Meinung

Der lange Weg des HSV und: Ist Vagnoman in zwei Tagen weg?

Da die Diskussion im Blogforum anhalten, werde ich auch heute mal wieder direkt auf einen Kommentar reagieren. Im letzten Postbereich hat sich Jürgen Linnenbrügger quantitativ…

Der lange Weg des HSV und: Ist Vagnoman in zwei Tagen weg?

Da die Diskussion im Blogforum anhalten, werde ich auch heute mal wieder direkt auf einen Kommentar reagieren. Im letzten Postbereich hat sich Jürgen Linnenbrügger quantitativ ein Stück weit hervorgetan. Er nennt mich einen „Hüpfer“, was ich mal genauso unkommentiert stehen lasse wie die lächerlichen Verdächtigungen, der HSV habe mir auch nur einen Cent für irgendeine Reise in irgendein Trainingslager bezahlt. Ich weiß, dass es viele freuen würde, wenn ich auf derart plumpe Vorwürfe/Beleidigungen reagieren würde. Aber genau deshalb werde ich das weiterhin nicht machen. Stattdessen habe ich mir einen m.M.n. sehr konstruktiven Post von Jürgen (sein Part ist fett gedruckt) herausgesucht, den ich Satz für Satz bzw. Sätze für Sätze kommentieren möchte:

Ja Scholle, ich schrieb dieses hier schon des Öfteren, solange der HSV seine wirtschaftliche Situation nicht in den Griff bekommt, wird sich kein sportlicher Erfolg einstellen. 

Das ist in den allermeisten Fällen so, da bin ich bei Dir, Jürgen. Deshalb habe ich hier in den letzten Jahren auch immer wieder geschrieben, dass der HSV den alternativen Weg über die Entwicklung von Talenten bis zu deren Verkauf in einer Endlosschleife gehen muss. Solange, bis man finanziell gesund dasteht. Ob das am Ende über sportliche Erfolge, besondere Sponsorenverträge, Kühne-Millionen oder Spielerverkäufe erreicht wird, ist fast zweitrangig, solange man sich nicht in eine ungesunde Abhängigkeit verkauft. Allein ausschließen will ich nicht, dass sich sportlicher Erfolg auch in finanziell schwierigen Zeiten einstellen kann. Oder anders formuliert: Das MUSS funktionieren, denn der HSV ist auf sehr lange Sicht – zumindest ohne irgendwelche unkalkulierbaren Mega-Einnahmen – finanziell nicht gesund. Im Gegenteil.

Sportlicher Erfolg bedingt ein gesundes, solides und nachhaltiges wirtschaftliches Fundament. Der HSV dreht sich hier seit Jahren im Kreis, und lebt deshalb von der Hand in den Mund, so kann man nicht solide planen und wirtschaften. Hier hilft nur ein radikaler Neuanfang.

In welcher Form? Gerade Du hast mich hier immer wieder massiv kritisiert und mir widersprochen, als ich die These aufgestellt habe, dass der HSV nicht mehr am großen Transfer-Rad drehen darf, sondern auf Talente setzen muss, die den HSV besser machen und im besten Fall am Ende auch finanziell gewinnen lassen.

Ich weiß, jetzt kommen wieder die aus ihren Ecken, die glauben, man kann nur in er 1. Liga gesunden. Dieses ist ein großer Trugschluss.

Mit den Geldern, die durch evtl. Verkäufe, realisiert werden könnten, kann man nicht planen und rechnen. Dieses wäre höchst unprofessionell. 

Auf lange Sicht gesehen muss man diesen Plan aber verfolgen. 

Und wenn da jetzt auch schon mit evtl. Erlöse, die ein Weiterverkauf von Onana, einbringen würden gerechnet wird, ist es noch unseriöser. Auch die Ablösesummen werden in der heutigen Zeit nicht mehr in den Himmel wachsen. Die Spieler, die CL-Vereine interessieren, kann der HSV nicht bieten.

Das ist meiner Meinung nach ein Trugschluss. Humbug. Der HSV kann sehr wohl Spieler scouten, die für CL-Klubs interessant werden, wenn sie sich beim HSV entsprechend entwickeln. Siehe Heung Min Son, den der HSV in der Jugend verpflichtete und der am Ende bei Bayer in der CL landete. Als größtes Problem sehe ich eher, dass Spieler schon vom HSV weggekauft werden, wenn sie gerade erst auf dem Weg zu einem derartig hohen Niveau sind. Und dass der HSV als Zweitligist nicht allen Angeboten trotzen kann, ist auch klar.

Übrigens: Gerade deswegen finde ich den eingeschlagenen Weg von Jonas Boldt, die eigenen Spieler auch jetzt nicht unter dem geforderten Preis abzugeben, sehr gut. Riskant – zweifellos! Aber wenn er damit am Ende Erfolg hat, setzt er nach außen auch ein Statement, dass der HSV eben kein Discounter für Toptalente ist und das auch nicht wird. 

Vielleicht sollten sich die Verantwortlichen mal in Bielefeld umschauen, die Arminia stand auch kurz vor der Insolvenz. Das Bündnis OWL hat den Verein entschuldet, und auf ein solides Fundament gestellt, dann stellte sich auch der sportliche Erfolg ein. Das hat 3 Jahre gedauert.

