Der HSV gerät immer mehr unter zeitlichen und finanziellen Druck
Ich bin mir nicht sicher, glaube aber, dass der HSV in dieser Hinsicht (zumindest relativ betrachtet) hier Spitzenreiter der letzten Jahre ist. Und das ist kein Ko0mpliment.…

Ich bin mir nicht sicher, glaube aber, dass der HSV in dieser Hinsicht (zumindest relativ betrachtet) hier Spitzenreiter der letzten Jahre ist. Und das ist kein Ko0mpliment. Denn wenn alle Informationen stimmen, dann zahlt der HSV für den Abgang seines Mittelfeldspielers David Kinsombi, dessen Vertrag 2023 in Hamburg endet, noch mal eine knappe Viertelmillion Euro als „Abfindung“ on top. Dem Spieler, der seit drei Jahren beim HSV den Durchbruch nicht geschafft – und doch zweifellos hoch veranlagt ist. Ein extrem teures Missverständnis, das seinerzeit noch Ralf Becker als Sportvorstand in die Wege geleitet hatte. Aber: Eine Abfindung? 250.000 Euro, um den Vertrag ein Jahr früher zu beenden? Ich kriege es nicht mehr untergebracht!
Denn sollte Kinsombis Jahressalär nicht im siebenstelligen oder zumindest hohen sechsstelligen Bereich liegen, hätte ich es darauf ankommen lassen. Ich hätte es darauf ankommen lassen, dass Kinsombi entweder von sich aus geht – oder der aufnehmende Verein noch etwas drauflegt. Schlimmstenfalls hätte man einen relativ betrachtet immer noch guten Mittelfeldspieler auf der Bank.
Aber der HSV bleibt sich treu und zahlt anderen Vereinen noch Geld dazu, damit diese sich verstärken. In diesem Fall ist es übrigens der SV Sandhausen, zu dem Kinsombi wechselt und somit im kommenden Jahr mit seinem Bruder Christian zusammenspielen wird. Drei Millionen Euro Ablösesumme 2019 an Holstein Kiel, 83 Spiele für den HSV (11 Tore, 11 Assists) – und jetzt nach drei Jahresgehältern noch mal 250.000 Euro Wegegeld für nichts obendrauf. Für einen Spieler, der Fußball kann, das aber beim HSV auch Trainer übergreifend nicht konstant auf den Platz bekam.
Kinsombi geht mit Abfindung - Kittel will weg?
Und wenn wir schon beim Thema fehlende Konstanz sind, ist der Übergang zu Sonny Kittel schnell gemacht. Auch der soll dem Vernehmen nach seinen Berater beauftragt haben, nach einem neuen Klub zu suchen. Der beste Fußballer und beste Scorer im Team vermisst angeblich das Vertrauen, das er verdient hätte – was einmal mehr deutlich macht, wie machtlos man manchmal als Fußballverein ist. Denn abgesehen von einem guten Gehalt hat Kittel insbesondere in der abgelaufenen Saison sicher alles vermissen können – aber nicht das Vertrauen des Trainers.
29-mal stand Kittel in der Startelf, viermal wurde er eingewechselt – und nur ein einziges Mal fehlte er gelbgesperrt. Tim Walter hielt bis zuletzt an Kittel als Stammkraft fest. Er stützte und schützte ihn, wo er nur konnte. Und das, obwohl wir sind uns alle einig sind, dass Kittel trotz seiner 16 Assists und neun Toren zu oft vermissen ließ, wozu er fähig ist. Da ist es schon fast komisch, dass ausgerechnet dieser Spieler jetzt fehlendes Vertrauen als Grund dazu nutzt, von sich aus gehen zu wollen. Oder? Vielleicht gibt der HSV seinem Spieler auch nur die Chance, sein Gesicht zu wahren und ihn so nicht offiziell wegzuschicken. Das Gute daran: So ist wenigstens eine Abfindung ausgeschlossen…
Aber rechnet man jetzt Kinsombi, Kittel, Johansson (soll gehen), Vagnoman (will gehen) sowie die bereits verabschiedeten Faride Alidou (nach Frankfurt), Manuel Wintzheimer, Jan Gyamerah (beide 1. FC Nürnberg), Mikkel Kaufmann, Giorgi Chakvetadze und eventuell noch Jonas David zusammen, sind das neun Abgänge. Bis auf Josha Vagnoman, bei dem der HSV noch auf eine hohe Ablöse hofft, bislang alle ablösefrei. Hier aber bei neun Abgängen von einer hohen Konstanz zu sprechen, wäre wenigstens diskutabel.
Dem gegenüber stehen mit Matheo Raab (vom FCK) und Filip Bilbija (vom FC Ingolstadt) zwei ablösefreie Zugänge gegenüber. Zudem hatte der HSV im Laufe der Saison die Kaufoptionen bei Miro Muheim (1,5 Millionen Euro an St. Gallen) und Mario Vuskovic (3 Mio Euro an Hajduk Split) gezogen. Macht bislang ein Transferminus von 4,7 Millionen Euro. Wobei, nein: Mit Kinsombis Abfindung sind es schon 4,95 Millionen Euro. Zudem wurde der Vertrag mit Robert Glatzel verlängert und das Gehalt angehoben und intern sind sie sich noch immer nicht einig, wie und mit wem es in welcher genauen Funktion weitergehen soll. Das einzig Gute: Es ist ja auch noch etwas Zeit. Betonung liegt hierbei aber eindeutig auf „etwas“…
Der HSV gerät immer mehr unter zeitlichen und finanziellen Druck
Am Freitag stehen die ersten Leistungstests an, Ende Juni geht es vom 25. Juni bis 2. Juli ins Trainingslager nach Österreich. Hierbei den neuen Kader noch nicht komplett zu haben, kennt man nicht nur in Hamburg. Aber: Am 15. Juli beginnt dann auch schon die neue Saison. Und um eingespielt zu sein, braucht jeder Spieler sicher mindestens eine, besser aber zwei oder mehr Wochen Training mit den neuen Kollegen.
Mal sehen, vielleicht ergeben sich in den nächsten Tagen ja noch ein paar Transfers. Dresdens Königsdörffer soll sich selbst bis Donnerstag entscheiden wollen – und würde noch einmal rund eine Million Euro kosten. Angesichts der Tatsache, dass der HSV für Kittel wohl keine große Ablösesumme eingeplant hat, wird ein Verkauf von Josha Vagnoman unumgänglich, um kein Transferminus zu machen. Oder um dieses in einem zumindest einigermaßen überschaubaren Rahmen zu halten. Denn knappe sechs Millionen Euro muss ein Vagnoman-Verkauf sicher bringen können.
Zusammengefasst: Es könnte alles noch einigermaßen aufgehen, zumindest finanziell. Aber es läuft noch immer nicht so, wie erhofft. Aber vielleicht schafft der HSV ja intern doch noch Klarheiten in den Gremien und in den entscheidenden Verantwortungsbereichen. Denn das ist die Basis für alles. Sollte ich jetzt noch mal den Aufsichtsrat seiner Pflichten erinnern? Nein, eher nicht. Die wissen das alles. Sie machen nur leider nichts. Oder zumindest lösen sie die Probleme nicht schnell genug. Bliebt nur: Abzuwarten, was die nächsten Tage bringen.
In diesem Sinne, bis morgen.
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