Der HSV und das liebe Geld...
Man kann das Rad nicht neu erfinden. Heißt es. Und trotzdem versuchen sich immer wieder große Menschen daran. Zumindest kündigen sie große Veränderungen an. Eine gewisse Zeit…

Man kann das Rad nicht neu erfinden. Heißt es. Und trotzdem versuchen sich immer wieder große Menschen daran. Zumindest kündigen sie große Veränderungen an. Eine gewisse Zeit funktioniert das Vorhaben dann auch. Verschiedene Dinge werden neu und anders gemacht und manchmal erscheint alles ganz neu und toll zu sein. Ist es aber nicht. Es ist nur äußerlich neu – aber im Kern verändert sich nicht viel. So, wie es beim HSV seit vielen, vielen Jahren der Fall war - und in Teilen auch jetzt wieder ist. Stichwort: Finanzen.
Ich hatte mich gewundert, weshalb der HSV schon vor der Zusammenstellung des Kaders wieder große Töne spuckt, nachdem man gerade erst gesehen hat, wie wohltuend es sein kann, wenn man erst einmal macht, und dann redet. Aber es ergibt langsam alles wieder einen Sinn. Oder nein, anders formuliert: Es wird mir klar, warum das so gemacht wurde. Weil man ohne diese Ansprüche eben keinen Zugriff auf Hilfe von außen – in diesem ganz speziellen Fall von Klaus Michael Kühne – hätte.
„In der jetzigen Situation müssen alle Kräfte darauf konzentriert werden, eine schlagkräftige HSV-Mannschaft aufzubauen, wofür ich in begrenztem Umfang Mittel zur Verfügung stelle“, sagte Kühne zuletzt den Kollegen der „Bild“. Soll heißen: Kühne gibt Geld für Verstärkungen. Die von den Mopo-Kollegen kolportierten zehn Millionen Euro wurden mir zwar nicht bestätigt. Dafür aber, dass sich das Budget für Neue auf rund fünf Millionen beläuft. Angesichts der bevorstehenden Stadionsanierung, aus der sich der HSV vertraglich gar nicht schadlos befreien kann, eine schwer erklärbare Summe.
Zumindest bis Kühne kam. Dass der Milliardär helfen will, ist grundsätzlich gut. Die Frage ist nur, zu welchen Bedingungen. Eine ist wie gesagt, schon die neue Ausrichtung gewesen. Noch einmal „Entwicklung vor Tabellenstand“ wird es mit dem HSV-Investor, Mäzen und Anteilseigner nicht geben. Und allein der Umstand, dass mit Thomas Wüstefeld im Vorstand und Markus Frömming im Aufsichtsrat zwei vertraute seine Anliegen in ihr Handeln mit ein fließen lassen, Kühne noch nicht wieder weich werden lassen. Oder doch? Eine winzige Chance, dass Kühne hier selbstlos seinem Verein helfen will, besteht immerhin. Und im Zweifel gilt: für den Angeklagten. Zumindest bei uns.
Aber aktuell muss der HSV wieder Kompromisse schlucken, weil er Gelder ausgegeben hat, jetzt gebraucht werden. Stichwort: Stadionsanierung. Zehn Millionen Euro sollen dem HSV bis Jahresende fehlen. Dass ausgerechnet Kühne vor ein paar Tagen sagte, Hamburg solle auf die Austragung der vier EM-Spiele verzichten, verwundert nicht. Tragisch ist nur, dass selbst dann die Sanierung des Stadions vom HSV nicht wegfallen und vom HSV getragen werden müsste. Falls nicht, würde eine Konventionalstrafe zahlen müsste. Dem Vernehmen nach zehn Prozent der Gesamtsumme für den Verkauf des Stadiongrundstücks – das sind bei 23,5 Millionen Euro immerhin 2,35 Millionen Euro.
Ich werde hier jetzt keine Debatte darüber eröffnen, weshalb die zehn Millionen Euro fehlen, da hier immer wieder das Totschlagargument „Pandemiebedingte Mindereinnahmen“ von Vereinsseite genommen wird. Dass der HSV in Wirklichkeit einen Teil des Geldes entfremdet und in die eigene Bilanz gesteckt hat, es gilt als sicher. Aber ich möchte zumindest die Frage in den Raum stellen: Warum stellt Kühne dem HSV wieder Millionen zur Verfügung und ist das zum Guten für den HSV?
Es wird in den nächsten Wochen auf jeden Fall so nicht ruhiger. Die Erwartungen steigen, der aktuelle Ärger auf Vorstandsebene rückt die vermeintlichen Gewinner dieses Streits noch mehr in den Fokus. Fakt ist: Überall werden neben diesen vermeintlichen Gewinnern eben auch Verlierer sein. Aus diesen werden sich mal wieder Oppositionen bilden. Und die warten nur auf den nächsten Fehler. Die Eintracht der letzten Wochen, die vor allem die Fans dem HSV in ihrem Umgang mit der Mannschaft demonstriert hatten, wird in der bevorstehenden Saison mal wieder auf eine sehr harte Probe gestellt.
Schade ist, dass der HSV bei dem 19 Jahre jungen, pfeilschnellen Angreifer Maximilian Beier nicht nach Hamburg locken konnte. Der Profi wird ein weiteres Jahr von der TSG Hoffenheim an Hannover 96 verliehene, während der HSV nach Bilbija weiter nach offensiven Verstärkungen sucht. Der Transfer des Dresdener Talentes Königsdörffer zieht sich weiter, da der HSV offenbar noch nicht bereits ist, die geforderte eine Million Euro Ablösesumme zu bezahlen – was ich mehr als nachvollziehen kann. Immerhin wissen die Dresdner spätestens seit dem feststehenden Abstieg in die Dritte Liga, dass sie ihr Toptalent nicht halten können.
Beim HSV stehen neben den Zugängen noch einige Abgänge auf dem Programm. Innerhalb der Mannschaft ist weiter offen, wohin es Jan Gyamerah zieht, dessen Vertrag beim HSV am Ende dieses Monates ausläuft. Und auch bei dem Angestelltenapparat sollen weiter Einsparungen vorgenommen werden. Eine Situation, die intern seit Wochen und Monaten bekannt ist – und die dort für eine extreme Verunsicherung gesorgt hat. Nachvollziehbar, wie ich finde.
Allein ihretwegen muss der HSV schnellstmöglich Klarheit schaffen und dann auch die dazugehörigen Konsequenzen tragen. Soll heißen: Wer den Etat für neue Spieler mal eben um siebenstellige Summen erhöhen kann, der sollte seinen Mitarbeitern auch faire Ausstiegsangebote unterbreiten und ihnen vor allem diese monatelange Warterei auf die Kündigung ersparen. Also in etwa das Gegenteil von dem, wie man die Personalie Michael Mutzel gerade zu klären versucht. Denn auch das gibt ein Bild des HSV nach außen ab. Eines, das wir gehofft hatten, nicht mehr sehen zu müssen. Zumindest erschließt es sich mir nicht, weshalb der HSV hier keine klare Lösung bevorzugt und Trennungen auch als solche kennzeichnet – mit allen Folgen. Das wäre vielleicht teurer – aber eben auch einfach mal konsequent und ehrlich.
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