Analyse

Der Datencheck: So gut ist Silvan Hefti wirklich

Der HSV profitiert weiter. Nach zuletzt Amadou Onana scheint nun auch ein Weiterverkauf des ehemaligen HSV-Talentes Jonathan Tah (soll zum FC Bayern wechseln) bevorzustehen.…

Der Datencheck: So gut ist Silvan Hefti wirklich

Der HSV profitiert weiter. Nach zuletzt Amadou Onana scheint nun auch ein Weiterverkauf des ehemaligen HSV-Talentes Jonathan Tah (soll zum FC Bayern wechseln) bevorzustehen. Und auch hier würde der HSV im unteren Millionenbereich mitverdienen. Alles Gelder, die aus dem planbaren Tagesgeschäft nicht einkalkuliert wurden, die aber sehr dabei helfen könnten, dem HSV in dieser Saison personell noch einmal nachzuhelfen. So geschehen mit der Verpflichtung von Silvan Hefti, der für etwas mehr als eine Million Euro Erstligisten CFC Genua nach Hamburg wechselt. In der Rückrunde der vergangenen Saison war der Rechtsverteidiger an den Ligue-1-Club HSC Montpellier ausgeliehen. Und wir werden ihn uns heute hier einmal mit Hilfe der Daten unserer Profi-Analysten von Createfootball.com intensiver anschauen.

Unser Profi-Analyst Mats Beckmann von Createfootball.com hat mal alle Daten zusammengetragen und ein umfangreiches Profil des Neuen zusammengestellt. Im Fazit, das nehme ich vorweg, ist der Rechtsverteidiger ein empfehlenswerter Zugang. Obwohl er in den letzten Jahren eher stagnierte bzw. sich in einigen Punkten sogar verschlechterte. „Silvan hat in unterschiedlichen Ländern und deren höchsten Spielklassen umfangreiche Erfahrungen gesammelt, die er nun bei uns einbringen wird“, sagte Sportdirektor Claus Costa via Vereinshomepage. „Er möchte und soll Verantwortung übernehmen, daher freuen wir uns sehr, dass wir den Transfer realisieren konnten.“

Hefti selbst trainiert schon seit Wochenbeginn mit der Mannschaft und vieles deutet daraufhin, dass er am Sonnabend im ersten Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin schon in der Startelf stehen wird. „Ich bin hier, um meinen Teil dazu beizutragen und auch den nächsten Schritt in meiner eigenen Entwicklung zu machen. Diese Herausforderung, mich nicht nur fußballerisch, sondern auch als Persönlichkeit auf und neben dem Platz zu entwickeln, ist sehr interessant und war ein wichtiger Punkt für meine Entscheidung“, sagt Hefti, der auf eine Erfahrung von mehr als 300 Profispielen bis hin zur Champions League zurückblicken kann.

Was aber kann Hefti? Wo wird er dem HSV helfen können? Sein Spielstil in der Defensive ist dynamisch und aggressiv. Er lag bei Genua in der Saison 2022/23 (letzte Saison als Stammspieler) unter den zehn Verteidigern der Serie B mit den meisten Defensivzweikämpfen im Mitteldrittel. Sein Spiel ist von hoher Intensität geprägt und er attackiert den Gegner häufig früh und mutig in dessen Hälfte. So kommt er auf viele Balleroberungen durch Gegenpressingaktionen (starke 34% aller Ballgewinne erzielt er in der gegnerischen Hälfte) und ist dadurch fürs Baumgart‘sche Pressing sehr gut geeignet

Seine Effizienz in der Defensive ist allerdings ob seiner Proaktivität noch ausbaufähig.  Seine Zweikampfquote ist wie eingangs erwähnt, seit Jahren rückläufig. Von starken 67% in der Saison 2020/21 fiel Hefti auf unterdurchschnittliche 58% in der abgelaufenen Saison 2023/24. Parallel dazu stieg aber der Anteil seiner Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte – was Baumgarts Spielstil entgegenkommt. Aufgrund seiner hohen Zweikampfintensität und in Kombination mit seiner ausgeprägten Athletik überzeugt Hefti in der Raumverteidigung, fängt 5+ Pässe /90 Min. ab. Ein guter Wert.

