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Die Causa Jatta ist längst ein menschenverachtender, mediengesteuerter Prestigefall

Es schmerzt einfach nur noch. Der Fall Bakery Jatta schien schon erledigt, nun wollen die Strafverfolger den HSV-Profi doch noch vor Gericht bringen. Mehr als zwei Jahre nach…

Die Causa Jatta ist längst ein menschenverachtender,  mediengesteuerter Prestigefall

Es schmerzt einfach nur noch. Der Fall Bakery Jatta schien schon erledigt, nun wollen die Strafverfolger den HSV-Profi doch noch vor Gericht bringen. Mehr als zwei Jahre nach Beginn der kontroversen öffentlichen Debatte, nach beweislosen Anschuldigungen und einer Hetzjagd auf einen Flüchtling hat die Staatsanwaltschaft nun doch Anklage vor dem Jugendrichter des Amtsgerichts Hamburg-Altona erhoben. Alle werden es wissen. Für diejenigen, die es noch nicht mitbekommen haben: Bakery Jatta soll eigentlich Bakary Daffeh heißen und zweieinhalb Jahre älter sein.

Was an sich grundsätzlich uninteressant wäre. Das rechtliche Problem ist, dass der Offensivspieler des in vier Fällen gegen das Aufenthaltsgesetz verstoßen sowie in einem weiteren Fall „mittelbare Falschbeurkundung“ begangen, heißt es in der Anklage. Vor einem Jugendrichter muss Jatta erscheinen, weil er zum Zeitpunkt der ihm vorgeworfenen Rechtsbrüche „teils Heranwachsender, teils Erwachsener war“, wie die Staatsanwaltschaft erklärte. 

Jattas Anwalt Bliwier kündigt Einspruch an

Jattas Anwalt Thomas Bliwier zeigte sich sehr erstaunt: „Für mich ist nicht nachvollziehbar, wie man auf Basis der Ermittlungen Anklage erheben kann“, sagte der Jurist, „wir sind der Auffassung, Herr Jatta hat seine Identität eindeutig nachgewiesen. Wir werden Stellung nehmen und beantragen, die Hauptverhandlung nicht zuzulassen.“ Auch der HSV stellte sich erneut hinter seinen Profi. Zu einem Bild von Jatta im Kreis seiner jubelnden Teamkollegen twitterte der Club am Montag nur: „Statement genug“. Und wie hier machten in den Foren etliche HSV-Fans deutlich, dass sie unabhängig von allen Ermittlungen hinter Jatta stehen.

Doch die Staatsanwaltschaft will den Fall nicht auf sich beruhen lassen. Bekannt ist: 2015 floh der damalige Jungprofi aus seinem Heimatland Gambia über Italien nach Deutschland. In Bremen erhielt der Mann ohne Papiere Unterkunft, spielte dort Fußball, bis der HSV auf ihn aufmerksam wurde. Seit der Saison 2016/17 trägt der pfeilschnelle Mann mit den raumgreifenden Schritten das Trikot HSV, zunächst im Regionalliga-Team, dann bei den Profis. 

Im August 2019 berichtete die „Sport Bild“ über Jatta und äußerte Zweifel an seiner Identität. Die Zeitschrift hatte Hinweise, dass es sich um den älteren Bakary Daffeh handeln könnte, der die Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland auf Grundlage falscher Angaben erhalten habe. Denn als damals 17-Jähriger und damit Minderjähriger unterlag Jatta anderen Kriterien für eine Bleibeberechtigung. Als Erwachsener hätte man ihm nach seiner Einwanderung direkt wieder ausweisen können – als „Jugendlichen ohne Begleitung“ nicht. 

https://soundcloud.com/user-36211795/di071221-muss-jatta-jetzt-doch-vor-gericht-boldt-sieht-hsv-benachteiligt-david-drangt-ins-team?si=84d283b351364e6b83288dcc8dfafae6

Die Ermittlungen der Behörden erbrachten jedoch kein Ergebnis für eine gefälschte Identität. Die Staatsanwaltschaft Bremen und das Hamburger Bezirksamt Mitte hatten im Spätherbst 2019 nach monatelanger intensiver Prüfung ihre Ermittlungen eingestellt. Zudem bestätigten gambische Behörden die Echtheit der Jatta-Papiere. Der 1. FC Nürnberg, der VfL Bochum und der Karlsruher SC, die Einspruch gegen die Niederlagen in den Zweitliga-Spielen gegen den HSV eingelegt hatten, zogen diesen zurück. Der HSV stellte sich stets hinter seinem Profi. 

Für Jatta: Dieser Schwebezusatnd muss ein Ende haben!

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zogen sogar eine Durchsuchung von Jattas Wohnung im Sommer 2020 mit sich. Dabei waren elektronische Datenträger wie Handy und Laptop beschlagnahmt worden. Es wurden auch Kontobewegungen des HSV-Profis überprüft. Dabei sei man auf Kontakte gestoßen, „die für uns nicht nachvollziehbar waren“, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Diese hatte zudem ein anthropologisch-morphologisches Gutachten an einem Institut in Freiburg in Auftrag gegeben. Ergebnis: Jatta und Daffeh seien „mit hoher Wahrscheinlichkeit ein und dieselbe Person“. Nur bewiesen werden konnte bislang nichts.

