Der Tag der (eindimensionalen) Wahl beim HSV ist da
Der HSV e.V wählt ein neues Präsidium. Darauf kann man die morgige Mitgliederversammlung durchaus runterbrechen. Denn seit einem knappen halben Jahr ist der rund 85 000…

Der HSV e.V wählt ein neues Präsidium. Darauf kann man die morgige Mitgliederversammlung durchaus runterbrechen. Denn seit einem knappen halben Jahr ist der rund 85 000 Mitglieder starke Verein mit 34 Abteilungen ohne Führung, nachdem das Präsidium um Chef Marcell Jansen wegen eines Streits im Gremium zurückgetreten ist. Jansen ist bei der Mitgliederversammlung an diesem Sonnabend ab 11.00 Uhr im Volksparkstadion zudem der einzige Kandidat für das Präsidentenamt, nachdem der Beirat ob mangelnder Eignung selbiger keine Gegenkandidaten zugelassen hatte. Soweit die Fakten. Ab jetzt aber wird es emotional – und damit nicht selten unsachlich. Und da nehme ich mich wahrlich nicht aus.
Dennoch werde ich mich bemühen, mich heute so nah an den fakten entlang zu hangeln, wie es nur irgendwie möglich ist. Verschwörungstheorien, die Jansen und den Beirat in eine Interessengemeinschaft verwandeln, werde ich ebenso wenig ernst nehmen wie einige altruistisch anmutenden Wahlversprechen. Beides entspricht einfach nicht der Wahrheit sondern soll Leute emotionalisieren. Selbst hier bei uns maßen sich einige User:innen an, diese Verschwörungstheorien mit dem Zusatz „das stimmt!“ zu versehen, obgleich sie es zweifelsfrei nicht wissen können, weil sie mit keinem der Protagonisten Kontakt haben, geschweige denn sich ein objektives Bild machen konnten/können.
Der Beirat wird Fragen beantworten müssen
Auch ich kann nur über das berichten, was mir die Protagonisten selbst sagen – und mir dann ein Bild machen. Objektiv bin ich zwar veranlagt, weil ich keine eigenen Interessen in dieser Angelegenheit verfolge. Aber auch ich bekomme selbstverständlich nur das erzählt, was die Leute mich wissen lassen wollen. Den ganzen Dreck, der hintenrum in allen Gremien und auch vornerum mit falschen Versprechungen abgeht – er wird natürlich nicht erwähnt. Fakt ist aber, dass der Beirat in seiner Funktion ein selten unglückliches Bild abgibt. Er wurde einst ins Leben gerufen, um die willkürlichen Bewerbungen auszuschließen und das Kandidatenfeld so zu sortieren, dass ordentliche Wahlen gewährleistet sind. Inzwischen steht diese Gremium allerdings im Verdacht, selbst ein wenig Willkür an den Tag zu legen. Dass man das Team um Marinus Bester abgelehnt hatte – es wäre ja okay gewesen, wenn es eine ordentliche Erklärung gegeben hätte. Die aber blieb aus.
Ebenso wie die Meldung an die Kandidaten aus diesem Team Bester, dass sie sich auch einzeln wählen lassen könnten. So hätte Bester beispielsweise gegen Jansen antreten können – denn den ehemaligen HSV-Profi und -Mitarbeiter hatte das Gremium nicht explizit abgelehnt, sondern in Sippenhaft mit seinem Team genommen, in dem die Beiräte sich insbesondere an der Eignung des noch jungen Philip Wenzel als Schatzmeister so störten, dass sie das gesamte Team ablehnten. Im Ergebnis bleibt nun ein fader Beigeschmack – und der färbt auch auf Jansen ab.
Dennoch versucht sich Jansen heute optimistisch und unbeeindruckt zu zeugen. Den Beirat in seiner Funktion solle man gemeinsam diskutieren. Er selbst aber sieht seine Kandidatur davon nicht negativ beeinflusst. „Ich sollte nicht aus Mangel an Alternativen gewählt werden, sondern weil die Mitgliedschaft mich für den geeigneten Präsidenten hält“, sagte Jansen heute. Auf die Nachfrage, ob man das denn überhaupt erkennen könne, wenn nur ein Kandidat zur Wahl steht, überlegt der ehemalige Nationalspieler kurz und betont, dass er sich eine starke Mehrheit bei der Wahl wünschen würde. „Ich bin Demokrat und würde jedes Ergebnis akzeptieren. Aber selbstverständlich hoffe ich auf ein deutliches Votum, aus dem ich mit meinen zukünftigen Präsidiumskollegen Rückenwind bekomme“, so Jansen. Eine „zerrissene Stimmungslage“ sei das Letzte, was er haben wolle.
