Der HSV braucht mehr Effizienz - und keiner weiß, wie...
Dass sein Team schon wieder zu einem Abendspiel antreten muss, es stört ihn nicht. „Die Uhrzeit ist uns egal, Hauptsache wir gewinnen. Aber da müssen wir noch nachlegen“, sagte…

Dass sein Team schon wieder zu einem Abendspiel antreten muss, es stört ihn nicht. „Die Uhrzeit ist uns egal, Hauptsache wir gewinnen. Aber da müssen wir noch nachlegen“, sagte Tim Walter uns heute mit Blick auf das Gastspiel am Freitag (18.30 Uhr/Sky) beim SC Paderborn. Anders als zuletzt im vergangenen Samstag-Spätspiel gegen Fortuna Düsseldorf, als der HSV trotz früher Führung, langer Überzahl und klarer Überlegenheit nicht über ein 1:1 hinausgekommen war, erwartet er von seinem Team „mehr Effizienz“. Die fehlte bisher eindeutig: Trotz hohen Aufwands stehen für die Hanseaten bisher - bei sechs Unentschieden und einer Niederlage - lediglich drei Siege zu Buche. Die Frage, die sich mir dabei noch immer stellt ist: Wie erreicht er diese Effizienz?
Über den Einsatz wird es nicht erreicht werden können, denn der stimmt. Zuletzt lief man gegen Düsseldorf sogar stattliche 123 Kilometer, was ligaweit überdurchschnittlich ist. Und das trotz 69 Prozent Ballbesitz. Mit anderen Worten: Viel hinterhergelaufen ist man nicht. Und trotzdem war man permanent in Bewegung. Oder ist es vielleicht genau das? Ist die Mannschaft zu viel unterwegs, sodass die Konzentration für den letzten Abschluss fehlt? Walter verneint dies vehement. Immer wieder.
„Wir wollen weiter mit Ballbesitz ins Spiel kommen“, sagte Walter, der noch immer auf der Suche nach dem optimalen Nebenmann von Torjäger Robert Glatzel (6 Saisontreffer) ist, dem bisher oft die Unterstützung in vorderster Front gefehlt hat. Zudem betonte Walter, dass er seine Spielphilosophie auch gegen den SC Paderborn nicht ändern werde. Ich wollte vom Trainer auf der PK heute wissen, ob man angesichts der schnellen Spieler im Paderborner Angriff etwas umstellen müsse und vielleicht etwas mehr absichern müsse als zuletzt beispielsweise gegen Düsseldorf. Vorweg: Ich habe die Antwort nicht wirklich verstanden und will hier nichts falsch interpretieren. Daher die Frage an Euch: Versteht Ihr, was der Trainer meint (PK-Video Minute 4:58 bis Minute 5:58):
„Ich glaube, dass die Idee von Paderborn eine andere ist. Wir sind die Mannschaft, die über Ballbesitz die Chancen kreieren will und sie sind eher die Mannschaft, die kompakt steht und vielleicht in Situationen andere zustellt und dadurch Chancen kreiert. Es geht nur um die Philosophie. Wir versuchen unsere Philosophie so zu händeln, dass wir trotzdem positive Ergebnisse erarbeiten. Der Ansatz ist aber trotzdem, wie arbeiten wir in unserer Philosophie. Und darin sind wir uns ganz klar, ist sich der Verein ganz klar. Und deswegen wird man dann sehen, wie wir am Freitag agieren.“
Da Walter im Anschluss davon sprach, dass der eingeschlagene Weg vereinsintern und auch vereinsextern sehr positiv wahrgenommen wird, gehe ich mal davon aus, dass er uns sagen wollte: Ich mache so weiter wie bisher! Und: Sollte das der Fall sein, wird die Wahrscheinlichkeit eines Spektakels, wie es der ehemalige HSV-Jugendtrainer und -Jugend-Chefscout Fabian Wohlgemuth heute prognostizierte. „Die Jungs sind immer bereist, alles zu investieren. Nach vorn wie nach hinten. Manchmal stellen wir uns nicht so gut an, wie beim Gegentor. Aber dass alle nach vorn wie nach hinten mitarbeiten, das ist die Intention. Nach vorn müssen wir etwas genauer werden.“
