Meinung

Die Luft wird zunehmend dünner - der Aufsichtsrat ist gefordert

Selbst wenn es intern jetzt ALLES auf dem richtigen Weg wäre, wäre das noch lange nicht ausreichend gut, um die neue Saison nicht weiter zu gefährden. Denn nach außen gibt der…

Die Luft wird zunehmend dünner - der Aufsichtsrat ist gefordert

Selbst wenn es intern jetzt ALLES auf dem richtigen Weg wäre, wäre das noch lange nicht ausreichend gut, um die neue Saison nicht weiter zu gefährden. Denn nach außen gibt der HSV aktuell wieder das Bild eines wackeligen, trägen Urgesteines ab, bei dem Eitelkeiten selbst positivste Entwicklungen stoppen. Und mit den positivsten Entwicklungen in Mehrzahl zu schreiben ist eigentlich auch schon übertrieben, denn es beschränkt sich allein auf die sportliche Entwicklung der Mannschaft in den letzten Wochen. Allein das Zusammenwirken aus Trainer(team) und Mannschaft hat in den letzten Wochen bei den Fans dazu geführt, dass sie selbst in der Sekunde der größten Enttäuschung der Mannschaft applaudiert und sogar mit Plakaten gedankt haben.

Man hatte also alles geschafft, was man sich in Sachen Zusammenarbeit mit den eigenen Fans hätte erträumen können. Endlich haben die Fans beweisen können, dass sie sehr wohl geduldig genug sind, um einem Neuaufbau eine Chance zu geben. Endlich fiel dieses Gesabbel weg, man können den Fans nichts anderes als die Topfavoritenrolle nicht verkaufen weg. Im Gegenteil. Aber: Was macht der HSV daraus? NICHTS! GAR NICHTS! Statt dieses große, neue Zusammengehörigkeitsgefühl zu fördern und daraus Kräfte zu bündeln, werden intern Allianzen aus Eitelkeit zum Stolperstein für den gerade zart blühenden Neuanfang, den es auszubauen gilt. 

Dem HSV fehlt eine klare und vor allem akzeptierte Hierarchie

Warum das so ist? Weil dieser verein keinen klaren Handlungsstrang hat, keine Hierarchie und vor allem noch lange nicht in der Situation ist, dass sich alle dem großen Ganzen unterordnen. Das klingt jetzt vielleicht platt – aber genau darum geht es am Ende. Immer wieder. Denn beim HSV ist und bleibt es so, dass den Leuten ihr Standing wichtiger ist als der Erfolg ihres Handelns. Und Kommunikation beherrschen die Gremien leider noch immer nicht.

Wohin das führen kann, muss heute der eh schon in der Kritik stehende Vorstand Dr. Thomas Wüstefeld erfahren. Mein ehemaliger Kollege Christoph Rybarczyk samt der Kollegen Kai Schiller und Martin Kopp haben heute auf der Thema-Seite des Hamburger Abendblattes einen großen Artikel mit dem Titel „Das Rätsel um den HSV-Chef“ veröffentlicht. Darin werden die Unternehmen und geschäftlichen Tigkeiten des HSV-Vorstandes einmal beleuchtet. Eine Fleißarbeit der Kollegen, die in verschiedenen Thesen mündet. Allesamt unbelegt, aber plausibel. Selbst das Gerücht, Wüstefeld hätte sich die Anteile bei Klaus Michael Kühne mit Anteilen an seinen Unternehmen erworben, wird aufgeworfen. Und dementiert. Aber: Das bekommt der Leser nur am Rande mit.

