussehen und werden zuhause schon mal durchgerechnet haben, was man mit zwei Siegen an den nächsten beiden Spieltagen erreichen kann.
Es ist kein leichtes Rechenmodell und das heute im Hamburger Abendblatt von einem Uni-Professor aus Potsdam errechnete Modell scheint mathematisch am wahrscheinlichsten zu sein. Aber noch mal, im Fußball zählen auch viele unberechenbare Faktoren mit rein. Ansonsten wäre der HSV in den letzten Jahren ja auch einmal aufgestiegen. Trotzdem fasse ich für Euch noch mal die Spiele der relevanten sieben Klubs zusammen, die theoretisch noch Chancen haben, oben anzugreifen. Und was mir hierbei zuerst aufgefallen ist: Abgesehen von morgen auf Schalke hat Heidenheim ebenfalls kein direktes Duell mehr vor sich und kann an den letzten fünf Spieltagen genauso wie der HSV noch von den Ansetzungen profitieren. Aber seht selbst:
29. Spieltag:
Schalke (4.) – Heidenheim
St. Pauli (3.) – Werder Bremen (1.)
Nürnberg (5.) – Darmstadt (2.)
Holstein Kiel (12.) - HSV
30. Spieltag:
Bremen – Nürnberg
Darmstadt – Schalke
HSV – Karlsruher SC
31. Spieltag:
Schalke – Werder Bremen
FC St. Pauli – Darmstadt
Regensburg – HSV
32. Spieltag:
St. Pauli – Nürnberg
Ingolstadt – HSV
33. Spieltag:
Schalke – St. Pauli
HSV – Hannover
34. Spieltag:
Nürnberg – Schalke
Bremen – Regensburg
St. Pauli – Düsseldorf
Darmstadt – Paderborn
Heidenheim - Karlsruhe
Rostock – HSV
Ich habe lange überlegt, ob ich heute mit einem solchen Blog kommen soll – aber leider steht zu befürchten, dass es nach dem Kiel-Spiel schon zu spät sein kann, sich noch einmal in ein solches Rechenmodell zu ergeben. Deshalb habe ich mir diesen Spaß einmal erlaubt. Fakt ist aber auch für mich: Gewinnt der HSV in Kiel und gegen den KSC, wird es spannend. Dann würde es ab dem 31-. Spieltag wieder auf Augenhöhe mit den Top-3 gehen, da diese weiter direkte Duelle haben und der HSV sie plötzlich einholen/überholen könnte. Verliert der HSV aber einmal oder spielt remis, ist er raus aus dem Rennen.
Druck hat dieser HSV doch gar nicht - sondern eine einfache Pflicht
Und dann noch einmal zurück zu den Spielern und er Sache mit dem Druck: Der ist doch dieses Jahr kaum noch vorhanden! Der Druck kann nicht als Alibi herhalten. Vereinsseitig formuliert man seit Monaten die Entwicklung als höchstes Ziel und viele Außenstehende sehen es inzwischen ähnlich. Die Ansprüche sind nicht mehr, klar aufzusteigen. Tabellarisch ist der HSV jetzt sogar so weit hinten, dass es fast schon einer Sensation gleichen würde, wenn man doch noch mal oben angreift. Ich behaupte sogar, dass in dem Fall, dass der HSV es plötzlich doch wieder schaffen kann, sogar eine derartig überbordende Euphorie freigesetzt würde, dass die gesamte Mannschaft von dieser Stimmung profitieren kann. Wenn man es richtig macht und die Mannschaft wirklich aufsteigen will. Der HSV hat keinen Druck, sondern eine Pflicht zu erfüllen. Und die heißt: Noch sechs Mal 100 Prozent bringen.
