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Der HSV sucht seine neue Mentalität - Schonlau geht voran

„Es muss sich vieles ändern“, hatte Trainer Tim Walter bei seinem Amtsantritt gesagt, als er zum wiederholten Mal auf den bereits dreimal verpassten Wiederaufstieg des HSV…

Der HSV sucht seine neue Mentalität - Schonlau geht voran

„Es muss sich vieles ändern“, hatte Trainer Tim Walter bei seinem Amtsantritt gesagt, als er zum wiederholten Mal auf den bereits dreimal verpassten Wiederaufstieg des HSV angesprochen wurde. Es wurden seither acht Spieler abgegeben, sechs Neue geholt. Und es sollen noch weitere Spieler kommen, wie beispielsweise ein neuer Keeper. Oliver Christensen soll es den HSV-Verantwortlichen angetan haben. Für rund drei Millionen Euro wäre er von seinem Klub Aalborg BK wohl zu bekommen. Aber seine Verpflichtung könnte – komplett unabhängig von seiner Qualität - eine unangenehme Signalwirkung nach innen haben, die der HSV nicht gebrauchen kann.

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Denn der 22-Jährige würde für Daniel Heuer Fernandes‘ dritte Degradierung sorgen. Die aktuelle Nummer eins würde damit so geschwächt, dass er nicht einmal mehr als Ersatzkeeper bedenkenlos einsetzbar wäre. Oder anders formuliert: Wäre ich Heuer Fernandes, ich würde einhergehend mit einer Verpflichtung des jungen dänischen Keepers die Kluboberen um die Auflösung meines Vertrages bitten und dabei darauf setzen, dass es absolut gar keine Widerstände gibt. Denn die Verpflichtung Christensens ist in Worten gefasst nichts anderes als die klare Ansage, dass man Heuer Fernandes einfach für nicht gut genug hält.

Christensen könnte Kollateralschaden verursachen

Aber, und auch das sage ich klar: Wenn Christensen unter Abwägung all dieser Umstände aus Sicht der sportlich Verantwortlichen die Verstärkung ist, die sich die Kluboberen von ihm erhoffen, dann müssen sie es durchziehen. Für Sentimentalitäten ist kein Platz. Auch nicht für die Leo Oppermanns. Denn der junge und von Trainer Tim Walter zuletzt gelobter  Nachwuchskeeper des HSV müsste seinerseits einen Dämpfer verkraften und auf Sicht seine Ambitionen, die neue Nummer eins zu werden, hintenanstellen.

Wobei wir mit der sportlichen Beurteilung Christensens eben nur die halbe Miete erwähnt hätten. Denn die diesjährige Kaderzusammenstellung hatte neben der Steigerung der fußballerischen Qualität auch einen zweiten entscheidenden Parameter: Es sollte möglichst viel Nichtaufstiegsfrust abgebeben und möglichst viel Unbekümmertheit geholt werden. Womit ich vom zweifelsfrei vorbelasteten Heuer Fernandes und dem unvorbelasteten Christiansen auf Sebastian Schonlau überleiten kann. Denn wir hatten heute nach dem Vormittagstraining die Gelegenheit, uns mit dem neuen Kapitän zu unterhalten. Und Schonlau gab dabei, wie Ihr selbst auch sehen und hören könnt, ein fast noch besseres Bild ab als am Sonnabend auf dem Platz.

Dort hatte er mir mit seiner starken Antizipation schon so stark gut gefallen wie lamge kein Spieler mehr. Mit seiner Ruhe im Aufbauspiel strahlte Schonlau eine Souveränität ist, die dem HSV zuletzt fehlte. Schonlau spielt umsichtig, ist technisch stark, gewinnt defensiv wie offensiv Kopfballduelle und weiß neben aller Defensivarbeit auch offensiv mitzuwirken. Dass er gleich von Trainer Walter gleich in der ersten Saison zum Kapitän geworden war hatte zwar überrascht – aber es erklärt sich jetzt recht schnell. Denn Schonlau ist der neue Chef im Team. Er macht nicht nur seinen jungen Nebenmann Jonas David besser – er macht die Mannschaft stabiler. 

