Den HSV erwartet in Paderborn ein „heißes Auf und Ab“
Tim Walter ist ein Mann, der sich nicht scheut, auch unpopuläre Dinge klar auszusprechen, wenn er davon überzeugt ist. Er stellt Jonas David seit Saisonbeginn auf und…

Tim Walter ist ein Mann, der sich nicht scheut, auch unpopuläre Dinge klar auszusprechen, wenn er davon überzeugt ist. Er stellt Jonas David seit Saisonbeginn auf und verteidigt seinen laufintensiven Weg, der den HSV in jedem Spiel Chancen kreieren lässt, der aber bislang nur mäßig erfolgreich war, vehement. Und der HSV-Coach setzt auf junge Talente aus den eigenen Reihen. Jonas David wurde so zum Stammspieler, die anderen Youngster durften immer wieder über Teileinsätze zeigen, was sie können. Zuletzt durften Robin Meißner und Anssi Suhonen von Beginn an ran, während Faride Alidou und Tommy Doyle eingewechselt wurden. „Jugend forscht“ sagt Walter zu diesem Weg im Scherz immer wieder.
Dass dieser Weg nicht ganz freiwillig gegangen wird beim HSV, haben wir hier oft genug thematisiert. Dass er gegangen wird, ist aber ein Fakt, aus dem ich meine bislang größte Hoffnung ziehe, dass dieser HSV den richtigen Weg einschlägt. Mit Suhonen, David, Vagnoman, Ambrosius, Meißner und Reis hat man junge Talente, die schon über ein sehr ordentliches bis gutes Zweitliganiveau verfügen. Dennoch warne ich davor, das jetzt zu übertreiben. Soll heißen: Junge Spieler aufzustellen, nur weil sie jung sind und man einen solchen Weg proklamiert, wird nicht gutgehen. Das wird am Ende sogar kontraproduktiv.
Genau deshalb fordere ich auch nicht, dass ein Faride Alidou sofort reingeschmissen werden muss. Ihn über Teileinsätze aufzubauen ist sehr sinnvoll, gerade auch angesichts seiner HSV-Historie, die mitunter auch davon geprägt war, dass sich der überaus talentierte Außenstürmer oft weiter wähnte, als er war. Gerade beim Einbau bzw. dem Aufbau von jungen Talenten bedarf es eines guten Fingerspitzengefühls des Trainers. Er muss sehen, wann er wen bringt. Die aktionistische Umstrukturierung seinerzeit unter Joe Zinnbauer zum Beispiel war für Mannschaft und Talente nicht gut.
„Jonas Boldt, Michael Mutzel und ich saßen gerade erst wieder zusammen und sind uns intern sehr einig. Wir haben das Gefühl, unser Weg wird positiv wahrgenommen», sagte Walter, der gemeinsam mit Sportvorstand Boldt und Sportchef Mutzel beim HSV konsequent auf junge Spieler mit Perspektive setzt, gestern. „Ich bin von der Qualität überzeugt, nur haben wir junge Spieler, die ihre Qualitäten auch erst noch entwickeln müssen“, so Walter, der das zumindest besser macht als seine letzten Vorgänger. Er guckt genau hin und stellt mutig auf. Nicht so mutig, wie es viele wollen – aber er demonstriert zumindest all seinen Spielern, dass es bei ihm egal ist, wie alt man ist und wie lange man schon dabei ist.
Am Ende entscheidet allein die Leistung. Auch heute, wo er im Abschlusstraining Falidou beispielsweise nicht im vermeintlichen A-Team spielen ließ. Dafür standen mit Wintzheimer, Glatzel und Meißner drei andere nominelle Stürmer in der vermeintlichen A-Elf. Das könnte ein Fingerzeig sein, muss es aber nicht. Zumal Walter bei seinem Amtsantritt gesagt hatte, dass er in seinen Abschlusseinheiten nie die erste Elf offenlegen würde. Weder für uns, noch für die Spieler.
Der HSV-Coach selbst lässt also noch alles offen. Vom Gegner, der trotz des Verlusts von Erfolgscoach Steffen Baumgart (zum 1. FC Köln), des neuen HSV-Abwehrchefs Sebastian Schonlau und weiterer Leistungsträger unerwartet gut aus den Startlöchern gekommen ist, hält Walter eine ganze Menge. „Es gibt ja einige Mannschaften, die weiter oben stehen als gedacht“, urteilte Walter. In der ausgeglichenen 2. Liga könne halt jeder jeden schlagen. Und Paderborn habe sehr wohl große Qualität: „Die Paderborner zeichnen sich durch eine extreme Kompaktheit, ein sehr gutes Umschaltspiel und ihre mannschaftliche Geschlossenheit aus“, lobte Walter die Ostwestfalen. Zudem hätten sie „einen sehr guten Stürmer“. Klar: Paderborns Sven Michel (8 Treffer) belegt den geteilten dritten Rang in der Saison-Torjägerliste.
Aber auch Walter weiß, dass er jetzt dringend Punkte sammeln muss, wenn er die Ruhe in Hamburg wiederherstellen oder zumindest in der aktuell noch erträglichen Form beibehalten will. Wohl auch deshalb werden die Paderborner werden nicht müde, vor dem HSV zu warnen. Deren Coach Lukas Kwasniok erwartet gegen den HSV ein „heißes Auf und Ab. Wir können unsere Gegner ärgern und sie laufen lassen mit dem Ball“, sagte Kwasniok heute. „Es kann in den 90 Minuten ein heißes Auf und Ab geben.“ Trotz des besseren Tabellenplatzes geht Kwasniok mit Respekt in die Partie. „Es gibt keine Mannschaft, die den Ball so sehr liebt wie der HSV. Der HSV hat eine hohe Intensität und versucht den Gegner zu zermürben.“
Das allerdings bislang zu oft mit geteilten Punkten und dementsprechend mit geteiltem Erfolg. Deshalb steht der HSV auch nach drei Unentschieden in Serie mit 15 Punkten auf Rang acht, während Paderborn mit 18 Punkten auf dem vierten Tabellenplatz rangiert. Trotzdem zieht der HSV noch. Aktuell sind knapp 13 000 Tickets verkauft, sagte Geschäftsführer Martin Hornberger und kündigte an: „Wir erwarten ein ausverkauftes Haus.“
Und auch wir werden dabei sein. Und wie! Oder besser formuliert: Mit wem! Die Jungs von „HSV – meine Frau“ werden morgen Abend zusammen mit Janik, Joscha und mir das Spiel aus unserem Studio in Rellingen verfolgen. Und sie haben sich, so habe ich es gesagt bekommen, eine Menge vorgenommen für morgen Abend. Was genau? Das erfahren wir morgen Abend. Nur so viel vorweg: Ich soll lieber nicht mit dem Auto zur Sendung kommen…
Außerdem werden wir morgen Abend hoffentlich einen alten Bekannten wiedersehen: Christian Hoch. Der ist live vor Ort in Paderborn und wir werden versuchen, ihn telefonisch dazuzuschalten, damit er uns seine Eindrücke von Vor Ort schildern kann.

Mit anderen Worten: Morgen Abend habt Ihr bei uns volles Programm! Wenn Ihr denn wollt, schaltet Euch einfach ab 18 Uhr via Youtube dazu! Wir freuen uns, mit möglichst vielen von Euch das Spiel live zu verfolgen!
Bis morgen!
Scholle
Ich tippe auf folgende Startelf: Heuer Fernandes – Gyamerah, David, Schonlau, Leibold – Schonen, Meffert, Heyer - Jatta, Glatzel, Kittel
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