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Der DFB-Pokal ist wichtig - die Liga aber deutlich wichtiger

DFB-Pokalwochenende. Ich mag es! Zumindest in der ersten Runde, wenn die ganzen Amateurclubs auf Profis treffen und es nimmer mal eine Überraschung gibt. Ich gucke gern Spiele,…

Der DFB-Pokal ist wichtig - die Liga aber deutlich wichtiger

DFB-Pokalwochenende. Ich mag es! Zumindest in der ersten Runde, wenn die ganzen Amateurclubs auf Profis treffen und es nimmer mal eine Überraschung gibt. Ich gucke gern Spiele, in denen David versucht, Goliath zu Fall zu bringen. Und ich bin fast immer auf der Seite  des Underdogs – abgesehen von Spielen des HSV. Hier bin ich nur für den Gegner, wenn es die Liga des Niendorfer TSV ist. Ansonsten hoffe ich darauf, nach 1987 noch einmal bewusst einen Titel im DFB-Pokal feiern zu können. Dann würde ich sogar wieder zu einem Pokalfinale nach Berlin fahren, was ich in den letzten Jahren immer wieder abgesagt hatte, trotz verschiedener Einladungen. Denn das Event allein ist es für mich nicht – ich brauche die Emotionen. Schon deshalb würde ich den Pokalwettbewerb immer ernst nehmen.

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Ich würde immer zusehen, dass die Mannschaft in ihren Abläufen nicht unnötig abgelenkt wird. Das passiert oft, wenn Trainer anfangen, zu viel zu rotieren. Bestes Beispiel sind immer die Testspiele, wenn die so genannte „zweite Reihe“ eingesetzt wird – und dann wenig überraschend im Ganzen nicht funktioniert. Erinnert sich noch jemand an das Bayern-Aus gegen Kiel im Elfmeterschießen? Ich ja. Aber ich kann euch heute nicht mehr sagen, wer auf Bayern-Seite gespielt hat, weil da so viel durcheinandergewürfelt wurde, dass mir das entfallen ist. Damals war es ein klarer Fall von „falsch aufgestellt“. Aber: Der HSV ist nunmal nicht der FC Bayern.

Trainer Walter hat Argumente, viel umzubauen

Und der HSV ist in der Liga auch noch nicht übermäßig stabil im Fluss. Im Gegenteil: Der HSV ist noch auf der Suche nach der Balance aus mutigem Offensivfußball und stabiler Defensive. Zudem muss die Dosierung des Läuferischen auf die 90 Minuten gleichermaßen verteilt werden, damit solche erste Halbzeiten häufiger vorkommen, und solche Einbrüche wie gegen Dresden zu Beginn der zweiten Halbzeit eben nicht mehr vorkommen.

Schon deshalb hat Trainer Tim Walter sehr gute Argumente, die Mannschaft aufzubieten, von der er sich am meisten Fortschritt für die Liga verspricht. Denn solange der HSV nicht zu den besten fünf, sechs Teams Deutschlands gehört – und davon ist man derzeit weiter weg als es den Verantwortlichen lieb ist – bleibt der Titel im DFB-Pokal auch als „kürzester Weg nach Europa“ trotzdem allerhöchst unwahrscheinlich. Und auch in dieser Saison muss gelten: Der komplette Fokus muss immer auf die Liga gerichtet sein. 

Wie ich aufstellen würde? Ich würde immer zusehen, dass meine Achse auf dem Platz funktioniert. Dazu würde ich angeschlagene Spieler nicht unnötig belasten und zusehen, dass die Spieler, von denen ich mir viel verspreche, in ein funktionierendes Gerüst eingebaut werden. Denn nur so können sie ihre ganze Qualität zeigen. Wenn sie zusammen mit sechs oder mehr sonstigen Reservisten auflaufen, können sie nicht sofort funktionieren wie eine eingespielte Mannschaft. Wie auch?

Um es mal auf Namen runterzubrechen: Hinten würde ich weiter mit Daniel Heuer Fernandes spielen. Der braucht nach den letzten Monaten noch mehr Sicherheit. Und die bekommt er mit der Berufung zur Nummer eins vom Trainer und über Einsatzzeiten. Zumal, wo bekannt geworden ist, dass der HSV eine potenziell neue Nummer eins als Konkurrenz zu Heuer Fernandes verpflichten will: Marko Johansson vom schwedischen Meister Malmö FF. Der 1,94-Meter-Mann bringt es immerhin auf 62 Erstliga- und 59 Zweitligapartien in Schweden.

