Analyse

Der HSV spielt stabiler und kontrollierter - auch, weil wichtige Spieler ausfallen

Das Selbstbewusstsein wächst. Nach zuletzt zwei Siegen und der stolzen Serie von zwölf Spielen ohne Niederlage zurecht. Und da Trainer Tim Walter mit seiner Mannschaft in den…

Der HSV spielt stabiler und kontrollierter - auch, weil wichtige Spieler ausfallen

Das Selbstbewusstsein wächst. Nach zuletzt zwei Siegen und der stolzen Serie von zwölf Spielen ohne Niederlage zurecht. Und da Trainer Tim Walter mit seiner Mannschaft in den drei ausstehenden Partien vor der Winterpause zweimal Heimrecht mit - gegen Hansa Rostock am 12. Dezember und Schalke 04 am 18. Dezember – kann man sich eine richtig gute Ausgangsposition zur Rückrunde im heuen Jahr erarbeiten. Zumal man am kommenden Sonntag beim taumeldenden Nachbarn Hannover 96 im Einsatz, der sich nach nur fünf Monaten von Trainer Jan Zimmermann getrennt. Die 96er sind seit acht Spielen sieglos und fielen in der Tabelle auf den Relegationsplatz 16 zurück. „Auf Grund der sportlichen Entwicklung sind wir an den Punkt gekommen, an dem wir frei von Emotionen und unter sachlicher Abwägung aller Eindrücke entscheiden mussten. Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass die Mannschaft einen neuen Impuls braucht“, sagte Sportdirektor Marcus Mann. Ein Nachfolger für Zimmermann steht noch nicht fest.

Aber unabhängig davon, ob das jetzt gut oder nicht gut ist für den HSV, dürfen Walter und Co. mit breiten Schultern nach Niedersachsen reisen. „Für die Jungs ist es so, dass es uns unheimlich puscht, weil wir merken, dass wir unverwundbar sind und viel passieren muss, dass man uns schlägt“, hatte Walter gestern gesagt. „Das gibt meiner Mannschaft einen totalen Rückhalt und Sicherheit.“ Und genau das ist auch meine Lehre aus dem 3:0 gegen Ingolstadt. Das und die Tatsache, dass die Fans eben noch nicht soweit sind, wie sie es selbst immer sagen. Denn wer nach 20 Minuten schon pfeift, weil der Torwart den Ball nicht schnell genug spielt, obwohl der HSV bis hierhin keinerlei Gefahr ausgesetzt und deutlich überlegen agiert hat, der steckt mit seinen Ansprüchen noch in erfolgreicheren Zeiten fest.

Aktuell nämlich geht es darum, etwas Neues aufzubauen. Dabei können nicht jedesmal Offensivspektakel über die kompletten 90 Minuten abgefeuert werden. Im Gegenteil: Es gehört für mich unabdingbar dazu, dass der HSV solche Spiele wie am Sonntag gegen Ingolstadt eben genau mit der Ruhe und der Geduld gewinnt, wie er sie an den Tag gelegt hat. In der Zweiten Liga gewinnt längst nicht immer die besser spielende Mannschaft – das dürfte jedem HSV-Fan nach den letzten drei Jahren mehr als klar sein.

https://soundcloud.com/user-36211795/di301121-wettstein-fur-boldt-als-alleinvorstand-neuer-aufsichtsrat-klausel-plan-fur-alidou?si=d1fccaf9e33242ee92d28fe79da24a03

Ergo: Geduld auf den Rängen täte der gesamten Entwicklung gut, die eine für mich sehr positive Wendung zu nehmen scheint. Und damit komme ich zu einem Punkt, der mich tatsächlich optimistisch macht, dass der HSV in dieser Saison noch die Kurve bekommt. Denn der Trainer, der bislang die Offensive oft zulasten der Defensive hatte munter drauflosstürmen lassen, scheint doch nicht so beratungsresistent zu sein, wie man es ihm vielerorts nachsagte – und wie er tatsächlich zuletzt oft wirkte, wenn man ihn auf sein System ansprach.

Der HSV spielt wieder kontrollierter und geduldiger

Gegen Ingolstadt hatte der HSV zwar wieder 62 Prozent Ballbesitz – aber das lag vor allem daran, dass Ingolstadt dem HSV spielerisch nicht im Ansatz das Wasser reichen konnte. Und, weil der HSV ruhig b lieb, wenn er am Ball war. Dass das manchmal hart anzusehen war – okay. Immer wieder brauchte der HSV 10 bis 15 Quer- und Rückpässe, bis Keeper Marko Johansson dann doch den Ball lang schlug. Aber selbst die immer unruhiger werdenden Fans und die Pfiffe ließen den HSV nicht sein Spiel verändern.

Warum? Weil die Mannschaft von sich überzeugt ist. Weil dieser HSV überzeugt davon war, dass man auch so sein Tor machen werde. Eben genau so, wie der HSV es dann auch erzielte. Denn aus einer defensiven Stabilität, reichte eine Einzelaktion der Unterschiedsspieler, um die Zeichen auf Sieg zu stellen. Sonny Kittel verlängert zu Faride Alidou – und der umkurvt seinen Gegner Antonitsch nicht nur sehenswert, sondern verwandelt dann auch noch zum 1:0. 

https://open.spotify.com/episode/5KwEdLzGL1j2oUof602x35?si=33f503a40c8b4028

Nach Niederlagen betrachtet ist der HSV der beste Zweitligist. Lediglich einmal verloren die Hamburger in den bisherigen 15 Partien. Das schaffte nicht mal Spitzenreiter FC St. Pauli, der sich dreimal geschlagen geben musste. Dennoch rangieren die stark aufspielenden Kiezkicker mit sechs Punkten vor dem Team aus dem Volkspark. Denn ausgebremst hat sich der HSV mit bisher acht Unentschieden selbst. 

