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Der HSV braucht einen dritten Vorstand

Wir waren einige Tage offline. Was anfänglich nur für ein Wochenende angedacht war, hat sich dann über die gesamte letzte Woche gezogen. Sollte sowas noch mal so spontan…

Der HSV braucht einen dritten Vorstand

Wir waren zwei Wochen offline. Was anfänglich nur für ein langes Wochenende angedacht war, hat sich dann über die gesamte letzten beiden Wochen gezogen. Sollte sowas noch mal so spontan passieren, werde ich mich hier mitteilen, damit alle Bescheid wissen. Die sehr respektvollen Kritiken diesbezüglich nehme ich zu 100 Prozent an und entschuldige mich dafür ganz herzlich bei Euch. Das schon mal vorweg.!

Das einzig Gute daran: Wir haben in der vergangenen Woche rein gar nichts verpasst. Der HSV macht Sommerpause, der neue Vorstand Sport muss sich erst noch einarbeiten und mit seinen Mitstreitern auf sportlicher Ebene alles besprechen. Intern wird weiter an der Strategie gefeilt, mit der Steffen Baumgart in der neuen Saison das schaffen soll, was bislang noch keiner beim HSV geschafft hat. Dafür gilt es aktuell, das Personal stimmig zusammenzustellen. Wie wir von MoinVolkspark das machen würden, könnt Ihr hier sehen und hören:

Übrigens: Dass auf der Pressekonferenz bei der Vorstellung von Stefan Kuntz vom Aufsichtsratsvorsitzenden der Plan ausgerufen wurde, für den Aufstieg die nächsten zwei (!) Jahre Zeit zu haben, darf man als unbedacht abhaken. Oder vielleicht eher taktisch? Fakt ist: egal wie oft man das sagt, die Erwartungshaltung wird in Hamburg angesichts der Investitionen und der immer wieder betonten Größe des Klubs die sein, dass man aufsteigt. Allein wenn man personell so agiert, dass zum einen der Etat drastisch gesenkt werden kann und zum anderen viele Talente dazustoßen, könnte das die generelle Erwartungshaltung verändern.

Aber hier werden wir in den nächsten Wochen erkennen, mit welchem Ansatz der HSV wirklich in die Saison 2024/25 startet.

Mir ist bei der Pressekonferenz von Kuntz so einiges durch den Kopf gegangen, von dem ich dachte, dass sich das so nicht halten werde. Beispielsweise die TV-Expertenrolle Kuntz‘ ist angesichts der Fülle seiner Arbeit für den HSV nicht aufrecht zu erhalten. Und diesen Schlussstrich hat Kuntz heute offiziell vollzogen. Eine sehr richtige und noch wichtigere Entscheidung! Auch, weil es den schon lauernden Kritikern aus den eigenen Reihen ein wenig Wind aus den Segeln nimmt. Denn die Fraktion Felix Magath ist weiterhin alles andere als amused über die Entscheidung des Aufsichtsrates.

Aber zurück zur PK, auf der Aufsichtsratschef Michael Papenfuß bei einem seiner ersten Podiums-Auftritte als Aufsichtsratsvorsitzender sagte, dass man sich für die Zeite Liga gegen einen dritten Vorstand entschieden habe. Eine Entscheidung, die ich nicht nachvollziehen kann. Und eine Entscheidung, die ich für falsch erachte. Schon zu zeiten mit Jonas Boldt war es falsch, den Vorstand in seiner Wohlfühloase zu belassen. Denn sobald sich beide Vorstände jeweils nicht in die Quere kommen (Boldt und Eric Huwer waren/sind sogar befreundet), fehlt an oberster Stelle ein Stück Leistungskultur. Denn auch hier gilt, dass unterschiedliche Sichtweisen inhaltlich helfen, den HSV zu verbessern.

