Analyse

Der HSV braucht mehr Tempo im Spiel - mit Jatta?

Offiziell nimmt Daniel Thioune das Wort Aufstieg nicht in den Mund. Warum auch? Das hat in den letzten Jahren schon nicht funktioniert – und man lernt ja. Zumindest auf…

Der HSV braucht mehr Tempo im Spiel - mit Jatta?

Offiziell nimmt Daniel Thioune das Wort Aufstieg nicht in den Mund. Warum auch? Das hat in den letzten Jahren schon nicht funktioniert – und man lernt ja. Zumindest auf sportlicher Ebene – die Nummer in HSV e.V. lasse ich an dieser Stelle mal unerwähnt. „Die fünf Mannschaften in der Spitzengruppe punkten sehr stabil momentan und kämpfen um die drei Plätze, auf denen die Chance da ist, um die Liga zu verlassen“, umschrieb der HSV-Trainer die Lage der Top-Clubs im Fußballprofi-Unterhaus. Demnach würden der HSV (37 Punkte), der VfL Bochum (36), Holstein Kiel (33), Greuther Fürth und Fortuna Düsseldorf (beide 32) das Rennen unter sich ausmachen. Könnte man so verstehen.

Und trotzdem hat Thioune vor allem eine Mannschaft auf dem Zettel: den SC Paderborn. Zwar nicht zwingend als Meisterschafts- bzw. Aufstiegsfavoriten. Aber immerhin als Mannschaft in guter Verfassung. Und diese Paderborner sind am morgigen Sonnabend zu Gast im Volksparkstadion. „Vor zwei Jahren haben sie auch erst deutlichen Rückstand gehabt und sind dann direkt aufgestiegen. Deswegen sollte man die Paderborner nicht abschreiben“, warnte Thioune heute bei der Pressekonferenz. Auch wenn die Paderborner im Sommer 2020 wieder abgestiegen seien, seien sie eine Bereicherung für die Bundesliga gewesen - und auch jetzt wieder auf dem richtigen Weg. 

Darf Jatta von Beginn an ran - oder wieder Narey?

„Nach schwierigem Saisonstart haben sie sich gefangen und sind auch in der Tabelle wieder gut dabei." An das Hinspiel-Torfestival (4:3) erinnert er sich gern zurück, weil der HSV am Ende die drei Punkte einfahren konnte. Die Aufregung durch das Auf und Ab im Spielverlauf mit 2:0-Führung, 2:3-Pausenrückstand und schließlich des Happy Ends müsse er nicht unbedingt haben, räumte Thioune ein. „Aber wenn am Ende am Samstag die drei Punkte im Volkspark bleiben, kann ich mit jeglichem Spektakel leben.“ 

Fest steht, dass die Defensivakteure Klaus Gjasula (hatte im Hinspiel einen schwierigen Stand), Josha Vagnoman und Rick van Drongelen noch länger verletzt ausfallen. Dafür kann Thioune gegen Paderborn auf Sonny Kittel und Jan Gyamerah bauen. Beide kehrten am Freitag ins Mannschaftstraining zurück und sind einsatzbereit. „Beide stehen im Kader“, berichtete der HSV-Trainer. Personalnot hat Thioune demnach nicht – eher ein Luxusproblem, das sein Bauch entscheiden werde: Spielt Bakery Jatta wieder von Beginn an – oder darf Khaled Narey erneut ran?

Ein guter Narey ist wertvoll – das sehen hier zwar längst nicht alle so. Das weiß ich. Aber so sehe ich das. Allein die Effizienz fehlt nicht nur mir bei Narey. „Khaled hat seine Aufstellung zuletzt absolut gerechtfertigt“, lobte Thioune heute zwar, allerdings fügte er auch kritisch hinzu: „Ich wünsche mir von ihm nur noch etwas mehr Quote.“ Gemeint sind damit Torvorlagen, brauchbare Flanken – und natürlich eigene Treffer. Und die wiederum hat zuletzt Jatta geliefert, ehe er in Braunschweig einen gebrauchten Tag erwischte und gegen Düsseldorf nur auf der Bank begann.

Ich persönlich freue mich jedes Mal übet Jatta, weil allein sein Tempo schon die gegnerische Abwehr vor ein Riesenproblem stellt. Und wenn der Gambier dann noch den Zug zum Tor hat wie zuletzt gegen Osnabrück – umso besser. Vor allem aber gefällt mir bei ihm das, was mich gleichzeitig auch am meisten stört: Seine Unberechenbarkeit. Denn technisch und taktisch hat Jatta sicher noch Lernpotenzial. Andererseits ist genau das es auch, was ihn für die Gegner so unausrechenbar macht. Im Prinzip ein bisschen wie bei Ivica Olic, der in einen Aktionen zwischen Kreisliga und Weltklasse schwankte – und das nicht selten gleich mehrmals innerhalb eines einzelnen Spiels.

