Die HSV-Fans werden immer mehr zum Faktor
Dass die HSV-Fans in den letzten Jahren des Leidens mit dem Abstieg und den Nicht-Wiederaufstiegen nicht wirklich verwöhnt wurden, ist unbestritten. Ebenso, dass sich die Fans…

Dass die HSV-Fans in den letzten Jahren des Leidens mit dem Abstieg und den Nicht-Wiederaufstiegen nicht wirklich verwöhnt wurden, ist unbestritten. Ebenso, dass sich die Fans in genau dieser Zeit noch einmal verstärkt zu ihrem Klub bekannt haben. Zehn Heimspiele waren zuletzt in Folge ausverkauft, die Stimmung im Volksparkstadion ist zweifellos ein Faktor geworden. Und das immer mehr auch auswärts. Vorgabe der DFL ist es, dass Auswärtsteams für ihre Fans 10 Prozent des Gesamt-Ticketkontingentes anbieten dürfen. Das aber reicht beim HSV fast nie aus. Diese Kontingente sind zumeist binnen weniger Minuten verkauft.
So auch wieder vor dem Spiel in Hannover am Sonnabend (20.30 Uhr) in der AWD-Arena. Mit geschätzten 20 000 Fans im Rücken will der HSV sein Auswärtsspiel bei Hannover 96 zum Heimspiel machen. Zumindest hat Hannover 96, mit dem die HSV-Fans eine Fanfreundschaft verbindet, diese Zahl herausgegeben. Bei einem Fassungsvermögen von 49.200 Zuschauer ist das eine mehr als beachtliche Zahl. „Wir sind ja zurzeit sehr heimstark. Von daher ist es schön, dass wir fast ein Heimspiel haben“, sagte HSV-Trainer Tim Walter am Donnerstag. „Das ist gerade für meine Jungs dann auch immer nochmal ein Ansporn.“
Die HSV-Fans haben in letzter Zeit immer wieder Wege gefunden, über die ihnen zur Verfügung gestellten Kontingente an Tickets auswärts zu kommen. Im vergangenen Jahr im Hinspiel der Bundesliga-Relegation im Berliner Olympiastadion gegen Hertha BSC, bei Fortuna Düsseldorf oder im vergangenen Oktober auch in Hannover waren viele Hamburger Fans in die Stadien gekommen. Unvergessen natürlich der letzte Spieltag, an dem tausende Fans Sandhausen besuchten und im knapp 15 000 Zuschauern fassenden Stadion zahlenmäßig optisch und lautstärketechnisch stark überlegen waren. „Es ist schön zu erleben, dass wir den Anklang bei den Fans auch auswärts finden und sie uns auch tatkräftig auswärts unterstützen.“
Wieder mit dabei sein dürfte am Sonnabend Immanuel Pherai, der heute nach überstandenen Adduktorenproblemen wieder mittrainieren konnte. „Wenn er kann, wird er definitiv dabei sein“, sagte Walter über den ehemaligen Braunschweiger. Sein zuletzt immer stärker werdender Vertreter Laszlo Benes sei zwar immer noch ein bisschen erkältet. Walter: „Er wird aber morgen wahrscheinlich wieder trainieren.“ Ebenfalls wieder im Training ist der seit Wochen ausgefallene HSV-Kapitän Sebastian Schonlau. Wobei Walter schnell und erwartungsgemäß klarstellte, dass Schonlau zwar durchaus mit nach Hannover reisen könnte, er aber „definitiv nicht von Anfang an spielen“ werde.