Die Nachricht des Artikels ist indes mehr als deutlich: Der HSV hat einen Vorstand, dessen geschäftliche Umtriebigkeit Fragen aufwirft.  Das kann man aus journalistischer Sicht kritisch sehen. Denn hier wird ein Verdacht in den Raum gestellt, der Wüstefeld nachhaltig schaden kann. Aber auch Vorstand Dr. Thomas Wüstefeld muss sich fragen, weshalb sich so viele Leute so viele abseitige Gedanken über ihn machen. In der Wahrnehmung von außen wird die Luft für ihn momentan dünner. Denn Wüstefeld ist zwar da, und alle wissen das – aber nach außen gewirkt bzw. bewirkt hat er noch nichts. Die Videos mit Sponsoren sind ein netter Versuch, ihm tolle Deals zuzusprechen. Aber es ist eben auch nur eine von der Medienabteilung gesteuerte PR-Maßnahme.

Wüstefeld gerät zunehmend in die Kritik

Und so bleiben statt positiver Neuerungen seitens des neuen Vorstandes nur alte Vorwürfe. Seilschaften mit den Aufsichtsratskollegen, eine Allianz mit dem AR-Boss Marcell Jansen und Sportdirektor Michael Mutzel gegen den Fan-seitig gefeierten Sportvorstand Jonas Boldt und Trainer Tim Walter. Ach ja, und dann natürlich die Geschäftsbeziehung zu Klaus Michael Kühne, dem er 5,11 Prozent dessen Anteile abgekauft hat. Für Geld, so sagt es Wüstefeld. Aber da über Kühne immer auch der Verdacht schwebt, er würde jedes finanzielle Geschäft mit dem HSV und dessen Verantwortlichen immer auch mit Bedingungen verknüpfen, gilt Wüstefeld als Kühne-Sympathisant. Und das ist unter den HSV-Fans kein Kompliment.

Mit anderen Worten: Dieser HSV wird sportlich positiv wahrgenommen – auf Führungsebene aber liefert der HSV wieder jede Menge Geschichten für die Sommerpause. Beschichten, auf die ich ob seiner Penetranz schon überhaupt gar keinen Bock mehr habe. Sie nerven nur noch. Und auch bei der Frage nach der Schuld an diesem unnötigen Chaos kann man keinen ausnehmen. Mutzel nicht, weil er sich nach Aussage des Sportvorstandes illoyal verhalten und seinem eigenen Anspruchsdenken nicht gerecht geworden zu sein scheint.  Boldt nicht, weil er das zwar herausgestellt hat, aber erstaunlicherweise nicht entsprechend klar mit einem Rauswurf Mutzels reagiert hat. Wüstefeld, der zudem mit seinem zögerlichen Handeln im Nachwuchsbereich ungewöhnlich lang Trainerposten unbesetzt lässt, hatten wir ja schon und der Aufsichtsrat spielt nach seiner verspäteten Stellungnahme zum Führungs-Zoff auch jetzt wieder eine zu passive Rolle. Anstatt hier schnell von den beiden Vorständen die Antwort einzufordern, ob sie es gemeinsam hinbekommen, wartet man.

Die Frage ist nur, worauf denn noch? Es liegen doch längst alle Karten offen auf dem Tisch. Von daher bleibe ich dabei: Der Aufsichtsrat muss hier für Klarheit sorgen. Besser jetzt als gleich.

Was den Jugendbereich betrifft, ist der HSV heute trotz aller Hindernisse wieder einen Schritt weitergekommen. Von der U19-Bundesliga-Mannschaft des FC Energie Cottbus wechselt Theo Harz (16 Spiele, zwei Tore, drei Vorlagen) zur U21 des HSV. Der 18-Jährige kann sowohl Links- als auch des Rechtsaußen spielen und kam in neun Spielen in der Regionalliga Nordost zum Einsatz. Sein Vertrag in Cottbus läuft Ende Juni aus und er ist damit ablösefrei. Sportlich kann ich Euch zu dem Jungen noch nichts sagen. Ebenso wenig zu weiteren Zugängen für die Profis, bei denen heute noch Giorgi Chakvetadze offiziell verabschiedet wurde.

In diesem Sinne, morgen gibt es an dieser Stelle dann den neuen Communitytalk. Bis dahin Euch allen alles Gute! Bleibt gesund!

Scholle

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