Der HSV lernt nicht dazu - Walter vor dem Aus
Der HSV verliert gegen Hannover 96 mit 3:4. Nach dem identischen Ergebnis gegen den KSC vor zwei Wochen stellt der HSV aktuell die schwächste Defensive aller Zweitligisten. Und…

Der HSV verliert gegen Hannover 96 mit 3:4. Nach dem identischen Ergebnis gegen den KSC vor zwei Wochen stellt der HSV aktuell die schwächste Defensive aller Zweitligisten. Und das, nachdem man im Winter als allererstes Ziel eine Stabilisierung der Defensive gefordert hatte. Gefordert von Trainer Tim Walter, der bislang immer betonte, wie gern er spektakuläre, torreiche Spiele sehe. Dass er damit Siege meint – logisch. Aber die sind eben zu selten das Ergebnis seiner spektakulären Spielweise. Und nicht erst angesichts der gescheiterten Umsetzung der Winteranalyse ist Walter aus meiner Sicht untragbar. Zumindest für all diejenigen, die das Ziel Aufstieg nicht weiter gefährden wollen.
„Zwei Mannschaften mit offenem Visier“ hat Gästetrainer Leitl heute gesehen. Und damit hatte er total Recht. Für sein Team darum ging es darum, gewinnen zu müssen, um den Anschluss an die Spitze nicht gänzlich zu verlieren. Von daher erklärt es sich schnell in Bezug auf Hannover 96. Die Frage ist nur: Warum auch der HSV? Weshalb schafft es Tim Walter nicht, zunächst einmal Sicherheit in das Spiel seiner Mannschaft zu bekommen, die sowieso IMMER trifft? 27 Spieltage in Folge hat der HSV vorn mindestens einmal getroffen, meistens sogar mehrfach. Und trotzdem ist man nicht aufgestiegen und droht auch jetzt wieder aus den Aufstiegsrängen zu fliegen.
Für mich ein Armutszeugnis für alle Entscheider beim HSV. Und damit meine ich nicht allein Tim Walter, sondern auch den Vorstand und den Aufsichtsrat, die diese Problematik seit Jahren tatenlos begleiten und mit dem Totschlagargument „Kontinuität“ ihr Festhalten an Walter begründen. Dass diese Kontinuität inzwischen längst zum Selbstzweck verkommen ist, ist dabei nicht mehr zu leugnen. Und wer heute Jonas Boldt („So können wir nicht weiterspielen“) nach dem Spiel bei Sky gehört hat, wird bemerkt haben, dass die Unzertrennlichkeit im Duo Walter/Boldt endlich ist.
Ich persönlich gehe sogar fest davon aus, dass der HSV sehr zeitnah nachholt, was man spätestens vor der Winterpause hätte machen müssen: Er wird den Trainer wechseln. Ob das sofort zu Stabilität in der Defensive führt? Eher nicht. Denn defensiv stabil zu stehen ist eine Sache, die sich über Wochen einspielt. Dafür hat der HSV nunmehr zweieinhalb Jahre defensiv alles vernachlässigt, was man vernachlässigen konnte. Die Winterpause zum Einspielen hat man offenkundig ungenutzt gelassen. Umso genauer muss man gucken, wen man holt. Aber dazu mehr, wenn der HSV tatsächlich die Entscheidung getroffen hat.
Ich verabschiede mich jetzt und möchte noch mal ganz klar sagen: Ich fühle mich in meiner Meinung zu 100 Prozent bestätigt – aber das macht mich nicht glücklich. Ich will den HSV gewinnen sehen. Und gerade deshalb beharre ich hier auf meine Meinung.
Scholle
STIMMEN ZUM SPIEL:
Robert Glatzel: Es tut sehr weh. Wir haben heute eine riesige Chance liegen gelassen. Das sieht man auch an der Reaktion der Fans, die ebenso wie wir extrem unzufrieden sind. Die 2. Liga ist zu gut, dass man jedes Mal Zwei-Tore-Rückstände aufholen kann. Es ist schwer zu begreifen, wie uns nach Karlsruhe erneut so ein Spiel passiert. Wir sind wieder zu spät aufgewacht und haben uns am Ende wieder selbst geschlagen.
