Der HSV gewinnt nicht nur Spiele, sondern auch neue Spieler
Nicht immer in den vergangenen Wochen war der Jugendkurs beim Hamburger SV der Königsweg, diesmal aber zahlte er sich aus. Der 20-jährige Faride Alidou wurde beim 2:1…

Nicht immer in den vergangenen Wochen war der Jugendkurs beim Hamburger SV der Königsweg, diesmal aber zahlte er sich aus. Der 20-jährige Faride Alidou wurde beim 2:1 (1:1)-Sieg gegen den SC Paderborn am vergangenen Freitagabend zum „Man of the Match“ gekürt, Tommy Doyle, ein 20 Jahre alter Engländer, hatte in der Nachspielzeit das Siegtor erzielt. „Das ist der Weg, den wir eingeschlagen haben“, sagte Trainer Tim Walter. „Wenn ich sehe, wie Jonas David gegen Sven Michel verteidigt, der ja wirklich ein sehr guter Stürmer in der 2. Liga ist, dann macht mir das Freude.“ Schon zum Stamm gehört jener genannte Innenverteidiger Jonas David (20 Jahre). Auf dem Sprung ist Anssi Suhonen (20). Dazu kommen noch Manuel Wintzheimer (22), Ludovit Reis (21), Robin Meißner (22), Mikkel Kaufmann (20). Zwei sind derzeit aus Verletzungsgründen nicht dabei, waren aber zumindest zuvor jeweils feste Größen im Team: Josha Vagnoman (20) und Stephan Ambrosius (22).
Sportvorstand Jonas Boldt machte derweil, was man in einer solchen Situation macht, wenn man sich seiner Verantwortung bewusst ist: Er relativierte und setzte alles in ein gesundes Verhältnis. Er will keine Euphorie ob der Jungen aufkommen lassen. „Auch da muss man die Kirche im Dorf lassen“, sagte er und meinte über Alidous Startelfdebüt: „Es war ein gutes Spiel. Super wäre gewesen, wenn er dann auch ein oder zwei Tore macht. Die Grundqualität hat er dafür.“ Der Flügelspieler aus dem Regionalligateam des HSV wird jedenfalls öfter zu Zweitliga-Einsätzen kommen.
Alidou, Doyle - die nächsten Youngster drängen ins Team
Die kollektive Erleichterung über den dringend notwendigen Sieg war aber auch bei ihm zu spüren. „Nichts ersetzt Siege – und Erfolge geben auch immer den Glauben daran, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist“, sagte Boldt. „Für die Tabelle war es ein sehr wichtiger Sieg, weil dort nicht abgebildet wird, wie viel Ballbesitz und Torchancen dein Team verzeichnet.“ In diesen Statistik-Kategorien ist der HSV weiterhin absoluter Liga-Primus. „Wir sind einfach nur zufrieden mit uns», sagte Walter, dem die zunehmende Last durch die fehlenden Siege in den vergangenen Wochen mit einem Mal von den Schultern gerutscht ist. „Wir hatten es nicht einfach nach so einer Serie von drei Unentschieden“, beschrieb Kapitän Sebastian Schonlau die Gemütslage des Teams und kritisierte erneut die ungenutzten Gelegenheiten gegen Paderborn: „Und dann vergibst du wieder viele, viele Chancen.“
Der Makel in dieser Saison aber bleibt: das Verwerten der Torgelegenheiten. Ein Mann wie Doyle könnte da Abhilfe schaffen – glauben viele. Und auch Doyle selbst ist auf den Geschmack gekommen: „Selbstverständlich wünsche ich mir, noch mehr zu spielen. Aber so ist es im Fußball: Wenn du die Chance bekommst, dann musst du da sein“, sagte der von ManCity ausgeliehene Mittelfeldspieler, der technisch sackstark ist – physisch aber noch nicht da ist, wo Walter ihn sehen will. Boldt: „Wir haben uns ja dabei was gedacht, dass wir ihn geholt haben. Er kam aber spät dazu. Wenn Tommy so weitermacht, wird er sicherlich auch bei dem Trainer eine Chance bekommen, mehr zu spielen. Aber ich bin auch nicht bei jedem Training dabei. Der Trainer kann das besser bewerten. So wie wir bis jetzt gespielt haben, waren die anderen berechtigt auf dem Platz.“
Stimmt. Und genau diese Unaufgeregtheit muss sich der HSV beibehalten. „Der HSV-Matchwinner – wann darf Doyle richtig ran?“ fragen die BILD-Kollegen heute Die Startelfnominierung von Alidou hatte ich vor dem Paderborn-Spiel als aktionistisch empfunden. Als Reaktion Walters auf die Kritik, nicht mutig genug auf junge Spieler in der Startelf zu setze. Und ich wurde eines Besseren belehrt, da Alidou ein sehr gutes Debüt feierte. Von daher bin ich aktuell etwas verhaltener – aber bei Doyle dann doch sicher, dass er über Teilzeiten genauso einen guten Weg und wichtig für den HSV werden kann. Siehe Paderborn, siehe zuvor Aue. Und siehe vielleicht schon am Dienstag beim schweren Auswärtsspiel in der zweiten DFB-Pokalrunde beim 1. FC Nürnberg? Schön wär’s…!
Neben der Tabelle zählt die Ausbildung mehr denn je
Fakt ist: Dieser HSV spielt spektakulär offensiv und lässt einen von der ersten bis zur letzten Sekunde daran glauben, dass man noch ein Tor erzielen kann. Und das ist wirklich wichtig für den Kopf eines jeden HSV-Spielers. Denn nur so kann man jedes Spiel gewinnen oder ggf. in den Schlusssekunden noch drehen. Fakt ist auch, dass der HSV viele junge Talente hat, die sich über die Zweitligabühne hervorragend entwickeln – und noch weiter entwickeln können. Und das wiederum könnte dieses Zweitligajahr in der Endabrechnung schon als produktiv bewerten lassen – unabhängig vom Tabellenplatz.
In diesem Sinne, eigentlich wollte ich heute pausieren – aber irgendwie ging das dann doch nicht. Bis morgen! Dann wieder mit dem MorningCall! Und mit der Vorschau auf das Pokalspiel bei den Ex-HSVern Tobi Schweinsteiger, Dieter Hecking und Chris Mathenia, die am Sonnabend Heidenheim abfertigten und eine große Hürde sein werden für den HSV. Aber eben auch ein Gegner, an dem die HSV-Youngster weiter wachsen können. Ich jedenfalls freue mich wie im Video zu sehen über späte Siege – aber eben auch über so starke Fortschritte bei Spielern wie aktuell bei David, Suhonen und jetzt Alidou… Denn auch darum MUSS es beim HSV in diesem und den nächsten Jahren IMMER gehen. Neben neuen Spielen müssen eben auch neue Profis gewonnen werden. Und da sind Walter und der HSV auf dem richtigen Weg.
Bis morgen!
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