Am Dienstag hatte der Abwehrchef zudem seinen Vertrag vorzeitig verlängert. „Ich freue mich erst mal, dass er dabei ist“, sagte Walter, der die Entwicklung bei seinem Kapitän hervorhob. „Er war ja nicht immer der Spieler, der er jetzt ist. Er hat sich in den zwei Jahren einfach zum Führungsspieler entwickelt und hat sich eine Mentalität angeeignet, andere Jungs mitzunehmen, mitzureißen.“
In diesem Zusammenhang nannte Walter zudem noch weitere Leader im Team, die ihm helfen würden, „den Haufen zusammenzuhalten“ Insbesondere Daniel Heuer Fernandes, Tom Mickel, Ludovit Reis und Jonas Meffert nannte der HSV-Coach. Und Letztgenannter könnte seinen Vertrag schon bald verlängern. „Es ist ja kein Geheimnis, dass ich mich hier sehr wohlfühle. Wir haben auch schon mal gesprochen. Es könnte zeitnah etwas kommen“, zitiert die BILD den 28-Jährigen (Donnerstag-Ausgabe). Mefferts aktueller Vertrag läuft noch bis zum 30. Juni 2024. „Ich würde gern solange es geht hier beim HSV spielen“, sagte Meffert, den ich in der Zweiten Liga als unbestrittenen Leistungsträger sehe.
Allerdings habe ich Bedenken, wenn es um seine Position in der Ersten Liga geht – und da will der HSV ja bekanntermaßen schnellstmöglich wieder hin, wie Walter heute am Ende der Pressekonferenz auch noch einmal betonte. Nehme ich aber die Spiele gegen Erstligisten in Tests sowie im DFB-Pokal als Maßstab, hat auch der für mich in der Zweiten Liga mit am zuverlässigsten abliefernde Meffert da seine Probleme. Vor allem, weil das Tempo in vielen Phasen zu hoch schien. Von daher freue ich mich zwar über die Verlängerung, weil sie Meffert sicherlich noch einmal einen Schub geben wird und ein weiteres Signal an die Mannschaft ist, die immer fester zusammenzuwachsen scheint. Aber bei jeder Verpflichtung und jeder Vertragsverlängerung muss der HSV immer auch den Weitblick haben, über die Zweite Liga hinaus zu planen.
Aber okay, jetzt steht erst einmal Hannover 96 vor der Tür. Am Freitag reist der HSV nach Niedersachsen, wo man ähnliche Ziele wie hier in Hamburg verfolgt, allerdings im Vergleich zum HSV nicht so gut gestartet ist. Auch deshalb hatte Dauer-Politikum Martin Kind mal wieder verbal ausgeholt und dabei für viel Verärgerung bei seinem Trainer Stefan Leitl gesorgt. Inzwischen hat sich der Mehrheitsgesellschafter Kind von seiner Schelte an Mannschaft und Trainer etwas distanziert. „Meine Kritik ist inhaltlich mehr als begründet und notwendig, die Wortwahl war vielleicht nicht ganz okay. Ich habe keine Lust, wieder irgendwo im Mittelfeld herumzudümpeln“, sagte der 79-Jährige.
Nach dem durchwachsenen Start mit einem 1:1 gegen Elversberg und einem 2:2 in Nürnberg hatte Kind die Auftritte des Teams bemängelt. Im Anschluss an die Partie gegen Aufsteiger Elversberg zum Saison-Auftakt hatte Kind damals gesagt, er sei so sauer gewesen, dass er sich einen Austausch mit dem Coach spare, da es „kein freundliches Gespräch“ geworden wäre. Trainer Leitl wehrte sich gegen die massive Kritik gegen ihn und stellte sich schützend vor seine Mannschaft. Am letzten folgte ein 2:1-Sieg bei Hansa Rostock.
Kind ist für mich ein sehr gutes Beispiel für einen Geschäftsmann mit zu viel Einfluss auf einem Fachgebiet, das er eben nicht vollumfänglich beherrscht. Kind ist ein Problem für die immer wieder ebenso ambitionierten wie letzten Endes enttäuschenden Hannoveraner. Kinds einfache Antwort auf seinen frühen Ausbruch: Druck sei aus seiner Sicht notwendig, „sonst erleben wir wieder eine ganz schwierige Saison. Dazu ist die Mannschaft auch zu teuer.“ Aber das nur für alle, die immer noch glauben, ein Mäzen mit viel Geld ist immer auch gleich ein guter Vereinsboss…
In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Abend!
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