Spielbericht

Der Dudziak-Schock

Der HSV kann auch nach dem Corona-Fall um Simon Terodde seine Vorbereitungen auf das Heimspiel in der 2. Fußball-Bundesliga gegen den 1. FC Heidenheim fortsetzen. Während sich…

Der Dudziak-Schock

Der HSV kann auch nach dem Corona-Fall um Simon Terodde seine Vorbereitungen auf das Heimspiel in der 2. Fußball-Bundesliga gegen den 1. FC Heidenheim fortsetzen. Während sich Terodde in Quarantäne befindet, unterzogen sich am Mittwoch die Spieler sowie das komplette Trainer- und Betreuer-Team erneut Schnelltests. Diese fielen allesamt negativ aus, wie der HSV auf Anfrage bestätigte. Weitere Schnelltests am Donnerstag seien sehr wahrscheinlich, ehe am Freitag der obligatorische PCR-Test anstehe. Das Heimspiel gegen Heidenheim am Sonnabend  (13.00 Uhr) soll wie geplant stattfinden. Allerdings: Nach dem schwer wiegenden Ausfall von Simon Terodde vielleicht auch ohne Jeremy Dudziak.

Denn der wichtigste Mann im offensiven Mittelfeld (behaupte ich) musste das heutige Training verletzungsbedingt abbrechen. Die linke Schulter! „Ich hab die Szene selber nicht gesehen“, sagte Trainer Daniel Thioune nach der Einheit. „Aber er hat sich dann die Schulter gehalten. Diese Bewegung haben wir ja schon von ihm gesehen im vergangenen Jahr. Vielleicht war es nur ein Schreckmoment und er ist morgen wieder dabei.“ So hofft es Thioune, der die genaue Diagnose genau wie alle anderen abwarten muss. Morgen soll die dann kommen und bis dahin heißt es: Daumen drücken. Denn Dudziaks Ausfall wäre zusammen mit dem sicheren Ausfall Teroddes ein schwerer Schlag.

Terodde und Dudziak nicht dabei - das wäre hart!

Dass ich Dudziak für den wichtigsten Mann im Kreativbereich des HSV halte, muss ich nicht noch einmal betonen. Keiner schafft es wie er, das Tempo im Spiel nach vorn so hochzuhalten, dass man den Gegner überraschen kann. Dudziak ist zudem einer der ganz wenigen im Kader, der mal das Eins gegen Eins sucht und gewinnt. In Sachen Torabschluss ist das alles noch ausbaufähig, ganz klar. Aber selbst in der Rückwärtsbewegung gewinnt Dudziak mehr Zweikämpfe als die meisten anderen im Team.

Ergo: Dudziak ist fast so schwer zu ersetzen, wie es Ausnahmestürmer Simon Terodde für Sonnabend eh schon ist. Da kommt es gut gelegen, dass David Kinsombi nach seiner Pause offenbar für Sonnabend wieder zur Verfügung steht. Der Mittelfeldspieler absolvierte heute ebenso wie Toni Leistner und Klaus Gjasula schon wieder Balltraining und wäre sicher eine Alternative für Dudziak, dessen Position er sich dann zusammen mit Aaron Hunt teilen könnte, während gegen Heidenheim nominell ein Sechser reichen muss.

Und während ich noch am Telefon einen guten Kollegen sagen höre, dass das eine ganz bittere Pille für den HSV sei und diese beiden nicht zu ersetzen seien, fühle ich mich ein wenig in meine Zeit als aktiver Amateur-Kicker zurückversetzt. Da hatten wir in meiner allerersten Herren-Saison am vorletzten Spieltag eine Partie, die vorentscheidende über Abstieg und Klassenerhalt hätte werden können. Soll heißen: Hätten wir verloren, wären wir abgestiegen, bei einem Sieg hätten wir vor dem letzten Spieltag einen Punkt Vorsprung auf den ersten Absteiger gehabt. Ein Unentschieden hätte uns die Möglichkeit verwehrt, den Abstieg aus eigener Kraft zu vermeiden. Und ausgerechnet in dieser Partie fielen unser Libero und Zentraler Mittelfeldspieler (früher hatten die Besten noch die Zehn auf dem Rücken) beide aus.

