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Der HSV sucht Charakter - und verpflichtet Schonlau

Die Zeit der Analysen hat begonnen – und wenn man mal ganz ehrlich ist, ist das größte Problem auch hier im Forum, dass es eben nicht diesen einen einzelnen Schwachpunkt gibt,…

Der HSV sucht Charakter - und verpflichtet Schonlau

Die Zeit der Analysen hat begonnen – und wenn man mal ganz ehrlich ist, ist das größte Problem auch hier im Forum, dass es eben nicht diesen einen einzelnen Schwachpunkt gibt, den man beheben muss. Und so werden auch hier von Problemen im Aufsichtsrat über den Vorstand, das Trainerteam bis hin zum letzten Ersatz- und Nachwuchsspieler Probleme angeführt, die nachvollziehbar sind. Ich werde heute zunächst aus gegebenem Anlass über die Spieler sprechen bzw. schreiben. Denn letztlich sind sie es, die auf dem Platz Siege und Niederlagen   eingefahren und einen Trainer gekostet haben – und dem zweiten gerade den Spaß am Spiel zu nehmen scheinen. Dass sie den Fans den Spaß am Zuschauen schwermachen – logisch. Alle hatten sich mehr erhofft. Vor allem aber geht der Spaß am HSV verloren, wenn man anerkennen muss, dass die Mannschaft nicht nur sportlich Probleme hat – sondern auch charakterlich. 

Gestern gerade erst hatte Horst Hrubesch den wiederholt undiszipliniert auffallenden Jeremy Dudziak suspendiert. Zum zweiten Mal, wie ich gehört habe. Und erneut, weil er zu spät gekommen und somit gegen Teamrichtlinien verstoßen hatte. Schade um den Fußballer Jeremy Dudziak, der in der gesamten Rückrunde schon nicht mehr zu seinem Spiel zu finden schien. Aber im Sinne der Mannschaft und dessen, was man nach außen vorleben will – überfällig und korrekt. Der HSV muss endlich zusehen, seine Philosophie zur Kernkompetenzen zu erklären. Soll heißen: Disziplin steht über allem. Denn nur so erhält man innerhalb der Mannschaft auch die Motivation bei, von der ersten bis zur letzten Sekunde zu kämpfen.

Arbeiter Tesche zeigt den Feinfüßen, worauf es ankommt

Und das muss für alle gelten. Von der rustikalen Abwehrkante bis hin zum filigranen Feinfuß im Mittelfeld und dem Knipser in vorderster Linie. Die Kaderzusammenstellung muss den Charakter an die erste Stelle setzen. Und an die zweite. Meinetwegen auch noch an die dritte Stelle – denn was Mentalität ausmachen kann, sehen wir seit Jahren in der Zweiten Liga vor dem HSV. Paderborn, Bielefeld, Bochum, Kiel sind hierfür beste Beispiele. Sie haben allesamt nicht die besten Individualisten, sehr wohl aber deutlich bessere, weil homogener auftretende Mannschaften.

Kiel zum Beispiel spielt mit nahezu immer demselben System und fast immer dem gleichen Personal, ebenso Bochum, wo Spieler wie Robert Tesche plötzlich wichtiger werden als die Sonny Kittels, David Kinsombis und Aaron Hunts beim HSV. Tesche spielt zwar einen eher soliden, konservativen Fußball – aber seine Leistungen sind für den VfL zur Konstante geworden. Ausschläge gab es bei ihm maximal nach oben, während beim HSV große Erwartungen in die vermeintlich stärkeren Fußballer mit inkonstanten Leistungen enttäuscht wurden. Ergo: Verlässlichkeit schlägt Extravaganz – und so ist es in der Zweiten Liga nun mal fast immer.

Lange Zeit hatten Trainer Daniel Thioune und alle anderen Verantwortlichen genau dieses Motto proklamiert. Allein bei  der Kaderzusammenstellung hat man sich hier vertan. Gerade im Laufe der Rückrunde verlor man die Balance aus Arbeit und Ästhetik zusehends. Würzburg, Aue, Darmstadt, Sandhausen, Regensburg, Osnabrück – sie alle brauchten nur zu kämpfen, um den HSV zu schlagen bzw. einen Punkt gegen den HSV zu holen. Allein diese sechs Partien, aus denen der HSV nur mickrige zwei Punkte holte, zeigen schon, wie leicht es gewesen wäre – mal wieder…

Und: So leicht wird es vorerst nicht mehr. Denn angesichts der starken Absteiger, die dem HSV drohen sowie einigen Traditionsklubs, die hoch kommen wird das Feld immer enger und stärker. Zudem haben mit Düsseldorf, Hannover und Nürnberg drei Hochkaräter in dieser Saison noch nicht das abgerufen, was sie an Potenzial mitbringen. Soll heißen: Der HSV muss sich zur neuen Saison vom Top-Aufstiegsfavoriten zum Team aus dem oberen Drittel umgewöhnen – und selbst dafür ist personell noch einiges zu tun.

