Derbystimmung nimmt (noch sehr) langsam Fahrt auf
Der HSV hat die Vorbereitung auf das Derby an diesem Freitag verbaselt. Das ist klar. Das 0:2 beim 1. FC Kaiserslautern „war so nicht geplant“, wie Sebastian Schonlau heute in…

Der HSV hat die Vorbereitung auf das Derby an diesem Freitag verbaselt. Das ist klar. Das 0:2 beim 1. FC Kaiserslautern „war so nicht geplant“, wie Sebastian Schonlau heute in der Presserunde noch einmal bekräftigte. „Es war nicht das Spiel und auch nicht das Ergebnis, das wir haben wollten. Natürlich denkst du bei der Heimfahrt über Szenen nach, bei denen du glaubst, du hättest es besser machen können. Am Wochenende haben wir dann natürlich versucht, dass Lautern-Spiel abzuhaken, um uns wirklich auf dieses Spiel zu fokussieren und darauf zu freuen.“ Ob das gelungen ist? Schwer zu sagen.
Sportlich ist es nicht gelungen. Weder dem HSV noch dem FC St. Pauli, der am Sonntag gegen Eintracht Braunschweig ebenfalls patzte (1:2). Allein das Hamburger Umfeld gerät schon in Derbystimmung. Und ich hoffe, dass HSV-Trainer Tim Walter die Bedeutungsschwere dieses Spiels richtig einstuft. So, wie es Felix Magath macht. Der sagte den Kollegen der BILD: „Gewinnt der HSV das Derby, würde das dem gesamten Verein für die dann restlichen fünf Partien so einen enormen Schub geben, dass sie dann durchmarschieren würden. Dann sind die Köpfe total frei, vieles läuft dann selbstverständlicher auf dem Platz“, ist sich Magath sicher. Und ich bin geneigt, ihm in diesem Punkt zu 100 Prozent zu folgen.
In dieser Woche gilt es, das Spiel gegen den FC St. Pauli eben nicht als ein Spiel zu deklarieren, dass wie alle anderen ist. Der HSV muss nicht „reifer“ oder cooler spielen. Die Mannschaft braucht nach den zuletzt gehemmt wirkenden Auftritten die Freigabe, mal wieder etwas durchzudrehen. Sogar etwas mehr als sonst! Ich würde der Mannschaft in den nächsten Tagen die Ausnahmesituation verdeutlichen, die für dieses Spiel gilt. Ich würde alles daransetzen, der Mannschaft zu vermitteln, dass man nicht cooler sein und bleiben muss als der FC St. Pauli – sondern in jeder Phase leidenschaftlicher. Jeder einzelne Spieler muss dieses Spiel als ein absolutes Finalspiel ansehen und im Anschluss so platt sein, dass er die zwei Tage Pause, die Walter in aller Regel gibt, auch wirklich benötigt, um wieder bei 100 Prozent zu sein. Hier geht es um zu viel. Um drei existenziell wichtige Punkte, um Prestige via Stadtmeisterschaft – aber vor allem darum, das nötige Selbstvertrauen für den Schlussspurt der Saison zu gewinnen. Ebenso, wie Magath es sagte…
Sebastian Schonlau ist für war heute darum bemüht, zu verdeutlichen, dass man dieses Derby sehr ernst nehme und wisse, was die Fans erwarten. „Ich glaube die Leute freuen sich einfach darauf. Nicht nur in Hamburg, sondern auch in anderen Städten in Deutschland.“ Der HSV-Kapitän ist eh kein Lautsprecher. Er wurde noch nicht euphorisch, sondern blieb eher etwas bedacht. Ob es bestimmte Rituale vor einem Derby gebe? „Nein. Natürlich ist das Spiel etwas Besonderes. Du musst aber trotz allem in deiner Mitte bleiben. Deswegen werde ich nichts Außergewöhnliches machen. Natürlich wollen wir die Emotionen, die aufkommen, mitnehmen, aber wollen auch nicht komplett durchdrehen.“ So viel dazu.
Jeder hat eben seine eigene Art, mit solchen Spielen umzugehen. Auch der Kapitän des Derby-Gegners kam heute zu Wort. Ebenfalls noch sehr bedacht: „Ich freue mich sehr, dort vor vollem Haus zu spielen“, sagte der australische Kapitän des FC St. Pauli heute bei einer Medienrunde. Das Duell am Freitag bezeichnete er als „wichtiges Spiel für die Stadt“, für das man als Spieler „keine Extra-Motivation“ brauche. Auch der 30-Jährige bräuchte keine besonderen Rituale: „Ich bin kein abergläubischer Typ, ich bin sehr entspannt und will mich einfach richtig vorbereiten“, sagte der Mittelfeldspieler. Er merke aber die besondere Derby-Stimmung.
Apropos Stimmung: Die wird am Freitag zweifelsfrei wieder phänomenal über die 90 Minuten gesehen. Und auch die Laune bei Walter hob sich heute, als er seinen Mittelfeldorganisator Jonas Meffert wieder am Ball sehen konnte. Auch Schonlau freute sich über die Rückkehr Mefferts, dessen Ausfall am Sonnabend überdeutlich wurde: „Meffo ist natürlich wichtig, er ist der Eckpfeiler unserer Mannschaft. Auf der Sechs hat er alles um sich herum. Deswegen würden wir uns total freuen, wenn Meffo wieder da ist, er gibt der Mannschaft viel Sicherheit. Wenn dies nicht der Fall sein sollte, nehmen wir das aber auch an“. Mehr dazu in den nächsten Tagen. Da wird sich klären, wer am Freitag auflaufen darf. Und hierbei gibt es aus meiner Sicht noch einige Fragen neben der, ob Meffert wieder fit ist. Zum Beispiel: Darf Kittel noch mal von Beginn an ran? Spielt Suhonen oder Benes im Zentrum? Muss Muheim für den wieder gesunden Heyer auf die Bank? Oder vielleicht Katterbach?
Alles Fragen mit denen wir uns in den nächsten Tagen beschäftigen werden.
Bis dahin wünsche ich Euch erst einmal einen schönen Abend.
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