Dann muss es eben das Kollektiv richten

Qualitativ zu ersetzen waren die beiden nicht gleichwertig, das wussten wir. Aber wir wussten auch, dass wir dann eben einfach mehr machen mussten. Und ich behaupte: Das ist jetzt beim HSV nicht anders. Ein Wintzheimer und ein Wood wissen beide (wie wir), dass sie nicht die Qualität eines Terodde auf den Platz kriegen. Ein Kinsombi und ein Hunt haben nicht das Tempo und die Spielfreude eine Dudziak – und trotzdem behaupte ich, dass das Spiel gegen Heidenheim nicht schwächer werden muss. Im Gegenteil: Der Umstand, dass alle wissen, dass sie etwas mehr machen müssen, um den Qualitätsverlust aufzufangen, kann am Ende sogar dazu führen, dass es richtig gut wird.

So, wie damals bei uns, als wir gegen einen Aufstiegskandidaten plötzlich alle zusammen über uns hinauswuchsen und ein richtig gutes Spiel machten, in dem ein abgefälschter Freistoß unseres Gegners und deren Aluminium alles waren, was uns von einem hochverdienten Sieg trennte. Denn  das Spiel, das wir ablieferten, war unsere bis dato beste Saisonleistung. Mit anderen Worten: So bitter die beiden Ausfälle auch sind, so sind sie eben auch die Möglichkeit für andere, zu beweisen, dass es eben auch mit ihnen richtig gut funktionieren kann. 

Ulreich – Vagnoman, Heyer, Ambrosius, Leibold – Onana – Jatta, Hunt, Kinsombi, Kittel – Wintzheimer. So würde ich Stand heute aufstellen. Und ich hätte dabei absolut kein schlechtes Gefühl für Sonnabend. Obgleich Heidenheim alles andere als zu unterschätzen ist, ist diese HSV-Startelf in Bestform immer noch eine Mannschaft, die den Anspruch haben muss, das Heimspiel am Sonnabend zu gewinnen. Und sollte das wie gewünscht gelingen, hätte Trainer Daniel Thioune seinen Kader sogar noch einmal etwas breiter aufgestellt, als er es eh schon hat. Und auch das ist im Saisonendspurt ein ganz wesentlicher Faktor.  Zumal beispielsweise der Tabellenführer VfL Bochum (muss am Montag nach Düsseldorf) noch ein vergleichsweise hartes Restprogramm hat und Kiel durch den heute verkündeten Spieleausfall für Freitag (gegen Hannover) schon mal zwei Englische Wochen mehr hat, als der HSV.

Der Anspruch ist und bleibt, das Heimspiel zu gewinnen

Egal wie, ich halte es da wie immer: Wenn der HSV seine Hausaufgaben nicht nur macht, sondern sie gut macht, dann kann er sich am Saisonende mit dem Aufstieg belohnen. Auch nach Ausfällen wie denen von Dudziak und Terodde muss die Mannschaft selbst den Anspruch haben, den auch wir an sie stellen dürfen: Einen Heimsieg gegen Heidenheim. Und da im Anschluss zwei Wochen Regenerationszeit (Länderspielpause) anstehen, kann der HSV sogar noch einmal richtig tief Luft holen und die in Quarantäne und im Lazarett befindlichen Spieler anschließend wieder einsetzen. Von daher: Nicht jammern – einfach machen! 

In diesem Sinne, ich muss mich jetzt einem Teil meines zweiten aktuellen Projektes widmen und zusehen, mich langsam wieder in körperlich taugliche Verfassung zurück zu kämpfen. Soll heißen: Ich muss zum Sport. Von daher wünsche ich Euch allen viel Spaß mit dem neuen CommunityTalk und auch sonst einen schönen Abend. Und ich wünsche Simon Terodde schnelles Genesung und Jeremy Dudziak, dass es nicht so schlimm ist, wie befürchtet. 

Bis morgen, bleibt allesamt gesund und anständig! Auch hier im Forum…

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