Angefangen haben die Verantwortlichen heute mit Sebastian Schonlau, dem Kapitän des SC Paderborn. Und im Gegensatz zu Klaus Gjasula, der ebenfalls als Kapitän aus Paderborn zum HSV kam, darf man bei Schonlau darauf hoffen, dass er direkt zum Stammspieler wird. Der 26-jährige Innenverteidiger unterschreibt bei den Rothosen einen Dreijahresvertrag bis zum 30. Juni 2024 und kommt ablösefrei. Und wo normalerweise die ganzen anderen Klubs kommen würden, die auch Schonlau wollten und die der HSV auszustechen wusste ob seines Glanzes, schreibe ich heute nur: Herzlich Willkommen, Sebastian. Ich hoffe, du bringst mit, was dieser Mannschaft gefehlt hat.

Paderborns Abwehrchef Schonlau kommt ablösefrei

Sportdirektor Mutzel jedenfalls sieht es so: „Wir haben Sebastian schon lange auf unserer Liste, uns intensiv und frühzeitig mit ihm beschäftigt und konnten ihn auch dadurch ablösefrei für uns gewinnen. Neben seiner guten Zweikampfführung besticht er vor allem durch seine Spieleröffnung und die konstanten Leistungen, mit denen er in Paderborn als Kapitän vorweg gegangen ist“, wird Mutzel auf der vereinseigenen Homepage zitiert. Und Sportvorstand Boldt ergänzt: „Sebastian passt sehr gut in unser erstelltes Spieler-Profil. Er bringt die Erfahrung aus mehr als 130 Spielen in der 1. und 2. Bundesliga mit, besitzt mit 26 Jahren aber auch noch Entwicklungspotenzial und versprüht vor allem den Hunger und Ehrgeiz, bei uns den nächsten Schritt gehen zu wollen.“

Nominell also ein Spieler, auf den man sich freuen darf, weil er noch nicht „versaut“ ist, sondern weiß, dass er arbeiten muss, um sich zu entwickeln. „Nach einer langen und richtig guten Zeit in Paderborn, für dich ich mich beim gesamten SCP bedanken möchte, freue ich mich auf die neue Herausforderung. In den Gesprächen haben mich die HSV-Verantwortlichen sofort begeistern können. Ich werde mich in der nächsten Saison und dieser reizvollen Zweiten Liga voll einbringen.“

Und dann wäre da noch die Trainersuche, die seit heute morgen eine Option eröffnet hat, die ebenso wünschenswert wie schwer zu erreichen ist: Hermann Gerland. Den der Bayern-Schleifer, bei dem sich  Paolo Guerrero für dessen Ausbildung von herzen bedankte, indem er ersnthaft sagte, dass Gerland wohl ein schlechter Mensch sei, weil er immer streng war – würde verkörpern, was der HSV so gern sein würde: Fleißig, diszipliniert und erfolgreich. Einfach (fast) immer besser als die anderen.

Klingt so einfach, oder…?

Fakt ist, dass der HSV den von Daniel Thioune in der Hinrunde angebrochenen Kursumbruch fortführen muss. Er muss ihn länger durchhalten als bis zum zweiten spielerisch gelungenen Sieg in Folge. Er muss aufhören, sich für besser zu halten, dafür aber immer bereit sein, mehr zu machen als der Gegner. Und hierbei geht es weit über die Mannschaft hinaus. Hier beginnt die Arbeit ganz oben. Denn Charakter können nur die einfordern, die selbst welchen vorleben. Oder wie Dr. Olaf Ringelband sagte: „Jeder ist dafür verantwortlich, seine eigene Leistung und die des Vereins kontinuierlich zu verbessern.“

In diesem Sinne, bis morgen. Da hat die Mannschaft trainingsfrei und ich werde mich Dank des eben gerade angesprochenen Dr. Olaf Ringelband noch einmal mit dem Thema „Charakter“ beschäftigen. Denn darin sehe ich nach wie vor das Hauptproblem dieses HSV.

Bis dahin!

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