Das Bündnis OWL (Erklärung gibt’s hier https://www.arminia.de/der-dsc/buendnis-owl) ist sicher ein sehr gutes Konstrukt für die Arminia. Und genau das habe ich hier bzw. auch in den Vorgänger-Blogs schon geschrieben, seitdem der HSV finanziell in Schieflage geraten ist: Der HSV muss die Stadt Hamburg samt seiner Wirtschaftsstruktur deutlich intensiver in den Fokus nehmen. Auch jetzt noch, wo e.V.-Präsident Marcell Jansen genau das als eines seiner Ziele proklamiert hat, hat man hier noch massiven Nachholbedarf. Mir erschließt es sich zum Beispiel nicht, warum man einen zweifellos sehr erfolgreichen und cleveren, aber eben nicht vom Wohlergehen des HSV motivierten Geschäftsmann wie Detlev Dinsel als neuen Aufsichtsrat anwirbt, dafür aber Hamburger Größen außen vor lässt. 

Dem HSV fehlt es im Bereich des Marketings an einem langfristigen Interesse. Sportfive will sicherlich möglichst viel Geld für den HSV akquirieren – aber eben sofort. Denn niemand weiß, wie lange diese Allianz noch besteht bzw. vom HSV gewollt ist. Sportfive wird nicht mit der Aussicht auf langfristigen Erfolg das Hamburger Unternehmen einem momentan besser zahlenden überregionalen oder gar internationalen Unternehmen vorgezogen. Soll heißen: Der HSV hat hier auch vertragliche Hindernisse, da er sich und seine Vermarktung an Sportfive verkauft hat.

Dennoch bin ich weiterhin fest davon überzeugt, dass der HSV besser fahren würde, wenn er sich seiner Heimat bewusst wird und endlich auch wirtschaftlich dazu bekennt. Wirtschaftlich bietet die Hansestadt allemal die Voraussetzungen dafür, einen Klub wie den HSV tragen zu können. Ich weiß nur zu gut aus der erfolgreichen HSV-Zeit, wie sich Hamburger Unternehmen auf den Schlips getreten fühlten. Damals spielte der HSV internationale und die Wahl der Sponsoren wurde nur noch nach dem Euro, nicht nach Nachhaltigkeit ausgesucht. Siehe Holsten, die als jahrzehntelanger, treuer und mit dem HSV in direktem Einklang stehender Partner für ein paar Tausend Euro mehr plötzlich von König Pilsener abgelöst wurden. Schon damals war das kein gutes Zeichen vom HSV an seine treuen Partner. Unter anderem mit diesem Deal machte der HSV deutlich, dass Identifikation nachrangig bewertet wird. Eine Katastrophe, wie ich finde.

Fazit: Der HSV muss zusehen, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Der HSV muss sich unmissverständlich klar zur Hansestadt Hamburg und vor allem zu den dort angesiedelten Unternehmen bekennen. Und das nicht nur heute, morgen und in den nächsten Wochen – sondern dauerhaft. Schnellstmöglich sollte man zudem unbedingt versuchen, sich von allen Sportfive-Zwängen zu befreien. Auch dann, wenn von dortiger Seite mal wieder schnelles Geld für eine vorzeitige Verlängerung geboten werden. 

Das „Bündnis OWL“ ist sicher ein gutes Beispiel für nachhaltiges Bündnis zwischen dem Verein und den ansässigen Unternehmen. Allerdings hatte die Arminia sicher nicht derart große Hindernisse, die sie aus dem Weg räumen musste. Von daher glaube ich, dass dieser Weg beim HSV länger als drei Jahre dauern würde, bzw. hoffentlich wird.

Und während Stuttgarts Sportchef Sven Mislintat heute gegenüber den BILD-Kollegen sagte, dass der Poker um HSV-Talent Josha Vagnoman „in den nächsten zwei, drei Tagen“ entschieden würde, hat der HSV sein Abwehrtalent Valon Zumberi vertraglich bis 2024 gebunden. Sicherlich ein schlauer Schachzug. Immerhin ist Zumberi inzwischen Nationalspieler für den Kosovo. Sportlich indes durfte der 19-Jährige nach den anstrengenden Trainingslagertagen etwas kürzertreten und fehlte heute beim Training. Zudem hatte Trainer Tim Walter den Youngstern Andresen, Oppermann und Megeed eine Pause gegönnt.

Selbige hat sich im Übrigen auch Louis verdient. Nicht, weil er heute seinen ersten Tag hatte und mit mir zusammen einmal den HSV vor Ort kennenlernen durfte. Vielmehr halte ich es für absolut gerechtfertigt, dass man nach dem bestandenen Abitur erst einmal ein wenig feiern will. Dass er letzte Woche zudem den Führerschein bestanden und in der kommenden Woche auch noch Geburtstag hat, macht alles für mich noch eindeutiger. Von daher: Lass es krachen, Louis!!  

In diesem Sinne, morgen trainiert der HSV um 10.30 Uhr wieder öffentlich zugänglich. Und ich melde mich morgen Abend wieder bei Euch! Bis dahin Euch allen einen schönen Mittwochabend,

Scholle

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