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Der HSV-Vorstand muss Klarheit schaffen

Zwischen gut gedacht und gut gemacht liegt nicht selten eine Ewigkeit. So auch beim HSV, bei dem sich Vorstand Thomas Wüstefeld derzeit das Leben zunehmend schwieriger macht.…

Der HSV-Vorstand muss Klarheit schaffen

Zwischen gut gedacht und gut gemacht liegt nicht selten eine Ewigkeit. So auch beim HSV, bei dem sich Vorstand Thomas Wüstefeld derzeit das Leben zunehmend schwieriger macht. Dass Wüstefeld ob der vorherrschenden Situation beim HSV zunächst einmal sehr viele sehr unpopuläre Entscheidungen treffen muss, war vorher klar. Denn Wüstefeld muss den Verwaltungsapparat beim HSV massiv verschlanken, da der HSV an dieser Stelle seit jeher über dem Limit agiert. Die Meldung der SportBild von heute, die von 500 Mitarbeitern spricht, ist vielleicht etwas populistisch formuliert, da hier auch alle Minijobber enthalten wären. Aber grundsätzlich hat der HSV mit rund 300 festen Mitarbeitern und einem Gesamtaufwand von 14 Millionen Euro einen allemal zu großen Mitarbeiter- und vor allem Kostenapparat.

Zwischen gut gedacht und gut gemacht liegt nicht selten eine Ewigkeit. So auch beim HSV, bei dem sich Vorstand Thomas Wüstefeld derzeit das Leben zunehmend schwieriger macht. Dass Wüstefeld ob der vorherrschenden Situation beim HSV zunächst einmal sehr viele sehr unpopuläre Entscheidungen treffen muss, war vorher klar. Denn Wüstefeld muss den Verwaltungsapparat beim HSV massiv verschlanken, da der HSV an dieser Stelle seit jeher über dem Limit agiert. Die Meldung der SportBild von heute, die von 500 Mitarbeitern spricht, ist vielleicht etwas populistisch formuliert, da hier auch alle Minijobber enthalten wären. Aber grundsätzlich hat der HSV mit rund 300 festen Mitarbeitern und einem Gesamtaufwand von 14 Millionen Euro einen allemal zu großen Mitarbeiter- und vor allem Kostenapparat.

Und das hat Wüstefeld vom ersten Tag an so kommuniziert. Sein Handeln beim HSV war von Anbeginn an darauf ausgerichtet, sich einen Überblick zu verschaffen, wo Kosten eingespart und wo Verantwortungsbereiche kostengünstiger zusammengeführt werden können. Dass er sich damit beim Mitarbeiterstab nicht beliebt macht – logisch! Jeder, der gehen muss, wird einen mächtigen Hals auf Wüstefeld haben. Und obgleich in der Sache an sich der Fehler weniger bei Wüstefeld als bei dessen Vorgängern liegt, die den Mitarbeiterapparat völlig über Niveau zusammengestellt hatten, hätte er viel Ärger und Missstimmung vermeiden können. Nein: Vermeiden müssen.

Die HSV-Angestellten müssen gesagt bekommen, wie es für sie weitergeht

Denn spätestens in dem Moment, in dem bekannt wird, dass Personal gehen muss, muss auch ein Plan stehen, wie das vonstatten geht. Die eigenen Mitarbeiter seit Monaten in diesem Wissen und dieser Unsicherheit, ob es sie treffen wird, arbeiten zu lassen, ist amateurhaft und moralisch bedenklich. Bis zu 25 Prozent der Stellen sollen nach einem Plan von Finanzboss Thomas Wüstefeld eingespart werden. Zwar wolle der HSV die Kündigungen sozialverträglich gestalten – aber wie sozialverträglich ist es bitteschön, wenn man monatelang jeden Tag mit der Angst leben muss, demnächst seine laufenden Kosten nicht mehr stemmen zu können? Immerhin arbeiten beim HSV wie überall in großen Betrieben auch Menschen, die Kredite laufen haben, die Familien ernähren müssen und die nicht sofort einen neuen Job finden (können). Nein, so macht man das nicht, wenn man sozialverträglich sein will.