Und an diesem Punkt drehen wir uns weiter im Kreis. Alle wissen, dass der HSV vorn effizienter werden muss – aber keiner weiß, wie man das umsetzt. Allein das Fordern von Effizienz aber wird den HSV nicht effektiver machen. Interessant übrigens, was Walter zum Ende der PK hin sagte: „Je fitter ich bin, desto konzentrierter bin ich.“ Meine Schlussfolgerung für heute: Walter weiß selbst nicht wirklich, wie er die Effizienz herstellen kann. Zumindest nicht, ohne von seinem geliebten, höchst laufintensiven Spiel abzuweichen. Und das wird er nicht, zumal er sagt: „Die Statistik, dass wir die meisten Torchancen haben, ist nicht schlecht. Denn genau das ist ja unser Ansatz.“
Das kann man natürlich so sehen. Oder auch nicht. Ich persönlich finde es spannend, wie Walter die Mannschaft in Bewegung gebracht hat. Ich freue mich, dass der HSV in jeder Sekunde des Spiels in der Lage ist, ein Tor zu machen. Aber: Ich ärgere mich darüber, dass er es eben nicht genug macht und parallel dazu defensiv viel zu offen steht. Ich ärgere mich zudem darüber, dass der HSV in Sachen Großchancen Zweitligaspitze ist, während er in Sachen Chancenauswertung im Tabellenkeller haust. Und am allermeisten ärgere ich mich darüber, dass selbst zehn Tage mit immer denselben Erkenntnissen nicht ausreichen, um auch von Trainerseite mal zu sagen: Okay, ich muss hier und da ein wenig verändern, um den Aufwand und en Ertrag in Einklang zu bringen.
Mathematisch ist das übrigens auch leicht erklärt: Ich kann 100 Prozent eben nicht in 80 Prozent Offensive und 80 Prozent Defensive aufteilen, sondern muss genau das Maß finden, mit dem meine Mannschaft effektiv spielt. Soll heißen: Der Trainer muss die Antwort finden. Er muss die entsprechenden Veränderungen vornehmen, die entsprechenden Vorgaben an seine Mannschaft übermitteln. Denn ein reines „weiter so“ wird nicht funktionieren. Das sage ich schon seit dem ersten Spieltag. Und so gern ich mich geirrt hätte - leider muss ich das auch heute noch so sagen. Zu hören, dass Walter die eigene Ausrichtung als unverändert richtig erachtet, macht mich nicht besonders optimistisch.
Personell ist beim HSV soweit alles im Lot. Es fehlen lediglich die schon länger verletzten fehlenden Stephan Ambrosius, Josha Vagnoman und Maximilian Rohr in der Defensive sowie Ersatztorhüter Tom Mickel.
In diesem Sinne, bis morgen. Da melde ich mich wieder um 7.30 Uhr mit dem MorningCall bei Euch! Und dann noch eine wichtige Ankündigung für Freitag, wo wir wieder ab 18 Uhr live via Youtube von der Auswärtscouch berichten. Diesmal zu Gast sind die Vollblut-HSVer vom Podcast "HSV, meine Frau". Aber dazu morgen noch mehr...
Bis dahin,
Scholle
P.S.: Dass Walter der Satz „was habe ich für Spieler“ um die Ohren gehauen wird, ist mehr als unfair. Die Überschrift in er SportBild ist bewusst so gewählt, um Leser in den Text zu ziehen. Im Text selbst wird die suggerierte Unzufriedenheit Walters schnell von ihm selbst widerlegt. Von daher sehe ich auch keinen „Wirbel“ durch Walters Aussage aufkommen. Und dann noch eine wichtige Nachricht von den Supporters für alle Auswärtsfahrer:
ZUM HSV-AUSWÄRTSPIEL BEIM KARLSRUHER SC AM 6. NOVEMBER BIETET DER SUPPORTERS CLUB ERSTMALS SEIT LANGER ZEIT WIEDER EINEN SONDERZUG FÜR HSV-MITGLIEDER UND -FANS AN. HIER GIBT ES ALLE INFOS.
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