Heuer Fernandes sieht Mannschaft defensiv stabiler

Die Phase der Remis, in denen trotz Überlegenheit und eines meist deutlichen Plus an Torchancen die Siege verschenkt wurden, sehen die HSV-Profis als überwunden an. „Ich würde sagen, dass wir jetzt unsere Torchancen nutzen“, sagte der noch verletzte Torhüter Daniel Heuer Fernandes am Sonntag im „Sportclub“ des NDR-Fernsehens. „Wir waren nicht so konsequent, wie wir es jetzt sind. Wir sind sehr zielstrebig geworden.“ Heuer Fernandes lobt, „dass wir sehr dominant spielen und einen klaren Plan in unserem Spiel haben.“ Welcher das ist? Heuer Fernandes vielsagend: „Wir sind sehr konsequent im Verteidigen. Jetzt sind wir insgesamt sehr stabil.“

Und so falsch kann der 29-Jährige, der derzeit vom Schweden Marko Johansson vertreten wird, nicht liegen. 16 Gegentore hat der HSV in dieser Saison zugelassen, nur eins mehr als der 1. FC Nürnberg, der diese Liste der Zeitligisten anführt. Und auch die Tendenz spricht derzeit für Heuer Fernandes' Aussage. In den vergangenen drei Spielen kassierte der HSV nur zwei Gegentore. Im Vergleich die anderen Spitzenteams: St. Pauli 7, Darmstadt 3, Regensburg 8, Paderborn 2, Schalke 7, Nürnberg 6. Das ist auch bemerkenswert, da die Walter-Mannschaft in den verletzten Tim Leibold, Jonas David und Josha Vagnoman sowie eben Heuer-Fernandes, der noch vor Weihnachten ins Tor zurückkehren will (Walter: „Ferro ist unsere Nummer eins“), gar nicht ihre erste Abwehrgarnitur auf dem Platz hat.

Und ja, auch ich bin der Meinung, dass Mario Vuskovic ein ganz wichtiger Faktor ist und das auch in Zukunft sein wird. Der Kroate ist extrem kopfballstark, sehr aggressiv im Zweikampf – und gut am Ball. Das alles trifft auch auf Jonas David zu, der nicht der schwächere Innenverteidiger ist, wie einige hier meinen. Vielmehr ist die Spielweise Vuskovics – ob aus eigener Interpretation oder auf Anweisung des Trainers - gänzlich anders. Denn während sich David und Schonlau permanent ins Offensivspiel mit eingeschaltet haben, war Vuskovic – abgesehen von Offensivstandards – selten in der gegnerischen Hälfte am Ball und noch weniger rund um den gegnerischen Sechzehner zu finden. Sehr zu meiner Freude übrigens.

Haben die Ausfälle Walter umdenken lassen?

Und wer schon mal selbst gespielt hat – und das muss nicht Fußball sein -, der weiß, dass viele wichtige Ausfälle oft dazu führen, dass Trainer erst einmal zusehen, die Stabilität nach hinten herzustellen. Während Trainer ihren Routiniers auch mal mehr Arbeit zumuten, sind sie bei vielen Umbesetzungen oft erst einmal etwas vorsichtiger. Und ich glaube, genau das war es jetzt in den letzten Wochen. Oder anders formuliert: Walter wurde von den Umständen getrieben. Zum Glück. Und da es jetzt funktioniert, gehe ich auch ganz stark davon aus, dass Walter so eiterspielen lassen wird.

Apropos verletzt: Ein Mitkonkurrent aus dem oberen Drittel musste heute eine ganz bittere Nachricht verkraften: Der FC Schalke. Denn der wird bis Jahresende auf Toptorjäger Simon Terodde verzichten müssen. Von unserem MoinVolkspark-Team gibt es bei dieser Nachricht nur eines zu sagen/schreiben: Gute Besserung, Simon!

In diesem Sinne, bis morgen. Da ist trainingsfrei und auch hier werde ich wegen privater Termine voraussichtlich einen Tag Pause einlegen müssen. Das gilt allerdings nicht für den MorningCall, der wie gewohnt um 7.30 Uhr online sein wird. Ebenso freue ich mich morgen wieder auf Eure vielen Fragen für den Communitytalk, die Ihr wieder wie gewohnt ab 10 Uhr via Instagram oder durchgehend hier per Email an [email protected]  schicken könnt. Bis dahin Euch allen einen schönen Abend! Und: Bleibt gesund!

Scholle

P.S.: Ich wollte erst auf Eure Jatta-Diskussion eingehen, die ich für überhöht empfinde. Das werde ich aber erst am Mittwoch machen, wenn es auch noch mal um Faride Alidou geht.

Anzeige · Partner

Zeig deine Farben

Unsere Freunde von HANDS OF GOD setzen ikonografischen Momenten und Legenden der Vereinsgeschichte ein künstlerisches Denkmal.

Alle Hamburg-Motive bei HANDS OF GOD

Wir sind Partner von HANDS OF GOD und bekommen eine Provision, wenn du über diese Links kaufst — für dich ändert sich am Preis nichts. Gezeigt werden nur Motive, die wir selbst aufhängen würden.

Diskussion

0 Kommentare

Diskutier mit!

Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.

Jetzt kostenlos registrierenAnmelden
DU
Bleib fair — wir moderieren mit Augenmaß.
Noch keine Kommentare — sei der/die Erste.
Lies weiter Meinung HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem Ein Tag nach der Pleite sitzt der Frust tief. Neben taktischen Mängeln fehlte vor allem eins: die Bewegung und der Wille, den Ball zu fordern. Das Problem war viel tiefer als die reine Herangehensweise Weiterlesen