Spielbericht

Der HSV findet seine Balance

Das war doch mal gut. Richtig gut sogar. Beim 3:0-Sieg im Topduell gegen den chancen- und weiter punktlosen Bundesliga-Absteiger Hertha BSC trat die Mannschaft von Trainer Tim…

Der HSV findet seine Balance

Das war doch mal gut. Richtig gut sogar. Beim 3:0-Sieg im Topduell gegen den chancen- und weiter punktlosen Bundesliga-Absteiger Hertha BSC trat die Mannschaft von Trainer Tim Walter wie ein Spitzenteam auf. Weil die Balance stimmte.  „Wir haben uns das vorgenommen, aber wir nehmen uns das jedes Spiel vor, dass wir zu Null spielen“, betonte Mittelfeldmann Jonas Meffert. „Heute haben wir das gut hinbekommen, vor allem in der ersten Halbzeit.“ Und sein Keeper, den die defensive Null sicher mit am meisten gefreut haben dürfte, ergänzte: „Das ganze Spiel tut uns gut, von der ersten Minute an haben wir gezeigt, was wir vorhatten. Die erste Halbzeit war brutale Dominanz von uns, das wollen wir zu Hause auch ausstrahlen“, sagte HSV-Keeper Daniel Heuer-Fernandes – und er übertrieb dabei nicht.

Denn trotz der ersten zehn Minuten, in denen Hertha eigentlich ganz gut in den Zweikämpfen war, aber nach vorn trotzdem nichts zustande brachte, war nur der HSV im Volkspark gefährlich. Der HSV strahlte neben der Dominanz auch eine Souveränität aus, wie ich sie mir gern häufiger erhoffe. Offensive und Defensive waren in einer richtig guten Balance. Und so oft ich mir das hier auch so gewünscht habe - diesmal gelang es Trainer Tim Walter und seinem Team eindrucksvoll vor 57.000 begeisterten Zuschauern in dem zum zehnten Mal nacheinander ausverkauften Volksparkstadion!

Das Team von Trainer Tim Walter verzichtete dabei nicht einmal auf das sonst gewohnte Offensiv-Spektakel. Gegen die defensiv eingestellten Berliner spielten Robert Glatzel und Co. lediglich geduldiger und in der letzten Reihe konsequent defensiv. Der HSV wartete auf seine Chancen und bekam sie, da die Hertha nach vorn nahezu nichts mehr entgegenzusetzen hatte. Die Defensive - sonst die Problemzone des HSV - stand sicher und wurde kaum gefordert, da die wenigen Entlastungsangriffe des Erstligaabsteigers schon in dem von Jonas Meffert gut sortierten und mit Rückkehrer Ludovit Reis defensiv noch einmal verstärkten Mittelfeld abgefangen wurden.

HSV findet seine Balance im Spiel

Logische Konsequenz: Der HSV ging durch die bärenstarken Bakery Jatta und Laszlo Benes (wird immer stärker!) 2:0 in Führung. Dabei hatte man sogar noch Pech mit dem Video-Schiedsrichter. Erst wurde ein Treffer von Glatzel wegen Abseits nach Eingreifen des VAR aberkannt, wenig später dann ein Foulelfmeter. Aber: Der HSV ließ sich davon absolut null beeinflussen und investierte sogar noch mehr Energie als zuvor. Hertha indes hatte nur noch einen paarminütige Phase Mitte des zweiten Abschnitts und kam zu sowas wie gefährliche Aktionen. Aber im Gegensatz zum KSC-Spiel machte der HSV diesmal dank Top-Torjäger Glatzel (82.), der einen Konter über den eingewechselten Königsdörffer vollendete, den Deckel auf den Heimsieg. 

„Die erste Halbzeit haben wir absolut verschlafen, wir hatten überhaupt keinen Zugriff und haben uns nicht getraut, mit dem Ball zu spielen», räumte der Ex-HSVer und Hertha-Verteidiger Jeremy Dudziak ein und sein Trainer, Pal Dardai, erkannte an: „Ich habe keine Statistik gesehen, aber heute gab es sicher bei den Zweikämpfen, den zweiten Bällen und den Luftduellen einen Unterschied. Nach dem jetzigen Stand der beiden Mannschaften haben wir eine Klasse Unterschied. Wir müssen das anerkennen. Da brauchen wir uns auch nichts vorzulügen.“

Und auch damit hatte Dardai nicht übertrieben. Was aber ist die Konsequenz aus diesem Spiel aus HSV-Sicht? Eine ganz wichtige ist: Der HSV kann den Walter-Fußball auch mit einer stabilen Defensive spielen. Selbst wenn die Viererkettewie gegen Hertha geschehen zumeist ihre Position beibehält, hat der HSV offensiv auch ohne seine vier Defensivkräfte genug Potenzial, um die Gegner zu dominieren. Übrigens: Selbst, wenn man seine Positionen beibehält, bieten sich immer wieder Möglichkeiten für die beiden Außenverteidiger, mal mit nach vorn zu rücken. Wichtig hierbei ist nur, dass man nicht zu riskant schon vor den ballführenden Spieler rückt und seine Seite bei einem etwaigen Ballverlust komplett öffnet (wie Muheim in Essen).

Viererkette bleibt in Position

Ignace van der Brempt macht schaltet sich eh noch nicht so oft offensiv mit ein. Der Belgier scheint sich erst die defensive Sicherheit holen zu wollen, was absolut nachvollziehbar und richtig ist. Und Miro Muheim hatte gestern zwar nicht so viele Offensivaktionen wie sonst, dafür aber auch defensiv nahezu nichts zugelassen. Die daraus abzuleitende Erkenntnis, dass Walter seinen Fußball nachjustiert hat, hatten wir schon mal. Und dann kam das Essen-Spiel. Ich hoffe aber seit gestern, dass der Trainer es weiter so handhaben wird, weil es zweifellos der erfolgreichere Weg ist.

Dass Walter selbst das nicht als „große Veränderung“ bezeichnen wird – geschenkt!! Am Ende zählt nur der Erfolg. Und den hat sich der HSV gestern gegen Hertha, völlig unabhängig von deren aktuellem Leistungsstand, so souverän wie schon sehr lange nicht mehr erspielt! Ganz klar: Auch wegen Walter und seinem Trainerteam! Aber dazu hört Ihr mehr im Blitzfazit.

Ich jedenfalls bin sehr zufrieden mit dem Auftritt gegen Hertha, den ich nicht an der Hertha, sondern am HSV festmache. „Ein rundum gelungener Heimsieg“, freute sich Glatzel nach dem Spiel. „Es war ausschlaggebend, dass wir heute so gut verteidigt haben. Wir als Mannschaft insgesamt, aber besonders auch die Viererkette hat die entscheidenden Zweikämpfe gewonnen.“ Beschließen will ich den Blog für heute aber mit dem immer stärker werdenden Benes, der es sehr treffend zusammenfasste. „Es wurde viel diskutiert, dass wir viele Tore bekommen. Heute haben wir wieder drei Tore geschossen, aber keins bekommen“, freute sich der Mittelfeldspieler und ergänzte: „Ich bin sehr zufrieden, weil wir heute zu Null gespielt haben. Das ist sehr wichtig für unseren nächsten Schritt.“

Stimmt!

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Sonntag!

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