Womit ich wieder beim Anfang und dem Momentum bin. Denn sollte der HSV es plötzlich wieder aus eigener Kraft schaffen können, hieße es, der HSV würde auf einer Erfolgswelle schwimmen und verloren geglaubtes sensationell noch zurückgewinnen, während irgendein (oder mehrere) anderer einen sicher geglaubten Aufstiegs- oder Relegationsplatz noch fahrlässig wegschenkt. Also, man kann in der aktuellen Situation alles so drehen und wenden, wie man es braucht, am Ende ist nur wichtig, dass die Mannschaft sechs Mal an ihre eigenen 100 Prozent rankommt. Denn bei allem Gerechne und allem Gequatsche von Momentum, Stimmung, Sensation und Co. kann schon eine Niederlage oder sogar ein Remis reichen, um den Anschluss komplett zu verlieren.
Walter kann gegen Kiel aus dem Vollen schöpfen
Personell ist der HSV dafür bestens aufgestellt. Auch wenn es heute durch einen BILD-Artikel mit der Zeile „Neuer Knatsch im Klub! - Walter schmeißt diesen HSV-Profi raus“ kurzzeitig etwas Aufruhr gab, selbst diese Geschichte lichtete sich schnell wieder. Denn die von der BILD genannte Suspendierung Marko Johannsons soll laut Verein keine Suspendierung sein, sondern das Ergebnis einer sportlichen Entscheidung. Ansonsten sind bis auf Stephan Ambrosius (Aufbau nach Verletzung) nur Elijah Krahn (gesperrt) alle Mann an Bord. Auch der zuletzt verletzte Faride Alidou ist wieder voll im Training. Von daher wird Trainer Tim Walter sogar Profis streichen müssen.
Eine gute Situation aus Trainersicht. Zumal ich davon ausgehe, dass Walter gegenüber dem guten Spiel gegen den FC Erzgebirge Aue nicht allzu viele Änderungen vornehmen wird. Und weil ich fest der Meinung bin, dass sich der HSV tatsächlich nicht mehr mit irgendwem sonst als sich selbst beschäftigen darf, kommt mein Kiel-Teil im Anhang. Von daher, Euch allen jetzt erst einmal einen schönen Freitagabend. Morgen Abend wird es an dieser Stelle noch mal ein letztes Update geben. Bis dahin!
Scholle
Neues vom nächsten Gegner: Holstein Kiel
Mit Konsequenz und gutem Zweikampfverhalten will Holstein Kiel am gegen den HSV bestehen. „Der HSV wird sehr spieldominant auftreten. Wir müssen ihm die Tiefe nehmen“, sagte Holstein-Trainer Marcel Rapp am Freitag. So sollen die gefährlichen Vorstöße der schnellen Hamburger Spieler wie Sonny Kittel und Bakery Jatta schon im Keim erstickt oder durch intelligentes Stellungsspiel verhindert werden. Der Tabellen-Zwölfte aus Kiel will sich im Nordderby gegen die sechstplatzierten Hamburger aber nicht nur über die Defensive definieren. „Bei allem Verteidigen wollen wir auch Fußball spielen. Und dann muss uns der HSV auch mal den Ball abnehmen“, betonte Rapp.
Personell gibt es bei den „Störchen“ außer den Langzeitausfällen keine neuen Probleme. Auch der zuletzt angeschlagene Lewis Holtby ist einsatzfähig. Holtby gehört ebenso wie Fiete Arp, Ahmet Arslan und der verletzte Finn Porath zur Fraktion der Ex-HSVer bei der KSV. Rat hat sich Rapp bei ihnen aber nicht geholt. „Ich glaube, ich kenne Tim Walter besser als die Jungs“, sagte der 42-Jährige, der im Jugendbereich häufiger gegen Teams des heutigen HSV-Trainers gecoacht hat.
Mit 15.034 Zuschauern wird das Holstein-Stadion erstmals seit dem 9. November 2019 ausverkauft sein. Damals gab es ein 1:1 gegen den HSV, gegen den die Kieler seit dem Bundesliga-Abstieg der Hanseaten noch nicht verloren haben. Auf die Frage, ob die Serie am Sonntag hält, sagte Rapp mit einem Lächeln: „Ich bin sehr zuversichtlich.“
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