Matheo Raab: Ich habe mich persönlich gefreut, heute im Tor zu stehen. Ich habe die ganze Zeit „Ferro“ unterstützt und er tut das Gleiche für mich, so und besonders auch heute. Da spreche ich für unser ganzes Torwartteam, das zeichnet uns aus. Jeder gönnt jedem alles. Abgesehen davon ist es brutal bitter, dass wir uns nach der Aufholjagd nicht belohnt haben. Wir sind nicht gut ins Spiel gekommen und haben zu viele einfache Gegentreffer bekommen. Hinzu kommt noch eine unnötige Rote Karte und das vierte Gegentor in den Schlussminuten. Wir müssen daraus lernen. Es ist in dem Moment dann auch etwas fehlende Cleverness. Wir haben immer den Anspruch, Spiele zu gewinnen, aber manchmal muss man auch einen Punkt mitnehmen und nicht zu viel ins Risiko gehen.
Laszlo Benes: Der Spieler lief vor mir und ich wollte verhindern, dass er allein auf die Kette zuläuft. Ich wollte den Ball spielen, habe ihn leider aber getroffen und das wollte ich so natürlich nicht. Das tut mir leid. Diese Rote Karte hat der Mannschaft geschadet. Es ist sehr bitter. Wir kassieren leider zu viele Gegentore. Mir fehlt die Erklärung, warum wir in der Hinrunde alles zuhause gewonnen haben und jetzt zweimal vier Gegentore kassiert haben.
Jonas Meffert: Wir haben jetzt zweimal in Folge daheim zu viele Gegentore bekommen. Da gibt es sicherlich mehrere Gründe für. Die Entschlossenheit, das Zutrauen im Rausspielen und teilweise die Konzentration haben heute gefehlt. Wir müssen besser werden: Dazu zählt dann auch beim Stand von 3:3 vielleicht einen Punkt mitzunehmen. Der Frust der Fans ist verständlich. Wir Spieler fühlen uns schließlich genauso. Niemand von uns ist heute glücklich, sondern maximal frustriert.
HSV-Trainer Tim Walter: Es war ein ereignisreicher Abend. Wir sind nicht gut ins Spiel gekommen, sind durch eine Standardsituation und einen abgefälschten Ball doppelt in Rückstand geraten. Wir kommen dann sehr anständig zurück, ehe wir einen Flüchtigkeitsfehler in der Abwehr machen und mit 1:3 in die Pause gehen. Dann kommen wir stark mit dem 2:3 raus, ehe die lange Unterbrechung folgte. Dann sind wir zum zweiten Mal durch eine Standardsituation zum 3:3 gekommen. Die Rote Karte war der „Gamechanger“. Wir hatten auch in Unterzahl weiter gute Möglichkeiten nach vorn, machen aber den entscheidenden Fehler in der Defensive. Dann war es um uns geschehen. Wir müssen über die vielen Gegentore zuhause reden. Wir sind sehr enttäuscht. Es ist große Wut in uns, die es nun in Energie umzumünzen gilt.
Hannover-96-Coach Stefan Leitl: Wir sind sehr glücklich. Es war ein intensives Spiel. Kompliment an meine Jungs. Wir haben das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben: Wir waren hart, intensiv und haben trotzdem Fußball gespielt. Wir haben eine fantastische erste Hälfte gespielt. Dann kommt der HSV zurück. Das muss man auch akzeptieren, denn da steckt auch einfach ein guter Plan und eine gute Mannschaft dahinter. Beim Stand von 3:3 haben wir gewechselt, wollten „all-in“ gehen, um das Spiel noch zu gewinnen. Die Platzverweise haben uns in die Karten gespielt. Wir haben in Summe nicht unverdient gewonnen.
DIE DATEN ZUM SPIEL:
HSV: Raab - Van der Brempt (90.+13. Königsdörffer), Ramos, Ambrosius (46. Hadzikadunic), Muheim - Meffert, Pherai, Benes - Jatta, Glatzel (90.+4. Nemeth), Dompe (90.+4. Reis)
Hannover 96: Zieler - Muroya (90.+15. Börner), Neumann, Arrey-Mbi, Dehm - F. Kunze, Leopold, Schaub (83. Voglsammer), Ernst (90.+15. Christiansen) - Tresoldi (90.+3.Teuchert), Nielsen
Tore: 0:1 Tresoldi (11.), .0:2 Ernst (21.), 1:2 Benes (24.), 1:3 Schaub (32.), 2:3 Hadzikadunic (47.), 3:3 Glatzel (86.), 3:4 Ernst (90.+8.)
Zuschauer: 57.000
Schiedsrichter: Sören Storks (Velen)
Gelbe Karten: - / Nielsen, Teuchert
Gelb-Rote Karten: Hadzikadunic (90.+16, wiederholtes Foulspiel) / -
Rote Karten: Benes (88., grobes Foulspiel) / -
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