Analyse

Der Vieira-Zwiespalt: Was fängt der HSV mit seinem wertvollsten Spieler an?

mit Fabio Vieira hat der HSV im Sommer einen Spieler verpflichtet, der vom Marktwert her der beste Spieler des Kaders ist. Und gleich in seinem zweiten Spiel wusste der…

Der Vieira-Zwiespalt: Was fängt der HSV mit seinem wertvollsten Spieler an?

Moin zusammen,

mit Fabio Vieira hat der HSV im Sommer einen Spieler verpflichtet, der vom Marktwert her der beste Spieler des Kaders ist. Und gleich in seinem zweiten Spiel wusste der Portugiese zu überzeugen. Gegen Heidenheim kam Vieira direkt auf eine Vorlage und leitete das Offensivspiel des HSV. Gezielte Pässe, starke Abschlüsse und solide Ballverlagerungen im Aufbauspiel. Gegen Union Berlin konnte der 25-jährige nur teilweise anknüpfen, ehe er in der Nachspielzeit mit Rot vom Platz flog. Seither konnte Vieira nicht mehr an seine Leistung gegen Heidenheim anknüpfen. Das hat mehrere Gründe, die sowohl von außen als auch von ihm kommen.


NEU: DER COMMUNITYTALK 2.0!

IHR FRAGT - MATS ANTWORTET

System-Limitation und fehlende Leistung

Vieira ist der typische Spielmacher. Er braucht den Ball. Er will derjenige sein, der die letzten Pässe spielt. Wenn das Offensivspiel läuft, geht der Ball auf ihn. Defensivarbeit steht dabei eher weniger im Fokus. Doch das HSV-Spiel liegt primär auf den Flügeln. Im Zentrum geht es darum, den Ball schnell auf die Außen zu bringen. Die Doppel-8 ist dazu da, den Gegner zu zerstören und sowohl defensiv als auch im Umschaltspiel aktiv zu sein. Für geringe Defensivarbeit ist da kein Platz. Gegen Heidenheim hat es mit Vieira im Zentrum neben Remberg funktioniert. Das lag aber auch daran, dass Heidenheim in der 1. Halbzeit zu ineffektiv war und der HSV in der zweiten Halbzeit lange Zeit das Spiel mit Ball gestaltet hat. Offensiv war er gewinnbringend, aber in der Defensivarbeit gab es auch im Spiel gegen Heidenheim einige Aktionen, die zu guten Torchancen der Gäste führten, da Vieira defensiv weniger arbeitete als Remberg. Mit Ball war das sehr gut, aber ohne Ball gab es Probleme. Ähnliches passierte auch im Union-Spiel. Seit der roten Karte in Berlin übernahm dann Lokonga die zweite Position neben Remberg. Und vor allem defensiv arbeitet Lokonga deutlich aktiver als Vieira. Das Spiel in Köln zeigte ein weiteres Mal, warum die Doppel-8 aus Remberg und Lokonga momentan unantastbar ist.

Hieraus resultiert, dass Vieira momentan keinen Platz im Zentrum bekommt. Damit er spielt, muss er wie in Augsburg auf den rechten Flügel weichen. Auf der rechten Bahn konnte Vieira aber bisher nicht überzeugen. Der rechte Flügel hat im HSV-System zwar mehr Freiheiten und darf auch aus dem Zentrum heraus agieren, allerdings fehlt dann jemand, den Vieira auf der rechten Bahn in die Tiefe schicken kann. Hinzu kommt, dass Vieira als rechter Flügel genauso weniger nach hinten arbeitet. Damit hat man dann zwei Flügel, die tendenziell wenig Abwehrarbeit machen. Das funktioniert in einem System, das vorwiegend auf die Defensive ausgelegt ist, nicht.

Und dann ist da noch das Ding mit den roten Karten. Ja, das Foul in Berlin ist nicht zwangsläufig eine rote Karte, aber da geht man eben auch nicht so rein. Auch die Karte in Köln muss man nicht geben, aber das Argument gegen die rote Karte in Köln basiert eher auf dem Fingerspitzengefühl des Schiedsrichters, hinsichtlich der Gelb-roten Karte von Pherai, als auf der Aktion selber. Wenn du Gelb hast und der Schiri dich mehrfach darauf hinweist, dass du ruhig sein sollst, ist Diskutieren eben nicht der richtige Weg. Und so ist die zweite Gelbe verständlich.

Was nun?

Der HSV hat ein Problem. Vieira ist nominell der beste Spieler, aber das System widerspricht seinen Stärken. Sowohl im Zentrum als auch auf den Außen muss Vieira Sachen machen, die ihn limitieren.   Man versucht immer wieder, ihn in die Startelf einzubauen, aber das Doppel-8 ist zu gut eingespielt und auf dem rechten Flügel ist Vieira verschwendet. Aktuell ist Vieira für mich nur ein Kandidat für die Bank, weil er eben auch nicht genügend Argumente für die Startelf geliefert hat. Selbst im Pokalspiel in Heidenheim, in dem der HSV über 90 Minuten den Ball beherrschte und sogar eine Halbzeit in Überzahl spielte, war Vieira nicht auffälliger als die anderen Spieler.

Vieira war eben ein Zufallstransfer. Ein Transfer, der nicht ins System passt und nie ins System passte. Aber bei den Konditionen und den damaligen Aussichten sagt man beim HSV natürlich nicht nein zu so einem Spieler. Doch nun ist man in einem Zwiespalt. Ändert man das System, um Vieiras Stärken auf der 10 auszuspielen? Oder lässt man ihn auf der Bank beziehungsweise stellt ihn auf die 8 und zerbricht eine funktionierende Achse? Und eine weitere Frage ist, ob sich eine Umstellung nur für Vieira überhaupt lohnt. Macht Vieira mit der vollen Ausprägung seiner Fähigkeiten den HSV so viel besser, dass man alles auf ihn setzen muss?

All das sind Fragen, auf die man Antworten finden muss. Und ich bin wie im vorherigen Blog der Auffassung, dass man im Spiel gegen Kiel eine Änderung mit einem 10er hinter 2 Spitzen ausprobieren sollte. Denn so hat man einerseits eine andere Variante, was die Offensive angeht, andererseits kann man sehen, was für eine Auswirkung Vieira auf der 10 vor 2 6ern/8ern hat.

Tom

Anzeige · Partner

Zeig deine Farben

Unsere Freunde von HANDS OF GOD setzen ikonografischen Momenten und Legenden der Vereinsgeschichte ein künstlerisches Denkmal.

Alle Hamburg-Motive bei HANDS OF GOD

Wir sind Partner von HANDS OF GOD und bekommen eine Provision, wenn du über diese Links kaufst — für dich ändert sich am Preis nichts. Gezeigt werden nur Motive, die wir selbst aufhängen würden.

Diskussion

0 Kommentare

Diskutier mit!

Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.

Jetzt kostenlos registrierenAnmelden
DU
Bleib fair — wir moderieren mit Augenmaß.
Noch keine Kommentare — sei der/die Erste.
Lies weiter Meinung HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem Ein Tag nach der Pleite sitzt der Frust tief. Neben taktischen Mängeln fehlte vor allem eins: die Bewegung und der Wille, den Ball zu fordern. Das Problem war viel tiefer als die reine Herangehensweise Weiterlesen