Meinung

Der HSV-Nachwuchs hat mächtig Nachholbedarf

Liebe Leute, heute werde ich die Sache ganz kurz machen. Private Verpflichtungen (schöne!) rufen und ich werden diesem Ruf folgen. Ich wollte eigentlich sogar gänzlich frei…

Der HSV-Nachwuchs hat mächtig Nachholbedarf

Liebe Leute, heute werde ich die Sache ganz kurz machen. Private Verpflichtungen (schöne!) rufen und ich werden diesem Ruf folgen. Ich wollte eigentlich sogar gänzlich frei machen, muss dann aber doch noch mal etwas loswerden, weil ich es als Thema für morgen vorgesehen hatte: Nachwuchs und die Problematik der Einstellung. Es betrifft zwar längst nicht alle jungen Spieler, ganz im Gegenteil! Aber es gilt für sehr viel mehr, als man es von außen vermutet. Denn so oft der HSV auch zurecht für seine Nachwuchspolitik kritisiert wird – genau so oft liegt es nicht am HSV, sondern an der neuen Generation junger Fußballer. Aktuelles Beispiel: Aaron Opoku.

Der kommt nach einem weiteren Leihjahr (erst Rostock, jetzt Jahn Regensburg) erneut ohne Durchbruch zurück. „Er muss sich über sein überlegenes Talentpotenzial bewusst werden und hart daran arbeiten, dieses Talent in Form von Qualität konstant auf den Platz zu bringen. Wenn er das schafft, werden wir noch einiges von ihm hören“, bekam der Offensivspieler mit den schnellen, dünnen Beinen von Jahn-Boss Christian Keller mit auf den Weg nach Hamburg. Und wer jetzt glaubt „das klingt doch ganz nette“, dem sei gesagt: Das ist alles andere als ei gutes Urteil. Denn Keller hat nichts anderes gesagt als: „Mit dieser Einstellung packt er es nie!“ Also in etwa das, was Opoku auch in Hamburg schon mehrfach gesagt bekommen hatte.

Nun kenne ich Opoku schon seit der Jugend. Ich habe ihn immer wieder spielen sehen. Und zumeist hat er überragt. Unsere (Niendorfer) A-Bundesliga musste sich Opoku allein geschlagen geben, als er als Einwechselspieler mit zwei Toren und einer Vorlage eine 2:1-Führung unsererseits in einen 4:2-Sieg für den HSV drehte. Und nicht nur in diesem Spiel war zu erkennen, dass der junge Außenstürmer über die Portion Extraqualität verfügt, die ihn vom überragenden Amateurkicker zum Profifußballer befördern könnte. Das größte Problem: Auch Opoku selbst hatte das erkannt, was auch nicht allzu schwer war, da er von etlichen Beratern immer wieder das gesagt bekommen hatte, was er am liebsten hören wollte. Denn sie  alle buhlten darum, ihn vertreten/verkaufen zu dürfen.

Dietmar Beiersdorfer hatte diesen Fehler auch mal gemacht – und es später schwer bereut. Er hatte einen außergewöhnlich talentierten jungen Fußballer für den HSV gewinnen können und hatte diesem im Vorfeld der Verpflichtung alles erzählt, was dabei half, ihn für den HSV zu gewinnen. Zu viel, wie sich später herausstellte. Denn der Junge fiel im Internat häufiger negativ auf und konterte Strafandrohungen immer wieder mit dem Satz, es würde ihm ja eh nichts passieren. Er nutzte seine Position so lange aus, bis er körperlich unfitter wurde. Er verließ sich auf sein Talent – und war irgendwann verlassen. Ohne Fürsprecher, da er es sich mit den allermeisten verscherzt hatte, musste er seinen Traum vom Fußballprofi beim HSV abhaken. Noch bitterer: Ich habe bis heute nichts mehr von ihm gehört/gesehen. In der berichtenden Tageszeitung hieß es damals allerdings nur, dass der HSV es mal wieder nicht geschafft habe, ein zweifelsfreies Toptalent an den Profifußball heranzuführen.

Was ich damit sagen will: Wenn wir über den Nachwuchs beim HSV sprechen, dürfen wir nicht allein über die Ergebnisse sprechen, sondern müssen auch den Weg dahin mit einbeziehen. Und das geht nur sehr, sehr individuell, weil die jungen Talente eben auch sehr unterschiedlich sind in Sachen Mentalität, Einstellung, Disziplin, familiärer Backgroung, intellektueller Background etc. Aber dazu dann Montag mehr! Für heute ist Schluss. Ich muss – nein: ich möchte -  mit meinen Kindern einen richtig schönen Abend veranstalten. Und wenn die Tatsache, dass der HSV keinen Relegationsplatz erreicht hat, etwas Gutes hat, dann, dass wir alle einmal etwas durchatmen können.

In diesem Sinne, bis morgen! Dann mit dem neuen Communitytalk. Meine Beobachtungen und Gedanken zum Thema HSV-Nachwuchs, der noch sehr viel Nachholbedarf hat, werde ich hier am Montag präsentieren. Das ist jetzt auch tatsächlich kein Spoiler – das wissen inzwischen wirklich alle. Horst Hrubesch hatte es zuletzt sogar in Worte gefasst, als er sagte, dass er selbst gar nicht wüsste, welchem HSV-Nachwuchsspieler aus den eigenen  Reihen er aktuell den Sprung in die Profimannschaft zutraut. Eine Aussage mit Alarmpotenzial. Finde ich. Aber wie gesagt – am Montag mehr dazu!

Scholle

P.S.: Laut „Sportbuzzer“ soll der HSV an German Onugkha interessiert sein. Der 24-Jährige steht noch bis 2023 beim FK Krasnodar unter Vertrag und war diese Saison nach Dänemark an Vejle BK ausgeliehen. Dort schaffte der 24-Jährige fünf Tore in 17 Spielen. Der 1,90-Meter-Stürmer würde  (Quelle: transfermarkt.de) rund  700.000 Euro Ablösesumme kosten, wobei neben dem HSV wohl auch Hannover 96 und Darmstadt 98 sollen an Onugkha interessiert sein sollen.

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