Der HSV ist ausverkauft - und verliert erneut gegen dänischen Erstligisten
Und in diesem Testspiel hat der HSV wieder einmal seine zwei Gesichter gezeigt. Nach einem 0:5-Pausenrückstand (!!) kam man dank einer klaren Steigerung in der zweiten Halbzeit…

Und in diesem Testspiel hat der HSV wieder einmal seine zwei Gesichter gezeigt. Nach einem 0:5-Pausenrückstand (!!) kam man dank einer klaren Steigerung in der zweiten Halbzeit noch zu einem 4:5 (0:5) gegen den dänischen Erstligisten Viborg FF. Robert Glatzel traf dabei mit einem lupenreinen Hattrick dreimal für das Team von Trainer Tim Walter, einmal davon per Foulelfmeter – den ich so nie gepfiffen hätte. Zudem war Mikkel Kaufmann endlich einmal erfolgreich, ehe er sich in der Schlussphase an der Schulter verletzte und ausgewechselt werden musste. Für den Leihspieler läuft es selbst im kleinen Erfolgsfall irgendwie nicht richtig glatt…
Gleiches gilt aktuell für den HSV, der sportlich Probleme hat. Am Ende wäre zwar noch ein 5:5 möglich gewesen. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der dänische Tabellensiebte einer mit Sonny Kittel und Jonas Meffert verbesserten zweiten und teilweise dritten Reihe mehr als deutlich deren Grenzen aufzeigte. „In der Halbzeitpause sind wir unseren Fehlern auf den Grund gegangen und haben diese in den verbleibenden 45 Minuten weitestgehend abstellen können“, erklärte Abwehrspieler Jonas David, der in der ersten Hälfte zusammen mit Maximilian Rohr die Innenverteidigung stellte und dabei alles andere als gut aussah. Dennoch schien HSV-Trainer Tim Walter bemüht, diesem mauen Kick noch etwas Positives abzugewinnen. „Man darf Fehler machen, wichtig ist nur, dass man sich den Ball wieder zurückholt. Und wenn wir das in unserem Spiel machen, brauchen wir uns vor niemandem zu verstecken.“
Wenn - ja wenn das Wörtchen wenn nicht wäre…
In der letzten Zeit wird dieses Wort leider viel zu oft im Rahmen der Spielanalysen bemüht, weil der HSV einfach nicht mehr das macht, was ihn eine Zeitlang stark gemacht hatte: Er steht defensiv nicht mehr stabil und schafft offensiv kaum Entlastung. Erst als die Dänen ihrerseits mit etlichen Auswechslungen ihre zweite und dritte Reihe auf den Platz schickten, der HSV Moritz Heyer in die Innenverteidigung stellte und dazu Robert Glatzel ins Sturmzentrum stellte. Bis dahin offenbarte das Team von Trainer Tim Walter altbekannte Schwächen bei Defensivstandards und im Aufbauspiel. Neben Ersatzkeeper Marko Johansson, der wie in jedem Testspiel auch heute wieder einen katastrophalen Fehler zum Gegentor beisteuerte, wirkte dabei auch Youngster Bent Andresen als Linksverteidiger (leider) überfordert. Leider.
Denn der talentierte Youngster wurde mächtig im Stich gelassen und war letztlich nur der Kollateralschaden einer dramatisch schwachen, erneut führungslosen Mannschaft um die erneut enttäuschenden Sonny Kittel und David Kinsombi, die zu keiner Zeit die Kontrolle über das Spiel hatten. Einzig Jonas Meffert sorgte an manchen Stellen und in der zweiten Halbzeit für ein wenig Ordnung. Dennoch war Walter mit dem Auftritt in der zweiten Halbzeit zufrieden: „Da hatten wir dann die Ordnung, Schnelligkeit und Wucht, die wir uns eigentlich von Beginn an vorgenommen hatten. Unser Spiel baut darauf auf, mutig zu sein, da ist es ganz normal, dass auch Fehler und Ballverluste passieren. Aber dann braucht man die Bereitschaft zum Gegenpressing, um den Ball zurückzugewinnen. Insofern war es ein aufschlussreicher Test.“
Okay – das lässt zumindest Raum für Interpretation. Denn „aufschlussreich“ war es sicherlich, z sehen, was alles nicht funktioniert. Aber solange der HSV nicht aus dem heutigen Test sowie den letzten vier Ligaspielen die richtigen Schlüsse zieht, werden wir noch mehr „aufschlussreiche“ Spiele sehen – ohne, dass das auch nur irgendetwas Gutes bedeutet. Denn die Schwäche bei Standards, die Anfälligkeit für schnelle Gegenstöße und das immer häufiger schiefgehende, riskante Aufbauspiel gepaart mit uninspiriertem Offensivspiel und sich versteckenden Führungsspielern ist zweifellos vorhanden. Und aus der zweiten Reihe drängen sich kaum Spieler auf, die hoffen lassen könnten, das es gegen den Paderborn mit personellen Veränderungen klappen könnte. Nein, dieser HSV steckt tief in einem Leistungsloch.
Ich wurde im Communitytalk auffällig oft danach gefragt, ob der HSV weiter an Tim Walter und Sonny Kittel festhalten soll bzw., warum Kittel auf einmal wieder abgetaucht ist. Und zumindest auf die Kittel-Frage habe ich eine klare Antwort: Der HSV muss schauen, ob Kittel tatsächlich erwachsen geworden ist. Das hatte Walter in der überragenden Hinrunde Kittels über seinen Top-Scorer gesagt. Aber sollte Kittel tatsächlich weiterhin so abtauchen wie in den letzten vier Wochen, dann muss man davon ausgehen, dass Kittels Erwachsenwerden eine partielle Hochphase war und hier weiter keine Konstanz zu erwarten ist. Soll heißen: Dann muss man zusehen, dass man sich auf dieser Position verändert. Auch wenn das bedeutet, dass man für etwas mehr Konstanz ein Stück weit Kittel-Genialität einbüßt.
In diesem Sinne, morgen melden wir – das sind Gastblogger Robert und ich – an dieser Stelle wieder bei Euch. Bis dahin!
Scholle
P.S.: Der HSV ist ausverkauft! Der Vorstand des HSV hat heute bekanntgegeben, dass die letzten AG-Anteile bis zur satzungsgemäßen Maximalsumme von 24,9 Prozent veräußert sind. Die AMPri Handelsgesellschaft hat die noch verbliebenen 35.068 Aktien für 2,2 Millionen Euro erworben und hält nun insgesamt 1,42 Prozent der Anteile an der HSV Fußball AG. Hintergrund: Das niedersächsische Unternehmen AMPri war bereits im Dezember 2020 mit rund 2 Millionen Euro (für 0,68 Prozent der Anteile) eingestiegen.
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