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Der große Moment rückt näher! Ticket-Wahnsinn beim HSV

Es kam alles wie erwartet: Der Server war sofort überlastet, die allermeisten HSV-Fans mussten warten, warten – und noch mal warten. Am Ende zumeist erfolglos. Denn das letzte…

Der große Moment rückt näher! Ticket-Wahnsinn beim HSV

Es kam alles wie erwartet: Der Server war sofort überlastet, die allermeisten HSV-Fans mussten warten, warten – und noch mal warten. Am Ende zumeist erfolglos. Denn das letzte Heimspiel dieser Saison, das die meisten HSV-Fans als das letzte Zweitligaspiel der HSV-Geschichte vermuten, war binnen Rekordzeit ausverkauft. „Ticket-Wahnsinn beim HSV: Letztes Heimspiel nach einer Stunde ausverkauft“, titelten die Kollegen der Mopo, und einige meiner Bekannten behaupten, dass es nicht annähernd eine Stunde gedauert habe. Mehr als 100.000 Anfragen für Tickets habe es gegeben. Und das sei noch konservativ berechnet.

Ein großartiger Tag soll es sportlich für den HSV werden – finanziell ist er es dank der neuerlichen Millioneneinnahme schon jetzt. Und das sogar noch mehr als sonst schon im teuersten Zweitligastadion Deutschlands, das so oft wie nie zuvor ausverkauft war bzw. sein wird. Denn auch das vorletzte Heimspiel gegen Karlsruhe dürfte ausverkauft sein. 13 der insgesamt 17 Heimspiele wären das, insgesamt wird der HSV einen Zuschauerschnitt von 56.325 – eine 99-prozentige Auslastung – erreichen. Und das in der bereits siebten Zweitligasaison. Wahnsinn! Der HSV kann mehr denn je auf seine Fans setzen!

Die Fans haben jahrelang gelitten und durchgehalten - jetzt ist Zeit für Payback!

Vor allem mehr, als man es sich sportlich verdient hat. Sechs verpasste Aufstiege hätten andernorts abgeschreckt – nicht so beim HSV. Hier scheinen die Fans ein ganz feines Gespür dafür entwickelt zu haben, wann ihr Verein sie am meisten braucht. Und sie waren da. Nein: Sie sind immer noch da. Das Ergebnis ist eine inzwischen ganz besonders enge Bindung zum Klub, mit der sich die HSV-Verantwortlichen immer wieder stolz brüsten. Zurecht, wie ich finde.

Allerdings habe ich ein Problem mit der Haltung des HSV. Denn der HSV ist in dieser Beziehung mehr Empfänger als Geber. Vor allem in den letzten, nun fast sieben Jahren Zweite Liga. Die Fans sind hier – im wahrsten Sinne des Wortes – immer wieder in Vorkasse gegangen. Zuhause und auswärts war man immer maximal vertreten. Die Fans haben alles – und ein bisschen mehr – dafür aufgewendet, das gemeinsame Ziel Aufstieg zu schaffen. Sie haben die neuerlichen Enttäuschungen jahrelang weggesungen und den HSV ungebrochen supportet. Der HSV, die Mannschaft und die Trainer haben sehr viel von außen bekommen über die letzten Jahre. Da wird es doch langsam Zeit, endlich mal ein wenig zurückzuzahlen, oder?

Sportlich scheint man hier auf einem guten Weg, zugegeben. Aber das hat man auch nur schaffen können, weil von außen diese unbedingte Unterstützung da war. Dass man jetzt endlich die Chance hat, es sportlich zu danken, ist das eine – möglichst viele seiner Unterstützer in diesem Moment mitzunehmen, ist das andere. Aber diese mehr als offensichtliche Chance, diese naheliegende Entscheidung hat der HSV mal wieder zugunsten von Mehreinnahmen vergeben. Mit der Aktion gegen Ulm (knapp 100 Euro kostet eine Karte in der Kategorie A, in der günstigsten Sitzplatzkategorie geht es mit 38 Euro los), bei der es nicht einmal einen freien Vorverkauf gab, sondern nur an Mitglieder verkauft wurde, zeigt der HSV wieder, dass es Dankbarkeit eben nicht gibt. Mein Kommentar zur erneut verpassten Chance:

KOMMENTAR

Chance vertan! Wenn alles teurer wird ...

Es ist nicht zu übersehen. Nicht mehr zu überhören. Und längst nicht mehr zu ignorieren: Die Welt wird teurer. Alles wird teurer. Das Leben selbst hat seinen Preis – und der steigt von Woche zu Woche, von Monat zu Monat. Für Lebensmittel, für Strom, für Wohnen, für Mobilität, für einfach alles. Die Inflation mag auf dem Papier sinken – im Portemonnaie vieler Menschen aber spürt sich das anders an. Da bleibt weniger übrig, obwohl man nicht weniger gibt. Viele müssen sich mittlerweile entscheiden: zwischen dem, was nötig ist, und dem, was ihnen guttut.