Für mich ist der dritte Vorstand, der die Rolle des Vorsitzenden einnehmen müsste, eine unverzichtbare Position für einen HSV, der weiterhin mit einem Mannschaftetat von mehr als 20 Millionen Euro und einem Umsatz um die 100 Millionen Euro kalkuliert. In einem Unternehmen dieser Größenordnung bedarf es dem kontrovers-konstruktiven Austausch. Da müssen – nein, da sollten die Vorstände keine Freunde im Privaten sein, sondern Brüder/Schwestern im Geiste. Alles muss dem Erfolg des HSV untergeordnet werden – auch persönliche Eitelkeiten. So, wie es einst bei dem mehr als ungleichen Trio Hoffmann/Beiersdorfer/Reichert (später Kraus) der Fall war. Denn obgleich nicht zu leugnen war und ist, dass in derart ungleichen Konstellationen auch sehr gute Entscheidungen blockiert wurden und würden, verursacht der Leistungsdruck auf diesen Vorstand eine ungleich höhere Motivation, als wenn der Nebenmann/die Nebenfrau einen in Ruhe sein Ding machen lässt. Und Fakt ist auch: engmaschige Kontrolle vom Aufsichtsrat muss ein HSV-Vorstand wohl eher nicht befürchten…

Wichtig am dritten Vorstand in der aktuellen Konstellation wäre vor allem, dass Kuntz geschützt wird, bis er sich eingelebt hat. Es nützt nichts, einen neuen starken Mann an die sportliche Spitze zu setzen und dann zu hoffen, dass der das Ding schon allein wuppt. Im Gegenteil! Es gab und gibt hier viele, die nicht verstehen, weshalb ich die Ablösung Boldts zum jetzigen Zeitpunkt als kritisch erachte. All denen sei gesagt, dass Boldt zuletzt – zweifellos um seinen Job zu retten – immer wieder einen dritten Vorstand ins Gespräch brachte, obgleich er das zuvor kategorisch ausgeschlossen hatte. Aber: Boldt wusste im Gegensatz zu Kuntz, wo die Heckenschützen im HSV sitzen und wie das sehr schwierige, politische HSV-Feld bestellt ist. Boldt konnte sich behaupten und durchsetzen. Ob Kuntz das kann, bleibt abzuwarten.

Und mindestens zu Beginn seiner Amtszeit wird Kuntz Hilfe brauchen, um sich zurechtzufinden. Ich habe die Art von Kuntz gefeiert, weil ich genauso ticke, wie er sich präsentiert hat. Kuntz sprach davon, hier im Team Großes bewegen zu wollen. Er machte Mut, wirkte motivierend und wie ein absoluter Teamplayer. Er lobte seine Vorgänger, versprach den Angestellten Sicherheit und betonte, man wolle nur kleine Rädchen nachjustieren, um den großen Wurf zu schaffen und „gemeinsam als HSV“ aufzusteigen. Kuntz sprach wie ein Trainer und wirkte wie jemand, der mit extrem sehr viel Herzblut und Fußballdenken an die Sache herangeht. Kuntz sprach wie jemand, mit dem man gern zusammenarbeiten wolle. Er sprach und wirkte allemal nicht ansatzweise so kühl und kalkulierend wie Boldt.

Aber: so fußballromantisch er bei seiner Präsentation auch rüberkam, intern wird er härtere Bandagen anlegen müssen. So, wie Boldt es über die Jahre lernte und tat. Denn intern warten sehr viele, die beweisen wollen, dass ihr Kandidat der bessere ist. Und nicht selten sind das Menschen, die einen Kuntz vorn herum anlächeln, um hintenrum Stimmung gegen ihn zu machen. Darauf muss Kuntz gefasst sein. das muss er schnell lernen. Und genau, weil ich befürchte, dass das eine ganze Weile dauern wird, bis Kuntz sein direktes Umfeld gänzlich einzustufen weiß, hätte ich mich sehr darüber gefreut, wenn der HSV einen Vorstandsvorsitzenden gefunden und eingesetzt hätte, der viel von diesen Nebenkriegsschauplätzen abfedert, weil diese Kuntz in seiner Arbeit nur unnötig stören werden. Aber auch grundsätzlich wäre ein Vorstandsvorsitzender, der die nötige Robustheit und Klarheit mitbringt, wichtig. 

Auf die Mannschaft bezogen fallen aktuell einige Namen, die allesamt nicht bestätigt sind und oftmals im Zusammenhang mit vorherigen Stationen Baumgarts stehen. Dass der Kader frühzeitig zusammengestellt sein wird, würde ich angesichts der aktuellen Situation nahezu ausschließen. Zumal auch die EM n och bevorsteht und sich auch hierdurch der Markt (zumeist oberhalb der HSV-Regalhöhe) mächtig bewegen wird. Daher bleibt es aktuell diesbezüglich ruhiger, als es vielen lieb ist. 

In diesem Sinne, ich melde mich am Montag wieder bei Euch – es sei denn, die Aktualität verlangt etwas anderes…

Scholle

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