Der HSV hat seinen Rambo(ck)
Nicolai - ob seiner Spielweise schon in Kiel liebevoll Rambo genannt - Remberg ist seit dem 01.07. offiziell Teil des HSV-Kaders. Heute hat er sich in einer Medienrunde…

Nicolai - ob seiner Spielweise schon in Kiel liebevoll Rambo genannt - Remberg ist seit dem 01.07. offiziell Teil des HSV-Kaders. Heute hat er sich in einer Medienrunde vorgestellt. Ein perfekter Zeitpunkt, um mit Euch meine Gedanken zu Rambo im Blog zu teilen.
Die Key-Fakten ganz zu Anfang: Nicolai Remberg ist 25 Jahre alt, 188 cm groß und kommt ursprünglich aus Rheine. Rambo ist Rechtsfuß und hat laut Transfermarkt.de einen Marktwert von 3 Millionen Euro. Anders als viele Profis hat Rambo dabei kein NLZ besucht. Er wechselte 2018 in die Jugend von Preußen Münster, über die er zu den Profis in der 3. Liga und anschließend zu Holstein Kiel kam. Mit den Kielern stieg Remberg 2024 auf und spielte letztes Jahr 32 der 34 möglichen Bundesliga-Spiele. Die anderen beiden verpasste er wegen Gelbsperren. Mit Kiel belegte er letztes Jahr den 17. Platz. In seinem ersten Bundesliga-Jahr kam Rambo auf knapp 2400 Spielminuten. Sein 1. Bundesliga-Tor konnte er noch nicht erzielen, aber das hat er sich nur für den HSV aufgespart! Eine Vorlage konnte er indes schon beisteuern. Remberg sammelte letztes Jahr 11 gelbe Karten. Die Passquote lag bei 78 %, in Zweikämpfen konnte er sich bei 55 % durchsetzen.
Nachdem wir mit den Fakten durch sind, kommen wir nun zum Wesentlichen: Zu den ersten Eindrücken des 25-Jährigen, denn die sind durchweg gut. Zumindest, wenn man mit ihm persönlich spricht. Auf dem Platz macht er seinem Namen nämlich alle Ehre. Wer die letzten beiden Tage beim Training war, dem müsste aufgefallen sein, dass Rembergs Stärken vor allem in der Defensive liegen. Ich würde ihn zum aktuellen Zeitpunkt genauso betiteln wie er sich selbst sieht: „Ein Abräumer“.
Gleich zu Beginn stellt er klar: „Ihr könnt mich alle Rambo nennen.“ Diesen Spitznamen erhielt er bereits in der U16 bei Eintracht Rheine von seinem damaligen Trainer Steffen Molitor – ein Name, der seinen kompromisslosen Spielstil bestens beschreibt. Dass er sich damit im Team schon durchgesetzt hat, zeigte sich schnell: Bereits beim zweiten Training riefen ihn alle Mitspieler „Rambo“. Nur seine Freundin und seine Großeltern nennen ihn noch „Nico“.
Remberg wird zum Rammbock vor der eigenen Abwehr
Allerdings wird er seine Rolle beim HSV wohl etwas offensiver interpretieren müssen. Denn während er bei Holstein Kiel im 3-4-2-1-System den Sechser spielte, wird er, sofern Polzin sein Grundsystem des 4-3-3 nicht ändert, als Achter spielen, der noch einen Sechser hinter sich hat. Gelegentlich wird er beim HSV auch auf der Doppel-Sechs als Rammbock vor der Abwehr spielen.
Bei der heutigen Spielform spielte er als beispielsweise als Achter vor Meffert. Dabei fiel auf, dass Remberg im Zentrum häufig sortierte. Er bot sich in den Räumen an, ließ sich dort aber nicht in die Abwehrkette fallen. Auffällig war seine Präsenz in den Zweikämpfen. Hohe Aggressivität, der eine oder andere Schubser und immer am Gegner dranbleiben. Ein typischer Fall von „Gegen den willst du nicht spielen“.
Offensiv hatte er seine Ansätze, wobei hier allerdings auffiel, dass das Spiel mehr über die anderen lief. Rambo ist von seinen spielerischen Qualitäten dennoch überzeugt: „Ich kann auch was spielerisch. Das geht bei dem Namen Rambo immer etwas unter.“ Später erwähnte der Ex-Kieler, dass er sich auch als „Box-to-Box-Spieler“ sieht. Also quasi genau auf der Position, die auf der Doppel-Acht neben dem Spielmacher gesucht wird. Ob und wie gut er in diese Rolle reinpasst, werden wir in der Vorbereitung und beim Saisonstart sehen. Abhängig ist diese Position m. M. n. aber auch vom Gegenpart auf der 8. Hier ist der HSV ja noch immer auf der Suche. Falls ihr jemanden habt, der euch einfällt, schreibt es doch gerne mal in die Kommentare!
