„Der HSV steigt auf“ - sagt die Konkurrenz
Der Tag begann mit einer Nachricht, die die meisten hier (mich eingeschlossen) freuen dürfte: Der HSV hat den im Sommer 2023 auslaufenden Vertrag mit Anssi Suhonen vorzeitig…

Der Tag begann mit einer Nachricht, die die meisten hier (mich eingeschlossen) freuen dürfte: Der HSV hat den im Sommer 2023 auslaufenden Vertrag mit Anssi Suhonen vorzeitig verlängert. Wie der HSV heute mitteilte, bleibt der 21 Jahre alte Finne nun mindestens bis zum 30. Juni 2026 bei den Hanseaten. „Anssi hat diese Saison in seiner Entwicklung einen großen Schritt nach vorn gemacht und seinen Platz in der Mannschaft gefunden“, sagte HSV-Sportdirektor Michael Mutzel über den finnischen U21-Nationalspieler. Suhonen war 2017 von Käpylän Pallo aus Helsinki in das Nachwuchsleistungszentrum des HSV gewechselt und durchlief dort alle Jugendteams. Bisher hat der offensive Mittelfeldspieler insgesamt 13 Zweitliga-Spiele und eine Partie im DFB-Pokal für den HSV absolviert.
Es ist eine Vertragsverlängerung, die für mich nur logisch war. Denn Suhonen hat zwar wenig Spielzeiten erhalten von Trainer Tim Walter. Allerdings das auch verletzungsbedingt. Und vor allem: In diesen wenigen Minuten wusste er ebenso zu überzeugen wie für die U21-Nationalmannschaft der Finnen und im Training beim HSV tagtäglich. Der 21-Jährige verbindet gute Technik, Übersicht und nimmermüden Einsatz – und ist sich für keinen Weg und keine Grätsche zu fein. Im Gegenteil. Mutzel: „Wir sehen weiter großes Entwicklungspotenzial bei Anssi und sind sehr stolz, dass ein weiterer Spieler aus unserer Akademie den Sprung zu den Profis geschafft hat und sich langfristig an den HSV bindet.“ Zur Erinnerung: Suhonen wechselte im Januar 2017 ins Nachwuchsleistungszentrum des HSV und durchlief dort fortan die Jugendteams. Im Juli 2020 wurde der kurze Mittelfeldspieler (1,75 Meter) auf dem Weg ins Profitraining von einem Kreuzbandriss ausgebremst. Nur kurzzeitig, denn inzwischen hat sich Suhonen im Team von Trainer Tim Walter etabliert.
Suhonen selbst freut sich auch. Via Homepage des HSV ließ er verlauten: „Seitdem ich Anfang 2017 nach Hamburg gewechselt bin, habe ich stets an meiner Entwicklung gearbeitet, daher freue ich mich jetzt ganz besonders über diese Vertragsverlängerung. Auf meinem Weg von den Jugendmannschaften bis zu den Profis hat der Club mich immer unterstützt und mir mit dem Campus eine sportliche und gesellschaftliche Heimat geboten. Das möchte ich in der Zukunft gern mit guten Leistungen zurückzahlen, zumal ich mich in der jungen Mannschaft extrem wohl fühle.“ So wohl, dass er nach einem fulminanten Kurzauftritt gegen Aue am Dienstag nun seinen Vertrag gleich bis 2026 verlängert hat. Ich freue mich auf den Jungen, der zweifellos das Potenzial hat, dauerhaft eine Verstärkung zu sein.
Und die kann der HSV im Schlussspurt sicher noch gebrauchen. Gerade im Spiel gegen Aue konnte Suhonen andeuten, welche Verstärkung er sein kann. Er agierte so gut, dass er sich sogar Chancen auf einen Platz in der Startelf ausrechnen darf – obgleich ich nicht davon ausgehe. Denn ich glaube, dass Walter seinem Weg treu bleibt und das Team nach Siegen möglichst unverändert lässt. Das würde bedeuten, das Maximilian Rohr neben Ludovit Reis beginnen würde – was ich ebenfalls charmant finde. Zum einen, weil Rohr eine extrem gute Veranlagung mitbringt. Und zum anderen, weil es an der Zeit ist, diese Veranlagung bei Rohr und allen anderen so auszureizen, dass man den Kader noch mal auf Herz und Nieren prüfen kann. Alles schon mit dem klaren Blick auf die neue Saison.