Ich bin ein Freund von Gerechtigkeit, von Recht und dessen Einhaltung. Immer. Auch Bakery Jatta hat sich dem selbstverständlich unterzuordnen. Sollte er also wirklich das Gesetz gebrochen haben, muss er dementsprechend auch die Konsequenzen tragen. Aber ich habe schon beim letzten Mal schon gesagt, dass dieser Schwebzustand mit den laufenden Ermittlungen für Jatta schon jetzt mehr Belastungen mit sich brachte und mehr mehr Strafe sind, als er am Strafmaß für das ihm Vorgeworfene letztlich von Seiten des Gerichts zu erwarten habe. Schon deshalb sollte man das Verfahren einstellen. Zumal man offenbar erneut keinen lückenlosen Beweis vorlegen kann.

https://open.spotify.com/episode/2dt6LGBUpa6WHDFW3aWXis?si=a91a6647a0b649b4

„In der Regel kommen solche Gutachten bei Schwerstverbrechen zur Anwendung. Wir finden das total überzogen“, sagte zuletzt Deniz Celik von der Linksfraktion der Hamburger Bürgerschaft über das Freiburger Gutachten. Vor allem stellt sich mir wieder die Frage: Wem würde Bakery eigentlich schaden, selbst wenn er falsche Angaben gemacht hat? Schließlich zahle er jetzt reichlich Steuern an den deutschen Staat und sei ein Beispiel für gelungene Integration. Letztlich ist es ein Prestige-Fall, bei dem am Ende maximal eine Geldstrafe und ein gehobener Zeigefinger herauskommen wird. So, wie es bei dem Stuttgarter Sala Wamangituka war, der Opfer von Machenschaften der Spielerberater geworden war. Der Kongolese heißt in Wirklichkeit Silas Katompa Mvumpa, was er inzwischen zugegeben hat und wofür er eine Spielsperre von drei Monaten und eine Geldstrafe erhielt.

Jatta hat mehr leiden müssen, als das Strafmaß rechtfertigt

Aber ich gehe noch einen Schritt weiter, da dieser Fall Jatta längst kein normales Verfahren mehr ist, sondern mediengetrieben. Die BILD lässt keine Ruhe, weil sie sich dem Beweis verschrieben hat. Die werden nie aufhören – das hatte ich schon beim ersten Artikel über dieses Thema geschrieben. Und die Staatsanwaltschaft hat sich längst mit ins Boot gesetzt. Dass es hier ob der bislang dilettantischen Menschenjagd – anders kann man dieses beweislose Geschwurbel nicht bezeichnen - noch keine personellen Konsequenzen gab, es ist mir unverständlich. Aber: Sollte sich diese neuerliche Anklage erneut als ähnlich substanzlos erweisen wie zuletzt, dann gehört die Staatsanwaltschaft genau so zur Rechenschaft gezogen wie Jatta im Falle seines Vergehens. Und dann würde sicher nicht nur ich den sofortigen Rücktritt des Oberstaatsanwalts und seine Kollegen für angemessen erachten.

Bis dahin ist alles wie bisher: Bakery Jatta gilt so lange als unschuldig, bis man ihm das Gegenteil bewiesen hat. Und ich lege mich gern noch einmal fest: Selbst wenn Jatta am Ende eine Verurteilung erwartet, muss diese als Verbüßt gelten. Denn den Seelenstress, dem man Jatta bislang seitens der BILD-Gruppe und der Staatsanwaltschaft ausgesetzt hat, ist schlimmer, als es die Strafe für das eigentliche Vergehen sein sollte. Von daher: Stoppt endlich diesen Wahnsinn. Bringt es zu einem Ende!

Ähnlich empört wie ich war heute übrigens auch Sportvorstand Jonas Boldt bezüglich des Spiels in Hannover und den Schiedsrichterentscheidungen im Speziellen. Aber dazu dann morgen mehr. Ich bin für heute genervt genug und will mich nicht noch einmal an Sascha Stegemann und dem Kölner Keller abarbeiten. Ich habe es in den letzten Jahren immer wieder gesagt und fühle mich immer wieder aufs Neue in meiner Sicht auf Stegemann bestätigt. Aber das ist zu 100 Prozent subjektiv. Da kann jeder eine andere Meinung haben. Was den Kölner Keller und dessen Versäumnisse betrifft, sehe ich das indes schon etwas anders. Aber dazu morgen eventuell mehr. 

Bis dahin wünsche ich Euch und vor allem Bakery Jatta alles Gute. Meine Unterstützung hat der Offensivspieler sicher. Da würde auch ein Rechtsbruch wie der, der ihm vorgeworfen wird, nichts mehr dran ändern können. Denn die Strafe dafür hat er längst verbüßt. Mehr sogar noch…

Bis morgen.

Scholle 

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