Ich bleibe dabei, dass Wüstefeld beim HSV einen Job angetreten hat, in dem er sich nicht beliebt machen kann. Zumindest niemals bei allen Mitarbeitern. Denn er muss den HSV sowie dessen finanzielles Wohl über alle stellen und zusehen, unnötige Ausgaben einzusparen. Und beim HSV, das ist vielleicht das größte Problem, sehen die wenigsten ihren Aufgabenbereich als unverzichtbar an. Auch daher kommt die Angst um den Job, die inzwischen in Antipathie dem Vorstand gegenüber übergegangen ist.

Dennoch stellt sich Wüstefeld nicht besonders geschickt an. Intern fährt er offenbar einen Kurs, der nicht selten zu Kollisionen mit dem Vorstandskollegen geführt haben. Im Nachwuchsbereich hat sich Wüstefeld ins Abseits manövriert, weil er nötige Verträge bis über den normalen Zeitpunkt hinaus offengelassen hatte. Und auch über den HSV hinaus hat Wüstefeld einen inzwischen – vorsichtig formuliert - zweifelhaften Ruf, da vollmundigen Ankündigungen bislang wenig Taten gefolgt waren.   Zudem sollen die Einsparungen Bereiche betreffen, in denen Einsparungen den Sport schwächen.

Ich muss auch zugeben, dass es schwer zu erklären sein dürfte, weshalb man Spielern über Jahre gesehen Millionen bezahlt, damit diese woanders hingehen, während andere Klubs ihre Spieler verkaufen und mit Abgängen Gelder generieren. Oder anders formuliert: Der HSV macht seit Jahren fast alles falsch, was mit Finanzen zu tun hat. Er hat teure Spieler gekauft, diese überteuert bezahlt und letztlich nur Minus gemacht. Immer im sechsstelligen Bereich, nicht selten sogar im siebenstelligen Bereich.  Allein mit den Abfindungen der letzten fünf Jahre ließen sich die geplanten 125 Stellenstreichungen um mehrere Jahre aufschieben. Aber, und so ehrlich muss man sein: Auch das wäre finanziell Schwachsinn.

HSV muss bei Vertragsverlängerungen sorgsamer agieren

Nein, der HSV muss bei seinen Angestellten – vom Minijobber über die führenden Angestellten bis zu den Spielern in Zukunft deutlich vorsichtiger agieren. Auch deshalb erschließt sich mir weiterhin nicht, weshalb man jetzt die Verträge von Jonas Boldt und Trainer Tim Walter verlängern muss. Beide haben noch bis 2023 Verträge und haben zuletzt den Aufstieg nicht wie erhofft erreicht. Bei Boldt ist es jetzt schon dreimal in Folge nicht erfolgreich gewesen. Da darf man, egal wie überzeugt man von den Fähigkeiten Boldts ist, zumindest etwas vorsichtiger werden bei Vertragsverlängerungen.

Den Trainervertrag vorzeitig zu verlängern, halte ich sogar für noch sinnfreier. „So demonstriert man Zusammenhalt und Kontinuität“ – sagen die einen. Ich behaupte: Mit dieser Logik ist eine Abfindung früher oder später garantiert. Denn wenn Trainer immer mehr als ein Jahr Vertrag haben müssen, um erfolgreich und gut arbeiten zu können, geht es irgendwann gar nicht mehr anders. Und: So bringt man seine Mitarbeiter nur noch mehr gegen sich auf. Weil man einerseits von Sparzwängen spricht, auf der anderen Seite aber unnötig hohe Abfindungen bei Entlassungen provoziert. Denn dass Trainer irgendwann gehen müssen, das hat der HSV nicht einmal exklusiv. Das ist überall so. 

Mit anderen Worten: Beim HSV muss ein Mediator her. Jemand, der ohne Aussicht auf eigene Vorteile die Notwendigkeiten erkennt und sie klar benennt. Also einer, wie Wüstefeld es sein wollte, als er seinerzeit antrat. Und eben auch einer, wie ihn der HSV aktuell nicht hat. Leider auch nicht im Aufsichtsrat. 

In diesem Sinne, bis morgen. Dann nur mit einem kurzen Update, da ich morgen den ganzen Tag unterwegs sein muss und nicht weiß, wann und wie ich dazu kommen werde, mit den Verantwortlichen zu sprechen und anschließend zu bloggen.

Scholle

P.S.: Der HSV hat die Daten zu seinem Trainingslager bekanntgegeben: Vom 25. Juni bis zum 2. Juli geht es nach Österreich in die Steiermark. Die Pressemitteilung: https://www.hsv.de/news/hsv-trainingslager-in-der-steiermark

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