Auch deshalb werde er in seinem Projekt „VEREINT 2025“ insbesondere das Miteinander innerhalb der Stadt und innerhalb des Vereines eingehen. Und er versucht ein wenig Spannung aus der Angelegenheit um die Kandidatur zu nehmen. Dass Bester mit seinem Team nicht zugelassen wurde, sei nicht seine Entscheidung, sondern ausschließlich die des Beirates. „Was Marinus Bester betrifft: Ihn schätze ich sehr als Mensch“, versicherte Jansen, der zudem Bernd Wehmeyer als Kandidaten für den Posten des Vizepräsidenten lobt. „Er ist HSVer seit 1978, hat 1983 den Pokal in Athen in die Höhe gestemmt, hat innerhalb und außerhalb Hamburgs wahnsinnig viele Kontakte und ist überall und bei jedem hoch angesehen. Einen besseren Vizepräsidenten könnte ich mir nicht vorstellen“, meinte der 35 Jahre alte einstige Linksverteidiger – und ich stimme ihm zu. Zumindest schon mal, was Wehmeyers Bedeutung und seinen Wirkungsgrad für den HSV betrifft.
Warum kooptieren Jansen und Co.den Experten Hartmann nicht?
Dass der morgen wahrscheinlich am sichersten gewählte Kandidat der einzige ist, der sich einem Gegenkandidaten erwehren muss – tragikomisch. Denn Dr. Ralph Hartmann seinerseits hat bereits bewiesen, dass er das Amt des Vizepräsidenten sehr gut ausfüllen kann. Warum man sich nicht im Vorfeld dazu durchringen konnte, sich zu viert an einen Tisch zu setzen und zu sehen, wie man die Expertise Hartmanns mit ins e.V.-Präsidium einfließen lassen kann – es ist und bleibt mir unverständlich. Auch Jansen konnte mir darauf heute keine wirklich schlüssige Antwort geben, sondern betonte nur, dass er sein Team ganz bewusst so zusammengestellt habe, dass man den HSV e.V. bestmöglich führen kann. Zudem sei es nicht an ihm, Kooptierungen zuzulassen.
Jansen will in den kommenden Jahren unterschiedliche Vorstellungen über die Ausrichtung und Rechtsform des Vereins ausräumen und neue Dialogplattformen schaffen. „Mir ist vor allem wichtig, dass unser Verein wieder vereint ist. Der gemeinschaftliche Weg ist mir wichtig – auch wenn Reibung gewünscht ist“, sagte Jansen heute dem Abendblatt im Interview. Dabei sieht er vor allem die ausgegliederte Fußball-AG im Zentrum seiner Tätigkeit.
„Ich möchte einen gemeinschaftlichen Weg zwischen e.V. und AG, genauso, wie ihn jetzt auch die Bewegung 'Unser HSV' angemahnt hat“, sagte Jansen und unterschätzte in dem Abendblatt-Interview einen Punkt, der morgen sicher noch einmal besonders intensiv und konträr diskutiert wird: Die 24,9%-Regel. Auf die Frage danach umgeht Jansen eine klare Antwort. Er wisse um das Mandat der Mitglieder, die ihn auch unter der Voraussetzung gewählt hatten, dass dann diese Regel fest in der Satzung verankert würde. Heute wich er ein wenig aus, als er sagte: „Ich unterstütze den Antrag von Niko Ehling von ‚Unser HSV‘, dass wir in einem vernünftigen Rahmen über unsere Rechtsform debattieren. Alle HSVer gemeinsam. Präsidium, AG-Vorstand, Gremien, Mitglieder. Vereint.“
Eine Antwort wird er aber sicherlich morgen geben müssen, wenn das Thema vor den Wahlen auf den Tisch kommt. Jürgen Hunke hat erneut einen (seiner vielen) Anträge darauf ausgelegt, genau diese Satzungsverankerung zu manifestieren. Und er wird eine schlüssige Antwort parat haben, hat er mir heute gesagt.
Trainer Walter findet den Pokalwettbewerb „geil“
Bislang alles nur Worte und Interpretationen anderer, von daher tut mir alle einen Gefallen und bildet Euch keine vorschnellen Urteile, bevor ihr alle Beweggründe gehört habt. Noch besser wäre es, am Sonnabend bei der Mitgliederversammlung live dabei zu sein. Aber das wird vielen aus geografischen Gründen schon gar nicht möglich sein. Wir werden morgen aber an dieser Stelle natürlich von der Veranstaltung die wesentlichen Punkte zusammentragen. Zudem werden wir morgen natürlich auch den sportlichen Aspekt wieder mit einbeziehen. Immerhin geht es am Sonntag gleich weiter mit dem HSV – dann im DFB-Pokal bei Eintracht Braunschweig. Ein kleiner Vorgeschmack von Trainer Tim Walter von der PK heute: „Ich finde es einfach schön, wenn man Do-or-die-Spiele hat, wenn man auf Messers Schneide ist“, meinte Walter. „Wir wollen uns immer entwickeln. Dafür sind solche Spiele auch gut.“
In diesem Sinne, bis morgen.
Scholle
P.S.: Der Communitytalk, den ich heute aufzeichnen wollte, entfällt leider. Hintergrund: Unsere Freunde von AlphaFilms sind mit dem aufwändigen Umbau des Studios nicht rechtzeitig fertig geworden sind. Dafür wird es den CT aber in der kommenden Woche wieder geben - dann im niegelnagelneuen Studio!
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