Meinung

Der HSV macht vieles richtig, aber auch einen Fehler zu viel

Der HSV hat seine Antwort auf die Frage geliefert, inwieweit man gegen die besonders tief stehenden, besonders destruktiv agierenden Gegner spielen muss. Und dabei meine ich…

Der HSV macht vieles richtig, aber auch einen Fehler zu viel

Der HSV hat seine Antwort auf die Frage geliefert, inwieweit man gegen die besonders tief stehenden, besonders destruktiv agierenden Gegner spielen muss. Und dabei meine ich vor allem die ersten 45 Minuten, in denen die Mannschaft von Trainer Tim Walter defensiv nichts zuließ und offensiv immer wieder einen Weg zum Tor suchte – obgleich man diesen nicht allzu oft fand. Dennoch: Genau so, wie es der HSV in der ersten Halbzeit spielt, ist es richtig. Geduldig, organisiert und defensiv stabil (Reis ragte im Mittelfeld heraus, Ramos war defensiv eine Wand) den Gegner müde spielen und dann ggf. mit neuen Kräften von der Bank die entscheidenden Impulse für den Sieg setzen. So zumindest habe ich es in der Halbzeit in meine HSV-Gruppe geschrieben

Und dann kam die zweite Halbzeit, die ne gute halbe Stunde so weiterlief wie die erste Halbzeit endete. Aber sie nahm einen Verlauf, der die Zeiten beim HSV nicht ruhiger werden lässt. Denn erst gelang den Gastgebern mit deren zweiten Schuss aufs Tor der überraschende Führungstreffer, dann glich der HSV aus und bekam in der Nachspielzeit die Hundertprozentige per Strafstoß, den durchaus verdienten Sieg einzufahren. Aber Benes traf zum zweiten Mal in diesem Spiel die Latte. Ein bitterer Nachmittag für den HSV, der es in der eigenen Hand hatte, mit einem Auswärtssieg in die Länderspielpause zu gehen.

„Wenn man das gesamte Spiel sieht, dann hatten wir gute Chancen. Wir müssen diese Möglichkeiten nutzen und in Führung gehen. Es ist ärgerlich, dass wir uns am Ende nicht belohnt haben, denn für mich hätte es heute nur einen Sieger geben dürfen“, resümierte Sportvorstand Jonas Boldt nach dem Spiel. Und Trainer Tim Walter ergänzte: „Wir sind genauso aufgetreten, wie wir es uns vorgenommen hatten. Wir haben es die letzten Wochen schon erlebt, dass wir auf einen ganz tiefstehenden Gegner getroffen sind. Wir haben diesen gut bespielt, leider haben wir uns mit den vielen Abschlüssen auf das Tor nicht belohnt. Wir hatten aber viele, das ist für uns das Entscheidende. Wenn wir da mehr Konsequenz haben, geht es letztendlich anders aus. Wenn wir genauer und präziser gewesen wären, hätte es uns mehr als nur das Unentschieden gebracht. Die Jungs wollten diesen Sieg unbedingt und haben alles investiert. Wir haben heute aber ein bis zwei Fehler zu viel gemacht.“ Stimmt.

DIE SPIELERBEWERTUNGEN:


DANIEL HEUER FERNANDES: 
Dass er eigentlich nur durch den eigenen Mann (Ramos mit verunglückter Abwehr 1. Hz.) wirklich geprüft wurde, durfte er seiner Vordermannschaft verdanken. Fehlerfrei bis zum Gegentor, wo er den Ball unnötig nach vorn prallen ließ. Note: 4

IGNACE VAN DER BREMPT: Er versuchte, das Tempo hochzuhalten. Manchmal fehlt mir dabei das schnellere Abspiel, aber die Tendenz bei ihm war heute in den ersten 45 Minuten positiv. In der zweiten Halbzeit zu stumpf im Zweikampf – oder eben gar nicht richtig drin im Zweikampf, wie beim Gegentreffer. Note: 4

DENNIS HADZIKADUNIC: Souverän bis zur verletzungsbedingten Auswechslung. Note: 3
GUILHERME RAMOS: 
Machte wieder genau das, was er am besten kann: Rustikal Zweikämpfe im Infight gewinnen. Die Mischung mit einem rein defensiv agierenden und defensiv denkenden Spieler in der Innenverteidigung bleibt meine favorisierte Konstellation für die HSV-Defensive. Also mit ihm oder Ambrosius. Und: aktuell liefert Ramos. Dass er im Passspiel nach vorn noch eine Menge Luft hat – für den Moment nicht entscheidend… Note: 2,5

MIRO MUHEIM: Er war defensiv wenig gefordert, und offensiv manchmal noch etwas zu zaghaft. Aber: Er versuchte es immer wieder, auch mal aus der zweiten Reihe zu schießen. Und das kann er mit am besten beim HSV, wie er beim Ausgleich in der 89. Minute fast aus dem Stand schießend - bewies. Tendenz bei ihm ist absolut positiv.  Note: 2,5

