Analyse

Der HSV startet gegen den FCK in die heißeste Saisonphase

Vor dem Spitzenspiel am Freitag gegen den Tabellennachbarn 1. FC Kaiserslautern löste eine Nachricht viel Freude bei den Hanseaten aus: Robert Glatzels Comeback rückt näher.…

Der HSV startet gegen den FCK in die heißeste Saisonphase

Vor dem Spitzenspiel am Freitag gegen den Tabellennachbarn 1. FC Kaiserslautern löste eine Nachricht viel Freude bei den Hanseaten aus: Robert Glatzels Comeback rückt näher. „Da freuen wir uns natürlich sehr darüber, weil er uns viel Energie gibt“, sagte Trainer Merlin Polzin heute auf der Pressekonferenz und fügte hinzu: „Bis zur Länderspielpause (16. bis 28. März, d. Red.) wollen wir ihn natürlich nach und nach weiter integrieren. Ich hoffe an der Stelle natürlich, dass es auch vor der Länderspielpause klappen wird, dass wir ihn wieder im Kader und auf dem Platz sehen.“

Fakt ist: Der HSV muss in den nächsten Wochen alle Kräfte bündeln. Den Tabellenführer 1. FC Köln konnte man bereits schlagen und ist jetzt selbst Tabellenzweiter. Doch das kommende Programm hat es in sich: Es geht gegen die fünf Teams, die direkt hinter dem HSV stehen. Zuerst kommt der FCK als Tabellendritter, ehe es nach Paderborn geht. Im Anschluss daran empfängt man Fortuna Düsseldorf, bevor es nach Magdeburg geht. Abgerundet wird der Ritt durch die Gruppe der Aufstiegskonkurrenten mit dem Gastspiel des SV Elversberg am 27. Spieltag im Volksparkstadion.

Glatzel soll in der heißen Phase noch helfen

Glatzel, der derzeit noch recht zurückhaltend und ohne Zweikämpfe trainiert, könnte dabei eine wichtige Option werden. „Wir sind noch weit weg von diesen ganz hohen Intensitäten“, stellte Polzin klar und erklärte den Plan mit seinem Torjäger, der behutsam aufgebaut werden soll: „Wir werden auf jeden Fall vorher das Risiko nicht eingehen, dass wir irgendetwas gefährden und dieses Ziel am Ende nicht möglich wäre. Deshalb sind wir in einem sehr guten Zeitplan.“

Bis dahin hat der HSV jedoch einen mehr als guten Ersatz in Davie Selke gefunden. Aktuell ist der 30-Jährige mit 14 Treffern sogar bester HSV-Torschütze und verhandelt einen neuen Vertrag mit dem Verein. Laut Informationen meiner ehemaligen Kollegen vom Hamburger Abendblatt soll inzwischen auch Bewegung in die zuletzt offenbar stockenden Gespräche mit den Beratern von Selke und Dribbel-Experte Jean-Luc Dompé gekommen sein.

Möglichst zeitnah sollen beide ihre Verträge verlängern. Selkes Arbeitspapier läuft bis 2026, wenn er laut Zeitung mindestens 14 Spiele in der Rückrunde von Beginn an macht und der HSV aufsteigt. Viele Konjunktive, die man über eine vorzeitige Verlängerung aushebeln will. Gleiches gilt für Dompé, der nach Informationen meiner BILD-Kollegen den Aufstieg als Voraussetzung für eine Vertragsverlängerung sieht und sich vertraglich zusichern lassen möchte, dass er im Falle eines Nichtaufstiegs wechseln darf. Angebote soll es bereits geben – doch das ist in solchen Phasen bei fast jedem Spieler der Fall.

Aber zurück zum Sportlichen: Bis auf die üblichen Verletzten sowie den gesperrten Emir Sahiti kann Polzin aus dem Vollen schöpfen. Wer die Position auf der rechten Außenbahn einnehmen wird, ließ der Trainer heute noch offen. Er machte jedoch seinen jungen Nachwuchsstürmern Hoffnung. Fabio Baldé wird nach seiner Verletzung wieder ins Team rücken, ein Startelf-Einsatz des 19-Jährigen wäre für mich allerdings sehr überraschend. Wahrscheinlicher ist wohl der zuletzt enttäuschende Ransford Königsdörffer.

Auf der rechten Außenbahn hat Polzin vier Optionen

Zudem hat Polzin mit Winterzugang Adedire Mebude einen weiteren schnellen Außenstürmer im Kader. „Definitiv ist er eine Alternative“, sagte Polzin über den Schotten, der noch bis Saisonende auf Leihbasis beim HSV ist. „Er hat Potenzial, das uns mit seinem Tempo und seinem Tiefgang definitiv helfen kann. Aber es ist auch so, dass er die Zweikampfhärte, die wir in der Zweiten Liga benötigen, an den Tag legen muss. Das haben wir mit ihm schon sehr intensiv besprochen und auch trainiert. Deshalb ist er definitiv eine Option für die Position auf der rechten Außenbahn.“ Zudem stehen mit Otto Stange und Alexander Røssing-Lelesiit weitere Alternativen bereit, um diese Rolle zu übernehmen.

Dass Daniel Elfadli noch einmal für Schonlau auf der Bank sitzen wird, schließe ich einfach mal aus. Ob er allerdings den Kapitän aus der Startelf verdrängt, ist noch offen. Sollte Polzin jedoch konsequent am Leistungsprinzip festhalten, dürften am Mittwoch Elfadli und Denis Hadzikadunic beginnen. Polzin selbst ließ das heute offen, warnte aber vor dem kommenden Gegner, den er als das aktuell beste Team der Liga beschrieb und dessen Trainer er explizit lobte: „Dieses Mannschaftsgefüge beim FCK, das Markus Anfang im Laufe der Saison geschaffen hat, ist sehr, sehr stabil“, so Polzin. Anfang ließ sich davon jedoch nicht aus der Reserve locken: „Wir wollen eine Mannschaft entwickeln, und da sind wir auf einem guten Weg. Wir schauen nicht auf die Tabelle und bereiten uns jede Woche darauf vor, dass wir rausgehen, um Spiele zu gewinnen“, erklärte der 50-Jährige. Irgendwie langweilig, aber eben korrekt.

Dennoch bin ich mir sicher, dass es am Freitag im Volksparkstadion hoch hergehen wird. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass bei den Pfälzern auf Vereinsebene Investorengespräche laufen, wie wir sie 2014 beim HSV erlebt haben. Große Ziele werden in diesem Zusammenhang formuliert – und dabei wird immer wieder der Aufstieg als Ziel genannt. Entsprechend kann Anfang viel erzählen, aber auch er wird am Freitag einen gewissen Druck verspüren, wenn das Spiel gegen den punktgleichen HSV angepfiffen wird.

Fakt ist: Die nächsten Wochen werden für den HSV entscheidend sein, wenn es gegen die direkte Konkurrenz geht. Auch deshalb war es von Polzin nicht unklug, möglichst alle Spieler bei Laune zu halten. Er wird sie in dieser heißen Phase alle brauchen. Und diese heiße Phase beginnt am Freitagabend vor ausverkauftem Haus um 18.30 Uhr gegen den Heimatklub von Sportvorstand Stefan Kuntz.

Was glaubt ihr? Wie lässt Polzin am Freitag spielen? Mit Schonlau und Elfadli? Oder muss der Kapitän auf die Bank?

Bis morgen!
Scholle

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