Meinung

Die Causa Jatta: Beim Geld hört die Solidarität auf

Dass das Spiel gegen Hansa Rostock schnell ausverkauft sein würde, war angesichts der beschränkten Zuschauerkapazität von gerade einmal 15.000 zugelassenen Fans im…

Die Causa Jatta: Beim Geld hört die Solidarität auf

Dass das Spiel gegen Hansa Rostock schnell ausverkauft sein würde, war angesichts der beschränkten Zuschauerkapazität von gerade einmal 15.000 zugelassenen Fans im Volksparkstadion klar. Ebenso wird das letzte Saisonspiel gegen den FC Schalke 04 ausverkauft sein. Das ist sicher. Genau so sicher ist übrigens, dass der HSV weiter zu Bakery Jatta steht. Das beteuerte heute auch noch einmal Trainer Tim Walter: „Baka ist ein herzensguter Junge. Er ist einer von uns. Der Verein steht zu ihm, das Team steht zu ihm. Baka weiß, dass wir ihm immer beistehen. Damit ist auch alles gesagt.“ 

https://soundcloud.com/user-36211795/do091221-berater-packen-uber-hsv-aus-walters-pladoyer-fur-jatta-david-kehrt-zuruck?si=3aa3bb24da5c485aac24da7e6375791f&utm_source=clipboard&utm_medium=text&utm_campaign=social_sharing

Ebenfalls sicher bin ich mir übrigens, dass die Solidarität in Fußballdeutschland, die Bakery Jatta gerade  bekommt, nur bis zu dem Punkt halten wird, wo es den jeweiligen Verein betrifft. Mit Ausnahmen sicherlich. Der FC St. Pauli beispielsweise würde nicht einmal dann Einspruch einlegen, wenn davon der Aufstieg abhinge. Aber wer sich heute mal den Podcast im Hamburger Abendblatt angehört hat, der wird ahnen, was ich meine.

Protest? Rostocks Pieckenhagen weicht aus

Wobei ich es Martin Pieckenhagen absolut nicht übel nehme, sondern seine ausweichende Antwort auf die Frage nach Jatta zu 100 Prozent verstehen kann. Ob sein Klub, der FC Hansa Rostock, Protest einlegen würde, wenn Jatta tatsächlich getäuscht hätte und der DFB ihm die Spielerlaubnis entzöge, wurde er von meinen Kollegen gefragt. Und er antwortete – nicht. „Wir haben in Rostock andere Probleme und Sorgen“, wich Pieckenhagen aus und sagte, dass sich der Fall Jatta auch ohne Hansa Rostock klären würde, während er parallel sehr warme Worte für Jatta wählte und ihm alles Gute wünschte.

Was ich sagen will: So unwahrscheinlich es auch ist, dass im Falle einer Verurteilung Jattas die gesamten Spiele des HSV mit Jatta umgewertet würden, es wird Klubs geben, die Proteste einlegen. Die einen müssen es, weil sie dem AG-Recht unterliegen und alles andere als ein Protest dem jeweiligen Vorstand von den Gesellschaftern/Aktionären als Versäumnis vorgeworfen werden könnte. Wieder andere müssen es aus wirtschaftlichen Gründen – und Nürnberger machen es aus Prinzip…

https://open.spotify.com/episode/62He4s8sWFjHh5qUzTZOTv?si=ff1da31aaf754386

Wobei nein, dieses Thema verdient keine Scherze. Das mit Nürnberg ziehe ich zurück, obgleich deren Bemühungen, Jatta nachzuweisen, dass er Daffeh heißt, schon perfide waren. Sie haben extra Ermittler dafür eingestellt, die in Deutschland wie in Afrika nach Beweisen buddeln sollten. Und die Nürnberger sind nur die, von denen das bekannt geworden ist. Auch andere Klubs werden derart eklige Dinge unternehmen, sobald sie sich daraus sportlich und - noch mehr finanzielle Vorteile erhoffen. Solidarität hat ihre Grenzen. Und der Fußball outet sich in diesem Bereich immer wieder als besonders eklig.

Solidarität im Fußball gibt es nur bis zu einem Punkt

Ich erinnere dabei nur an die Corona-Diskussion in der Phase, in der die DFL mit allen Mitteln und allen Zugeständnissen an die Bundesregierung versuchte, den Liga-Spielbetrieb wieder aufzunehmen bzw. ihn weiterlaufen zu lassen. In dieser Phase waren alle Profiklubs beste Freunde. Nicht wenige erhofften sich daraus einen positiven Langzeiteffekt. Aber der war schon vorbei, als die ersten Mannschaften coronabedingte Spielausfälle hatten und sich plötzlich im Nachteil wähnten. Plötzlich zählte alles vorher Gesagte nicht mehr. 

Und daher gebe ich tatsächlich nichts auf das ganze Gerede von außen. Das zählt für mich erst, wenn ein Klub seinen Worten auch Taten folgen lässt. Wie gesagt, dem FC St. Pauli nehme ich es schon deshalb ab, weil die Klub-Führung so tickt und es den Mitgliedern/Fans niemals plausibel erklären könnte, plötzlich wegen ein paar Punkte in der Liga eine grundsätzliche Haltung zu verlassen. Denn die ist beim FC St.Pauli quasi im Leitbild verankert: Kein Mensch ist illegal.

Und damit könnte ich jetzt hier wieder zu einer Diskussion überleiten, die sich mit grundsätzlichen Werten beschäftigt. Aber das muss warten. Es ist auch nicht entscheidend für den Moment, sondern wichtig für die Zukunft. Ich verfolge die Diskussion hier im Blog über Jatta sehr intensiv. Und ich werde mich an das halten, was ich von Beginn an als Maxime hatte. Andere Meinungen werden nicht nur geduldet, sie sind auch sehr erwünscht.

Aber eines ist auch klar: Ich werde alles rigoros rausstreichen, was aus meiner Sicht unmenschlich ist. Rechtes Gedankengut und/oder rechte Formulierungen sind hier ausdrücklich NICHT gewünscht und werden auch NICHT geduldet. Von daher: Wer sich daran nicht halten kann, ist herzlich eingeladen, sich einen anderen Blog zu suchen.

Und wenn ich schon dabei bin, dann noch eine Ankündigung in eigener Sache: Ich werde in den kommenden Wochen neben einem Kurzurlaub zwischen den Feiertagen jede Woche leider mindestens einen Tag nur sehr bedingt dazu kommen, mich um den HSV zu kümmern. Oder anders formuliert: Ich werde jede Woche einen Tag einstreuen, an dem ich frei mache. Diese Woche sollte das eigentlich der heutige Mittwoch sein, aber wir haben mittwochs immer unseren Communitytalk, den wir auch heute Mittag wieder aufgezeichnet haben. Leider ist uns dabei ein Fehler unterlaufen und der Ton war über einen längeren Zeitraum nicht zu hören. Also leider alles so nicht zu verwerten. Deshalb werden wir den Communitytalk morgen noch mal neu aufzeichnen. Wer also noch schnell ne Frage loswerden will, gern an [email protected]. Dann nehme ich die auch noch mit rein! 

Im diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

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