JONAS MEFFERT (bis 79.): Sehr durchwachsene erste Halbzeit ohne positive Akzente. Danach stabiler und etwas aktiver. Aber gut war das nicht heute. Er kann es zumindest deutlich besser.  Note: 4

JEAN-LUC DOMPE (ab 79.): Ich hätte ihn gern früher für Öztunali auf dem Platz gesehen. So blieb er ohne die Wirkung, die eine frühe Einwechslung vielleicht gebracht hätte. Note: 4

LUDOVIT REIS: Saustarke erste Halbzeit des Kapitäns. Er holte defensiv stark die Zweikämpfe, trieb den Ball unermüdlich, legte vor (wie auf Benes vor dessen Lattentreffer) und war omnipräsent. In der zweiten Halbzeit immer noch einer der aktiveren. Wenn auch nicht mehr so stark wie in den ersten 45 Minuten. Note: 2

LEVIN ÖZTUNALI (bis 53.): Er wirkt weiterhin wie ein Fremdkörper. So, als würde er immer erst dann aktiv werden, wenn er dazu gezwungen wird. Proaktives Anbieten, Finten, schlaue Pässe, mutige Ideen – alles aktuell nicht im Repertoire des Außenstürmers. Dompés Verletzungspause unter der Woche war das einzige Argument für ihn heute in der Startelf. Und mit diesem Spiel hat er keine weiteren Argumente für sich sammeln können. Note: 4,5

RANSFORD KÖNIGSDÖRFFER (ab 53.): Hatte in seinen ersten drei Minuten mehr gute Aktionen, als sein Vorgänger zuvor insgesamt. Trotzdem fehlt ihm die Technik, um aus seinem physischen Vorteil noch mehr Kapital zu schlagen. Zumindest ist und bleibt sein erster Kontakt zu schwach. 
LASZLO BENES: 
Er ist der Spieler auf dem Platz, von dem man sich immer wieder diese eine, entscheidende Aktion erhofft. In den ersten 45 Minuten verhinderte dies die Latte. In der zweiten Halbzeit tauchte er ab und vergab in der letzten Minute den sicheren Sieg, als er seinen  Elferan die Latte schoss. Bitter für ihn und den HSV, der dadurch die drei sicheren Punkte liegen ließ. Note: 4

BAKERY JATTA (bis 74.): Er versuchte viel, aber es klappte wenig. Zusammen mit van der Brempt stellt er die vielleicht sprintstärkste rechte Seite der Liga – aber neben den defensiv guten Aktionen muss er eben auch offensiv liefern. Auf jeden Fall deutlich mehr als heute. Note: 4

IMMANUEL PHERAI (ab 74.): Brachte erst überhaupt keinen Schwung– und holte dann den Elfer heraus. Note: 3

ANDRAS NEMETH (ab 85.): Er hatte den Sieg auf dem Fuß, vergab aber. Es fehlt einfach noch die nötige Durchschlagskraft bei dem jungen Angreifer. Note: 4

ROBERT GLATZEL: Er wirkt müde und lange nicht so präsent wie sonst. Dazu der fehlende Zweikampf vor dem 0:1 und überflüssige Ballverluste. Ohne ihn – und das war der HSV heute weitestgehend – ist der HSV vorn zu zahnlos. Note: 4,5

TRAINER TIM WALTER: Er hat die Mannschaft richtig eingestellt. Und normalerweise MUSS der HSV diese Partie so auch gewinnen. Seine Wechsel in der zweiten Halbzeit waren etwas wild. Trotzdem war die gesamte Spielausrichtung aus meiner Sicht ein Schritt in die richtige Richtung. Allein offensiv war der HSV heute ob des blutleeren Auftrittes von Glatzel und natürlich durch den vergebenen Elfer zu ineffektiv, um hier einen verdienten Sieg einzufahren. Note: 2

DIE STATISTIK ZUM SPIEL:

SV Wehen Wiesbaden: Stritzel - Angha, Mathisen (83. Mockenhaupt), Vukotic - Goppel (75. Catic), Fechner, Heußer, Günther (46. Rieble), Bätzner, Lee (61. Froese) - Kovacevic (46. Jonjic)

HSV: Heuer Fernandes - van der Brempt, Hadzikadunic (79. Nemeth), Ramos, Muheim - Meffert (79. Dompe), Reis, Benes - Jatta (74. Pherai), Glatzel, Öztunali (54. Königsdörffer)

Tore: 1:0 Vukotic (81.), 1:1 Muheim (89.)

Zuschauer: 12.500 (ausverkauft)

Schiedsrichter: Wolfgang Haslberger (St. Wolfgang)

Gelbe Karten: Fechner / Muheim, Reis

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