Derbysieger! HSV siegt im Stadtderby gegen Schiri und den FC St. Pauli
Die Fans des HSV reagierten nach dem Sieg ihrer Fußball-Helden im 111. Stadtderby gegen den FC St. Pauli schnell. Gleich nach dem Abpfiff zogen sie am Freitagabend in der…

Die Fans des HSV reagierten nach dem Sieg ihrer Mannschaft im 111. Stadtderby gegen den FC St. Pauli schnell. Gleich nach dem Abpfiff zogen sie am Freitagabend in der Nordkurve ein Banner mit der Aufschrift „Die Stadt gehört uns“ hoch. Die HSV-Spieler versammelten sich vor der Nordkurve und tanzten, sprangen und lachten, als stünden sie kurz vor dem Aufstieg. „Jetzt kriegt man auch ein Gefühl für norddeutsche Emotionen“, meinte Trainer Steffen Baumgart. „Heute freuen wir uns wirklich. Der Sieg war verdient, die Jungs sind drangeblieben.“
Und so war es auch. Und so gut der Erfolg gegen den ungeliebten Stadtrivalen der HSV-Seele tat. Auch dem aktuell viel diskutierten Sportvorstand Jonas Boldt. „Eigentlich ist dieses Spiel ein Sinnbild für die letzten Jahre. Wir mussten viele Widerstände angehen. Aber wenn man sieht, wie die Jungs sich reingehauen haben und unterstützt wurden, ist das maximale Intensität“, sagte Sportvorstand Jonas Boldt bei Sky und löste in mir das Gefühl aus, was ich nach Schlusspfiff hatte: Dass man hier etwas übersteigert, um die enttäuschende Saison etwas erträglicher zu reden.
Dabei machte der heutige Sieg auch eines ganz deutlich: Heute konnte man sehen, wie einfach der HSV es hätte haben können auf dem Weg zurück in die Erste Liga. Hinten unspektakulär und klar, im Mittelfeld defensiv zweikampfstark und offensiv mit einzelnen Nadelstichen, die zu mehr als dem einen Tor heute hätten führen müssen. Zumindest der Glatzel-Treffer, den der dramatisch schwache Schiedsrichter Dr. Matthias Jöllenbeck aberkannte. Weshalb? Unerklärlich. Er hatte ein Foul von Glatzel gesehen, das es nie gab. Dass der VAR hier seinen Schiri nicht überstimmte – es setzte dieser dramatisch schwachen Schiri-Leistung die Krone auf.
Allein Glatzel ließ sich nicht entmutigen und sorgte mit seinem 19. Saisontor in der 85. Minute für einen Sieg, der den Volkspark zum Beben brachte. „Das kann man gar nicht beschreiben, davor malt man es sich aus, das entscheidende Tor zu schießen. Das ist natürlich ein unglaublich geiles Gefühl, unbeschreiblich“, freute sich Glatzel. „Die ganzen Emotionen kommen hoch, einfach nur unbeschreiblich so ein Moment.“
Und ein Moment, den alle HSVer genießen sollten. Denn schon morgen geht der Blick zurück aufs Wesentliche, denn noch hat der HSV die minimale Chance, den Relegationsplatz zu erreichen. Der Abstand auf den Tabellendritten Fortuna Düsseldorf beträgt weiter vier Punkte bei noch zwei ausstehenden Spielen. Allerdings haben die Rheinländer nach ihrem 3:1 (2:0) gegen den 1. FC Nürnberg die um 13 Treffer bessere Tordifferenz. „Einfach die nächsten Spiele so angehen wie die letzten und dann gucken wir, was möglich ist“, meinte Glatzel, dessen Treffer auch eine Aufstiegsparty des Stadtrivalen im Volksparkstadion verhinderte.
Versöhnlich waren dann die Abschlusssätze von Glatzel: Er würde sich für Hürzeler freuen, wenn dieser aufsteigen würde, „weil er ein super Trainer ist. Scheiße, dass er bei St. Pauli Trainer ist.“
SPIELERBEWERTUNGEN:
MATHEO RAAB: Er hatte nicht viel zu tun, was vor allem an seinen sehr organisierten, starken Vorderleuten lag. Note: 3
DENNIS HADZIKADUNIC: Ordentlich reingehauen, nichts zugelassen – gut! Note: 3
SEBASTIAN SCHONLAU: Machte den Laden hinten dicht, gewann gefühlt 100 Prozent seiner Zweikämpfe – und die waren nicht alle einfach. Stark! Note: 1,5
LUDOVIT REIS: Das Duell mit Hartel versprach viel – und er gewann es deutlich. Hätte er den Elfer getroffen, er wäre in den letzten Spielen wieder der Alte. Aber: Verschoss dann den Elfer - leider. Note: 3
MIRO MUHEIM: Spielte einen sehr soliden Part auf der linken Seite gegen den schnelle Afolayan. Im Zentrum wieder stark, Note: 3
JONAS MEFFERT (bis 87.): Dass der HSV im Mittelfeld die spielstarken Gäste nicht zur Entfaltung kommen ließ, lag auch an ihm. Ordnete, dirigierte und gewann die Zweikämpfe. Gut! Musste gelbrot-gefährdet ausgewechselt werden. Note: 2,5
IGNACE VAN DER BREMPT (ab 87.): Haute sich tierisch rein und war noch mal Stabilisator in der Schlussphase.