Ronaldo als Vorbild: „Der ständige Drang zum Arbeiten steckt in mir drin“
Rembergs Weg in den Profifußball ist alles andere als typisch. Noch vor fünf Jahren spielte er in der Oberliga bei Preußen Münster II. Ein Nachwuchsleistungszentrum hat er nie durchlaufen, eine Einladung in eine U-Nationalmannschaft blieb aus. In seiner Jugend konnte er sich sogar häufig keine Fahrkarten zum Training leisten und wurde mehrfach beim Schwarzfahren erwischt. Seine Entwicklung erinnert an die von Daniel Elfadli, seinem neuen Kollegen beim HSV, der ebenfalls aus der Oberliga den Sprung in die Bundesliga geschafft hat. „Ich habe mir alles hart erarbeitet. Der ständige Drang zum Arbeiten steckt in mir drin“, sagt Remberg. Sein Vorbild ist Cristiano Ronaldo – nicht fußballerisch, sondern wegen dessen Professionalität und Trainingsfleiß. Diese Haltung ist auch bei Remberg spürbar, der trotz seiner intensiven Spielweise selten verletzt ist.
Sein Bundesliga-Debüt für den HSV könnte direkt emotional werden: Am ersten Spieltag geht es zu Borussia Mönchengladbach – ausgerechnet dem Verein, den Rembergs Vater und er selbst in seiner Kindheit unterstützt haben. Sein Opa hingegen ist HSV-Fan und wird das Spiel erstmals live miterleben – bisher war ihm die Reise nach Kiel zu weit. Als Remberg seinem Großvater vom bevorstehenden Wechsel nach Hamburg erzählte, wollte dieser es zunächst nicht glauben. Nun ist die Freude in der Familie groß.
Remberg will seine kurze, intensive Erstligaerfahrung positiv nutzen
Das Wichtigste in der Bundesliga ist laut Rambo „der Zusammenhalt“. Hier kann er als Charakter sicherlich eine gute Rolle spielen. Mit dem Abstiegskampf im letzten Jahr hat er vor allem mental einigen jungen Spielern etwas Erfahrung voraus. Hoffen wir mal, dass Remberg diese Erfahrung an den Rest der Mannschaft weitergeben kann. Bedenken hierbei habe ich nicht. Dass der Abstieg ein negatives Ereignis war – logisch! Aber auf mich machte Rambo den Eindruck, dass er damit sehr gut umzugehen weiß. Er scheint hart im Nehmen und Profi genug, um die wichtigen Lehren zu ziehen und korrekt in sein Spiel einfließen zu lassen. Bis jetzt macht er auf jeden Fall einen sehr guten Eindruck. Remberg: „Man braucht in der Bundesliga Spieler, die dagegenhalten können. Dafür bin ich da.“
Ob sich das bestätigt, werden wir mit der Zeit sehen. Schon am Wochenende in den ersten Tests werden wir wieder das eine oder andere Indiz geliefert bekommen – und ich werde Euch davon berichten! Bis dahin sollten wir ihn genau so unterstützen, wie es jeder Spieler verdient hat, der sich einleben muss. Jemanden schon schlechtzureden, bevor man überhaupt etwas von ihm gesehen hat, sollte beim HSV weiterhin der Vergangenheit angehören.
Fun Fact aus dem Abendblatt vom Kollegen Jacobs: Auf dem Weg zu seinem Wechsel nach Kiel im Sommer 2023 besuchte er ein HSV-Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig im Volksparkstadion. „Da habe ich schon gedacht, dass es unglaublich hier ist. Die Strahlkraft des HSV ist enorm.“ Ein Jahr später kehrte er mit Holstein Kiel zurück, gewann mit 1:0 und machte damit den Aufstieg perfekt. Jetzt ist Kiel wieder Zweitligist – und Remberg bleibt erstklassig. Sein erstes Bundesliga-Tor hat er sich für den HSV aufgehoben. Und wann wäre ein besserer Zeitpunkt als am ersten Spieltag bei seinem Herzensklub aus der Jugend? „Das wäre was“, sagt Remberg mit einem Lächeln. Es wäre ein passendes neues Kapitel in einer besonderen Fußballerkarriere.
Was ist eure Meinung zu unserem Neuen aus Kiel? Und wer wäre aus Eurer Sicht der perfekte Gegenpart? Schreibt dies alles gerne in die Kommentare und lasst uns diskutieren.
Und dann noch ein Satz in eigener Sache: Morgen habe ich eine wichtige Prüfung an der Uni und werde leider nicht berichten können. Aber am Wochenende bin ich wieder für Euch da! Bis dahin wünsche ich Eich eine schöne Restwoche!
Euer Tom
P.S.: Nicolas Oliveira wechselt ablösefrei zum Drittligisten Jahn Regensburg. Der 21-Jährige erhält beim Zweitliga-Absteiger einen Vertrag bis 2027. Der Außenverteidiger war schon am Mittwoch beim Trainingsauftakt des Bundesliga-Aufsteigers HSV nicht mehr dabei. Der frühere deutsche U20-Nationalspieler kam 2018 zum Hamburger SV und durchlief von der U15 an alle Jugend-Mannschaften. Sein Zweitliga-Debüt gab der in Oviedo geborene Oliveira beim 5:3 gegen Schalke 04 im Juli 2023. Insgesamt spielte er fünfmal für den HSV in der 2. Liga. Vorwiegend kam er bei der U21 zum Einsatz. In den Plänen von Cheftrainer Merlin Polzin für die erste Saison nach dem Bundesliga-Aufstieg spielte er keine Rolle.
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