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Die HSV-Defensive steht in Kitzbühel auf dem Prüfstand

Trainingsbeginn in Österreich. In der Tiroler Vormittagshitze betraten die HSV-Spieler unter den Blicken von einigen Dutzend Fans und Schaulustigen den Platz. Zu Beginn sorgte…

Die HSV-Defensive steht in Kitzbühel auf dem Prüfstand

Aus Kitzbühel berichtet Cornelius Link

Trainingsbeginn in Österreich. In der Tiroler Vormittagshitze betraten die HSV-Spieler unter den Blicken von einigen Dutzend Fans und Schaulustigen den Platz. Zu Beginn sorgte ein vorbeifahrender Radfahrer für Gelächter: “HSV in die fünfte Liga”, grölte ein offensichtlich nicht die Raute im Herzen tragender Mountainbiker, während er jenseits des Zaunes entlang radelte. Ein absurder aber unterhaltsamer Moment, der Zuschauer und Spieler gleichermaßen zum Schmunzeln brachte. Beim Mannschaftstraining fehlte neben dem U21-Fahrer Ludovit Reis überraschend Kapitän Sebastian Schonlau. Aufgrund von Wadenproblemen hatte dieser lediglich ein individuelles Workout im Teamhotel durchgezogen. Ebenfalls nicht dabei war Flip Bilbija, dessen Abgang nach Paderborn vormittags von HSV-Seite offiziell bekanntgegeben wurde.

Trainert wurde heute vor allem mit Ball - Walter forderte die notwendige Energie und Intensität dabei wiederholt ein. Häufig waren Merlin Polzins oder Tim Walters Stimme auf dem Trainingsgelände zu vernehmen. Die Youngsters Felix Paschke, Luis Seifert, Tom Sanne und Omar Megeed standen den erfahrenen Spielern bei den Übungen in nichts nach und wirkten hochmotiviert. Generell präsentierte sich die Mannschaft heute konzentriert und fokussiert - gute Voraussetzungen also für eine produktive Zeit hier in Österreich.


HSV spielt 3:3 gegen Viktoria Pilsen

Erste Erkenntnisse lieferte das gerechte 3:3-Unentschieden gegen Viktoria Pilsen bereits. Wieder einmal offenbarte die HSV-Defensive Lücken, insgesamt begegnete Tim Walters Team den favorisierten Pilsenern jedoch auf Augenhöhe und hätte die zwischenzeitliche 3:2-Führung mit etwas mehr Konsequenz über die Zeit bringen können. Doch erst einmal der Reihe nach.

Zumberi und David begannen in der Innenverteidigung, auf den Außenverteidiger-Positionen ließ Walter Mikelbrencis und Kisilowski von Beginn an ran. Die beiden Neuzugänge Pherai und Öztunali starteten ebenfalls und betrieben mächtig Eigenwerbung. Nach einer fahrigen, ereignisarmen ersten halben Stunde drehten die beiden Hamburger Neuzugänge dann richtig auf. Erst klaute Pherai im Liegen mit beherztem Einsatz dem Pilsener Innenverteidiger den Ball und leitete an Glatzel weiter, der vom Keeper der Tschechen zu Fall gebracht wurde - Elfmeter. Diesen verwandelte Glatzel cool halbhoch ins rechte Eck und brachte den HSV in Führung (31’).

Keine drei Minuten später erhöhte Öztunali per Flachschuss ins rechte Eck auf 2:0, nachdem Glatzel eine Hereingabe von Dompe festgemacht und abgelegt hatte (34’). Zu diesem Zeitpunkt war die Führung in der Höhe jedoch schmeichelhaft, da Pilsen - auch begünstigt durch Hamburger Stellungsfehler - ebenfalls zu einigen vielversprechenden Gelegenheiten gekommen war. Kurz vor der Pause passierte es dann: Nachdem Königsdörffer im eigenen Sechzehner gefoult hatte, verkürzte der Pilsener Stürmer Durosinmi per verwandeltem Strafstoß auf 1:2 (44’).

