Der HSV braucht keinen Trainerwechsel - aber Walter sollte schnellstmöglich nachjustieren
Kritisiert man den HSV, wird man Hater. Lobt man den HSV, hat man die rosarote Brille auf. Dazwischen? Wenig bis nichts! Allein die Reaktionen auf meinen gestrigen Blog und das…

Kritisiert man den HSV, wird man Hater. Lobt man den HSV, hat man die rosarote Brille auf. Dazwischen? Wenig bis nichts! Allein die Reaktionen auf meinen gestrigen Blog und das Blitzfazit zeigen mir, dass es hier in Hamburg nahezu unmöglich ist, konstruktiv zu arbeiten. Denn zu Verbesserung gehört Kritik ZWINGEND dazu. Aber dieses Thema hatten wir hier schon so oft, dass wir es nicht noch einmal neu aufmachen müssen. Jeder kann, darf und soll seine eigene Meinung haben und diese auch vertreten. So, wie ich meine vertrete. Auch jetzt, wo ich von einigen Seiten als HSV-Hasser bepöbelt werde, stehe ich zu 100 Prozent zu dem, was ich gestern gesagt und geschrieben habe. Und ich diskutiere gern sachlich mit allen, die daran Interesse haben. Und nur, um denen, die an einer sachlichen Diskussion interessiert sind, noch einmal zu verdeutlichen, was ich meine, fasse ich das alles noch einmal ganz deutlich und kurz zusammen:
- Ich finde den neuen Weg über junge Spieler beim HSV nicht nur gut, sondern richtig, wichtig und mehr als notwendig
- Ich finde, dass Walter den nötigen Mut vorlebt und damit überhaupt erst die Tür zu diesem neuen, jungen Weg aufgemacht hat (siehe David, Suhonen, Alidou)
- Ich finde, dass Walter neben den jungen Spielern auch arrivierten Spielern wie Schonlau, Heyer, Meffert, Glatzel und Kittel guttut, indem er ihnen uneingeschränkt sein Vertrauen schenkt.
- Ich finde das Offensivspiel des HSV spannend, weil es immer einen eigenen Treffer bescheren kann
- Ich finde, Walter bewegt mehr innerhalb dieses Teams und dem HSV, als seine letzten fünf Vorgänger zusammen.
- Ich finde, dass der HSV das erste Mal seit vielen Jahren einen echten Umbruch vollzieht und wirklich einen neuen Weg geht, den er unbedingt weitergehen muss.
Ich finde aber eben auch,…
7. dass der neue HSV-Weg hier und da Korrekturen bedarf, weil eben noch vieles über „Try and Error“ geht.
8. …dass der HSV offensiv im Abschluss nicht die Qualität hat, um defensiv ein derart hohes Risiko über eine ganze Saison hinweg zu tragen
9. …dass der HSV in Paderborn stark, in Nürnberg sehr gut und gegen Kiel in der zweiten Halbzeit nicht mehr anwesend war, weil die Kräfte nachgelassen haben und damit dem spektakulären Offensivspiel des HSV die Basis entzogen wurde
10. …dass dem HSV nicht nur in der Situation gegen Kiel der Plan B, C und D gefehlt hat, sondern generell in bislang fast allen Spielen gefehlt hat
11. …dass Walter es den Gegnern mit seinem intensiven, lauffreudigen aber eben auch immer gleichen Spielsystem unnötig leicht macht, den HSV zu ärgern.
Mit anderen Worten: Ich hasse den HSV!
Oder etwa nicht?
Nein, es ist ganz das Gegenteil! Und: Ich bin grundsätzlich und zu 10000000 Prozent davon überzeugt, dass die Punkte 1 bis fünf ausreichen, um Walter weiter das Vertrauen auszusprechen. Ich bin gegen eine Trainerdiskussion und ganz sicher gegen einen Trainerwechsel, weil der diesem HSV nicht helfen würde. Wenige Trainer haben den Mut, den Walter hat. Aber das alles befreit Walter nicht davon, sich Kritik gefallen lassen zu müssen. Alle machen Fehler – auch er. Und das darf er sehr gern auch! Das Entscheidende ist nur, dass daraus gelernt wird.