Thioune betonte zudem, dass der Spitzenreiter höchstwahrscheinlich nicht mehr auf dem Transfermarkt tätig werden wird. „Aktuell gehe ich nicht davon aus, dass es bei den Zu- und Abgängen noch Bewegung geben wird. Wir vertrauen ja unserem Kader auch“, sagte der 46-Jährige. Bisher wurde nur Stürmer Lukas Hinterseer an Ulsan Hyundai nach Südkorea verkauft, während Xavier Amaechi an den Karlsruher SC verliehen. Und anders als in den Vorjahren hat es bisher keinen Winterzugang beim HSV gegeben. Und so wird es wohl auch bleiben. Thioune und Co vertrauen auf das vorhandene Personal.

Apropos Vertrauen: Für mich würde Jatta wieder auf der Außenbahn beginnen. Fast immer. Gleiches gilt für Amadou Onana – der allerdings auf der Sechs. Meine Aufstellung für morgen sähe so aus: Ulreich – Gyamerah, Leistner, Ambrosius, Leibold – Heyer – Jatta, Kinsombi, Dudziak, Kittel – Terodde. Und das, weil ich glaube, dass dem HSV die Konstanz der letzten Wochen in der Startelf gutgetan hat. Zudem hätte der Trainer so alle Möglichkeiten, im Nachgang noch auf das Spielgeschehen zu reagieren und es massiv zu verändern. Onana ist da für mich die erste Option fürs Mittelfeld – und ein Terodde spielt bei mir so lange, bis er nicht mehr kann.

Die Bank wird entscheiden - Hunt als gutes Beispiel

Ebenfalls entscheidend – und dabei bleibe ich auch jetzt: Einen Aaron Hunt auf der Bank zu haben ist ein unfassbarer Luxus für jede Mannschaft in dieser Liga. Der ehemalige Mannschaftskapitän zieht in den Trainingseinheiten voll mit und muss sich derzeit dem neuen Spielsystem mit zwei Achtern vor dem einen, defensiven Mittelfeldspieler. „Aaron bringt sich voll ein“, lobte auch Thioune heute, ehe er erläuterte, weshalb Hunt im aktuellen System seinen Platz nicht in der Startelf hat. Die anderen würden es zudem einfach sehr gut machen. „Es ist für ihn sicher nicht einfach im Moment“, so Thioune, „aber ich finde, dass er damit fantastisch umgeht.“

Fürwahr. Zumindest dreht Hunt jedes Mal auf, wenn er eingewechselt wird. Und so ungern er das hören wird: Genau DAS ist seine Rolle in diesem Team, behaupte ich. „Er hat taktisch ein hohes Verständnis und kann Spiele drehen“, so Thioune, der es inzwischen tatsächlich geschafft hat, auch arrivierte Spieler auf der Bank zu lassen, ohne sie gegen sich aufzubringen. Siehe Hunt. Und auch das wird am Ende ein ganz entscheidender Faktor sein. Wenn es so bleibt.

Ich werde auf jeden Fall morgen genau darauf achten, wenn der HSV im Volksparkstadion auf eine Mannschaft trifft, die jederzeit gefährlich werden kann. Vor allem aber spielt Paderborn nach vorn, und das dürfte dem HSV immer wieder Räume bieten, die schnell überbrückt und dadurch genutzt werden müssen. So, wie man es zuletzt leider nicht immer hinbekommen hat in Düsseldorf. Denn so spielerisch ansehnlich die erste Halbzeit auch war, es fehlte der Zug zum Tor.

Und genau das hat Thioune heute auch moniert. Und er hat es sehr treffend formuliert: „Wir können oft noch schneller tief spielen und vertikal statt zurück. Wir müssen das Balltempo erhöhen und den Gegner dadurch ermüden.“ Das klingt doch genau so, wie ich den HSV morgen gern sehen würde. Und so, wie Flo und Joscha das in dem FIFA-Orakel vorhergesagt haben. Wobei: Mit dem Spielausgang vom E-Game könnte ich auch mo9rgen im Stadion gut leben… Oder was meint Ihr? Wie würdet Ihr aufstellen und spielen lassen? Ich bin gespannt…

In diesem Sinne! Ich werde jetzt noch eine Rodeleinheit im Dunkeln mit meiner Tochter einlegen. Hier hat es mächtig geschneit.

Bis morgen,

Scholle

Anzeige · Partner

Zeig deine Farben

Unsere Freunde von HANDS OF GOD setzen ikonografischen Momenten und Legenden der Vereinsgeschichte ein künstlerisches Denkmal.

Alle Hamburg-Motive bei HANDS OF GOD

Wir sind Partner von HANDS OF GOD und bekommen eine Provision, wenn du über diese Links kaufst — für dich ändert sich am Preis nichts. Gezeigt werden nur Motive, die wir selbst aufhängen würden.

Diskussion

0 Kommentare

Diskutier mit!

Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.

Jetzt kostenlos registrierenAnmelden
DU
Bleib fair — wir moderieren mit Augenmaß.
Noch keine Kommentare — sei der/die Erste.
Lies weiter Meinung HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem Ein Tag nach der Pleite sitzt der Frust tief. Neben taktischen Mängeln fehlte vor allem eins: die Bewegung und der Wille, den Ball zu fordern. Das Problem war viel tiefer als die reine Herangehensweise Weiterlesen