Und gerade in dieser Zeit, in der der Kapitalismus seine hässlichste Fratze zeigt, trifft es besonders hart, wenn auch die Herzensorte nicht länger heilig sind. Wenn selbst die Liebe ein Preisschild bekommt, das sich leider viele der unerschütterlichen, treuen Freunde nicht mehr leisten können.

Ja, der HSV spielt eine großartige Rückrunde. Das Trainerteam beweist, dass Erfolg und Nahbarkeit sehr wohl Hand in Hand gehen können. Und ja, das letzte Heimspiel gegen den SSV Ulm verspricht ein großartiges Fußballfest zu werden – es könnte das Spiel werden, auf das eine ganze Stadt, ein ganzer Verein, diese so oft gelobte, treue Fanbasis seit sieben langen Jahren wartet: der Wiederaufstieg in die Bundesliga.

Aber was der HSV für dieses Spiel aufruft, schmerzt. Und zwar nicht nur auf dem Konto. Die Ticketpreise für das vielleicht wichtigste Spiel seit dem Abstieg sind astronomisch. Mondpreise für die Zweite Liga. Und so verständlich es aus betriebswirtschaftlicher Sicht auch sein mag – so enttäuschend ist es aus emotionaler. Denn der HSV kann es sich leisten, so viel zu verlangen. Weil die Leute es bezahlen. Weil sie sich ihren Platz im Stadion notfalls absparen. Für sie kennt die Liebe keinen Preis, weil sie dabei sein müssen. Weil es ihr Verein ist.

Doch gerade deshalb hätte der HSV in diesem Moment Größe zeigen können. Nein – Größe zeigen müssen.

Nicht, indem er den größtmöglichen Profit aus dem größten Moment schlägt. Man ist dank seiner Anhänger schon weit über dem anfänglich kalkulierten Zuschauerschnitt. Nein, der HSV hätte sich bei all jenen bedanken können, die immer da waren. Bei Wind und Wetter. In der zweiten Liga, Woche für Woche, Jahr für Jahr. Gegen Sandhausen, gegen Regensburg, gegen Wiesbaden, gegen Münster – und eben jetzt auch wieder gegen Ulm. Sie haben das Stadion auch dann gefüllt, wenn der sportliche Tiefpunkt wieder einmal erreicht war, Trainer und Mannschaft neuerlich versagten. Diese Fans haben ihr Herz nie vom Preis abhängig gemacht.

Ein Zeichen der Dankbarkeit wäre da angebracht gewesen. Ein Preisdeckel. Eine Sonderaktion. Irgendetwas, das nicht so brutal nach Kalkül riecht, sondern nach Charakter. Ein „Danke“, das man nicht nur in Marketingkampagnen schreibt und großspurig in die Kameras parliert, sondern eines, das sich in der Preispolitik spürbar macht.

Aber stattdessen: Kapitalismus pur. So wie draußen, so jetzt auch drinnen. In einer Welt, in der die Schere zwischen denen, die können, und denen, die nicht mehr mithalten können, immer größer wird, hätte der HSV einmal auf der richtigen Seite stehen können. Stattdessen beugt auch er sich dem Profit. Erneut. Und er verliert damit – wenigstens ein kleines Stück – Seele.

Und für alle, die jetzt aufschreien und mir vorwerfen, das Business nicht zu verstehen: Doch, das tue ich. Ich bin auch Realist genug, um zu wissen, dass die Fans auch das verzeihen werden. Und das macht diese Fans ja so sympathisch. Deswegen schreiben und sprechen wir hier ja auch immer wieder über die vielleicht besten Fans, die der HSV jemals hatte. Aber der HSV sollte das nicht nur ausnutzen. Er hätte sich zumindest keinen Zacken aus der Krone gebrochen, wenn er diesmal etwas zurückgegeben hätte. Immerhin hätte er ja nicht auf geplante Einnahmen verzichten müssen, sondern einfach nur auf überraschend möglich gewordene Mehreinnahmen verzichtet.

Wobei, ich hätte da einen Vorschlag zur Güte: Sollte der HSV tatsächlich an dem Spieltag die Rückkehr in die Erste Liga festmachen oder sogar schon feiern können, könnte er mit den Mehreinnahmen ein Public Viewing veranstalten, um den vielen enttäuschten Fans, die kein Ticket bekommen haben, zumindest ein bisschen Party- bzw. Stadionatmosphäre zu schenken. Verdient haben die Fans das. Mehr als genug.

In diesem Sinne – morgen werden wir dann wieder sportlich und berichten darüber, wie weit die zuletzt ausgefallenen Dennis Hadzikadunic, Jonas Meffert und Davie Selke sind und wer am Freitag gegen Braunschweig spielen wird. Zudem werden wir uns morgen wieder von den beiden Experten Stefan Schnoor und Tom erläutern lassen, worauf es am Freitag am meisten ankommen wird.

Bis dahin!
Scholle

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