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Der HSV ist auf Aufstiegskurs. Theoretisch.

Moritz Heyer fehlte heute im Training. Zunächst am Vormittag mit der Ansage, dass er eventuell schon am Nachmittag wieder dabei sein kann. Das allerdings war der…

Der HSV ist auf Aufstiegskurs. Theoretisch.

Moritz Heyer fehlte heute im Training. Zunächst am Vormittag mit der Ansage, dass er eventuell schon am Nachmittag wieder dabei sein kann. Das allerdings war der Defensivallrounder mit den Offensivqualitäten nicht. Grund dafür ist eine Blessur, die er sich bereits am Dienstag im Training zugezogen hatte. Ohne gegnerische Einwirkung. Dennoch soll Heyer bis Sonnabend pünktlich fit werden und spielen können. Dafür war Bakery Jatta wieder voll im Training integriert, ebenso wie Josha Vagnoman, dessen Kader-Comeback eigentlich zum Nordderby gegen Werder Bremen am 27. Februar geplant war. Der aber eventuell schon am Sonnabend in Sandhausen dabei sein kann. „Wir müssen abwarten, wie es sich die Woche bei ihm entwickelt“, so Trainer Tim Walter. So viel zum sportlich Tagesaktuellen.

Rund um die Gremien hat das Hamburger Abendblatt heute mit seinem Artikel „Die Wahrheit über die Kühne-Anteile“ eine Diskussion angestoßen. Dabei geht es um die von Klaus Michael Kühne verkauften Anteile. Diese hatte der inzwischen zum Vorstand berufene Dr. Thomas Wüstefeld erworben, laut Abendblatt für 14 Millionen Euro. Zuvor hatte es aber, und das ist der eigentliche Kern der Geschichte meines Kollegen Kai Schiller, Verhandlungen gegeben mit weiteren Interessenten, die aus verschiedenen Gründen gescheitert sind.

Bei einem der zwei Verhandlungen soll es klubintern im Aufsichtsrat zu Verstimmungen gekommen sein, weil die Fraktion um Marcell Jansen und Kühne-Abgesandten Markus Frömming die Nachverhandlungen vom inzwischen freigestellten Vorstand Frank Wettstein als einen der Gründe ausgemacht hatte, weshalb letztlich der Deal – die Rede war von 30 Millionen Euro für Anteile und Medienrechte – scheiterte. Die andere Fraktion um die inzwischen aus dem Kontrollrat ausgeschiedenen Michael Krall und Felix Goedhardt hielt Wettsteins Nachverhandlungen für hilfreich. Das wiederum lässt das Ausscheiden von Goedhardt, Krall und Wettstein) in einem anderen Licht erscheinen, als zuletzt verkündet wurde. Und vor allem wirft der Abendblatt-Artikel die Frage auf, inwieweit die hier Beteiligten – insbesondere Frömming, der für den Kühne-Anteilsverkauf an Wüstefeld eine sechsstellige Prämie erhalten haben soll - ohne eigene Interessen im Sinne des HSV gehandelt haben. Aber dazu in den nächsten Tagen mehr. Denn dieses Thema ist sehr wohl noch deutlich vielschichtiger, als es der Abendblatt-Artikel eh schon suggeriert.

https://soundcloud.com/user-36211795/mi160222-die-wahrheit-um-kuhnes-anteilsverkauf-hrubesch-verlangt-boldt-vagnoman-vor-comeback?si=1b3fe929db4a473bbab262ca6d6267e9&utm_source=clipboard&utm_medium=text&utm_campaign=social_sharing

Heute hat stattdessen der Bundeskanzler gesprochen. Und er hatte gute Nachrichten. „Wir befinden uns an einem besonderen Tag der Pandemie, wir können zuversichtlicher nach vorne schauen“, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz: „Wenn alles so bleibt, werden wir in den nächsten Wochen eine stetig verbesserte Situation haben.“  Ab dem 4. März soll eine maximale Auslastung von 60 Prozent (maximal 25.000 Zuschauer) erlaubt sein. Und ab dem 20. März entfallen sogar „alle tiefergreifenden Schutzmaßnahmen“, dann sollen auch volle Arenen möglich sein. Allerdings: „Wir werden Basisschutzmaßnahmen als Handlungsmöglichkeit aufrechterhalten, aber nicht als Standard. Wir werden es wagen, das meiste zu öffnen. Aber wir brauchen die Möglichkeit zu handeln, wenn etwas passiert.“

