Spielbericht

DFB-Pokal: HSV besiegt Heidenheim 1:0 - Glatzel schießt Hamburg ins Achtelfinale

Der HSV steht im Achtelfinale des DFB-Pokals - und das völlig verdient. Mit einem 1:0-Erfolg beim 1. FC Heidenheim setzten sich die Mannen von Trainer Merlin Polzin am…

DFB-Pokal: HSV besiegt Heidenheim 1:0 - Glatzel schießt Hamburg ins Achtelfinale

Der HSV steht im Achtelfinale des DFB-Pokals - und das völlig verdient. Mit einem 1:0-Erfolg beim 1. FC Heidenheim setzten sich die Mannen von Trainer Merlin Polzin am Dienstagabend souverän durch, auch wenn sie sich angesichts drückender Überlegenheit erneut schwer taten, ihre Chancen in Tore umzumünzen. Der eingewechselte Robert Glatzel avancierte an alter Wirkungsstätte zum Matchwinner und sorgte in der 83. Minute per (sehr zweifelhaften) Strafstoß für die Entscheidung. Es war ein Sieg, der sportlich wie emotional Wirkung zeigen dürfte – und die Diskussion um die Sturmfrage zwischen Glatzel und Königsdörffer neu entfacht.

Von Beginn an übernahm der HSV das Kommando auf der windigen Ostalb. Trainer Merlin Polzin hatte seine Startelf gegenüber der 0:1-Niederlage gegen Wolfsburg auf fünf Positionen verändert: Bayern-Leihgabe Daniel Peretz feierte sein Pflichtspieldebüt im Tor, während Gocholeishvili nach seiner Gesichtsverletzung ebenso zurückkehrte wie die jungen Røssing-Lelesiit und Vieira. Trotz der Umstellungen fanden Luka Vuskovic und Co. schnell ins Spiel, attackierten früh und erarbeiteten sich bereits in den ersten Minuten hochkarätige Gelegenheiten. Muheim hatte die erste große Chance (3.), Königsdörffer scheiterte wenig später freistehend an FCH-Keeper Ramaj (7.), der unfassbar geile lange Pässe spielt...!

HSV dominierteren zehn Mann - aber Torchancen fehlen

Aber zurück zum Wichtigen: Nach einem intensiven, aber torlosen ersten Durchgang folgte kurz vor der Pause die Schlüsselszene: Königsdörffer war auf dem Weg Richtung Tor nicht mehr zu stoppen, wurde jedoch vom letzten Heidenheimer Verteidiger Tim Siersleben rüde gestoppt. Schiedsrichter Brand zückte konsequent Rot – der HSV spielte die gesamte zweite Hälfte in Überzahl.

Nach der Pause kontrollierte der HSV die Partie vollständig. Der Ball lief sicher durch die eigenen Reihen, das Tempo blieb allerdings überschaubar, und gegen tief stehende Heidenheimer fehlte oft die zündende Idee. Immer wieder blieben Abschlüsse aus der Distanz oder nach Standards das einzige Mittel - Vuskovic (73.) und Vieira (75.) prüften Ramaj per Freistoß, ohne Erfolg.

Dann kam Glatzel. Der lange Zeit außen vor gelassene Stürmer wurde nach rund einer Stunde eingewechselt – und rechtfertigte das Vertrauen seines Trainers eindrucksvoll. Zehn Minuten vor Schluss wurde Vieira im Strafraum von Niehues leicht am Fuß getroffen, Brand entschied auf Elfmeter. Glatzel schnappte sich den Ball, blieb cool und verwandelte flach ins linke Eck – sein erster Treffer seit Wochen, gleichzeitig der entscheidende zum 1:0-Endstand.

Glatzels Elfmetertreffer reicht am Ende zum Einzug ins Achtelfinale

In der Schlussphase warf Heidenheim trotz Unterzahl alles nach vorn, doch die Hamburger Defensive um Vuskovic und Torunarigha hielt stand. Daniel Peretz, der bei seinem Debüt kaum geprüft wurde, strahlte Ruhe aus. Nach acht nervenaufreibenden Nachspielminuten war der Einzug ins Achtelfinale perfekt – ein Erfolg, der sportlich wie finanziell (rund 850.000 Euro Prämie) doppelt wertvoll ist.

„Ich freue mich enorm für Bobby“, sagte Nicolai Remberg nach Abpfiff. „Er hat trotz seiner schwierigen Situation nie schlechte Stimmung verbreitet – das ist bemerkenswert.“ Auch Trainer Polzin lobte Glatzels Professionalität, machte aber deutlich, dass sich an der grundsätzlichen sportlichen Linie nichts ändere: „Er hat gezeigt, dass er da ist, wenn wir ihn brauchen – jetzt muss er jeden Tag weiter Gas geben.“

Unterm Strich war es ein hochverdienter Sieg des HSV, der defensiv kaum etwas zuließ und offensiv erneut viel Aufwand für ein einziges Tor betreiben musste. Die anhaltende Ladehemmung bleibt Thema – doch Glatzels spätes Comeback-Tor könnte genau der Impuls sein, den die Mannschaft jetzt gebraucht hat.