Vagnoman, Muheim, Dudziak, Kittel und Kaufmann rein

Davor würde ich rechts Josha Vagnoman nach seiner Verletzung reinwerfen, da der HSV Alternativen auf allen Positionen braucht. Dass Vagnoman eine ist, ist wohl unstrittig. Da die Innenverteidigung noch nicht allzu eingespielt sein kann nach zwei Saisonspielen würde ich diese unverändert lassen. Links dagegen würde ich Miro Muheim statt Tim Leibold aufbieten. Zum einen, weil Leibold bislang in beiden Saisonspielen zum Ende hin schwächelte und ihm die Pause vor dem Stadtderby gut gebrauchen kann. Zum anderen, weil Muheim Spielzeit braucht. Und wer weiß, wie er diese nutzt? Vielleicht überragt er am Ende sogar und sorgt für eine Diskussion, wer von beiden Linksverteidigern denn nun der bessere ist.

Um die defensive Stabilität maximal zu halten, würde ich im defensiven Mittelfeld weiter mit Jonas Meffert spielen – sofern dieser denn einsetzbar ist. Ansonsten würde ich den aufbieten, der auch sonst die erste Alternative wäre. In diesem Fall würde also die Entscheidung zwischen Maximilian Rohr und Moritz Heyer fallen. Die Tendenz geht dabei zu letzterem, wobei ein Maxi Rohr auf der Sechs auch sehr spannend wäre.

Im offensiven Mittelfeld würde ich zusehen, Jeremy Dudziak schnellstmöglich wieder als echte Alternative zu aktivieren. Bedeutet: Er braucht Spielzeit. Zumindest dann, wenn man vereinsintern noch mit dem umstrittenen Linksfuß für diese Saison plant. Die könnte er aber erst einmal auch über einen Teileinsatz in der zweiten Halbzeit bekommen. Über die Außen würden bei mir Sonny Kittel und Manuel Wintzheimer spielen, vorne drin Mikkel Kaufmann, von dem ich mir noch viel erhoffe. Seine ersten Kurzauftritte waren auf jeden Fall vielversprechend. 

Bei mir wären es also doch fünf bis sechs Umstellungen – wobei eine davon erzwungenermaßen (Meffert/Heyer oder Rohr) stattfinden würde. Und wenn mir jetzt jemand entgegnet, dass das zu viele Umstellungen auf einmal sind – ich würde nicht widersprechen, weil das grundsätzlich stimmen kann. Aber ich würde es inhaltlich argumentieren können. Denn bei mir ist der Pokal wichtig – aber die Liga um ein Zigfaches bedeutender.

Der DFB-Pokal ist wichtig die Liga deutlich wichtiger

Okay, neben dem sportlichen Faktor kommt selbstverständlich auch noch der finanzielle Aspekt dazu. Und jedes Pokal-Weiterkommen bringt auch zusätzliches Geld mit sich. Aber auch hier gilt für mich: Nichts ist lukrativer als der Wiederaufstieg. Der Pokal ist Zubrot. Und so würde er bei mir auch in jeder Budgetierung auftauchen. 

Und während ich hier in vielen Konjunktiven schreibe, gab es heute auch Fakten. Zum Beispiel einen prominenten Trainingsgast bei der U21, wo Änis Ben-Hatira mittrainierte. Der vereinslose Offensivspieler hatte seinen früheren Trainer Horst Hrubesch um Hilfe gebeten, und dieser half. Dass Ben-Hatira beim HSV bleibt, soll aber kein Thema sein. Durchaus wieder zum Thema werden wollen die Rekonvaleszenten, von denen heute Vagnoman, Dudziak und Anssi Suhonen wieder voll mitmischten. Meffert (Rücken- und Nackenprobleme) indes wurde weiter geschont. Wann der Zugang aus Kiel wieder einsteigen kann, ist noch offen.

Oder wie würdet Ihr am Sonntag spielen lassen? Wie gewichtet Ihr die Saison und den DFB-Pokal? Ich bin gespannt…

Ich melde mich morgen früh wieder mit dem MorningCall und werde Euch gen Nachmittag mit dem CommunityTalk wieder möglichst viele Eurer Fragen versuchen zu beantworten. Bis dahin wünsche ich Euch allen erst einmal alles Gute – und vor allem: bleibt gesund!

Scholle

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