DER HSV TRIFFT IM DFB-POKAL-ACHTELFINALE
(18. / 19. JANUAR 2022) AUSWÄRTS AUF DEN 1. FC KÖLN
Und: Es ist auch längst kein Bruch im eigenen Stil, wenn man angesichts von Erfahrungen aus den Spielen Korrekturen, Anpassungen oder auch Veränderungen vornimmt. Im Gegenteil: Das ist schlau und macht besser. Denn ebenso wie sich die Spieler weiterentwickeln (sollen), entwickelt sich das eigene Spiel, weil sich die Gegner darauf einstellen. Dass bislang noch alle Mannschaften gegen den HSV auf schnelles Umschaltspiel setzen, ist sicher kein Zufall. Dass der HSV damit immer wieder Probleme hat - auch nicht.
Dass der HSV nach bislang fast jedem Spiel von mangelnder Effizienz bei der Chancenauswertung spricht, kann man so hinnehmen und auch nach 12 Spieltagen hoffen, dass plötzlich der Knoten platzt und alles gut bzw. besser wird. Aber man MUSS es nicht! Man kann inzwischen mit Hilfe der Spielverläufe die These belegen, dass dieser HSV offensiv nicht in der Lage ist, so viele Tore zu schießen, dass man das damit einhergehende defensive Risiko ständig auffängt (Punkt 7).
Vor allem aber müssen wir uns in einem Punkt klar sein: Wenn wir diesen jungen Weg genau so gehen wollen, dann müssen wir Geduld haben – das ist klar. Aber „Geduld haben“ bedeutet für mich, dass ich meinen Umgang mit Fehlern den jungen Spielern anpasse. Sie verdienen Zeit und Ruhe. Die Fehlertoleranz ist höher als bei den Routiniers. Dabei gilt es aber mindestens genau zu beobachten, ob alle aus den zuvor gemachten Fehlern lernen. Das ist bei den meisten Spielern bislang der Fall, weshalb ich den aktuellen Weg weiterhin als grundsätzlich richtig erachte. Ich setze auch keinen Aufstieg voraus, sondern die Entwicklung allem voran. Und das bei allen Spielern – UND auch beim Trainer, der bislang sehr viel richtig gemacht hat, aus meiner Sicht aber zu stur an einem System festhält, für das die offensive Effizienz nachweislich nicht ausreicht.
Und genau diese Sturheit darf sich auch Walter nicht erlauben, weil sie den HSV weiterhin viele unnötige Punkte kosten wird. Sage ich. Hier wird ein richtig guter Gedanke zum Prinzip – und das ist im Fußball nicht gut. Dafür verändern sich von Tag zu Tag einfach zu viele Parameter. Von den eigenen Spielern bis zu den Gegnern - alle(s)! Soll heißen: Der Walter-Weg wäre aus meiner Sicht auch dann weiterhin der Walter-Weg, wenn der Namensgeber selbst seine Vorgaben hier und da korrigiert. Das mussten vor ihm schon die größten Trainer – und meiner Meinung nach muss Walter das jetzt auch. Oder kennt Ihr ein wirklich erfolgreiches Team, dass dauerhaft ohne Plan B und/oder Plan C durchgekommen ist?
Ich auch nicht.
Von daher einen lieben Gruß – ernsthaft nett gemeint – an alle, die via soziale Medien gegen mich schießen. Und das verbunden mit dem Vorschlag: Versucht doch einfach mal zu sehen, wie wir in der aktuellen Situation bzw. in der aktuellen Konstellation besser werden können! Ich bin überzeugt: Dazu gehört es zwingend, alles immer wieder kritisch zu hinterfragen, ohne personell wieder aktionistisch Trainer zu feuern. Denn sind wir irgendwann nicht mehr kritisch, ist es zu spät.
Fazit: Walter muss bleiben und braucht weiter Rückendeckung. Von mir hat er sie. Denn er soll auch weiter mutig spielen lassen und dabei auf junge Spieler setzen, weil das dem HSV sehr guttut. Aber Walter muss sich eben genauso auf die Gegner einstellen, wie sich die Gegner inzwischen auf dieses HSV-Spiel eingestellt haben. Ich glaube, dass Walter die Gegner mit kleinen Korrekturen vor deutlich größere Probleme stellen würde, als aktuell. Damit wäre es sogar eine Win-win-Sitution...
In diesem Sinne, bis morgen. Im Anhang findet Ihr noch einen Aufruf der Initiative "für den HSV", dem ich mich anschließe.
Scholle

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