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Der HSV muss den Beweis antreten, Talente ausbilden zu können

„Ludovit ist ein flexibel einsetzbarer Mittelfeldspieler, der neben seinen technischen und taktischen Fähigkeiten über ein ausgeprägtes Bewusstsein für das Spiel gegen den Ball…

Der HSV muss den Beweis antreten, Talente ausbilden zu können

„Ludovit ist ein flexibel einsetzbarer Mittelfeldspieler, der neben seinen technischen und taktischen Fähigkeiten über ein ausgeprägtes Bewusstsein für das Spiel gegen den Ball verfügt. Er hat trotz seines jungen Alters bereits weitreichende Erfahrungen auf nationaler und internationaler Ebene gesammelt. Mit seiner Winner-Mentalität und Stressresistenz fügt er unserem Kader weitere Substanz zu“, sagt HSV-Sportdirektor Michael Mutzel auf HSV.de über den nächsten Neuen beim HSV, auf den ich wirklich sehr gespannt bin.

Allerdings entbehrt es nicht einer gewissen Tragikomik, dass ausgerechnet heute das eine junge Talent mit viel Vorschusslorbeeren kommt, während das andere als teures Missverständnis abgestempelt den Klub verlässt. Denn während Ludovit Reis vom FC Barcelona B-Team zum HSV stößt und hier einen Vertrag bis 2025 unterschrieben hat, wird Xavier Amaechi, der vor zwei Jahren für rund 2,5 Millionen Euro vom FC Arsenal kam, für die nächsten sechs Monate nach England verliehen. Der Linksfuß, der als Toptalent kam und beim HSV ebenso wie zuletzt beim Leihklub Karlsruher SC nie Fuß fassen konnte, soll sich bei den Bolton Wanderers in seinem Heimatland England entwickeln.

Das eine Talent geht, das andere kommt

Denn das hat er in Deutschland bislang nicht geschafft. Amaechi war im Sommer 2019 von der U23 Arsenal Londons zum HSV gewechselt. Für die Rothosen kam der englische Junioren-Nationalspieler in zwei Jahren aber nur fünfmal in  Pflichtspielen für die erste Mannschaft zum Einsatz (2x DFB-Pokal, 3 x Zweite Liga). Im Januar wurde der Außenbahnspieler an den Ligakonkurrenten KSC verliehen und konnte dort sieben weitere Einsätze in der 2. Liga verbuchen. Mehr nicht.

Grund genug, ihn in ein neues, oder besser gesagt: in sein altes  Umfeld zu schicken, um ihn wieder aufzubauen. „Für Xavier ist es weiterhin das Wichtigste, möglichst viel Spielpraxis zu sammeln. Mit den Bolton Wanderers haben wir einen Verein gefunden, der ihm dies mit großer Wahrscheinlichkeit ermöglichen wird“, sagt – auch wieder Sportdirektor Michael Mutzel, der Amaechi einst entdeckt und zum HSV geholt hatte. Für den Sportdirektor gilt es jetzt auch, seinen teuren Fehleinkauf so aufzubauen, dass er eben doch noch einmal eine Rolle für den HSV spielen kann.

Denn Fakt ist, dass Amaechi von seinen Einzelzutaten eigentlich alles mitbringt, um ein spannender Spieler zu sein. Das sage ich auch selbst aus meinen Beobachtungen. Im Training zeigt er davon auch ansatzweise etwas, allein in den Pflichtspielen ging er in aller Regelmäßigkeit unter. Zu hören war, dass Amaechi durchaus guten Anschluss im Team hatte und auch unter vom Trainerteam immer wieder geschult und ins Einzeltraining genommen worden war. Insofern ist die Frage, was man hier noch nicht versucht hat, weiter unbeantwortet. Ich befürchte, dass es eine Mischung aus genereller Mentalität und mangelndem Selbstvertrauen ist.

Vor allem aber gilt es, das nächste große Talent von Begin n an so aufzubauen, dass er dem HSV hilft. Der Niederländer mit slowakischen Wurzeln stand seit Juli 2019 bei den Katalanen von FC Barcelona unter Vertrag, verbrachte die vergangene Saison aber auf Leihbasis beim VfL Osnabrück, der mittlerweile in die 3. Liga abgestiegen ist. Dort avancierte er zum Spielmacher und erfuhr schnell größte Wertschätzung. Reis kickte zuvor schon als 17-Jähriger in der Eredivisie (45 Partien zwischen 2017 und 2019), fiel dort als Jugendnationalspieler (U19 und U21) der Niederlande schnell den internationalen Scouts ins Auge.

Reis wird zeigen, ob der HSV Talente entwickeln kann

Kurioserweise auch dem damaligen HSV-Scout Benjamin Schmedes, der aktuell für den VfL Osnabrück arbeitet. „Ludo ist variabel auf eigentlich allen Mittelfeldpositionen einsetzbar, mit unglaublicher Ruhe am Ball, aber auch mit guter Balleroberungs-Mentalität.“ Sein ehemaliger Trainer Marco Grote wurde gegenüber der BILD sogar noch deutlicher: „Ludo hat eine brutale Qualität am Ball. Den will er immer haben. Und er kann auch etwas damit anfangen. Er ist eben Holland-typisch hervorragend geschult. Er findet immer Lösungen. Er ist ein geiler Zocker. Sein Passspiel ist super, er ist aggressiv und bissig im Zweikampf. Der HSV hat einen Super-Fang gemacht. Er war unser Bester.“ Allein, es fehlt ihm noch an Torgefahr. Sowohl als Vorbereiter wie Vollstrecker kommt er nicht mal in den müden Trainingsmodus seiner einstigen Teamkollegen Lionel Messi und Co. 

Aber genau darin wird die Arbeit liegen. Genau deshalb kann ihn der HSV holen. Weil er eben noch lange nicht fertig ist. Der HSV kann ich seiner neuen Konstellation rund um den Trainerstab sowie die Nachwuchsabteilung beweisen, ob sie in der Lage sind, aus großen Talenten auch große Spieler zu machen. Denn Zeit würde es allemal, wie ja selbst der Nachwuchschef Horst Hrubesch unlängst selbstkritisch angemerkt hatte. Allein darüber zu sprechen, ein Ausbildungsklub zu sein reicht nicht.

Apropos Ausbildung: Ab morgen geht es für den HSV in Südbayern ins Trainingslager. Ich persönlich werde nicht da sein, dafür mein Co-Autor hier, Joscha Daniel, der zusammen mit seinem Kumpel Nico Nissen von Mittwoch bis zum Wochenende vor Ort sein und von dort berichten wird. Ich werde mich aber vorher noch einmal morgen bei Euch melden! Auch wieder mit sehr spannenden Personalien – das kann ich vorab schon versprechen…!!

In diesem Sinne, bis morgen!

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