Nach der Pause wechselten beide Teams erwartungsgemäß kräftig durch. Und dies begünstigte eine ereignisreiche Anfangsphase der zweiten Halbzeit. Der gerade eingewechselte Youngster Luis Seifert leitete mit einem missglückten Klärungsversuch einen Pilsener Angriff ein, die darauffolgende Hereingabe vollstreckte Reznik freistehend am zweiten Pfosten (54’). Doch der HSV antwortete prompt. Öztunali setzte mit einem klugen Pass Königsdörffer in Szene, der im Eins-gegen-Eins zur 3:2-Führung traf ( 56’).

In der Folge erspielten sich die Pilsener erneut gute Gelegenheiten und kamen durch den Ex-Watford und Burnley-Stürmer Matej Vydra zum 3:3-Ausgleich (83’): Bei dessen Antritt und nachfolgendem Flachschuss aus 17 Metern agierte die HSV-Hintermannschaft viel zu passiv. Mit dem Schlusspfiff hätten die Tschechen noch für den späten Siegtreffer sorgen können, doch Tomaš Kopfball segelte haarscharf am rechten Pfosten vorbei.

Auf der einen Seite zeigte der HSV einen vielversprechenden Offensiv-Auftritt - besonders die Neuzugänge um Pherai und Öztunali stachen hervor und machen Mut für die kommenden Wochen. Darüber hinaus präsentierte sich Walters Elf gegen einen international spielenden Klub als ebenbürtig. Defensiv zeichnete sich jedoch leider erneut ein altbekanntes Muster ab - risikofreudiges, hohes Stellungsspiel, fehlende Absicherung und einige individuelle Fehler. Damit endet der zweite Tag des Trainingslagers, morgen melde ich mich vom Trainingsplatz.

Aufstellung HSV: Fernandes (Raab 46’) - Mikelbremcis - Zumberi (Seifert 46’) - David - Oliveira - Königsdörffer (Paschke 84’)- Krahn (Megeed 84’) - Pherai (Suhonen 46’) - Dompe (Heil 60’) - Glatzel (Sanne 84’) - Öztunali (Jatta 46’)


Nach der Trainingseinheit verteilten die Spieler zunächst in gewohnter Manier Autogramme, um danach sich vor dem abendlichen Test gegen Viktoria Pilsen zurück ins Hotel zurückzuziehen. Nur ein Spieler war während der Mittagspause in der Kitzbühler Hotel-Lobby anzutreffen: Neuzugang Gui Ramos präsentierte sich den anwesenden Journalist:innen in einer Medienrunde. Der Portugiese hat derweil noch mit den Nachwehen einer Schulter-Op zu kämpfen. Im Trainingslager wird er daher noch mit angezogener Handbremse agieren müssen. Zum Ligastart hofft er jedoch wieder vollständig fit zu sein. “Ich mache spezielle Übungen hierfür und steigere mich Schritt für Schritt. Stabil ist meine Schulter schon jetzt, ich will aber keine weitere Verletzung riskieren”, erklärte der 25-Jährige, der zu einem ganz besonderen Landsmann aufschaut. “Pepe ist für mich ein großes Vorbild. Er ist schon 40 Jahre alt und zeigt immer noch starke Leistungen. Ich will natürlich nicht genau wie Pepe werden, sondern auf meine eigenen Stärken setzen”, betonte Ramos.

„Pepe ist für mich ein großes Vorbild. Er ist schon 40 Jahre alt und zeigt immer noch starke Leistungen. Ich will natürlich nicht genau wie Pepe werden, sondern auf meine eigenen Stärken setzen“

HSV-Neuzugang Guilherme Ramos

Ein bisschen portugiesische Zweikampfhärte à la Pepe wird der HSV im Aufstiegskampf definitiv gebrauchen können. Interessant wird sein, wie sich der aktuellste Neuzugang Dennis Hadzikadunic körperlich im Zweikampf präsentieren wird. Dieser war heute zwar noch nicht auf dem Trainingsplatz anwesend, wird aber in den kommenden Tagen zur Mannschaft hinzustoßen. Dieses Trainingslager wird schon erste Erkenntnisse darüber liefern, wie es um die HSV-Defensive steht.

Cornelius

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