Der HSV sucht in der Ferne sein Glück - Heuer Fernandes reist mit nach Karlsruhe
Am liebsten geht der HSV auf Reisen. Also punktetechnisch gesehen. Das gilt zumindest in dieser Saison. Denn in der Fremde ist man erfolgreicher als zu Hause: auswärts drei…

Am liebsten geht der HSV auf Reisen. Also punktetechnisch gesehen. Das gilt zumindest in dieser Saison. Denn in der Fremde ist man erfolgreicher als zu Hause: auswärts drei Siege und elf Punkte, zu Hause einen Sieg und nur schwache acht Zähler. Deshalb ist vor der Partie am Sonnabend beim Karlsruher SC der Optimismus groß. Trainer Tim Walter sieht die Ursachen für die Diskrepanz zwischen Heim- und Auswärtsspielen aber nicht in einer unterschiedlichen Spielanlage. „Vielleicht haben wir auswärts sehr gute Plätze vorgefunden“, meinte er. Das will der Coach allerdings nicht als Kritik am eigenen Platzwart verstanden wissen.
Nein, das Tageslicht und die Belüftung im Volksparkstadion sind seit jeher suboptimal und damit nicht wachstumsfördernd für das teure Grün, das spätestens alle halbe Jahre erneuert werden muss. Zudem wurde der Rasen zuletzt zusätzlich von der Nationalmannschaft malträtiert, weil sie unlängst ihr Qualifikationsspiel gegen Rumänien in der Arena bestritt. Aber Walter machte klar: „Uns tut es gut, wenn wir auf einem guten Rasen spielen.“ Das Grün im Wildparkstadion sei hoffentlich besser.
Aber das war alles kaum mehr als ein kurzer Ausflug für Walter. Die meistverwendete Vokabel beim HSV ist nämlich nicht Rasen, sondern: sich belohnen. Das macht die Mannschaft zu selten. Sagt Walter. Auch, um sein System immer wieder zu rechtfertigen. Immer wieder, weil er auch immer wieder danach gefragt wird. Denn während Kritiker den Casus knacksus in der Walter‘schen Offensivspielweise mit Dauerballbesitz und aufgerückter Defensivabteilung ausgemacht haben, sieht der Trainer das grundsätzlich anders. „Das Hauptproblem ist der Anspruch und dass man Situationen falsch bewertet. Wir als Verein bewerten sie richtig“, so Walter zum Vorwurf, er würde die Defensive bei eigener Führung vernachlässigen und Harakiri spielen lassen.
Walter rät dabei, die lang- und mittelfristige Entwicklung zu sehen, anstatt dem kurzfristigen Erfolg hinterherzujagen. „Ich glaube, dass wir die kompakteste Mannschaft in der Liga sind. Mittlerweile sind wir Dritter in der Statistik, dass wir ganz wenige Torchancen zulassen. Wir erarbeiten uns die meisten Torchancen. Ich glaube, wenn man das vergleicht, sind wir sehr weit vorne“, sagte er und fasste zusammen: „Wir sind mit der Entwicklung total zufrieden.“ Allerdings, bei allem Lob bestätigte der Trainer, dass Aufwand und Ertrag nicht stimmen.
Die Dauerläufer der Liga, die im Schnitt 118 Kilometer pro Spiel abspulen, kriegen die Kugel zu selten ins Netz. Die einen sage, es ist die Schwäche der Schützen, andere sehen den zuvor geleistet Aufwand als hinderlich an, die Konzentration ausreichend hoch zu halten. Beleg sind nur 19 Tore in 13 Saisonspielen. Tabellenführer St. Pauli (28) und der Zweite Jahn Regensburg (27) sind da deutlich effektiver. Dabei feuert der HSV zudem die meisten Torschüsse ab.
Und zum Vergleich: Obwohl man in der vergangenen Spielzeit unter Trainer Daniel Thioune nicht so offensiv ausgerichtet war, hatte man zum gleichen Zeitpunkt 27-mal getroffen und 26 Punkte erobert. In der Saison davor unter Dieter Hecking waren es gar 30 Tore und ebenfalls 26 Punkte. Diesmal sind es sieben Zähler weniger. Klar: Im Vorjahr Tormaschine Simon Terodde im Team. Der ist nicht zu ersetzen Walter ratlos: „An den Toren sieht man, dass wir uns nicht belohnen.“
Und ich frage: Wo sind die Lösungen? Es kann nicht sein, dass man Woche für Wiche immer dieselben Sätze rausschmettert, ohne auch nur den Ansatz einer Lösung zu haben. Fakt ist: Der HSV hat die Spieler, die Tore machen können. Robert Glatzel kann das, Sonny Kittel, Robin Meißner, Manuel Wintzheimer – alles Spieler, die wissen, wo das Tor steht. Das Problem aber allein den mangelhaften Abschlussqualitäten zuzuordnen, andererseits aber die Kaderzusammenstellung generell zu verteidigen – das passt einmal. Vielleicht auch zwei- oder dreimal, aber eben nicht zwölf Spieltage lang. Nach 12 Spieltagen muss ein Funktionsapparat wie der des HSV anhand von Analysen definitiv erkannt haben, woran es liegt. Nur das und der Faktor Ausbildung ist mein Anspruch an diesen HSV. Und der wird weiterhin nicht erfüllt. Stattdessen heißt es weiterhin: hoffen. Hoffen, dass es plötzlich besser wird. Dass plötzlich getroffen wird.
Riskant. Und es hat mehr von Glück als von kalkuliertem Erfolg. Aber ich würde mich für die Mannschaft und den Trainer freuen, wenn sich der Aufwand endlich auch im Ertrag widerspiegelt. Am besten schon morgen auf dem tadellosen Geläuf in Karlsruhe, auf dem auch Daniel Heuer Fernandes weiter hofft, stehen zu können. Heute jedenfalls trainierte die Nummer eins des HSV wieder voll mit. Ob es schon für das Spiel beim KSC reicht – ich halte es zwar für riskant. Aber auch hier würde ich es dem Spieler selbst gönnen.
Apropos Trainer, KSC und Spiel: Beim Flutlichtspiel gegen die Mannschaft des ehemaligen KSC-Jugendtrainers Tim Walter hofft der KSC auf ein mit 20 000 Zuschauern ausverkauftes Wildparkstadion. Chancen werde sein Team aufgrund der dominanten Spielweise der Hanseaten automatisch bekommen, sagt KSC-Trainer Christian Eichner: „Wir müssen aber einen guten Mix finden, um einen Gegner wie den HSV zu schlagen», forderte er. Für neutrale Zuschauer seien die Spiele der Hamburger immer recht unterhaltsam. Aber Eichner hat Schwächen ausgemacht: „Das hat aber auch alles Grenzen. Denn meine Mannschaft hat Qualität. Sie ist stark genug. Wir werden vorbereitet sein“, so der 38-Jährige.
Ich hoffe jetzt erst einmal darauf, dass „Uns Uwe“ einen richtig schönen Tag hat und dass sich alle seine Wünsche erfüllen. So wie meiner, denn ich wollte schon länger einen Teil der Jungs aus dem HSV-Fanclub „Padawans“ auf meiner Auswärtscouch sitzen haben. Und das ist morgen Abend ab 20 Uhr der Fall, wenn wir via youtube live auf Sendung gehen. Für Stimmung bei uns wird definitiv gesorgt sein! Und ich hoffe, dass möglichst viele von Euch dabei sind!
Bis morgen!
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