Spielbericht

Der HSV verliert Stadtderby, Tabellenführung, und Leibold

Das Stadtderby sollte zum Brustlöser werden nach der harten Niederlage in Würzburg und dem Rückfall auf Platz vier in der Tabelle, nachdem die Konkurrenz vorgelegt hatte. Am…

Der HSV verliert Stadtderby, Tabellenführung, und Leibold

Das Stadtderby sollte zum Brustlöser werden nach der harten Niederlage in Würzburg und dem Rückfall auf Platz vier in der Tabelle, nachdem die Konkurrenz vorgelegt hatte. Am Ende ist es ein weiterer Rückschlag nach einem sehr intensiven Spiel vom HSV beim nicht minder agilen FC St. Pauli, das durch ein spätes Tor der Gastgeber verloren ging und den HSV auch noch einen Spieler kostete. „Die Enttäuschung sitzt sehr tief, weil es einfach sehr, sehr unnötig war. Vielleicht müssen wir am Ende kompakter stehen und nichts mehr zulassen, sodass wir wenigsten mit einem Punkt nach Hause fahren. Wir haben eigentlich ein gutes Spiel gemacht, waren in den Zweikämpfen da. Das war wichtig in so einem Spiel. Es ist sehr schade, dass wir dafür nicht belohnt wurden“, ärgerte sich HSV-Keeper Sven Ulreich mächtig nach Schlusspfiff. Und das zurecht. 

Denn diese Partie hatte richtig gut begonnen für den HSV, der gleich mit einem Kracher loslegte. Es war noch keine ganze Minute gespielt, da bekam der HSV, bei dem Vagnoman, Jatta, Dudziak und Ambrosius wieder ins Team gerutscht waren; und  aus 35 Meter zentral vor dem Tor des FC St. Pauli zugesprochen. Eigentlich nicht sonderlich gefährlich. Es sei denn, ein Sonny Kittel steht auf dem Platz,. Denn der nahm sich die Pille und zog mal direkt ab. Der Ball flatterte, zog nach rechts (aus Kittels Sicht) und prallte fernab vom Pauli-Keeper Dejan Stojanovic ans Lattenkreuz. Den Nachschuss konnte der Keeper dann halten.

Kittel trifft nur die Latte - HSV mit starkem Blitzstart

Aber es war ein gutes Zeichen vom HSV, der hier von Beginn an hellwach war. Kittel wirkte wie beflügelt von seiner erst5en guten Aktion und arbeitete sogar defensiv fleißig mit. Nach hinten bekam der HSV so gut wie nichts zu tun, bis in der 9. Minute plötzlich FC-Leihspieler Marmoush (geiler Kicker!!) allein durch war. Zum Glück nahmen ihm Leibold und Vagnoman  im Doppelpack noch den Ball ab. Wiederum nur zwei Minuten später sah FC-Abwehrspieler Ziereis die Gelbe Karte – die später noch wichtig werden sollte – und der HSV bekam erneut einen Freistoß zugesprochen. Diesmal allerdings rund 15 Meter näher am Tor, was Stojanovic ein wenig unruhig machte. Den gut geschossenen, diesmal mit der Seite rechts um die gezirkelt, konnte Stojanovic zur Ecke abwehren (12.).

Der HSV war richtig gut im Spiel, kam immer wieder über Kittel und Jatta in gute Positionen. Der FC St. Pauli aber wusste sich aus dieser Druckphase relativ schnell zu befreien. Zalazar war es diesmal, der mit einem Distanzschuss knapp am Tor vorbei das erste Ausrufezeichen für den FC setzte. Wie in Würzburg ließ sich der HSV von dieser einen Szene wieder aus dem Tritt bringen. Mehr noch, keine 60 Sekunden nach der ersten Pauli-Chance folgte die zweite. Burgstaller konnte am Sechzehner (wieder begleitet von drei HSVern, unter anderem  von Jung, der die Arme wieder hinterm Rücken verschränkte) abzuziehen, aber HSV-Keeper Sven Ulreich hielt im Nachfassen.

Jetzt war auch der FC St. Pauli im Spiel – und hätte fast einen Mann verloren. Der bereits früh verwarnte Ziereis hält gegen Dudziak den Fuß drüber. Gelb wäre absolut vertretbar, aber Aytekin macht dem Kapitän klar: das war das letzte Foul von ihm. Beim nächsten Mal würde er mit Gelbrot vom Platz fliegen. Dabei wäre es hier absolut angebracht gewesen! Bitter für den HSV. Und Riesenglück für den FC St. Pauli, der seinen Innenverteidiger und Kapitän schnellstmöglich auswechselte und dadurch einen entscheidenden Nachteil vermeiden konnte. Es kam Reginiussen für Ziereis.

Ziereis wird von Aytekin verschont - zu Unrecht!

Schlimmer als alles das aber war, dass Gideon Jung den anschließenden Flankenball völlig freistehend aus sechs Metern nicht aufs Tor bekam. Das war die erste und einzige Hundertprozentige zum 1:0 für den HSV in der ersten Halbzeit! Denn das wäre ein echter Knackpunkt gewesen, da der FC St. Pauli gerade gut im Spiel war – es so aber leider auch blieb.  Mit seinem technisch starken, schnellen Mittelfeld kamen die Gastgeber zu Chancen. Immer wieder war es der sehr auffällige Marmoush (28., 29.), der den HSV vor Probleme stellte. Vor allem der mal wieder völlig indisponierte Gideon Jung hatte seine Probleme mit den flinken, schnellen Gastgebern.

