Der HSV verpflichtet Selke - ein Transfer, der Fragen aufwirft
Der HSV hat seinen nächsten Neuen: Davie Selke wechselt vom Bundesliga-Absteiger 1. FC Köln nach Hamburg und darf dort gleich zum Saisonauftakt auf ein Wiedersehen mit alten…

Der HSV hat seinen nächsten Neuen: Davie Selke wechselt vom Bundesliga-Absteiger 1. FC Köln nach Hamburg und darf dort gleich zum Saisonauftakt auf ein Wiedersehen mit alten Kollegen hoffen: Denn im Zweitliga-Eröffnungsspiel geht es für den HSV zum 1. FC Köln. „Ich freue mich sehr auf den HSV“, wird Selke im schon hundertfach gehört und gelesenen HSV-Neuzugangs-Interview zitiert. „Der HSV ist einer der spannendsten Clubs im deutschen Fußball und der Gedanke daran, dabei mitzuhelfen, diesen Verein in die Bundesliga zurückzubringen, hat mich sofort gepackt.“
Im verflixten siebten Jahr kommt Selke als Backup für Glatzel dazu. Oder? Nein, sicher nicht! Selke kommt nicht, um auf der Bank zu sitzen. Selke hat andere Ansprüche. Er kehrt hier zu seinem ehemaligen Trainer Steffen Baumgart zurück. Und auch mit HSV-Sportvorstand Stefan Kuntz verbindet den 29-Jährigen eine sportliche Vergangenheit. „Ich habe mit Davie in der deutschen U21-Nationalmannschaft zusammengearbeitet, als er entscheidenden Anteil daran hatte, dass wir 2017 Europameister geworden sind. Steffen Baumgart hat ihn zudem beim 1. FC Köln trainiert, und wir sind absolut davon überzeugt, dass Davie uns auf dem Platz wie auch in der Kabine stärker machen wird“, schwärmt Kuntz.
Aber wie gut ist Selke noch? In der abgelaufenen Saison kam Selke in Köln auf 19 Liga-Einsätze, in denen er sechs Treffer erzielte. Insgesamt bringt es der schlaksige Rechtsfuß auf 238 Bundesligaspiele mit 46 Toren und 20 Vorbereitungen. In der 2. Liga kommt er auf bislang 30 Partien mit zehn Treffern und drei Vorlagen. Durchschnittliche Statistiken, die mich in den letzten Jahren nie überzeugt haben. Und wirklich absolut ohne ihm irgendwas Böses zu wollen, auch jetzt überzeugt mich dieser Transfer nicht. Zumal er finanziell ein Geschmäckle hat, da Selke in Hamburg zweifellos zum Topverdiener wird.
Nein, Selkes Transfer ist die Nummer, die der HSV in den letzten 20 Jahren nur allzu oft gefahren ist. Diesmal im Vergleich zu sonst zwar ablösefrei, aber wirklich strategisch langfristig ist diese Verpflichtung sicher nicht. Hier wird kein talentierter Spieler geholt, beim HSV besser gemacht und am Ende teurer verkauft. Nein, hier wird darauf gehofft, dass ein tendenziell formschwacher, zuletzt verletzungsanfälliger Angreifer sein früher mal gezeigtes Potenzial noch mal abruft.
Die Frage, die ich mir stelle, ist: Was sind denn Selkes Ziele in der Karriere noch? Nationalspieler wird er eher nicht mehr, Champions League spielen wird er auch eher nicht mehr. Aber genau von den Spielern, die diese Träume noch haben, bräuchte der HSV ein paar mehr. Auch deshalb ist dieser Transfer für mich ein eher einfallsloser Transfer, der das Signal sendet, dass der HSV zwar den direkten Aufstieg anstrebt – aber eben ohne eine langfristig angelegte Idee. Oder anders formuliert: Der HSV ist mal wieder dabei, es zu verpassen, hier in Hamburg nachhaltigen Erfolg zu säen.
Fakt ist auch, dass der HSV jetzt zwei Großkopferte im Sturmzentrum hat. Beide können sicher auch als Doppelspitze agieren, aber beide werden jedes Spiel auf dem Platz stehen wollen. Junge, talentierte Angreifer werden es sehr schwer haben, sich bei dieser Konkurrenz in die Startelf zu spielen. Denn eines ist auch klar: Selke wird gepusht werden, damit seine Verpflichtung den Verantwortlichen nicht gleich wieder auf die Füße fällt. Die Nachwuchsstürmer wie Otto Stange oder noch mehr der zuletzt enttäuschende Andras Nemeth werden das wissen und sich ihren Teil denken.
Elfadli, Karabec und jetzt Selke – alles Spieler, die bereits ein gewisses Niveau vorgewiesen haben. Aber wirklich mutig ist das nicht von Kuntz. Kreatives ist es allemal nicht. Und nein: Das muss es auch nicht, wenn es darum geht, aufzusteigen. Aber ich würde es mir wünschen, dass der HSV mehr den Weg geht, den ich auch mit Mats Beckmann im letzten Talk „Inside Profifußball“ besprochen habe. Über etwas weniger bekannte Ligen und Mannschaften die Juwelen finden, die sich beim HSV zu Leistungsträgern entwickeln, um entweder mit ihnen aufzusteigen und weitere sportliche Erfolge zu feiern – oder sie eben nach einer erfolgreichen Phase erfolgreich teuer zu verkaufen, um denselben Kreislauf neu zu starten.
Am liebsten wäre es mir, wenn der HSV zwei Spieler günstig holt und diese nach oben hin entwickelt. Dann wird einer von ihnen möglichst teuer verkauft und die nächsten zwei geholt, die man ihrerseits wieder nach oben entwickelt. So würde man den Erfolg des HSV sukzessive ausbauen und sich finanziell parallel unabhängiger machen. Transfers von Typen wie Selke sind hier eher das Gegenteil.
Ich weiß, dass das viele so nicht lesen wollen. Aber ich sehe es aktuell so. Dass ich Selke wie allen anderen HSV-Zugängen hier in Hamburg nur das Allerbeste wünsche. Logisch!
Mein Herzlichstes Willkommen, Davie Selke!
Ich hoffe wirklich, dass ich mich in ein paar Wochen schon an gleicher Stelle für meine Skepsis entschuldige und Selke hier voll einschlägt. Und sollte es so kommen, werde ich das auch machen! Nur von einer Meinung würden mich auch starke Leistungen nicht abbringen: Dass der HSV mehr Kreativität bei der Kaderzusammenstellung braucht, um langfristig erfolgreich zu arbeiten.
Aber mich würde vor allem interessieren, wie Ihr diesen Einkauf (ablösefrei) seht. Ist Selke – zumal ablösefrei – eine Chance, die Kuntz und Co. nutzen mussten? Oder hättet Ihr Euch einen anderen Weg/Spieler gewünscht?
In diesem Sinne! Ich freue mich auf Eure Reaktionen!!
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