Und in dieser Hinsicht müssen Entscheidungen natürlich noch ligaunabhängig gültig sein – schließlich könnte es aktuell noch in beide Ligen gehen. Ginge es allerdings nach Darmstadts Trainer Torsten Lieberknecht, der das Säbelrasseln vor der entscheidenden Phase heute schon mal lostrat, dann wird der HSV in der kommenden Saison erstklassig spielen. An diesem Spieltag kommt es gleich zu drei Spitzenduellen, während der HSV bei Holstein Kiel antritt. Und der Darmstadt-Coach wagt gegenüber dem „kicker“ schon mal eine mutige Prognose, die viele hier nur zu gern bewahrheitet sähen: „Das leichteste Programm von allen Mannschaften hat der Hamburger SV. Deswegen sind die für mich eigentlich fast der sichere Aufsteiger.“ Das Problem hierbei: Der HSV muss parallel selbst gewinnen. Und das wird schon in Kiel schwer genug.
Ich wurde im Communitytalk ebenso wie per Email häufiger gefragt, ob der HSV den Sieg gegen Aue zu hoch bewertet. Und ich habe geantwortet: Nein, das glaube ich nicht. Denn sowohl bei den Spielern als auch beim Trainer waren die Warnungen genau davor deutlich herauszuhören. Einzig die Frage, was diesen Worten am Sonntag folgen wird, vermag ich noch nicht tu beantworten. Hier kann ich nur hoffen, dass jetzt alle begriffen haben, wie es geht. Aber, und auch das muss man sich an dieser Stelle mal verdeutlichen: Der HSV ist mit seinen Bedenken kein Exot – im Gegenteil: Ich habe heute mit einem/einer Mitarbeiter/in des FC Schalke 04 gesprochen, der/die mir berichtet, dass es beim FC gerade hoch hergeht. Intern werden Finanzen aufgerollt und im Falle des unerwarteten Nichtaufstieges würde es mächtig krachen, heißt es. Zudem gibt es dauerhafte Spekulationen um Fürths Trainer Stefan Leitl, der angeblich als Coach der Knappen zur neuen Saison kommen soll. „Hier ist es keinen Deut ruhiger als bei Euch“, heißt es, „wir gehören eh zu der Kategorie Dauerstress. Ein bisschen so wie ihr wohl auch…“
Man kennt natürlich nur das, was man miterlebt. Und ehrlich gesagt ist es beim HSV momentan sogar mal vergleichsweise ruhig. Am so oft zitierten Druck aus dem Umfeld kann es jedenfalls nicht liegen, wenn die Mannschaft nicht so performt, wie sie es von sich selbst erwartet. Denn trotz des drohenden Nichtaufstieges planen die Verantwortlichen INKLUSIVE Trainer das Team für die neue Saison. Das gab es in den letzten Jahren so nicht. In den letzten Tagen wurden zudem einige Vertragsverlängerungen bekanntgegeben, die den eingeschlagenen Weg Walters fortsetzen. „Im Verein herrscht eine große Einigkeit darin, wie es weitergehen soll“, hatte Tim Walter zuletzt gesagt, „wir schauen nicht darauf, was andere von uns halten, was andere über uns schreiben, was andere über uns sagen, sondern der gesamte Verein ist sich einig, identifiziert sich mit diesem Weg, und das ist gut“, versicherte Walter und versprach: „Und es wird auch so bleiben, dass wir weniger auf andere hören, sondern auf uns bauen.“ Und das ist grundsätzlich auch gut so. Denn ich bleibe dabei: Einen 90 Prozent richtigen Weg geschlossen und konsequent zu gehen ist tausendmal effektiver als zehn perfekte Wege gleichzeitig und parallel zu gehen, weil jeder meint, es besser zu wissen.
In diesem Sinne, bis morgen. Dann wieder mit dem Trainer und der nächsten Pressekonferenz.
Bis dahin tut mir bitte noch einen ganz kleinen Gefallen und setzt den Trend der letzten Wochen fort: bleibt respektvoll! Vor allem hört endlich auf – und damit spreche ich Dich beispielhaft für einige andere ganz direkt an, lieber Gravesen – Euch aus Prinzip schlechtzumachen und diskreditierende Spitznamen zu geben. Selbst dann, wenn andere mal Meinungen vertreten, die Ihr so gar nicht teilen könnt…
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