LUKASZ POREBA (bis 60.): Er ackert und arbeitet weg. Aber fußballerisch reicht das nicht, um dem im Mittelfeldzentrum auch offensiv Akzente zu setzen. Note: 3
ANSSI SUHONEN (ab 61.): Wie immer war er auch heute sofort auf Temperatur.
IMMANUEL PHERAI: Er war enorm fleißig, schleppte Bälle, schmiss sich mit dem, was er bieten kann, in die Zweikämpfe – das war okay! Offensiv auch besser als zuletzt. Note: 2,5
RANSFORD KÖNGSDÖRFFER (bis 86.): Er hatte gleich mehrfach das 1:0 auf dem Fuß, war viel in Bewegung und setzte sich immer wieder gut durch. Die erste Halbzeit war ordentlich. Er hätte einen Treffer verdient. Allein der letzte Ball fehlte – und leider auch zu oft noch der erste. Trotzdem war das echt gut heute! Note: 2
MASAYA OKUGAWA (ab 86.): Holte einen Elfer raus und deutete mal wieder an, dass er wirklich eine Verstärkung hätte sein können.
JEAN-LUC DOMPÉ (bis 90.): Er hatte viele Szenen, die er nicht gut löste, weil er das Tempo verschleppte, anstatt mutig in den Infight zu gehen. Warum nur? Sonst macht er das mehr. In der zweiten Halbzeit wurde er etwas griffiger – aber er kann es noch besser. Note: 3,5
LEVIN ÖZTUNALI (ab 90.): Machte in den wenigen Minuten nichts falsch, sondern alles richtig und legte den Pass auf Okugawa zum Elfmeter auf. Er hat diese Saison so viel an die Backen bekommen, deswegen bekommt er ausnahmsweise die Note: 2.
ROBERT GLATZEL (bis 90.): Sein erster Treffer hätte zählen MÜSSEN! Im Sechzehner ist er eine Glatte eins, in der Luft ist er gut – nur im Dribbling fehlt ihm etwas. Warum er dennoch immer wieder den Ball tief abholt und vor sich hertreibt, anstatt schnell zu spielen, werde ich nie verstehen. Trotzdem war er heute sackstark und traf am Ende auch noch mal so, dass kein VAR und kein Schiri dieser Welt – nicht mal der heutige Schiri Herr Dr. Jöllenbeck – das aberkennen konnte. Note: 1
ANDRAS NEMETH (ab 90.): Dabei.
TRAINER STEFFEN BAUMGART: Er hat (fast) alles richtig gemacht. Bis zur Nachspielzeit, als er Nemeth und Öztunali brachte. Den Gedanken dahinter konnte ich zwar nicht erkennen – aber das ist in diesem Fall auch scheißegal. Baumgart kann Derby. Es liegt auch an seiner Aufstellung und der defensiven Stabilität, dass man in Hamburg weiter auf Derbys in der kommenden Saison eine Klasse höher träumen darf. Note: 2
SCHIEDSRICHTER Dr. MATTHIAS JÖLLENBECK: Krasse Fehlentscheidung beim ersten Treffer von Glatzel. Wie kann sowas trotz VAR noch passieren???? Das ist einfach nur noch lächerlich! Von 100 Entscheidungen waren bei Jöllenbeck 99 falsch. Er gab den Treffer nach Porebas Foul, sah das Foul an Okugawa selbst nicht (wobei das noch schwieriger als der Rest war) – seine Leistung war schlichtweg eine Katastrophe. Note: 11 minus
DIE STATISTIK ZUM SPIEL:
HSV: Raab - Reis, Hadzikadunic, Schonlau, Muheim - Meffert (87. Van der Brempt), Poreba (71. Suhonen), Pherai - Königsdörffer (87. Okugawa), Glatzel (90.+3 Nemeth), Dompe (90.+3 Öztunali)
FC St. Pauli: Vasilj - Nemeth, Wahl, Mets - Saliakas, Irvine, Kemlein (86. Saad), Metcalfe (86. Ritzka) - Afolayan (89. Albers), Eggestein (76. Amenyido), Hartel
Tore: 1:0 Glatzel (85.)
Zuschauer: 56.100 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Matthias Jöllenbeck (Freiburg)
Gelbe Karten: Muheim, Meffert / Metcalfe
Gelb-Rote Karten: - / Saliakas (90.+7)
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