Der HSV hofft indes, schon eine vorzeitige Freigabe für bis zu 25.000 Zuschauer zu erreichen, da man in der Woche vor der geplanten Öffnung mit Werde Bremen (27. Februar) und am 2. März im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen den Karlsruher SC zuhause antritt.  Dazu spricht Vorstand Wüstefeld derzeit mit der Stadt Hamburg, die letztlich autark entscheiden könnte. Angesichts der bislang sehr regierungsnahen Vorgehensweise der Stadt Hamburg erscheint eine Sonderregelung für den HSV nicht allzu wahrscheinlich. Daher versucht der HSV mit einem besonderen Hygienekonzept zu punkten. Ergebnis offen. 

https://open.spotify.com/episode/6iSHKN1aGYuNRvkh8st41b?si=a0a81abeb7c84372

Offen ist und bleibt auch erst einmal, wie der HSV in den Spielen gegen die vermeintlich Schwächeren der Liga auftritt. Und dabei sind alle ab Tabellenplatz sieben abwärts gemeint. Denn der HSV hat nach dem Spitzenspiel gegen Werder Bremen in anderthalb Wochen nur noch Gegner aus dem zweiten und dritten Drittel der Tabelle vor der Brust. Wobei ich das „nur noch“ bitte nicht falsch verstanden wissen will.

Denn diese Spieler können durchaus schwieriger werden als offen geführte Partien gegen Teams auf Augenhöhe. Dafür muss man sich nur die Hinrunde ansehen. Es wird der nächste Entwicklungsschritt sein, den der HSV gehen muss, wenn er am Ende erfolgreich sein will. Es wird entscheidend sein, wie der HSV gegen tief stehende Gegner agiert. Und das wird schon am Sonnabend das erste Mal der Fall sein. Sandhausen ist sowas wie die Generalprobe für die letzten zehn Partien (alle nach dem Werder-Derby).

Ich wurde heute im Communitytalk gefragt, ob der Spielplan dem HSV in die Karten spielen würde. Und ich konnte die Frage nur bedingt beantworten. Denn Partien gegen nominell schwächere Teams sind in aller Regel kein Nachteil. Aber das eben auch nur, wenn man eine Idee hat, wie man seine spielerische Überlegenheit umsetzt. Gegen tieferstehende Mannschaften erfordert das ein hohes Maß an offensiver Kreativität. Und vor allem ein höchstes Maß an defensiver Disziplin, da tief stehende Teams gern dazu verleiten, die eigene Defensive ein wenig zu lockern und sich als Defensivspieler offensiv mit einzubringen. Was mich in diesem Bereich hoffen lässt: Der HSV hat sich bislang noch nicht auskontern lassen und spielt mit Schonlau und Vuskovic defensiver als noch zu Saisonbeginn. Und sollte der HSV die Ergebnisse der Hinrunde von jetzt an wiederholen können, käme man am Ende auf  63 Punkte bei einem Torverhältnis von 63:30. Das wiederum klingt sehr nach Aufstieg angesichts der bislang so ausgeglichenen Liga.

Aber auch hier gilt: Bitte glaubt nicht, dass ich sowas als Maßstab nehme. Ich wollte damit nur mit bereits Geschehenem aufzeigen, dass dieser HSV sehr wohl das Zeug hat, (ganz) oben zu landen. Ich behaupte sogar, dass der HSV von heute ohne schwerwiegende Ausfälle stärker und stabiler ist als noch in der Hinrunde. Dementgegen steht, dass die Gegner den HSV vielfach studieren konnten und somit Überraschungseffekte schwieriger werden. Aber: Angesichts des „Harakiri-Fußballs von Tim Walter“ (Zitat Friedhelm Funkel heute in der SportBild) ist der HSV schwieriger auszurechnen als andere Teams.

So viel zur Theorie. Praktisch wird es darauf ankommen, dass der HSV defensiv weiterhin so stabil und offensiv weiterhin so effektiv wie in den letzten fünf Partien auftritt. Aber dazu morgen an dieser Stelle mehr. Dann auch mit O-Tönen vom Cheftrainer, der uns morgen per Video-Pressekonferenz zugeschaltet wird. 

Bis dahin!

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