Meinung

Der HSV schaltet in den Staccato–Modus

Tim Walter bleibt sich und seiner Art treu. Das fordert er immer wieder von seinen Spielern – aber er unterstreicht das immer wieder auch mit seinem eigenen Verhalten. „Keine…

Der HSV schaltet in den Staccato–Modus

Tim Walter bleibt sich und seiner Art treu. Das fordert er immer wieder von seinen Spielern – aber er unterstreicht das immer wieder auch mit seinem eigenen Verhalten. „Keine Zweifel“, „alle Spieler haben mein Vertrauen“, „wir schauen nicht nach hinten“ und andere Sätze wiederholen sich stakkato auf den Pressekonferenzen dieser Saison. Und auch jetzt, nach zuletzt drei sieglosen Partien, will der HSV-Trainer von einer Krise nichts wissen. Seine Mannschaft habe „sehr, sehr gut gespielt“, sagte Walter heute und ergänzte mit Blick auf das ausverkaufte Heimspiel gegen Hannover 96 am Sonnabend: „Wir müssen uns für den Aufwand mehr belohnen. Das haben wir uns für Samstag auf die Fahnen geschrieben.“

Vor allem müssen sie punkten. Egal wie. Das weiß auch Walter, der seinen Wiederholungen eine Treppen-Metapher folgen ließ: „Die Zweite Liga ist hart. Das ist nicht die eine Tür zur Bundesliga, sondern eine Treppe. Und auf dieser musst du Schritt für Schritt hochklettern. Und genauso gehen wir es an“, sagt der HSV-Trainer, der nach eigener Aussage absolut vom Aufstieg überzeugt ist. „Wir machen schon vieles richtig. Wir haben bereits 50 Punkte geholt, jeden davon hart erarbeitet. Wir können alles aus eigener Kraft schaffen und wenn wir über die Relegation gehen müssen. Wir wissen, dass wir es schaffen. Wir holen uns die letzten Punkte auch noch.“ 

Aber dafür muss sich wie schon geschrieben etwas verändern. Auch Walter hat erkannt, dass seine Mannschaft sowohl in der Offensive als auch in der Defensive Fehler gemacht habe. Das hatte er in den letzten Tagen gesagt – und heute noch mal wiederholt. Man habe zu viele Gegentreffer kassiert, selbst aber zu wenig erzielt, sagte der Coach heute mit Blick auf die 4:6 Treffer in den letzten drei Partien. Gegen den Tabellenneunten aus Hannover sei ihm aber „nicht angst und bange, sondern wir machen immer das Beste daraus, weil ich meinen Jungs zu hundert Prozent vertraue“. Da war es wieder…

Personell gibt es neben den gesperrten Miro Muheim (5. Gelbe) und Javi  Montero (Gelbrot) gegen Hannover bislang nur einen Ausfall. Oder besser gesagt: einen eventuellen Ausfall. Offensivmann Jean-Luc Dompé ist fraglich. Schon seit einiger Zeit hat Dompé Probleme mit dem Sprunggelenk. Am Donnerstag setzte er nun sogar komplett mit dem Training aus. „Wir wissen nicht, ob er bis Samstag fit wird. Alles ist ein bisschen fraglich“, sagt HSV-Trainer Tim Walter heute. Für den Franzosen stünde wieder Sonny Kittel bereit, der in Düsseldorf eine gute Leistung gezeigt hatte, wie Walter betonte.

Aber in diesem Zusammenhang kommt bei mir Unbehagen auf, wenn ich Walter höre. Eine lange Zeit fand ich es gut, dass Walter seinem Edeltechniker immer wieder maximales Vertrauen ausgesprochen hatte. Es funktionierte auch lange Zeit, in der Kittel mit Assists und Toren glänzte. Und: Dass Kittel es kann, wissen wir alle. Allein seine Unbeständigkeit war noch auffälliger als sein Talent. „Wenn er die Freude in sich hat, und die hat er, dann ist er ein unfassbarer Spieler“, sagte Walter über den 30-jährigen heute. Walter muss darauf achten, dass Kittel Spaß und Freude an seinem Job hat, damit dieser abruft, was in ihm steckt? Nee. So funktioniert das nicht. Zumindest nicht auf Dauer. Oder anders formuliert: So funktioniert kein Führungsspieler. Und den wollte Walter seinerzeit noch in Kittel erkannt haben.

Kittel ist und bleibt ein Standby-Spieler mit dem Potenzial, Spiele allein zu entscheiden. In Düsseldorf hat er einen guten Anfang hingelegt, sagen die meisten. Mir hat das noch nicht gereicht – gemessen an dem, was er kann. Aber ich hoffe, dass Kittel in den letzten acht Saisonspielen noch mal aufdreht und Walters Worten Taten folgen lässt und seinen Trainer für dessen Geduld belohnt.  Denn Kittels Qualitäten sind jetzt offensiv gefragter denn je.

Auch defensiv gibt es einige Fragen. Wobei: So wirklich spannend scheint es gar nicht zu werden. Zumindest rechne ich damit, dass Walter wieder Viererkette spielt mit Sebastian Schonlau und Jonas David in der Innenverteidigung sowie Moritz Heyer rechts und Katterbach links. Auch sonst erwarte ich abgesehen von den erzwungenen (Muheim, Montero) nicht allzu viele Neuerungen gegenüber Düsseldorf. Obwohl ich es gern anders hätte. Denn ich würde über die Außen gern mehr Tempo sehen (Jatta und Königsdörffer/Dompé). Ich würde im Zentrum Ludovit Reis wieder anspitzen und ihm den Rücken so freihalten, dass er neben Laszlo Benes agiert. Letzteren würde ich sagen, dass er laufen soll, bis nichts mehr geht – und dann Anssi Suhonen bringen. Der wiederum ist noch nicht so weit, zu beginnen, wie Walter sagt: „„Wir müssen aufpassen, dass er sich nicht wieder verletzt. Wir müssen geduldig und vorsichtig sein, weil ich nicht will, dass er wieder ausfällt. Gerade am Ende der Runde müssen wir aufpassen, dass da nichts passiert.“ Dass der Finne, der auf körperliche Unversehrtheit in seinem Spielstil keine Rücksicht nimmt, noch nicht beginnen kann/soll, halte ich für sehr sinnvoll. 

Und ganz vorn würde ich wieder mit Glatzel beginnen. Reicht das wieder nicht, würde ich Andras Nemeth einwechseln und mit zwei Spitzen agieren. Zumindest würde ich den Ungarn nicht noch mal auf der Außenbahn vergeuden, da seine Qualitäten zweifellos im Zentrum liegen. Qualitäten, die ich sehr, sehr spannend finde. Aber da wiederhole ich mich staccato mäßig…

In diesem Sinne: Wie würdet Ihr aufstellen? 

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