Der Weg mit Kühne ist eine Einbahnstraße
Es interessiert mich immer, was hier in den Kommentaren geschrieben wird. Auch dann, wenn ich nicht darauf reagiere. Aber würde ich das machen, wäre ich schnell in einer…

Es interessiert mich immer, was hier in den Kommentaren geschrieben wird. Auch dann, wenn ich nicht darauf reagiere. Aber würde ich das machen, wäre ich schnell in einer unendlichen Spirale. Das funktioniert leider nicht. Dennoch werde ich mir hier immer wieder mal einzelne Kommentare herauspicken und diese beantworten bzw. sie kommentieren und/oder meine Sicht darstellen. Das werde ich auch weiterhin machen. Allein auf die Kommentare derer, die mir hier vorschreiben wollen, wie ein Blog richtig geführt wird, werde ich nicht reagieren – also abgesehen von diesem einen Absatz heute. Das nur für die Rotkaeppchens und Co., die immer wieder schreiben, worüber man berichten könnte, es aber bis heute nicht geschafft haben, selbst mal einen Blog zu schreiben. Nichtsdestotrotz sind hier alle User und Userinnen immer herzlich eingeladen, dies zu tun.
Apropos: Gestern hatte unser Blogfreund Dr. Olaf Ringelband hier einen aus meiner Sicht extrem interessanten Beitrag verfasst. Und ich habe von Robert Hoyer einen weiteren vorliegen, den ich morgen wohl hier einstellen werde, weil ich heute noch einmal auf die Diskussion um Klaus Michael Kühne und einen Teil der Vereinspolitik eingehen werde. Also darauf, was Frank Ockens und Marc Osigus hier zuletzt angeschoben hatten. Beide haben gegensätzliche Vorstellungen davon, wie der HSV seinen Weg in die Zukunft erfolgreich gestalten kann. Und beide haben sehr viele Argumente geliefert, mit denen ich mich sehr gut anfreunden kann.
Das Glück des HSV darf nie an eine einzelnen geknüpft sein
Für mich steht allemal fest, dass der Weg des HSV niemals allein an Klaus Michael Kühne geknüpft werden kann. Dessen Geld hätte dem HSV helfen können, sich wieder unabhängiger und konkurrenzfähiger zu machen – es wurde aber schlichtweg verprasst. Darin liegt der entscheidende Fehler des HSV unter den verschiedenen Führungen der letzten Jahre. Okay, keine einzige Führung hiervon hat unabhängig von Kühne gehandelt hat. Dafür war Kühnes Wort einfach zu mächtig nach seinem Einstieg. Aber es ist auch so, dass viele Vorstände und andere Verantwortliche es gar nicht wollten, weil sie sich und andere dazu gezwungen hätten, mehr zu machen, besser als andere zu arbeiten und endlich einen eigenen Weg zu finden. Es war halt immer auch ein Stück weit gemütlich, dass Kühne in Notlagen immer wieder mit ein paar Milliönchen um die Ecke kam.
Mit anderen Worten: Dieser HSV hat sich wissentlich in eine Abhängigkeit manövriert, die immer schwieriger abzuwenden ist. Das wiederum lag auch daran, dass man Führungen hatte, die ihren Nachfolgern die Probleme einbrachten in dem Wissen, dass sie mit viel Glück zu Helden werden – wahrscheinlich aber einfach weg sind, wenn die Folgen ihres Handelns ihre Wirkung entfalten. In diesen Zeiten war Kühne – mal abgesehen von den letzten anderthalb Jahren, wo er den HSV als seinen größten wirtschaftlichen Fehler bezeichnete und angeblich alle Anteile verkaufen wollte - tatsächlich die einzige Konstante. Das muss man ihm ebenso lassen wie die Tatsache, dass Kühne intern immer wieder klar gemacht hat, dass er sehr wohl mehr Mitspracherecht einfordert.
