Der HSV siegt 2:1 gegen Braunschweig - aber er schwächelt weiter
Warum das erst in drei Tagen so weit ist? Keine Ahnung. Ab Montag werde man sich auf den nächsten Gegner vorbereiten, sagte Trainer Tim Walter heute auf der Pressekonferenz…

Warum das erst in drei Tagen so weit ist? Keine Ahnung. Ab Montag werde man sich auf den nächsten Gegner vorbereiten, sagte Trainer Tim Walter heute auf der Pressekonferenz nach dem Heimsieg gegen Eintracht Braunschweig. Wäre man jetzt gehässig, würde man jetzt sagen: Na, immerhin! Es gab ja auch schon den Satz vom HSV-Trainer, dass man sich auf Gegner generell nicht vorbereite. Aber auch sonst war die heutige Pressekonferenz nach dem schmeichelhaften 2:1-Sieg gegen den Tabellenvorletzten Eintracht Braunschweig genau das, was sie nicht sein sollte. Nämlich unsachlich, trotzig und von dem Ist-Zustand ablenkend. „Wir müssen uns für nichts entschuldigen. Heute zählt nur der Sieg“, sagte Trainer Tim Walter und vermied jedes Wort zu dem schwachen Spiel seiner Mannschaft, die in den ersten 30 Minuten mit 2:0 (Ramos und Pherai trafen erstmals für den HSV) in Führung ging und zudem die klar überlegene Mannschaft war. Aber von da an war Schluss.
Der HSV stellte das eigene Spiel nach vorn, das bis dahin insbesondere über die beiden Außen Bakery Jatta und Jean Luc Dompé immer wieder gefährlich vorgetragen wurde, unverständlicherweise ein. Nach vorn fand man kaum noch Wege, nach hinten fing man in der zweiten Halbzeit sogar an, massiv zu wackeln. Erst kassierte der HSV das 2:1, um kurz danach sogar den Ausgleich zu kassieren. Dieser aber wurde per VAR aberkannt – hauchdünnes Abseits. Glück für den HSV.
Schlimmer aber war für mich, dass der HSV wackelte und sich nicht mehr fing. Er fiel am Ende nicht – aber er fand auch keinen Weg, um sich selbst wieder ins Spiel zu holen. Stattdessen hatte man (wie zuletzt nach dem 2:2-Treffer in Kiel) den Gegner auf dem Platz neues Leben eingehaucht. Dass das selbst gegen so schwach auftretende Braunschweiger passiert – bei allem Respekt und Sympathie für die Niedersachsen, sie sind in der ersten Halbzeit völlig hilflos aufgetreten – ist alarmierend. Und deshalb muss auch Tim Walter endlich aufhören, trotzige Phrasen zu dreschen und seiner Mannschaft Antworten mit auf den Weg geben.
Denn eines ist klar vor dem eh immer etwas emotionaler gesehenen Stadtderby am kommenden Freitag: Die Situation beim HSV, der laut nimmermüden Beteuerungen Walters, Boldts und Co. die individuell beste Mannschaft der Liga hat, ist fragil. Dieser HSV tritt ohne klare Struktur auf, er wirkt immer unsouveräner. Das HSV-Spiel ist ohne Roten Faden.
Ich sage es zwar auch im Blitzfazit, betone es aber auch hier noch einmal: Mir ist eine konstante Spielweise immer lieber als diese dauerhaften Ausreißer nach oben und nach unten. Zumal ich absolut sicher bin, dass der HSV selbst bei einer defensiveren Ausrichtung offensiv noch so stark aufgestellt ist, dass er gegen jeden Gegner Tore schießt. Oder wie es Ambrosius heute nach dem Spiel sagte: „Mit der Abwehr kann man auch Spiele gewinnen. Das haben wir gegen Ende des Spiels gezeigt. Wir hatten etwas Glück mit dem Abseitstor. Man hat gesehen, wie schnell ein Spiel kippen kann. So ist der Fußball. Wir müssen daraus lernen und versuchen, es beim nächsten Spiel besser zu machen.“
Wie das gehen soll? Diese Antwort muss Trainer Tim Walter seiner Mannschaft mit auf den Weg geben. Anders als zuletzt.
In diesem Sinne, Euch allen ein schönes Wochenende.
Scholle
Statistik zum Spiel:
DAS SPIEL IM STENOGRAMM:
HSV: Heuer Fernandes - Mickelbrencis, Ambrosius, Ramos, Muheim - Meffert, Pherai (78. Poreba), Benes (90. Nemeth) - Jatta, Glatzel, Dompe (63. Königsdörffer)
Eintracht Braunschweig: Hoffmann - Ivanov, Decarli (42. Kurucay), Bicakcic - Rittmüller, Nikolaou (46. Krauße), Donkor, Kaufmann, Helgason (63. Multhaupt) - Krüger (63. Sane), Gomez (85. Caliskaner)
Tore: 1:0 Ramos (25.), 2:0 Pherai (26.), 2:1 Kaufmann (62.)
Zuschauer: 55.879
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