Schonlau ist schon der Chef - auf und neben dem Platz

Der Innenverteidiger selbst nimmt seine überraschende Beförderung mit der Ruhe, die er auch am Ball hat. „Ich will ja auch Verantwortung übernehmen. Das hätte ich auch ohne Binde gewollt“, so Schonlau, der weiß, dass sich mit der Binde zumindest nach außen etwas verändert hat. „Der Blick konzentriert sich vielleicht etwas mehr auf mich, aber ich finde das gut. Ich mag das und freue mich darauf, für die Mannschaft da zu sein. Ich kann selbstlos auftreten, mich vor die Mannschaft stellen, weil ich die Mannschaft hinter mir weiß.“

Und wenn alles stimmt, was ich gehört habe, dann hat sich Schonlau auf sportliche Weise schon vor der Entscheidung Walters intern zum Führungsspieler hochgearbeitet. Ohne vollmundige Sprüche, dafür mit seiner ruhigen, eloquenten und sachlichen Art. Schonlau ist auf dem Platz unumstritten der Wortführer. Auch im Training nimmt er sich immer wieder Spieler zr Seite und spricht mit ihnen. Kurz gesagt: Schonlau ist ein schlauer Fußballer. Und er hat damit sogar den von Walter abgesetzten und zum Vize-Kapitän degradierten Kollegen Tim Leibold hinter sich gebracht. Heute in unserer Runde bestätigte er das noch einmal. „Leibe und ich sind ein Team sind. Wir lösen das zusammen.“

Wie gut das funktioniert, wird sich am Freitag beim FC Schalke das erste Mal zeigen. Dort treffen Schonlau, Leibold und Co. nämlich nicht nur auf den vermeintlichen Topfavoriten dieser Liga, sondern auch auf den unumstritten besten Knipser der Liga: Ex-HSV-Torjäger Simon Terodde. „Es ist unsere Aufgabe, von uns als gesamtes Team, ihn da aufzuhalten. Da müssen wir schon Gas geben“, so Schonlau, der sich noch an das Duell in Paderborn mit dem HSV und Terodde erinnert. „Da hat er leider etwas zu oft getroffen.“ Zur Erinnerung: Terodde traf zweimal beim 4:3-Sieg des HSV.

„Ich freue mich auf das Duell“, so der neue HSV-Kapitän, der froh darüber ist, dass er mit Tim Walter einen Trainer hat, der ihm auch das Spiel nach vorn nicht nur erlaubt, sondern es auch teilweise einfordert. „Ich mag es, wenn für einen Innenverteidiger das Spiel nicht an der Mittellinie aufhört. Denn gefühlt geht für uns das Spiel da oft erst richtig los.“ Wichtig sei nur, dass man immer die Kompaktheit defensiv absichert. Gewusst hatte Schonlau nicht, wer der neue Trainer wird, als er selbst beim HSV unterschrieben hatte. „Aber es wurde mir schon grob kommuniziert, welche Spielweise hier in dieser Saison angedacht war. Dass es letztlich Tim Walter geworden ist, darüber kann ich sicher froh sein.“

Apropos froh: Sehr froh bin ich auch, dass wir am Freitag ab 20 Uhr (wie immer beginnen wir 30 Minuten vor Anpfiff) endlich wieder unsere Auswärtscouch senden können. Aus einem neuen Studio, mit einem neuen Team, aus dem bis auf Jonas (beruflich verhindert) und Familienvater Michel (Urlaub) alle dabei sind. Vor allem aber starten wir dann alle zusammen in eine neue Saison, die spannend wird. Denn auch wenn viele hier die Prognose von Mattuschka anzweifeln, auch ich sehe den HSV sportlich aktuell nicht vor Schalke, Werder, St. Pauli und auch nicht vor Heidenheim.

Die Auswärtscouch ruft - ich freue mich!

Bei Hannover 96 habe ich zwar noch die Hoffnung, dass das Umfeld die gute Arbeit auf dem Platz wieder zunichte macht und die Niedersachsen sich selbst schwächen Aber ansonsten wird es für den HSV zweifelsfrei ein heißer Kampf, der mit dem vermeintlich schwersten Spiel (auswärts beim FC Schalke) am Freitag beginnt. Und das wie gesagt – mit unserer ersten Auswärtscouch als MoinVolkspark.

In diesem Sinne, ich melde mich morgen früh wieder mit dem MorningCall pünktlich um 7.30 Uhr bei Euch. Euch allen bis dahin einen schönen Abend und bis morgen! 

Scholle

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