Das gipfelte zuletzt in einem 120-Mio-Angebot, für welches er im Gegenzug seinen Kapitalstand beim HSV auf knapp 40 Prozent anheben wollte und völlig realitätsfremd 50 Prozent Mitspracherecht einforderte. Dasselbe macht Kühne aktuell übrigens wieder. Und das erneut komplett, ohne sein Handeln zu verschleiern, indem er einen zweiten Mann im Aufsichtsrat fordert. Eigentlich steht ihm nur einer zu, der mit Frömming bereits da ist. Trotzdem fordert Kühne seinen Mann Hans Walter Peters und droht damit, die Gespräche mit dem HSV abzubrechen, sofern eben jener zweite Mann nicht weiter im siebenköpfigen Aufsichtsrat sitzt.
Ein Umstand, den Marcell Jansen so nicht hinnehmen will. Im Gegensatz zu seinem Vizepräsidenten im e.V., Bernd Wehmeyer und dem Vernehmen nach auch Vize Michael Papenfuß. Wehmeyer soll sogar offen im Logenbereich des Volksparkstadions mit seinem Gang zur Presse gedroht haben, sollte Jansen seinen Standpunkt durchsetzen. So weit ist es schon gekommen…
Zeit für eine Kurskorrektur! Oder nicht?
Fakt ist, dieser HSV hat sich in eine Schieflage gebracht, die jetzt einer klaren Kurskorrektur bedarf. Und damit meine ich neben der Geschäftsform der AG auch den Umgang mit Investoren wie Klaus Michael Kühne. Gibt der HSV dem Milliardär nach, mag es wirtschaftlich unumgänglich wirken. Aber es würde genauso bedeuten, dass sich dieser HSV ein weiteres Stück in die Abhängigkeit eines einzelnen begibt. Und wer sich mit diesem Thema in Hamburg mal ein wenig umhört, der hört bei den potenziellen Investoren immer wieder, dass sie genau aus diesem Grund überhaupt nicht daran denken, beim HSV einzusteigen.
Aber gut, diese Situation ist tatsächlich am allerwenigsten Kühne vorzuwerfen, dafür umso mehr denjenigen, die es sehenden Auges zugelassen haben, dass dieser HSV seine Selbständigkeit abgibt. Kühne spielt eigentlich fast immer mit offenen Karten. Oder zumindest offen erkenntlich. Es ist absolut nicht Kühne vorzuwerfen, dass der HSV aktuell steht, wo er steht. Vielmehr muss man denen diesen Vorwurf machen, die Kühnes Geld sinnlos verprasst haben. Bleibt für mich nur die Frage: Soll man sich jetzt Kühne erneut und auf Sicht dann wohl gänzlich hingeben – oder sollte der HSV eine Kehrtwende versuchen?
Ich wäre aktuell für Letzteres. Obgleich ich weiß, mit welch großem Risiko dieser Weg verbunden ist. Allerdings ist der Weg allein mit Kühne eine Einbahnstraße. Natürlich kann man hoffen, dass Kühne als HSV-Fan ja großes Interesse daran haben dürfte, als erste Instanz dafür zu sorgen, dass der HSV wieder oben mitspielt. Allerdings wäre man dann tatsächlich das, was die Ausgliederungsgegner 2014 schon befürchteten: Man wäre verkauft. Und dass Kühne dem HSV jetzt so viel Geld gibt, dass er wieder auf eigenen Beinen stehen kann, ist nahezu ausgeschlossen.
In der Richtung, was ich für realistisch halte, bin ich bei Frank Ockens. Auch, weil ich nicht daran glaube, dass es beim HSV jemals eine Führung geben wird, die Marcs absolut unterstützungswürdigen Gedanken umsetzen kann bzw. die Marcs Gedanken ohne Widerstand Kühnes umsetzen kann.
Und jetzt: Feuer frei! Wie seht Ihr das?
In diesem Sinne, bis morgen. Dann auch wieder mit einem neuen Communitytalk.
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