Hefti ist technisch gut, kann das Aufbauspiel hinten heraus mitgestalten. Obwohl seine Passgenauigkeit ebenfalls zuletzt stagnierte. Sein Karriereschnitt liegt bei 80%, angekommener Pässe - in der vergangenen Spielzeit erreichte er allerdings nur sehr mittelmäßige 75%. Hier muss er sich beim HSV deutlich steigern, zumal so defensiv angelegte Spiele wie der Auftakt beim 1. FC Köln sicher die Ausnahme sein werden und der HSV vermehrt dazu gezwungen sein wird, das Spiel selbst zu gestalten. Auffällig in diesem Zusammenhang: Besonders im Vertikalspiel hat Hefti deutliche Defizite, brachte in der vergangenen Saison nur 64% aller vorwärtsgerichteten Pässe zum Mitspieler und spielte infolgedessen auch seltener mutig nach vorne. Das muss sich verbessern.

Hefti wird dem HSV also vermehrt offensiv helfen – in etwa so, wie es Miro Muheim auf der anderen Abwehrseite praktiziert. Denn auch Hefti positioniert sich ohne Ball weit in der gegnerischen Hälfte und empfängt viele progressive Zuspiele auf der rechten Außenbahn. Dadurch agiert Hefti mit nur wenigen eigenen raumgewinnenden Ballaktionen. Diesen erzielt der 26-Jährige am ehesten per Dribbling und weniger per Pass.

Hier ist Hefti allerdings auch stark. Im Dribbling ist er überaus effizient, gewinnt 57% seiner offensiven 1-gegen-1-Duelle und startet diese häufig schon im Mitteldrittel, dafür seltener in der Nähe des gegnerischen Strafraums. Durch diese offensive Spielweise mit vielen Ballaktionen im Angriffsdrittel, ist er eher seltener an Kombinationen beteiligt, die zum Torabschluss führen und spielt häufig regressive Pässe (Pässe mit effektivem Raumverlust, weg vom gegnerischen Tor). Hefti kreiert Chancen zumeist per Flanken. Er flankt knapp zwei Mal /90 Min. in den Sechzehner, weist dabei eine gute Präzision von 38% auf. Die Strafraumstürmer Glatzel und Selke werden das gern hören/lesen. Denn Heft flankt häufig aus dem Halbfeld hinter die Kette des Gegners, visiert bevorzugt den hinteren Teil des Sechzehners an. Und darauf darf sich der noch angeschlagene Doppelsturm des HSV freuen.

In Silvan Hefti bekommt der HSV einen international erfahrenen Akteur für die rechte Abwehrseite, der bereits in Italien, Frankreich und der Schweiz Erstliga-Erfahrung sowie Einsätze in der Champions- und Europa League sammeln konnte. Sein Spielstil ist gekennzeichnet von einer hohen Intensität im Zweikampf, in der Hefti seine gute Athletik nutzt, um den Gegner bereits früh zu stören. Mit Ball positioniert sich Hefti häufig hoch und breit auf dem rechten Flügel, um progressive Pässe zu erhalten, die er anschließend aus dem Halbfeld per Flanke in den Strafraum befördert. Sowohl gegen als auch mit dem Ball muss er an Effizienz aber zulegen, seine Entwicklung stagniert bereits seit geraumer Zeit, weswegen er sich beim CFC Genua nach dem Wiederaufstieg in die Serie A dort nie in der ersten Mannschaft festspielen konnte.  

Mit Silvan Hefti erhält der HSV zudem den zuvor gesuchten Rechtsverteidiger, der auch eine sofortige Hilfe darstellen sollte. Seine Spielweise ist deutlich ausbalancierter als die von Ignace van der Brempt, William Mikelbrencis und Moritz Heyer und ist, obwohl er sich besonders in der Effizienz und im Timing seiner Aktionen verbessern muss, auf gehobenem Zweitligalevel einzustufen. Mit seinen läuferischen Qualitäten, seiner Dynamik und der hohen Intensität im Zweikampf im Mitteldrittel passt Hefti sehr gut zum hochintensiven Pressingfußball, den Steffen Baumgart normalerweise spielen lässt. Das Experiment mit Ludovit Reis als rechtem Verteidiger dürfte somit wohl auch der Vergangenheit angehören.

Hoffen wir mal, dass der Theorie auch der praktische Beweis folgt. In diesem Sinne, herzlich Willkommen Silvan Hefti!

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