Seine Aufstellung war tatsächlich nett gemeint von Thioune, der von „Vertrauen in Gideon“ gesprochen hatte – dieses aber von Jung nicht zurückgezahlt bekam. Und da der HSV seine Überzahlsituation in der 32. Minute, als Jatta über rechts frei durch war und den Ball vertändelte, anstatt zu passen blieb es beim 0:0 nach 45 fußballerisch durchaus ansehnlichen Minuten. Leider war der HSV im Mittelfeld trotz eines guten Kittels und eines bemühten Dudziaks nicht effektiv. David Kinsombi fiel sogar richtig ab.

Ebenso wie Jung, der noch unnötig Gelb gesehen hatte. Dass Thioune ihn in der Halbzeit trotzdem nicht wechselte, lag wahrscheinlich am fehlenden Vertrauen in die möglichen Ersatzspieler Jonas David und den wieder genesenen Rick van Drongelen, der in der 60. Minute dann doch kommen sollte – weil Jung unmittelbar vor seinem Platzverweis stand. Er hatte richtiggehend Glück, dass Schiedsrichter Aytekin den gepfiffenen Foulelfmeter gegen ihn in der 52.Minute nach Videobeweis wieder zurücknahm. Was passiert war? Eine Flanke von Ohlsson kann Ulreich nicht festhalten und legt so vor für Zalazar. Jung grätscht diesem mit beiden Beinen voraus in die Parade. Er blockt den Ball, trifft dabei aber auch die Beine von Zalazar heftig. Dass der Videoassistent Aytekin darauf aufmerksam macht, diesen Elfer zu prüfen – okay. Dass dieser ihn zurücknimmt, glücklich für den HSV!

Terodde-Treffer zählt nicht - dann folgt der Knockout

Aber es sollte nicht so bleiben. Im Gegenteil. Erst traf Terodde, hatte den Ball aber vorher an den Unterarm bekommen (64.) und Aytekin versagte diesem Treffer die Gültigkeit. Dann war der HSV raus. Der HSV fand nicht wieder zurück ins Spiel und gab dieses am Ende auch noch komplett ab. Zalazar zieht von links in die Mitte und wird dabei nur freundlich von Kinsombi begleitet, der offenbar auch physisch nicht mehr auf der Höhe war. Der Paulianer chippt den Ball in den Sechzehner, wo der eingewechselte  Zander den Ball mit Glück und Leibolds Hacke für Kyereh auflegt. Dieser wiederum hämmert den Ball mit nahezu perfekter Schusstechnik rechts oben in den Winkel. Unhaltbar für Ulreich – und der späte Siegtreffer für den FC.

Damit ist der HSV tatsächlich nur noch Vierter, was schon scheiße genug wäre. Dass sich dann aber auch noch Tim Leibold, heute einer der deutlich Besseren beim HSV, in der Nachspielzeit zu einer Tätlichkeit gegen Burgstaller hinreißen ließ und Rot sah – es war der negative Höhepunkt dieses Spiels, das der HSV nicht hätte verlieren dürfen. Thioune nach Schlusspfiff: „Der Lucky Punch kam zu einem Zeitpunkt, an dem wir nicht unbedingt damit rechnen konnten“, sagte er nach dem Spiel. „Letztendlich ging es darum, dass wir arbeiten wollten, dass wir leidenschaftlich sein wollten. Das ist uns auch von der ersten Minute an gelungen. Dann kam dieser letzte Ball, wo man vielleicht nicht optimal aufgestellt ist, und dieser Sonntagsschuss – und der ist drin. So ist die Derby-Geschichte schnell erzählt. Es lag aber nicht an irgendetwas, das wir nicht auf den Platz bringen konnten.“

Im Ergebnis tat der HSV aber genau das und büßte somit auch die Tabellenführung ein. Und während ich mir ganz sicher bin, dass die Diskussion wieder losgehen und die Vergleiche mit den Vorjahren nur so sprießen werden, sage ich in der Minute meiner größten Enttäuschung trotzdem: Atmet alle erst einmal kräftig durch!! Denn das war es noch lange nicht. Im Gegenteil, ich bleibe auch in der Minute der bittersten Enttäuschung dabei: Dieses HSV hat weiterhin alle Chancen – und er wird sie nutzen…

Bis morgen.

Scholle

P.S.: Leider war der Traffic auf unserer Webseite direkt nach Schlusspfiff so stark, dass der Server überlastet wurde und für knapp zwei Stunden zusammenbrach. Entschuldigt bitte! 

Die Statistik zum Spiel: 

FC St. Pauli: Stojanovic - Ohlsson, Ziereis (28. Reginiussen), Lawrence, Paqarada (78. Buballa) – Becker (87. Zander), Benatelli, Zalazar - Kyereh – Marmoush (87. Matanovic), Burgstaller

HSV: Ulreich - Vagnoman, Jung (59. van Drongelen), Ambrosius, Leibold – Kinsombi (90.+1 Meissner), Heyer (90.+1 Narey) – Jatta (86. Wintzheimer), Dudziak (86. Wood), Kittel - Terodde

Tore: 1:0 Kyereh (88.)

Schiedsrichter: Deniz Aytekin (Oberasbach)

Gelbe Karten: Ziereis (11.), Marmoush (31.), Reginiussen (49.), Benatelli (56.), Burgstaller (90.+4) / Jung (35.). - Rote Karten: - / Leibold (90.+5)

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