DIE EINZELBEWERTUNGEN:

Daniel Peretz: Er durfte endlich mal ran, und hatte extrem wenig zu tun. Als er in der Schlussphase gefordert wurde, war er allerdings da. Fehlerfrei. Und da er nichts dafür konnte, dass er so wenig zu tun bekam -  Note: 2

Giorgi Gocholeishvili: Endlich wieder zurück. Ohne Maske, weil sie nervt – und weil er einfach ein geiler Charakter ist. Der Georgier schont seine Knochen nicht, er gibt immer Vollgas. Manchmal etwas überhastet und nicht mit dem genialen Talent am Ball ausgestattet - aber immer am (eigenen) Limit. Das gefällt mir! Note: 3

Jordan Torunarigha: Überraschend in der Startelf. Sehr überraschend für mich. Machte nicht viel falsch, musste allerdings auch nicht viel machen, weil die Heidenheimer so defensiv spielten als Oberligist Pirmasens in der ersten Runde gegen den HSV. Schwer zu bewerten, ehrlich gesagt. Aber angesichts der Tatsache, dass er nichts falsch gemacht und der HSV zu null gespielt hat – Note: 3

Luka Vuskovic: In der ersten Viertelstunde war er fast nur in der Offensive zu finden – wie die meisten HSVer. Auch danach hinten unterfordert und immer wieder ins Offensivspiel involviert. Hinten gewohnt sicher in der Luft und am Ball. 

Daniel Elfadli: Unaufgeregt sicher. Note: 3

Miro Muheim: Er hätte in der dritten Minute bereits die Führung besorgen müssen und vergab unglücklich. Danach hatte er defensiv so gut wie nichts zu tun und versuchte, sich immer wieder vorn mit einzuschalten. Und obwohl er es sicher besser kann, war das okay. Note: 3

Fabio Vieira: War viel am Ball, versuchte viel – aber Torchancen kreieren war nicht drin. Und die Entscheidung in der Nachspielzeit verpasste er auch – dafür holte er den Elfer raus. Note: 3

Nicolai Remberg: Aktiver und aggressiver als am Wochenende – aber das musste er auch als Sechser neben dem deutlich offensiveren Vieira. Für den (Schiri und den) Trainer offenbar zu aggressiv – er blieb gelbrot-gefährdet in der Halbzeit in der Kabine. Note: 3

Jonas Meffert (ab 46.): Kam rein und niemand bemerkte ihn. Trotzdem fehlerfrei, aber nach vorn weiterhin stark ausbaufähig. Note: 4

Alexander Rössing-Lelesit (bis 61.): Das gerade 18 Jahre junge Leichtgewicht hat so viel Talent, dass es schmerzt, zu sehen, wie wenig er aktuell daraus machen kann. Er ist einfach noch zu leicht wegzuschieben für die Gegenspieler. Er ist einfach noch zu schwach auf der Brust – zu naiv. Und so sehr man sich seine späteren Fußballerjahre vorstellen kann - er muss physisch und taktisch noch mächtig zulegen, um im Hier und Jetzt eine echte Verstärkung zu werden. Note: 4

Immanuel Pherai (ab 62.): Sollte Schwung bringen und mit seinen schnellen Dribblings die FCH-Abwehr aufbrechen, schaffte es nur bedingt. Aber seine Spielweise wird der HSV immer wieder brauchen, von daher freue ich mich über jede Spielminute, die er bekommt. Note: 3,5
Ransford Königsdörffer (bis 61.): In der siebten Minute lief er allein auf den Keeper der Heidenheimer zu und vergab. „Zu erwarten“, sagen die einen und stimmen die Glatzel-Diskussion an. Ich behaupte aber, dass Glatzel diese Chance wegen seines mangelnden Tempos gar nicht gehabt hätte. Dennoch: Er ist sinnbildlich in seinen Abschlüssen für die fehlende Abschlussstärke des HSV. Note: 4

Robert Glatzel (ab 62.): Er kam rein, bekam einen Elfer geschenkt – und er nutzte ihn zum Siegtreffer. Auftrag erfüllt! Deshalb wurde er auch im Anschluss von den Fans gefeiert! Und obwohl ihm nicht viel aus dem Spiel heraus gelang, war er der Matchwinner. „Knipser“, sagen die einen – „Glück gehabt“ sagen die anderen. Mir isses ehrlich gesagt komplett wurscht. Ich freue mich übers Weiterkommen und darüber, dass ein Torjäger wieder trifft. Wenn das hilft fürs Selbstvertrauen und somit zu weiteren Treffern führt, soll es uns doch allen nur recht sein… Note: 2,5

Rayan Philippe (bis 89.): Er bereitete die Megachance von Muheim vor – aber danach kam nicht mehr viel von ihm. Note: 4

Youssouf Poulsen (ab 89.): Noch dabei. 

DAS SPIEL IM STENOGRAMM:

1. FC Heidenheim: Ramaj – Traoré (46. Dorsch), Mainka, Siersleben, Föhrenbach – Niehues (85. Kölle), Schöppner, Kerber (46. Busch), Ibrahimovic – Schimmer (73. Pieringer), Zivzivadze (72. Honsak)

HSV: Peretz - Elfadli, Vuskovic, Torunarigha - Gocholeishvili, Vieira, Remberg (46. Meffert), Muheim - Philippe (89. Poulsen), Königsdörffer (61. Glatzel), Rössing-Lelesiit (61. Pherai)

Tore: 0:1 Glatzel (83.)

Zuschauer: 15.000 (ausverkauft)      

Schiedsrichter: Benjamin Brand (Schwebheim)

Gelbe Karten: Niehues, Dorsch, Ramaj, Mainka / Remberg

Gelb-Rote Karten: Schmidt / -

Rote Karten: Siersleben, Schmidt / -

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